mini|Blick auf das Zentrum von Gauting mit Würmbrücke, Hauptplatz und Bahnhofstraße mini|Die Bahnhofstraße im Zentrum von Gauting mini|Gauting von Osten

Gauting ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Starnberg und liegt südwestlich von München an der Würm.

Geographie Gemeindeteile und Lage Die Gemeinde hat 11 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Ehemals gehörten auch noch die alten Schwaigen Kreuzing und Pentenried (heute zu Krailling) zur Hauptmannschaft Gauting.

Es gibt die Gemarkungen Buchendorf, Gauting, Oberbrunn und Unterbrunn.

Im Osten grenzt Gauting an den Forstenrieder Park. Im Süden erstreckt sich das Würmtal bis zum Starnberger See. Südöstlich befindet sich der Buchendorfer Gemeindewald.

Geologie Die markanteste Geländeform des Gemeindegebiets ist das Würmtal, das im Süden (Mühltal) etwa 45 m tief eingeschnitten ist und sich nach Norden auf rund 15 m (bei Stockdorf) verflacht. Die größte Erhebung, ein Moränenrest der Rißeiszeit, befindet sich mit im Waldgebiet südwestlich des Gemeindeteils Oberbrunn und liegt 113 m über der mit tiefsten Stelle des Gemeindegebiets, dem Übertritt der Würm in das Gemeindegebiet von Krailling.

Ein weiteres Fließgewässer neben der Würm ist der Reßbach (auch Ressbach), der nördlich des Gemeindeteils Oberbrunn entspringt, durch Unterbrunn fließt, und nach fünf Kilometern im Kreuzlinger Forst, nahe der Römerstraße Gauting–Gilching, versickert.

Geschichte mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche St. Benedikt mini|Glasgemälde in der Pfarrkirche St. BenediktAndreas Schmidtner: Die Glasgemälde in der Pfarrkirche zu Gauting. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischen Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 38, München 1879, S. 323–335. (online) mini|Frauenkirche

Frühgeschichte Das Gebiet der Gemeinde Gauting gehört zu den am frühesten besiedelten Bereichen in Oberbayern. Belege dafür sind z. B. die südlich von Gauting und beim Gemeindeteil Stockdorf gelegenen Grabhügel, die aus der Bronzezeit stammen. Im Gemeindeteil Buchendorf befindet sich zudem eine gut erhaltene Keltenschanze, die der Eisenzeit zugeordnet wird. Damit dürfte die Gautinger Mark eine der frühesten Lichtungen mit Ackerland im Münchner Waldgebiet sein.

Antike In der römischen Kaiserzeit befand sich in Gauting die Einmündung der von Brigantium (Bregenz) über Cambodunum (Kempten) heranführenden römischen Straße in die Fernstraße, die von Iuvavum (Salzburg) nach Augusta Vindelicum (Augsburg) verlief und auf dem Gebiet des heutigen Gautings die Würm querte. An diesem Verkehrsknotenpunkt entstand ein Vicus, eine zivile Siedlung (und vielleicht auch ein kleinerer militärischer Stützpunkt). Die Zeit der römischen Besiedelung ist vielfach archäologisch belegt. Der spektakulärste Fund ist ein römisches Tonkruglager, in dem 1930 etwa 40 ganze und 200 zerbrochene Krüge aufgedeckt wurden. Später wurden ein Badehaus, Werkstätten, Wohnhäuser und Urnengräber mit zahlreichen römischen Beifunden ausgegraben.

Mittelalter Nach dem Rückzug der Römer im 5. Jahrhundert und der Neubesiedelung der Feldmark durch die Bajuwaren lässt sich eine erste eindeutig dem heutigen Gauting zuordenbare urkundliche Erwähnung ab dem 8. Jahrhundert nachweisen. Ein wichtigster Zeuge dieser Zeit ist ein Reihenfriedhof, der mehrere hundert Gräber umfasste. Der Ortsname, der in etwa „bei Cotto/Godo/Gozzo und seiner Sippe“ bedeutet, variiert in den Urkunden noch bis ins 18. Jahrhundert, obwohl die heutige Schreibweise bereits im Hochmittelalter auftaucht: 753 Goutingen, 776 Cotingas, 778 Goddinga, 800 Cuittinga, 809 Cotingas, 822 Cotingun, 856 Gotinga, 948 Gotzingun, 957 Kotingun, 1048 Gutingen, 1098 Cotzingen, 1150 Gutingin, 1130 Gutingen, 1164 Guttingen, 1296 Gautingen, 1342 Gauttingen, 1312, 1368 und 1372 Gauting, 1409 und 1465 Gautting. Das Dörfchen dürfte zur bajuwarischen Zeit jedoch kaum mehr als 30 bis 40 Menschen gezählt haben.Wolfgang Krämer: Geschichte der Gemeinde Gauting einschließlich der Hofmarken Fußberg und Königswiesen nebst Grubmühle, Reismühle und Gemeinde Stockdorf sowie der Schwaigen Kreuzing und Pentenried. Selbstverlag der Gemeinde Gauting, 1949.

