Zacharias Veling, auch Vehling, Vheling, Uheling, Fehling, Wellingk oder Wellinck, ungenau latinisiert Felinus (* um 1525/30 in Küstrin in der Neumark, Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin; † nach 1592), war ein Jurist, der als Verwaltungsbeamter (Rat; Kanzler) und Diplomat für die Königreiche Dänemark und Norwegen, Schweden und das Großherzogtum Finnland, sowie die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin, Schleswig-Holstein-Sonderburg und Sachsen-Lauenburg tätig war. Er war ein überzeugter Calvinist.
Leben Zacharias Veling entstammte dem baltischen Zweig des Adelsgeschlechts Welling. Er immatrikulierte sich 1546/47 (Nr. 84) als „Zacharias Vhelingk“ zum Studium der Rechtswissenschaften an der Brandenburgischen Universität Frankfurt an der Oder,Weitere in Frankfurt immatrikulierte der Familie aus Küstrin: 1506 „Anthonius Velin de Kostrin“; 1521 „Michael Velingk de Custrin“, 1583 „Martinus Vellingius Custrinensis“ am 27. September 1551 als „Zacharias Veling Custrinianus, iur., i. et s.“ an der Alten Universität KölnHermann Keussen (Hrsg.): Die Matrikel der Universität Köln, 1389 bis 1559, Bd. II 1476-1559. (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 8). H. Behrendt, Bonn 1919, S. 1057 (ulb.hhu.de). und wurde an einer bisher nicht identifizierten Universität zum Doktor beider Rechte promoviert. Nach 1557 trug sich ein (N.) „Feling“ in Freiburg im BreisgauKein passender Eintrag in die Universitätsmatrikel. in das Stammbuch des stud. jur., späteren kaiserlichen Hofsekretärs und Hofrates Johann Andreas von Schwanbach († 1575) ein.Wolfgang Klose: Corpus Alborum Amicorum. Beschreibendes Verzeichnis der Stammbücher des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1988, S. 11; Beat Rudolf Jenny: Das verlorene Grabmal für die Freiburger Satzbürgerin Maria von Schwanbach, geb. Mesnang († 1564), in Neuenburg am Rhein. Seine Entstehung und die epigraphisch-künstlerische Gestaltung durch ihren Sohn, Johann Andreas von Schwanbach, in Zusammenarbeit mit seinem Basler Freund Basilius Amerbach. In: Das Markgräflerland (2013), S. 104–120.
Zacharias Vhelingk hielt sich nach dem Studium zunächst in Livland (Lettland) auf,Arthur G. Hassø, Erik Kromann: Tyske Kancelli, Bd. II. Munksgaards, Kopenhagen 1962, S. 240. vermutlich auf ØselBrief von Johann Taube an seinen Bruder Heinrich Taube aus Dorpat (Tartu) vom 24. November 1563: „ich … fur kurtzen tagen bey dem Denischen Gesandten, Doctor Zacharias Vheling auff Ozell, … angehalten“.In Oesel verortet Fehling die russische Literatur; Людмила Таймасова (Ljudmila Taymasova): Зелье для государя: английский шпионаж в России XVI столетия (= Ein Trank für den Herrscher. Englische Spionage im Russland des 16. Jahrhunderts). Вече, Moskau 2010, S. 111. oder in Riga. Um 1560/61 trat er in dänische Dienste. Dänemark hatte 1560 die livländischen Bistümer Kurland und Ösel-Wiek gekauft und durch die Union von Wilna (1561) weitere Gebiete in Livland erhalten.
1562 gehörte Zacharias Fehling mit Reichshofmeister Eiler Hardenberg (* um 1505; † 1565), Jacob Brockenhuus (1521–1577) und Jens Truidsen Ulfstand (* vor 1528; † 1566) der dänischen Delegation an, die am 7. August den Vertrag von Mozhaysk zwischen König Friedrich II. von Dänemark und Zar Iwan IV. von Russland abschloss.Archiv-Nachrichten von alten Unterhandlungen, welcher zwischen dem rußischen und dänischen Hofe von 1554. bis 1677. gepflogen worden. In: Anton Friedrich Büsching: Magazin für die neue Historie und Geographie 7 (1773), S. 299-346, bes. S. 301 und 303 (core.ac.uk). Auch 1564/65 und 1566/67 fungierte Zacharias Vheling als Gesandter König Friedrichs II. von Dänemark in Russland. Ab den 1570er Jahren wohnte Vehling ständig in Lübeck.Friedrich August von Rudloff: Neuere Geschichte von Mecklenburg. 2. Auflage Stiller, Rostock und Schwerin 1821, S. 211f (zum Jahr 1572); Akte, 1591; Hessisches Staatsarchiv Marburg (4 f Staaten L, Schweden 36).
