Die Lombardei (, ) ist eine norditalienische Region mit einer Fläche von 23.863 km² und Einwohnern (Stand ). Sie ist in die elf Provinzen Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Lecco, Lodi, Mantua, Monza und Brianza, Pavia, Sondrio, Varese und in die Metropolitanstadt Mailand aufgeteilt. Sie liegt zwischen Lago Maggiore, Po und Gardasee. Die größte Stadt der Region ist die Hauptstadt Mailand (). Die zweitgrößte Stadt ist Brescia.
Die lombardische Sprache stellt eine Gruppe von verwandten Sprachvarietäten dar, die in der Lombardei, in den piemontesischen Provinzen Verbano-Cusio-Ossola und Novara, im Trentino, im Tessin und in den Südtälern Graubündens gesprochen werden. Sie zählt zu den romanischen Sprachen.
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit verstand man unter „Lombardei“ nicht nur die heutige Region Lombardia, sondern den gesamten Nordwesten Italiens, insbesondere einschließlich des Piemonts und Genuas und des schweizerischen Tessins. In deutschen Sagen wie z. B. der von Wolfdietrich wird für dieses Gebiet auch die Bezeichnung Lampartenland verwendet. Im 19. Jahrhundert verengte sich der Begriff auf das österreichische Kronland Lombardei, das etwa der heutigen Region entsprach.
Wappen Beschreibung: In Grün ein silbernes Wolkenkreuz nicht völlig als Andreaskreuz gelegt. Es stellt die Camunische Rose dar. Das Wappen wurde 1975 von Pino Tovaglia, Bob Noorda, Roberto Sambonet und Bruno Munari entworfen.
Etymologie Der Name der Region leitet sich vom Namen des Volksstammes der Langobarden ab, der erstmals im frühen 1. Jhdt. n. Chr. von Velleius Paterculus erwähnt wird. Diese Bezeichnung lässt sich auf die urgermanischen Elemente langaz + bardaz zurückführen und würde dann wörtlich „Langbärte“ bedeuten. Nach Ansicht einiger Gelehrter leitet sich das zweite Element jedoch vom urgermanischen bardǭ bzw. barduz („Axt“) ab, das mit dem deutschen Wort Barte verwandt ist.
Im Jahr 568 fiel eine große Zahl langobardischer Krieger in Italien ein und gründete dort ein eigenes Königreich mit Pavia als Hauptstadt.
Geographie Die Lombardei grenzt im Norden an die Schweizer Kantone Tessin und Graubünden, im Osten an die italienischen Regionen Trentino-Südtirol und Venetien, im Süden an die Emilia-Romagna und im Westen ans Piemont.
Die Lombardei hat Teil an den großen norditalienischen Seen: dem Lago Maggiore (der die Grenze zum Piemont und zum Tessin bildet), dem Luganersee (Grenze zum Tessin), dem Comer See und Iseosee (beide vollständig lombardisch) und dem Gardasee (Grenze zu Trentino-Südtirol und Venetien).
Die Landschaftsformung ist sehr unterschiedlich: im Norden die alpinen Regionen etwa das Veltlin, im Süden die Poebene. Das gesamte Territorium entwässert über den an der südlichen Grenze in West-Ost-Richtung fließenden Po, dessen wichtigste Nebenflüsse auf lombardischem Gebiet der Ticino, die Adda, der Oglio und der Mincio sind.
mini|Der Monte San Giorgio (rechts) am Luganersee
Der höchste Gipfel ist der Piz Zupò (ital. Pizzo Zupò) mit , der höchste Punkt jedoch der Punta Perrucchetti mit , der jedoch nicht als eigenständiger Gipfel gilt. Beide Punkte liegen in der Berninagruppe, ebenfalls über beide Gipfel verläuft die Grenze nach Graubünden. Den tiefsten Punkt bildet der Po mit ca. bei Sermide bei seinem Verlassen der Lombardei.
Naturschutz Die Lombardei umfasst viele Schutzgebiete. Das wichtigste ist der Nationalpark Stilfserjoch, der 1935 gegründet wurde – er ist der viertgrößte Naturpark Italiens und beherbergt eine typisch alpine Tierwelt wie Rotwild, Rehe, Steinböcke, Gämsen, Füchse, Hermeline und Steinadler. Ein weiterer bedeutender Park ist der Parco naturale lombardo della Valle del Ticino, der 1974 auf der lombardischen Seite des Flusses Ticino eingerichtet wurde, um eines der letzten großen Beispiele eines Auwalds in Norditalien zu schützen.
