mini|Lage der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur in Frankreich mini|Topographische Karte der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mini|Lage der historischen Grafschaft Provence () in der heutigen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mini|Vaison-la-Romaine, Provence Die Provence (; , ) ist ein historisches Gebiet im Südosten von Frankreich. Sie liegt am Mittelmeer zwischen Rhônetal und Italien. Im Norden liegt die Landschaft Dauphiné in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Ihre geographische Lage entspricht etwa den heutigen Départements Bouches-du-Rhône, Alpes-de-Haute-Provence, Var und Vaucluse; diese bilden mit den Départements Alpes-Maritimes und Hautes-Alpes die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Es wird zwischen der bevölkerungsarmen Hoch- (Haute-Provence) und der bevölkerungsreichen Niederprovence (Basse-Provence) unterschieden, womit das südliche Rhônetal bis Valence, die Camargue und oft auch die Städte an der Côte d’Azur gemeint sind.

Das Adjektiv zu Provence ist provenzalisch (französisch , okzitanisch -ala / prouvençau -ala [pruvensau]).

Herkunft und Bedeutung des Namens Der Name Provence stammt aus der Zeit der römischen Herrschaft, vom lateinischen . Als eine der ersten und am stärksten romanisierten Regionen außerhalb des heutigen Italiens gehörte sie zur Provincia Narbonensis.

Geographie mini|Blick auf die Bucht von Saint-Tropez

Die größten Städte sind Marseille ( Einwohner), Nizza (), Toulon () und Aix-en-Provence (). Weitere wichtige Städte sind Avignon ( Einwohner), Fréjus (), Arles (), Aubagne (), Gap (), Menton (), Orange () und Carpentras (). Historische Hauptstadt ist Aix-en-Provence.

Die Départements Var, Bouches-du-Rhône und Alpes-de-Haute-Provence gehören zur historischen Kernregion Provence. Einige Gebiete der Départements Hautes-Alpes, Vaucluse und Alpes-Maritimes gehörten zwar der mittelalterlichen Grafschaft Provence, wurden aber zwischenzeitlich von der Provence abgetrennt (siehe Grafschaft Nizza, Comtat Venaissin, Fürstentum Orange und Süd-Dauphiné). Alle diese Départements bilden die moderne Provence unter dem heutigen Begriff Provence-Alpes-Côte d’Azur, deren Hauptstadt Marseille ist.

Die Provence erstreckt sich von der Rhône über die Provenzalischen Voralpen und das küstennahe Massif des Maures bis in die Seealpen (Alpes Maritimes) und die Cottischen Alpen (Queyras und Haute Ubaye) an der Grenze zu den italienischen Regionen Piemont und Ligurien.

Bevölkerung und Sprache Gesprochen werden in der Landschaft verschiedene Dialekte der provenzalischen Sprache, einer Varietät des Okzitanischen, das von der Französischen Republik lange Zeit unterdrückt wurde und auch heute noch nicht als Amtssprache anerkannt ist. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird sie wieder vermehrt gesprochen. Mit der Sprache lebten auch viele alte Bräuche und die provenzalische Volksmusik wieder auf. Eine Besonderheit sind die Santons, provenzalische Krippenfiguren.

Landwirtschaft und Küche Die Landwirtschaft ist mediterran geprägt, wobei Gemüse- und Obstanbau eine besondere Bedeutung besitzen. Bekannte Produkte sind Kirschen, Erdbeeren, Pfirsiche, Aprikosen, Mandeln und die Melonen von Cavaillon.

Die besten Olivenöle stammen aus den Orten am Südrand der Alpilles (Vallée des Baux de Provence), aus den Orten Maussane-les-Alpilles und Nyons sowie aus dem Hinterland von Nizza; sie sind durch eigene Appellationen (AOC) geschützt.

In Höhenlagen ab 300 Metern befinden sich die berühmten Lavendelfelder, deren Ertrag als Grundlage der Parfüm-Herstellung dient. Deren Zentrum bildet die Stadt Grasse in den Seealpen.