Vom 18. September 1572 bis zum 22. Juli 1573 war Zacharias Vehling im Livländischen Krieg in diplomatischer Mission für Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg bei Zar Iwan IV. von Russland in Nowgorod. Er sollte nach der Installation des livländischen Königs Magnus von Dänemark mecklenburgische Ansprüche auf das Erzbistum Riga aus dem Warschauer Vertrag von 6. April 1564 mit König Sigismund II. August von PolenKarl Heinrich von Busse: Fortgesetzte Nachrichten über die handschriftlichen Sammlungen zur Livländischen Geschichte im Gräflich-Rumjanzowschen Museum in St. Petersburg. In: Mittheilungen aus dem Gebiete der Geschichte Liv-, Ehst- und Kurland's 2 (1842), S. 103–132, bes. S. 111f (dspace.ut.ee). geltend machen. Am 12. April 1573 war Vehling in Nowgorod Zeuge der Hochzeit von König Magnus mit Marie von Stariza (* um 1560; † 1610), der Nichte des Zaren.
Zacharias Feling wurde Rat und Deutscher Kanzler des Herzogs Karl von Södermanland, des späteren Königs Karl IX. von Schweden.
1578 (oder 1579) brachte „Zacharias Felinus“,Assoziation zu dem berühmten Juristen Felinus? Kanzler des „Herzogs Karl von Finland“ (Caroli ducis Finlandiae … cancellarius) bzw. von Södermanland, den späteren (ab 1592 bzw. ab 1600) Universitätsprofessor der Universität Heidelberg Bartholomäus Coppen aus Rostock als Kind in die Kurpfalz nach Heidelberg und empfahl ihn den Pfälzern zur weiteren Ausbildung.Daniel Tossanus d. Ä.: ORATIO INAVGVRALIS DE DUOBUS TESTIBUS APOC. XI. III. IN PROMOTIONE D. QVIRINI REUTERI, ET D. Barthol. Coppenii 26. Iunii 1600. In: David Pareus: Hoseas Propheta Commentariis illustratis. Voegelin, Heidelberg o. J. (ca. 1605), S. 326 (Google-Books). Melchior Adam, ein Heidelberger Kollege von Coppen, meinte, der schwedische Kanzler sei ein „Onkel“ Coppens von Seiten der Mutter (avunculus)Coppens Mutter war Margaretha Nettelbladt († 1565/66) aus Rostock, Coppens Stiefmutter Lucia Wedemann (* um 1535; † nach 1571), vermutlich aus Schwerin. Es könnte sich bei einer der beiden um eine Schwägerin Velings handeln. gewesen.Melchior Adam: Bartholomæus Coppenius. In: Vitae Germanorum Theologorum […]. Jonas Rosa, Frankfurt am Main 1620, S. 863–868, bes. S. 863 (mateo.uni-mannheim.de). Vizekanzler Zacharias Vehling war im April bis Mai 1578Auf 1583 (errechnet) verweist Coppens Aussage vom 18. Oktober 1610 „in Palatinu per annis viginti septem viventi (= nachdem ich siebenundzwanzig Jahre in der Pfalz gelebt habe)“ in der Akademischen Gedenkrede auf Kurfürst IV. von der Pfalz. Johannes Lancellot, Heidelberg 1610, S. 11 (Google-Books). Dabei sind seine im Ausland verbrachen Studienzeiten (1590 bis 1596) aber wohl nicht eingerechnet. Karl IX. und die hochschwangere Anna Maria von der Pfalz reisten in unbekannter Begleitung zu Verhandlungen über die Auszahlung der Mitgift auch März bis Juli 1583 nach Heidelberg, wo ihr Sohn Ludwig geboren wurde und starb; Riksarkivet Stockholm (K 357; Kungliga arkiv. Svenska prinsar och prinsessor. RA/710005); Erik Petersson: Den skoningslöse. En biografi över Karl IX. Natur & Kultur, Stockholm 2008, S. 86f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). mit Herzog Karl von Södermanland, Pfalzgraf Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz (verheiratet mit Anna Gustavsdotter Wasa) als Vermittler und Kanzleisekretär Sven Elofsson (1534–1600) zur Brautwerbung in die Pfalz und nach Heidelberg gekommen.Sven Elofssons Paralipomena eller Bihandl. till K. Gust. I. Erik XIV. och Johan III. Reg. Handl. In: Handlingar rörande Skandinaviens historia, Bd. XII. Elmans und Grandbergs, Stockholm 1825, S. 91–239, bes. S. 223–226; vgl. S. 242 (Google-Books). „Doctor Zacharias“ reiste vor Herzog Karl über Köln nach Stockholm zurück.