Weitere Parks in der Region sind der „Campo dei Fiori“ und der „Parco delle Cinque Vette“, die sich beide in der Provinz Varese befinden. Im Jahr 2018 wurden der Parco naturale lombardo della Valle del Ticino, zusammen mit dem Nationalpark Val Grande und dem Regionalpark „Campo dei Fiori“, von das UNESCO-Biosphärenreservat „Ticino Val Grande Verbano“.Dieses umfasst ein Gebiet von über 3320 km² in der Lombardei und im Piemont und erstreckt sich bis zur Schweizer Grenze. Es schließt das gesamte Flusstal des Ticino bis zu seiner Mündung in den Po sowie den gesamten Bereich des Lago Maggiore mit den angrenzenden Ufergemeinden ein.
Das System der Schutzgebiete in der Lombardei besteht aus einem Nationalpark, 24 Regionalparks, 65 Naturschutzgebieten und 30 Naturdenkmälern. Insgesamt bedecken die Schutzgebiete mehr als 27 % des regionalen Territoriums.
Klima Die Lombardei weist aufgrund von Unterschieden in der Höhenlage, der Nähe zu Binnengewässern und großen Ballungsräumen eine große Vielfalt an Klimazonen auf. Das Klima ist überwiegend Cf-Klimate (Effektive Klimaklassifikation Cfa), insbesondere in der Po-Ebene, allerdings mit deutlichen Abweichungen vom typischen Köppen-Modell – vor allem in den normalerweise langen, feuchten und kalten Wintern.
Es gibt große jahreszeitliche Temperaturschwankungen: In Mailand liegt die Durchschnittstemperatur im Januar bei 2,5 °C und im Juli bei 24 °C. Die Ebenen sind in den kältesten Monaten häufig von Nebel betroffen.
In den Alpenvorlanden mit Seeklima (Köppen Cfb) haben zahlreiche Seen einen mildernden Einfluss, was den Anbau typisch mediterraner Pflanzen wie Oliven und Zitrusfrüchte ermöglicht.
In den Hügel- und Gebirgsregionen herrscht ein feucht-kontinentales Klima (Köppen Dfb). In den Tälern ist das Klima relativ mild, während es in Höhenlagen über 1.500 m stark kalt werden kann und dort reiche Schneefälle auftreten. Die Niederschläge sind in der voralpinen Zone am intensivsten und erreichen jährlich bis zu 1.500 bis 2.000 mm. Aber auch in der Po-Ebene und den Alpenregionen sind sie reichlich vorhanden, mit einem jährlichen Durchschnitt von 600 bis 850 mm.
Geschichte Antike mini|Karte der Gallia Cisalpina Zur Zeit des Römischen Reiches war das Gebiet der Lombardei Teil von Gallia Transpadana und war ursprünglich nicht von italischen Völkern, sondern ab dem 4. und 3. vorchristlichen Jahrhundert von Kelten besiedelt. Zusammen mit den anderen Regionen nördlich des Po (Venetien und Piemont) erhielt es 89 v. Chr. nur das latinische Bürgerrecht, nicht die vollen Bürgerrechte. Die vollen Bürgerrechte erhielt es im Jahr 49 v. Chr. Zusammen mit dem Piemont bildete es in Augustus’ Verwaltungsstruktur die 11. Region.
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts gehörte das Gebiet zur Provinz Liguria, deren Hauptstadt Mediolanum (Mailand) war. Hier wirkte Bischof Ambrosius von Mailand. Die römische Kultur und Sprache überwältigten in den folgenden Jahren die frühere Zivilisation, und die Lombardei wurde mit dem Bau von Straßen sowie der Entwicklung von Landwirtschaft und Handel zu einer der fortschrittlichsten und reichsten Regionen Italiens. Bedeutende Persönlichkeiten wurden hier geboren, wie Plinius der Ältere (in Como) und Vergil (in Mantua). In der Spätantike wurde die strategische Rolle der Lombardei durch die Verlegung der Hauptstadt des Weströmischen Reiches nach Mediolanum (Mailand) zwischen 286 und 402 n. Chr. unterstrichen. Hier erließ der römische Kaiser Konstantin im Jahr 313 n. Chr. die berühmte Mailänder Vereinbarung, die allen Religionen im Römischen Reich Glaubensfreiheit gewährte. In der Völkerwanderungszeit wurde die spätere Lombardei zunächst von den Westgoten erobert (401–412). Im Jahr 452 zogen die Hunnen durch Oberitalien. Von 493 bis 540 und 544 bis 549 war Oberitalien ostgotisch. Seit 540 wurde Pavia die ständige Hauptstadt des ostgotischen Königreichs, stabiler Standort des Hofes und des königlichen Schatzes. Durch den oströmischen Kaiser Justinian fiel es wieder an (Ost-)Rom zurück.
