mini|hochkant|Gordon, ein ehemals versklavter Mann mit Spuren grausamer Misshandlung in Louisiana, USA, 1863

Sklaverei ist ein soziales System der Unfreiheit und Ungleichheit, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden. Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert. Die Sklavengesetze regelten die privat- und strafrechtlichen Gesichtspunkte der Sklavenhaltung und des Sklavenhandels; darüber hinaus bestimmten sie auch, welche Rechte den Sklaven zugestanden wurden.

In vielen sklavenhaltenden Staatswesen und Gesellschaften behielten Sklaven eine gewisse Rechtsfähigkeit und konnten zum Beispiel die Gerichte anrufen oder Eigentum mit Einschränkungen erwirtschaften, das es ihnen in manchen Gesellschaften und Ländern erlaubte, durch Selbstkauf die Freiheit zu erlangen. In manchen Staatswesen war Sklaverei erblich, das heißt die Nachkommen von Sklaven waren ebenfalls unfrei.

Im weiteren Sinne zählen zur Sklaverei auch Freiheitsberaubung und Nötigung von Menschen ohne gesetzliche Grundlage, beziehungsweise als Verstoß gegen die geltenden Gesetze und die Menschenwürde sowie Ausbeutung illegal Aufhältiger. Die Grenzen zwischen Sklaverei und „sklavereiähnlichen“ Erscheinungen wie etwa Zwangsarbeit (in Industrie, Bergbau, Plantagen etc.) oder Zwangsprostitution sind fließend.

Begriff Etymologie Das Wort „Sklave“ (spätmittelhochdeutsch sklave und slave; Appellativ, das sprachlich eins ist mit dem Volksnamen der Slawen, mittelgriechisch Sklabēnoi aus slawisch Slověninŭ mit einem von den Griechen eingeschobenen k, woraus ein Adjektiv sklabēnós entstand, welches im 6. Jahrhundert zum Substantiv sklábos wurde, ab 8. Jahrhundert mit der Bedeutung „Unfreier slawischer Herkunft“, woraus dann mittellateinisch sclavus wurdeFriedrich Kluge, Alfred Götze, Walther Mitzka (Hrsg.): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 711 f.) wird häufig einer veralteten etymologischen Erklärung folgend vom griechischen Verb skyleúo, Nebenform skyláo ‚Kriegsbeute machen‘Sklave. In: F. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 1891. hergeleitet.

Die heute gängige Herleitung geht von der Entlehnung aus dem lateinischen sclavus für die ethnische Gruppe der seit dem Mittelalter so genannten Slawen aus.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 7. Auflage, bearbeitet von Walther Mitzka. de Gruyter, Berlin 1957, ISBN 978-3-11-154374-1, S. 712. Rumänisch şchiau, Plural şchei, und albanisch shqa – beides veraltete Bezeichnungen für die (süd-)slawischen Nachbarn, insbesondere Bulgaren und Serben – stammen aus derselben Quelle, denn beide Wörter konnten auch ‚Diener‘, ‚Sklave‘ bedeuten. Einige Autoren neigen dazu, es in den Kämpfen der Ottonen gegen die Slawen im 10. Jahrhundert entstanden zu sehen,Malek Chebel: L’Esclavage en Terre d’Islam. Un tabou bien gardé. Fayard, Paris 2007, ISBN 978-2-213-63058-8, S. 35. – Für den französischen Mediävisten Jacques Heers ist diese Etymologie eindeutig. zumal bereits bei Widukind von Corvey und in den Quedlinburger Annalen für Slawe anstatt slavus‚ sclavus‘ geschrieben wird.

Der in mittelalterlichen arabischen Quellen verwendete Begriff Saqāliba bezieht sich ebenfalls auf Slawen und andere hellhäutige bzw. rötliche Völker Nord- und Mitteleuropas. Die Bezeichnung al-Ṣaḳāliba (Sing. Ṣaḳlabī, Ṣiḳlabī) ist dem mittelgriechischen Σκλάβος entlehnt (der unmittelbaren Quelle von lateinisch sclavus). Hierbei handelt es sich um eine Variante von Σκλαβῆνος (Singular) bzw. Σκλαβῆνοι (Plural), das aus der slawischen Selbstbezeichnung Slovĕne (Plural) übernommen ist. Wegen der großen Zahl slawischer Sklaven hat das Wort in mehreren europäischen Sprachen die Bedeutung ‚Sklave‘ angenommen (engl. slave, it. schiavo, franz. esclave), so auch im Spanien der Umayyaden, wo Ṣaḳāliba alle fremden Sklaven bezeichnete.