Auf Gautinger Gemeindegrund befand sich erstmals 934 urkundlich nachweisbar die Hofmark Königswiesen. Derselben Zeit wird auch die Entstehung der zweiten Hofmark Schloss Fußberg zugeordnet, die circa zwei Kilometer würmabwärts liegt.

Einer Legende zufolge wurde Karl der Große in der Gautinger Reismühle geboren, daher auch die Kaiserkrone im Gautinger Wappen.Blanche Mamer: Die Wiege Karls des Großen. Artikel in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 10. Februar 2017 Die Angabe wurde erstmals in einer Chronik von 1472 durch einen Mönch aus Weihenstephan erwähnt.

19. Jahrhundert Mit der Eröffnung der von Ulrich Himbsel erbauten Eisenbahnstrecke von München nach Starnberg im Jahr 1854 und der damit schnelleren Anbindung an die Landeshauptstadt begann auch der Aufstieg Gautings als Villenort. 1902 wurde die Villenkolonie gegründet.

Bereits 1872 wurde in Gauting eine Schwefelquelle entdeckt und ein Kurbetrieb aufgenommen. Mit dem Versiegen der Quelle endete dieser jedoch bereits 1905.

Nationalsozialismus Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Kommunistische Partei verboten und der Gautinger Gemeinderat nach den Reichstagswahlergebnissen neu zusammengestellt (NSDAP 7 Sitze, Bayerische Volkspartei 3 Sitze, SPD 4 Sitze, Kampfbund Schwarz-Weiß-Rot 1 Sitz). Außerdem wurden gleich in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Wahl Adolf Hitler, Paul von Hindenburg und der in Gauting lebende Gauleiter, Minister und SA-Obergruppenführer Adolf Wagner zu Ehrenbürgern ernannt. Wenig später mussten alle Gemeinderatsmitglieder der NSDAP beitreten. Von 1935 bis 1944 war Hermann Nafziger Bürgermeister in Gauting. mini|hochkant=1.15|Karte der Altgemeinde Gauting von 1910 mit angrenzenden Gebieten der ehemaligen Nachbargemeinden Von 1936 bis 1939 wirkte der von Karl Barth und der Bekennenden Kirche geprägte evangelische Theologe Walter Hildmann in Gauting. Er baute die evangelische Gemeinde des Ortes auf. In seinen Predigten und im Religionsunterricht kritisierte Hildmann immer wieder den NS-Staat. Er wurde mehrfach denunziert, und nach einer Flugblattaktion zur Verhaftung und Verschleppung von Martin Niemöller ins Konzentrationslager wurde er von seinen Tätigkeiten suspendiert. Nach der Verurteilung zu vier Monaten Haft wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam in Frankreich ums Leben. Das evangelische Gemeindehaus wurde nach Walter Hildmann benannt.

1938–1939 wurde nach einem Entwurf des Luftwaffenbauamts zusammen mit dem Architekten Würsbach an der Unterbrunner Straße eine Flak-Kaserne errichtet, die 1943–1945 in ein Lazarett für an Tuberkulose erkrankte Luftwaffensoldaten umgebaut wurde. Nach Kriegsende wurde die Lungenklinik von der US-Armee für die Behandlung TBC-kranker Displaced Persons und KZ-Insassen genutzt. Heute wird das Areal unter anderem als Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie genutzt.Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus, Bayern 1933–1945. München: Architekturmuseum der TU-München, 1993

Während des Zweiten Weltkrieges litt die Gautinger Bevölkerung unter der Lebensmittelrationierung. Außerdem wurde der Gautinger Gemeindebereich bald zur Unterbringung von fast 3.200 Flüchtlingen aus dem Deutschen Reich genutzt. Besonders die Bombardierungen am 21. Juli 1944 waren verheerend. 35 Menschen starben, 14 Häuser sowie die Rüstungsfabrik Rößler wurden zerstört. Als das Kriegsende unmittelbar bevorstand, wurden die überlebenden 6.887 Häftlinge, bewacht von 600 SS-Leuten des Konzentrationslagers Dachau, auf Befehl des SS-Reichsführers Heinrich Himmler auf den Todesmarsch von Dachau über Pasing, Gräfelfing, Gauting, Starnberg und Wolfratshausen bis nach Tegernsee geschickt. Eines der ab 1989 errichteten Mahnmale erinnert in Gauting an diesen Elendszug.Verein „Gedenken im Würmtal“: . Stand 2. November 2009.