Mittelalter mini|Das Königreich Italien innerhalb des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 962. Im Jahr 568 wurde die Po-Ebene von den Langobarden unter König Alboin erobert. Diese errichteten hier ein langobardisches Königreich mit der Hauptstadt Pavia, das gegen das Jahr 670 fast ganz Italien umfasste, und unter Grimoald (662–671) und Liutprand (712–744) seine größte räumliche Ausdehnung erreichte. Das Kernland des langobardischen Reichs trägt seither den Namen Langobardia oder Lombardia.
Im Jahr 754 griffen die Franken unter Pippin in den Krieg zwischen Papst Stephan II. und den Langobarden ein. Sie besiegten die Langobarden, trennten das Land zwischen dem unteren Po und den Apenninen von der Lombardei ab und schenkten es dem Papst (Pippinische Schenkung). Die Gegend um Bologna und Ravenna fiel somit an den Kirchenstaat. Von 773 bis 774 eroberten die Franken unter Karl dem Großen das langobardische Königreich. Im Zuge der karolingischen Reichsteilungen wurde die Lombardei Mittelpunkt des karolingischen, später ottonischen Königreichs Italien, dabei blieb Pavia bis zum Jahr 1024 stets die Hauptstadt. Die deutschen Könige waren zugleich Träger der langobardischen Krone (Reichsitalien). Im Osten und Südosten des kaiserlich-langobardischen Reichs erstarkten zwei Markgrafschaften, die von Verona und die von Tuscien. Gegen diese stärkte Kaiser Heinrich III. die Städte der Lombardei mit Privilegien. Heinrich IV. erschien im Jahr 1077 auf der Burg von Canossa, dem Stammsitz der Markgräfin von Tuscien, Mathilde, die sich gegen ihn auf die Seite des Papstes gestellt hatte.
Die lombardischen Städte nahmen – auch durch die Kreuzzüge – einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und wurden – begünstigt durch die anderweitig interessierten Kaiser Lothar von Supplinburg und Konrad III. – politisch unabhängig. Oftmals gingen sie Bündnisse mit dem Papst gegen den Kaiser ein. Mit ihrer Unabhängigkeit nahmen sie auch die Ausübung der königlichen Rechte (Regalien) in ihrer Umgebung für sich in Anspruch. mini|Karte der Städte, die den Lombardenbund bildeten; die Städte Como und Pavia, die stets auf der Seite des Kaiserreichs standen, sind nicht eingezeichnet Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) forderte im Jahr 1158 während des Reichstags auf den Ronkalischen Feldern (südöstlich von Mailand) die Rückgabe der Regalien an die Krone. Durch die Weigerung der lombardischen Städte kam es zum Krieg und zur Bildung des Lombardischen Städtebundes gegen den Kaiser (1167). Im Jahr 1176 unterlag Friedrich I. den lombardischen Städten in der Schlacht von Legnano (nordwestlich von Mailand). Im Frieden von Konstanz anerkannte er im Jahr 1183 den Lombardischen Städtebund und überließ die innerhalb der Stadtmauern gelegenen Regalien den Städten. Unmittelbar anschließend verbündete sich Mailand mit dem Kaiser und gestattete die dortige Krönung des Sohnes Friedrichs, Heinrichs VI., zum König von Italien. Daraufhin verbündete sich der Papst mit den Welfen, und in der Lombardei entstanden überall zwei politische Parteien, die der Ghibellinen (Waiblinger, Staufer) und der Guelfen (Welfen). mini|Das kaiserliche Italien innerhalb des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1356. Im Jahr 1232 sah sich Friedrich II. einer Opposition aus seinem Sohn Heinrich VII. und den lombardischen Städten gegenüber, die gemeinsam gegen das von Friedrich bestätigte Statutum in favorem principum opponierten. Nach dem Sieg über Heinrich schlug Friedrich fünf Jahre darauf, 1237, auch die lombardischen Städte in der Schlacht von Cortenuova zwischen Bergamo und Brescia.