Dass sich in bestimmten europäischen Gegenden auch andere Wörter für „Sklave“ einbürgern konnten, zeigte sich ab dem 10. Jahrhundert während des Verlaufs der Reconquista bis 1492 vor allem im christlichen westlichen Mittelmeerraum, wo die im Kampf erbeuteten und „Sarazene“ / „Sarazenin“ oder „Maure“ / „Maurin“ genannten Gefangenen zur Handelsware wurden und Sklavenarbeit zu verrichten hatten.Jacques Heers: Esclaves et domestiques au Moyen Âge dans le monde méditerranéen. Hachette, Paris 1996, ISBN 2-01-279335-5, S. 24–30.

Merkmale mini|hochkant|Bewohnerinnen Innerösterreichs werden von Osmanen in die Sklaverei entführt, 1530

Sklaven stammen in der Regel aus anderen Ländern, werden ihrer Ethnie und ihrer Familie entrissen und in andere ihnen fremde ethnische, sprachliche und soziale Umfelder gebracht. Sie können außerhalb des Rechtes stehen, sind zur Ware verdinglicht beziehungsweise entmenschlicht und werden Verkaufs- und Wiederverkaufsgegenstände.Vgl. Jacques Heers: Esclaves et domestiques au Moyen Âge dans le monde méditerranéen. Paris 1996, S. 7. Die Freiheitsberaubung geht oft mit physischer und/oder institutioneller Gewalt einher. Sie kennzeichnet den Sklavenhandel und bedeutet den Verlust von mit Geburt und Genealogie verbundenen Ansprüchen und Identifikationsmöglichkeiten (natal alienation) sowie der Menschenwürde.O. Patterson: Slavery and Social Death. Cambridge (MA) / London 1982, S. 35–101.

Sklaverei dient dort, wo sie eine Sozialstruktur bestimmt, meist der wirtschaftlichen Ausbeutung und der Aufrechterhaltung einer Klassengesellschaft.

Sklavenhaltergesellschaft mini|hochkant|Sklavenjäger in Brasilien (Moritz Rugendas, 1823)

In der Gesellschaftstheorie des Marxismus und Leninismus wird unter Sklavenhaltergesellschaft eine ökonomische Gesellschaftsform verstanden, die auf dem Eigentum des Sklavenhalters an den Produktionsmitteln (Nutzflächen, Maschinen usw.) und an den unmittelbaren Produzenten (Sklaven) beruht. Karl Marx, der die Sklaverei für die roheste und primitivste Form der Ausbeutung und den Gegensatz zwischen Sklaven und Sklavenhalter für einen archaischen Klassengegensatz hielt, bezog den Begriff Sklavenhaltergesellschaft ausschließlich auf die antiken Gesellschaften. Marx beschrieb jedoch auch, wie als Überbauphänomen der Sklaverei politische, juristische und philosophische Anschauungen entstanden, die den Sklavenhaltern als Machtinstrument dienten.Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): Marxistisch-Leninistisches Wörterbuch der Philosophie. Rowohlt, Reinbek 1983, ISBN 3-499-16157-5, S. 1109.

Nach dem amerikanischen Historiker Ira Berlin müssen zwei Gesellschaftsformen mit Sklaverei unterschieden werden. Die Gesellschaft der amerikanischen Südstaaten vor dem Sezessionskrieg sei eine typische „Sklavengesellschaft“ (englisch slave society) gewesen. In Sklavengesellschaften beruhen die zentralen Produktionsprozesse – im Fall der Südstaaten der Anbau von Zuckerrohr, Tabak, Reis und Baumwolle in Plantagen – auf der Arbeit von Sklaven. Dagegen spielen in „Gesellschaften mit Sklaven“ (engl. societies with slaves), wie sie zum Beispiel in der griechischen und römischen Antike bestanden, die Sklaven nur eine marginale Rolle in der Ökonomie. Infolgedessen bilden die Sklavenhalter in Sklavengesellschaften die herrschende Klasse, während sie in Gesellschaften mit Sklaven nur einen Teil der begüterten Elite ausmachen.Ira Berlin: Generations of Captivity: A History of African-American Slaves. The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge / London 2003, ISBN 0-674-01061-2, S. 8 f.Die Genese von Sklavenhaltergesellschaften wird ausführlicher beschrieben in Richard S. Dunn: Sugar and Slaves: The Rise of the Planter Class in the English West Indies, 1624–1713. Chapel Hill 1972; sowie in Richard B. Sheridan: Sugar and Slavery: An Economic History of the British West Indies, 1623–1775. Baltimore 1973.