Gerade einen Tag vor Einmarsch der alliierten Truppen sollte ein Sprengkommando am 29. April 1945 die Gautinger Würmbrücke zerstören, um den Vormarsch der Amerikaner zu behindern. Am folgenden Tag übergab Hans Penzl, Gautinger Sprecher der Freiheitsaktion Bayern, den Ort.Hans-Georg Krause: Gauting in historischen Fotografien. Gauting: Buchendorfer Verlag, 1989.

Zeit nach 1945 Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden 1978 die Gemeinden Buchendorf, Oberbrunn und Unterbrunn eingemeindet. Durch die Eingliederung eines Großteils des gemeindefreien Gebietes Unterbrunn vergrößerte sich zum Jahresanfang 2011 das Gemeindegebiet um 5,2116 Quadratkilometer. mini|hochkant|Ehemaliges Benefiziatenhaus, Alte Schule, Altes Rathaus, Umbau durch Jahn 1914 Am 20. März 1983 erschoss ein Polizist am Gautinger Jugendzentrum einen 14-Jährigen. Die Polizei führte gegenüber am Rathaus eine Beobachtungsaktion durch, um eine Einbruchserie in der Bahnhofsstraße aufzuklären. Es wird vermutet, dass der Jugendliche im Jugendzentrum durch ein ungesichertes Fenster einsteigen wollte, um nach einer Party dort zu nächtigen. Der Beamte gab drei Schüsse ab, von denen einer den Jugendlichen am Kopf traf und ihn tödlich verletzte. Die Tat löste öffentliches Entsetzen aus, es wurden ein Trauermarsch und Mahnwachen organisiert.

Im Gautinger Gemeindeteil Stockdorf ereigneten sich im Verlauf der COVID-19-Pandemie in Deutschland die ersten bekanntgewordenen Infektionen außerhalb Asiens mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bei Mitarbeitern der Firma Webasto.

Aufgrund der angespannten Finanzlage der Gemeinde wurden 2023 verschiedene Bauprojekte verschoben. Darunter war eine Sanierung des Bahnhofsgebäudes, der Bau eines Obdachlosenheims oder der Bau eines permanenten Kindergartens auf der Postwiese.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 17.750 auf 20.552 um 2.802 Einwohner bzw. um 15,8 %. mini|400px|Einwohnerentwicklung von Gauting von 1840 bis 2016

Jahr Einwohner 1840 1.204 1900 1.995 1939 5.333 1950 9.644 1961 12.264 1970 15.153 1987 17.561 1991 18.159 Jahr Einwohner 1995 18.652 2005 19.382 2010 20.005 2015 20.268 2016 20.489 2018 20.552 2020 20.687 2026 22.832

Politik mini|Neues Rathaus, geplant von Goebl, Grass, Rosner und Scholz, 1973–75 Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Maximilian Platzer (CSU). Er gewann im Jahr 2026 mit 59,1 % die Stichwahl gegen Matthias Ilg von den Grünen.

Ehemalige Bürgermeister 1878–1899: Georg Spiegel, Landwirt 1900–1919: Johann Bergmoser, Landwirt 1919–1929: Otto Braungardt, Betriebsinhaber 1930–1935: Johann Bergmoser, Kaufmann 1935–1944: Hermann Nafziger, Kaufmann 1944–1945: Toni Hermann, Cafetier 1945–1945: Karl Doppelhammer, Schlosser 1945–1946: Hans Penzel, Sprachwissenschaftler 1946–1966: Hubert Deschler, Landwirt 1966–1978: Josef Cischeck, Beamter 1978–2002: Ekkehard Knobloch, Rechtsanwalt 2002–2014: Brigitte Servatius, Lehrerin 2014–2026: Brigitte Kössinger, Juristin

Gemeinderat

+ Die Sitzverteilung der Gemeinderatsmitglieder Jahr CSU SPD Grüne FDP UBG FBG BiG Piraten ÖDP MiFü 82131 AfDDie Linke gesamt Wahlbeteiligung202611172–––3–3213065,8 % 2020 9 2 8 3 2 – – 3 – 3 –– 30 61,12 % 2014 9 3 4 3 1 – 2 1 1 – –– 24 59,1 % 2008 8 6 3 2 1 1 3 – – – –– 24 60,0 % 2002 9 6 2 3 2 2 0 – – – –– 24 61,8 % 2014–2020 Veränderungen durch Parteiwechsel

BiG = Bürger in GautingFBG = Freie Bürgergemeinschaft GautingUBG = Unabhängige Bürger GautingMiFü 82131 = Miteinander-Füreinander 82131

Wappen

Gemeindefahne Die Gemeindefahne ist weiß mit aufgelegtem Wappen und wird seit 1953 geführt.

Gemeindepartnerschaften Der „Verein für deutsch-französisch-englische Partnerschaft Gauting e. V.“ fördert Informationsaustausch und gegenseitige Besuche. Seit 1973 mit Clermont-l’Hérault in der französischen Region Okzitanien. Seit 2002 mit Patchway im englischen South Gloucestershire.

Wirtschaft Gewerbe