Ende 1578 konferierte er in Stockholm mit Kapitän Carlos de Eraso y Peralta († 1625),Sohn und Nachfolger des Francisco de Eraso y Hermosa (1507–1570; Grabmal erhalten in der Pfarrkirche von Mohernando). Carlos wird gelegentlich mit seinem Vater († 1570) verwechselt. dem Botschafter des Juan de Austria und Beauftragten König Philipp II. von Spanien, über den Sundzoll und Möglichkeiten eines antidänischen spanisch-schwedischen Bündnisses, hielt allerdings konkrete militärische Informationen zurück.Brief von Botschafter Erasso an König Philipp II. von Spanien in Madrid vom 30. September 1578 aus Stockholm.Vello Helk: Laurentius Nicolai Norvegus S.J. Gad, Kopenhagen 1966, S. 156f; Fridolf Ödberg (1845–1916): Om Anders Lorichs k. Johan III:s ständige legat i Polen, och hans tid (1569-1584). (= Schulprogramm Gymnasium Skara 1893). Petterson, Skara 1893, S. 63–68 (Google-Books); Aidan Norrie: Cecilia of Sweden. In: Lisa Hopkins (Hrsg.): Women on the Edge in Early Modern Europe. Universitäy Press, Amsterdam 2019, S. 179–202, bes. S. 196f +Anm. 81 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
1579 heirateten Karl IX. und Anna Maria von der Pfalz in Heidelberg. Im selben Jahr war „Zacharias Vheling“ – vielleicht zu diesem Anlass – Stammbucheinträger bei Otto Heinrich von Pfalz-Sulzbach.
Der schwedische Agent (Gesandte) Zacharias Veling musste sich am 14. November 1583 in Lübeck vor einer Ratskommission (Hermann Warmboeke, Thomas Rehbein) mit Superintendent Andreas Pouchenius und fünf weiteren Pastoren (Hauptpastor Gerhard Schröder, Georg Barth († 1595),Pfarrer der Aegidienkirche. Joachim Holtmann,Pfarrer an der Katharinenkirche (Kollegiatkirche). Henrich Dassovius,Pfarrer der Jakobikirche. Mag. Michael Rhau1579–1597 Pfarrer an der Marienkirche in Lübeck.) verantworten, weil er calvinistische Bücher zu verbreiten suchte, Lutheraner verächtlich nur „Lutherὄνος“ ( = „Esel“)„Lutheronos“, „Papista“ oder „Picardita“ sind in der zeitgenössischen kontroverstheologischen Polemik gelegentlich als Schimpfworte belegt. nannte und die lutherische Abendmahlslehre bestritt.
1590 wurden Zacharias Veling und Bertram Sehstedt († um 150/91)1552 Marschall und Amtmann zu Apenrade, Besitzer von Gut Tegelhave an der Schlei (späteres Schloss Louisenlund); 1582 Amtmann des Amtes Reinfeld. von Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg bevollmächtigt, Holstein als dänisches Lehen für ihn in Empfang zu nehmen.
„Docteur Zacharias Fehling“ war 1592 mit Gustav (1570–1597) und Moritz von Sachsen-Lauenburg, aus Schweden kommend, am kaiserlichen Hof in Prag. Spätere Lebenszeugnisse sind nicht bekannt.
Werke (zunächst fälschlich) Zacharias Veling (zugeschrieben; später korrigiert:Reimer Hansen: Johannes Hilldeßheim, nicht Dr. Zacharias Veling. Berichtigung zu „Quellen und Forschungen“, Band 3 , S. 13. In: Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins 4 (1916), S. 415 (archive.org). Johannes Hildeßheim): Curriculum vitae … Conscriptum ao 1621 mense Junio. In: Paul von Hedemann-Heespen (Hrsg.): Aus Aufzeichnungen und Briefen über drei Jahrhunderte schleswig-holsteinischer Geschichte. (= Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig Holsteins), H. Haessel, 1915, S. 13–39 (archive.org) (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Quellen Arthur G. Hassø, Erik Kromann: Tyske Kancelli (= Deutsche Kanzlei), Bd. II. (= Vejledende archivregistraturer 11). Munksgaards, Kopenhagen 1962, S. 82, 92, 240 (2×), 273, 278 (rigsarkivet.dk) Abschriften zweier Briefe des Johann Taube an seinen Oheim Heinrich von Tiesenhausen und an seinen Bruder Heinrich Taube aus Dorpat (Tartu) mit Nachrichten aus Moskau, 24. November 1563; Österreichisches Staatsarchiv Wien (Finanz- und Hofkammerarchiv, Reichsakten: Gesandtschaften, Moskau (Faszikel 169/A) 269.2; Эдуард Винтер (= Eduard Winter): Два письма Иоганна Таубе (= Zwei Briefe von Johann Taube). In: Исторический архи 3 (1962), S. 141–156; vostlit.info)