Küche mini|Ratatouille, eine bekannte kulinarische Spezialität der Provence aus Nizza

Typische Gerichte der provenzalischen Küche sind die Bouillabaisse, die Bourride (Fischgerichte), die Soupe de poisson (Fischsuppe), die Daube provençale (Schmorgericht mit Rindergulasch), Aioli sowie die Ratatouille und die Soupe au pistou. Als Salatgerichte sind Salade Niçoise sowie Salade de Mesclun besonders bekannt. Lokale Spezialitäten sind der weiße Nougat von Montélimar, die kandierten Früchte der Stadt Apt, die Trüffel, die Socca und die Pissaladière der Stadt Nizza sowie die Calissons d’Aix.

Der Zusatz bei Speisen „à la provençale“ bedeutet in der Regel Tomatensoße mit Verwendung von Gewürzkräutern, speziell Kräuter der Provence, Auberginen, Courgettes (Zucchini), Paprika und Olivenöl – also hauptsächlich Zutaten, die in der Provence angebaut werden und auf den Wochenmärkten der Region erhältlich sind.

Weinanbau Der Weinanbau profitiert vom warmen Mittelmeerklima sowie von der trocknenden Wirkung des Mistrals. Das Anbaugebiet der Côtes de Provence erstreckt sich über die Départements Bouches-du-Rhône, Var und Alpes-Maritimes. Eine deutlich größere Rebfläche besitzen die Côtes du Rhône, deren größter Teil jedoch in das Département Vaucluse fällt. Das Bindeglied zwischen beiden Gebieten bilden die Appellationen der Côtes du Luberon und Côtes du Ventoux. Die Rotweine sind kraftvoll und geschmeidig. Sie vertragen einige Jahre Lagerzeit, während die fruchtigen Rosé- und aromatischen Weißweine der Côtes de Provence jung getrunken werden sollten. Außerordentlich langlebig sind die Spitzenrotweine von Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Bandol und Palette. Eine weinähnliche Spezialität der Provence ist der Vin cuit.

Sehenswürdigkeiten mini|Papstpalast in Avignon

Die Provence ist reich an natürlichen Sehenswürdigkeiten und Baudenkmälern, etliche davon stehen auf der Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit. Arles war zu römischer Zeit ein bedeutender Handelsplatz, zudem gibt es das Amphitheater, das zweigeschossig ist, mit je 60 Arkaden pro Geschoss. Heute bietet es 25.000 Menschen Platz und wird als Stierkampfarena genutzt. Die romanische Kirche St-Trophime d’Arles war sechs Jahrhunderte lang eine Kathedrale, bevor der Bischofssitz im Zuge der Französischen Revolution nach Aix-en-Provence verlegt wurde. Das römische Theater von Orange wurde im ersten Jahrhundert nach Christus errichtet. Der Bogen von Orange an der Straße nach Lyon ist ein Monumentaltor (aber kein Triumphbogen). Die einzigen Zeugnisse des amtlichen Vermessungswesens aus der römischen Antike werden in Orange aufbewahrt. Die Altstadt von Avignon wird von der Stadtmauer aus dem zwölften Jahrhundert umgeben. Neben vielen Kirchen und mittelalterlichen Gebäuden ist der Papstpalast die imposanteste Sehenswürdigkeit der Stadt.

Der Pont du Gard ist ein römisches Aquädukt über den Gardon und wurde früher zur Wasserversorgung der Stadt Nîmes benutzt, er wird touristisch oft zur Provence gezählt.

Städte und Dörfer mini|links|Gourdon, im Hintergrund die Côte d’Azur und das Mittelmeer