Abgrenzung von ähnlichen Begriffen mini|Leibeigene, ca. 1310

Die Grenzen zwischen Sklaverei und anderen Formen der Unterwerfung und Ausbeutung können oft nicht eindeutig bestimmt werden. Begriffe wie sklavereiähnliche Abhängigkeit oder sklavereiähnliche Arbeitsbedingungen können solche „ähnlichen“ Erscheinungen und Verhältnisse entweder abgrenzen oder ausdrücklich einbeziehen. Folgende Formen von Unfreiheit und unfreier Arbeit werden, je nach Kontext, von der Sklaverei unterschieden: Leibeigenschaft bezeichnet die Abhängigkeit eines Leibeigenen von einem Leibherrn. Die Art der Abhängigkeit war in Deutschland regional stark unterschiedlich ausgeprägt. Insbesondere ist zwischen den ostelbischen Gebieten und den Gebieten westlich davon zu unterscheiden. In die Nähe zur Sklaverei gelangte die Leibeigenschaft allein im Rahmen der neuzeitlichen Gutsherrschaft in den ostelbischen Gebieten.Renate Blickle: Leibeigenschaft in Altbayern. In: Historisches Lexikon Bayerns (Online). Ob die „harte“ Leibeigenschaft, wie sie im Ostseeraum und in Russland verbreitet war, eine Form der Sklaverei war, ist umstritten. Der Historiker Michael Zeuske sieht keinen Unterschied.Michael Zeuske: Handbuch Geschichte der Sklaverei. Eine Globalgeschichte von den Anfängen bis heute. 2. Auflage, De Gruyter, Berlin / New York 2019, ISBN 978-3-11-055884-5, S. 214. Bei der Schuldknechtschaft verpfändet ein Schuldner seine Arbeitskraft zur Tilgung von Schulden, oft gezwungenermaßen und auf unabsehbare Dauer. Die Mita und die Encomienda waren Formen unfreier Arbeit der indigenen Bevölkerung im spanischen Kolonialreich. Sie unterschieden sich oft nur dem Namen nach von der Sklaverei, die nach einem Edikt der Königin Isabella aus dem Jahr 1503 nicht auf die indigene Bevölkerung angewandt werden durfte.Richard Konetzke: Süd- und Mittelamerika I. Die Indianerkulturen Altamerikas und die spanisch-portugiesische Kolonialherrschaft (= Fischer Weltgeschichte. Band 22). Fischer, Frankfurt am Main 1965, S. 173–204. Forced apprenticeship (wörtl: erzwungene Ausbildung, auch: indentured apprenticeship, verpflichtende Ausbildung) ist die gerichtlich angeordnete Unterbringung von Kindern ehemaliger Sklaven im Haushalt eines Lehrherrn. Diese Übergangsform von Sklaverei und Freiheit war unter anderem in den amerikanischen Südstaaten nach 1865 weit verbreitet. Im Mittelalter wurden nicht selten Kinder „zur Ausbildung“ von ihren Eltern in fremde Familien gegeben, um dort unter sklavereiähnlichen Bedingungen und oft auf unbestimmte Zeit zu leben, zum Beispiel die oft vom Balkan stammenden fante in Venedig.Robert Delort: Le petit peuple des esclaves en Toscane, à la fin du Moyen Âge. In: Pierre Boglioni, Robert Delort, Claude Gauvard: Le petit peuple dans l’Occident médiéval. Terminologies, perceptions, réalités: Actes du Congrès international tenu à l’Université de Montréal 18–23 octobre 1999 (= Publications de la Sorbonne. / Histoire ancienne et médiévale. Band 71). Publications de la Sorbonne, Paris 2002, ISBN 2-85944-477-7, S. 379–394. Bei der Verdingung, die im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Schweiz und in Österreich verbreitet war, wurden Kinder (oft Waisen- oder Scheidungskinder) von Bauern als Arbeitskräfte unter Vertrag genommen und dabei häufig zu schwerer Arbeit gezwungen und vieler Rechte beraubt.Verdingt und verdrängt. Bis vor 40 Jahren wurden in der Schweiz Kinder als Arbeitssklaven missbraucht. In: Süddeutsche Zeitung. vom 19. Oktober 2009, S. 9. Zu Zwangsarbeit wird ein Mensch gegen seinen Willen und unter Androhung einer Strafe gezwungen.