In Aigues-Mortes steht die Tour de Constance, in dem Marie Durand 38 Jahre lang gefangen war. Der Cours Mirabeau ist die Flaniermeile von Aix-en-Provence, im Café Les Deux Garçons trafen sich früher Künstler und Schriftsteller. Nördlich des Cours Mirabeau liegt die Altstadt mit römischen und mittelalterlichen Bauwerken. Die Kathedrale ist heute Sitz des Erzbistums Aix. Antibes liegt an der Côte d’Azur und besitzt mit dem Port Vauban einen der größten Yachthäfen Europas. Der Markt Foire de Beaucaire in Beaucaire war vom 13. bis zum 19. Jahrhundert einer der wichtigsten Märkte Europas, es kamen bis zu 300.000 Menschen jährlich. In Cannes finden jährlich die Internationalen Filmfestspiele statt. Das Schloss von Cassis wurde im 14. Jahrhundert errichtet, verfiel später und ist heute in Privatbesitz. In Fontaine-de-Vaucluse liegt die Quelle der Sorgue. Sie ist eine Karstquelle, die mit einem ausgedehnten Höhlensystem verbunden ist. Nahe Fréjus brach 1959 eine Staumauer, die Barrage de Malpasset; eine große Flutwelle wälzte sich durch die Stadt. Im Süden der Gemeinde Saint-Rémy-de-Provence liegt Glanum, eine ehemalige römische Stadt mit dem ältesten Triumphbogen Galliens. Die Altstadt von Gordes mit dem Château de Gordes aus dem elften Jahrhundert thront auf einem Felsvorsprung über dem Coulon. Gourdon liegt im Hinterland der Côte d’Azur westlich von Nizza und hat sein ursprüngliches Aussehen weitgehend behalten. Das unbestrittene Zentrum der Parfümherstellung in der Provence ist Grasse, sie nennt sich selbst Welthauptstadt des Parfüms.

Die Gemeinde Les Baux-de-Provence, die bis 1958 nur Les Baux hieß, hat dem Mineral Bauxit seinen Namen gegeben. Pierre Berthier fand 1822 nahe dem Ort ein rötliches Mineral, das etwa 50 Prozent Aluminiumoxid enthielt, ab 1860 wurde Bauxit in der Region industriell abgebaut. Die Festung von Lourmarin wurde im zwölften Jahrhundert erbaut, im 15. Jahrhundert wurde sie im Renaissancestil zum Schloss umgebaut. Die Wahrzeichen Marseilles sind das Château d’If, eine Festung auf einer Felseninsel im Meer vor der Stadt und die Notre-Dame de la Garde, eine Kirche im neuromanisch-byzantinischen Stil; die Kathedrale von Marseille wurde etwa zur selben Zeit erbaut und ähnelt stilistisch der Kirche. Menton liegt direkt an der italienischen Grenze, die Altstadt zeugt durch ihr italienisches Aussehen davon. Nizza ist neben Cannes einer der am meisten touristisch erschlossenen Städte der Côte d’Azur. In Nîmes stehen zahlreiche Bauten aus der Römerzeit. Das Amphitheater steht genau im Zentrum der Stadt, im Mittelalter standen in ihm eine Burg, zwei Kirchen und ein kleines Dorf mit bis zu 700 Einwohnern.Les Arènes du IVe après J.C. jusqu’à aujourd’hui. () Die Maison Carrée ist ein römischer Tempel in Nîmes und wurde im Jahr 19 v. Chr. errichtet. Die Abteikirche Saint-Gilles in Saint-Gilles-du-Gard hat eine prächtige Westfassade mit drei Archivoltenportalen und einem breiten architravartigen Band. Die Kirche Notre-Dame-de-la-Mer in Saintes-Maries wurde im zwölften Jahrhundert errichtet und im 14. Jahrhundert zur Wehrkirche ausgebaut. Die Zitadelle von Sisteron steht auf einem schon zur Antike befestigten Felsen, Sisteron existierte schon zur Römerzeit und lag an der Via Domitia. Die Kapelle St-Gabriel und die Stiftkirche Ste-Marthe in Tarascon wurden im zwölften Jahrhundert errichtet. Toulon ist der Heimathafen der französischen Marine im Mittelmeer, diese ist eine der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt. Die Eure entspringt nahe Uzès und versorgte zur Römerzeit Nîmes durch ein Aquädukt mit Trinkwasser, der Pont du Gard ist ein Teil dieser Wasserleitung. In Vaison-la-Romaine können großflächige römische Ausgrabungen und eine mittelalterliche Altstadt besucht werden. Die Tour Philippe Le Bel in Villeneuve-lès-Avignon ist nach Philipp IV. benannt, der das Papsttum nach Avignon holte und den Templerorden auflöste.

Landschaften mini|Emblematische Landschaft der Provence mit Lavendelfeld, Plateau de Valensole mini|hochkant|Daluis-Schlucht mini|Lac d’Allos, Blick vom Mont Pelat