mini|Diehl-Hauptverwaltung in Nürnberg (2006) mini|Diehl-Schriftzug am Hauptbahnhof Nürnberg (2010)

Die Diehl Stiftung & Co. KG ist eine deutsche Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Nürnberg.

Die Unternehmensgruppe ist in fünf Teilkonzerne gegliedert. Der größte Geschäftsbereich nach Umsatz war 2024 der Teilkonzern Defence (38,9 %). Weitere Bereiche sind Aviation (27,1 %), Metall (15,7 %), Controls (8,2 %), Metering (9,9 %) und Sonstiges (0,2 %). Der Bereich Diehl Defence mit einem Umsatz von 1,83 Milliarden Euro im Jahr 2024, produziert Wehrtechnik, darunter Lenkflugkörper, Halbzeuge, Zünder und elektronische Steuerungen.

Der Konzern befindet sich heute (Stand: März 2026) im Besitz von sechs Mitgliedern der Familie Diehl.

Geschichte Gründerjahre Das Unternehmen wurde am 5. September 1902 von Margarete, geb. Schmidt (* 25. August 1880 in Nürnberg; † 1953), und Heinrich Diehl (* 3. August 1878 in Kölschhausen; † 1938 in Nürnberg) als Kunstschmiede in Nürnberg gegründet. Bereits 1906 erfolgte mit dem Erwerb der Kunstgießerei Brand ein Ausbau. Neben einer Gießerei und Bearbeitungswerkstatt umfasste das Produktionsprogramm damit Beschläge, Türklinken und Kunstguss. Auch eine Handelsabteilung für Baubeschläge wurde eingerichtet. Nach einer Verlegung 1907 bestand der Betrieb aus 30 Beschäftigten.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion vom Kunstguss von Epitaphien zum Guss von Messingstangen umgestellt. Daraus wurden in der eigenen Gesenkschmiede Rohteile für die Munitionsfertigung gepresst, die den Anforderungen der Kriegswirtschaft entsprachen. Dies stellte für Diehl den Anfang der Metallhalbzeugproduktion dar. Der Bedarf an zusätzlicher Produktionsfläche führte 1915 zunächst zur Anmietung der Braun’schen Fabrik und 1917 zum Bau des später als Werk 1 benannten Stammbetriebes in der Äußeren Bayreuther Straße in Nürnberg.

Nachdem Heinrich Diehl als Soldat eingezogen wurde, übernahm Margarete Diehl die Geschäftsführung allein. In das Nürnberger Handelsregister wurde eine Prokura an die „Kunstgießereibesitzersehefrau Grete Diehl“ eingetragen. Dies ist für die damalige Zeit in Deutschland außergewöhnlich.

Weimarer Republik und Zweiter Weltkrieg Nachdem bereits 1917 ein eigenes Metall-, Guss- und Presswerk gebaut worden war, wurde in den 1920er-Jahren eine Strangpresse errichtet. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges waren zunächst Wasserhähne und Wasserleitungen gefragt. 1920 konnte das Unternehmen eine 300-Tonnen-Strang- und Rohrpresse anschaffen, um Vormaterial für Pressteile sowie Rohre für die Bleistiftindustrie herzustellen. Die Reichsbahn wurde zu einem großen Kunden und mit einer weiteren, größeren 1200-Tonnen-Presse wurde die Herstellung von Stangen und Rohren ausgebaut. Nach der Aufnahme der industriellen Fertigung von feinmechanischen Erzeugnissen im Werk 2 in der Stephanstraße in Nürnberg 1934 wurde 1938 ein neues Halbzeugwerk in Röthenbach an der Pegnitz gebaut. In diesem Werk 3 außerhalb von Nürnberg wurde die 3500-Tonnen-Presse in Betrieb genommen, zu diesem Zeitpunkt die größte ihrer Art in Nürnberg. Im gleichen Jahr begannen in Röthenbach an der Pegnitz die Planungen für das Werk 4, das Munition sowie Kleinteile für die Reichsbahn herstellte.

Karl Diehl trat 1930 nach dem Studium zum Diplom-Ingenieur in das Unternehmen ein. Nach der Machtergreifung 1933 trat Karl Diehl der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.714.742). 1938 übernahm er nach dem Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Mutter die Leitung des Unternehmens, das mittlerweile 2.800 Beschäftigte hatte.

Als ersten Auftrag für das NS-Regime fertigte das Unternehmen einen Aufschlagzünder. In einem eigenen Werk wurden 20-mm-Patronen laboriert, gegen Kriegsende bis zu 1,5 Mio. Stück pro Monat. 1939 wurde das Unternehmen als kriegswichtiger Betrieb eingetragen und 1943 als „Kriegsmusterbetrieb“ ausgezeichnet.Markus Fasse: Diehl steht vor einer Zäsur. In: Handelsblatt. 20. April 2017, S. 16.

Während des Zweiten Weltkrieges setzte das Unternehmen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in seinen Werken ein, darunter den französischen Schriftsteller Claude Ollier. Das Unternehmen hat während des Zweiten Weltkriegs auch ein eigenes Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg unterhalten.Bernd Siegler: Nürnberg ehrt KZ-Profiteur. Am Mittwoch soll Karl Diehl von der Stadt zum Ehrenbürger ernannt werden. Der Rüstungsfabrikant hat in der Nazizeit KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter beschäftigt. In: Die Tageszeitung. 14. Juli 1997, S. 1. Ehemalige Häftlinge, die im niederschlesischen Peterswaldau für die Diehlschen Werke Zeitzünder fertigten, berichteten später vor den laufenden Kameras zweier Nürnberger Dokumentarfilmer, Jim Tobias und Bernd Siegler, man habe sie dort „wie Sklaven gehalten“.Peter Schmitt: Nürnberg diskutiert über Karl Diehl. Ehrenbürger in der Defensive. In: Süddeutsche Zeitung. 17. November 1997, S. 45.Bernd Siegler: Wir waren die Sklaven von Diehl. Im Juli wurde dem Rüstungsfabrikanten Karl Diehl die Ehrenbürgerwürde der Stadt Nürnberg verliehen. Jetzt melden sich ehemalige KZ-Häftlingsfrauen zu Wort, die in Diehls Produktionsstätten schikaniert wurden. In: Die Tageszeitung. 8. November 1997, S. 7. Wer entkräftet sein Plansoll verfehlt habe, sei nach Auschwitz deportiert worden.Peter Schmitt: Schwere Vorwürfe gegen neuen Nürnberger Ehrenbürger Karl Diehl. Am Werktor begann der Weg nach Auschwitz. Meister der Waffenfabrik sollen zwangsverpflichtete arbeitsunfähige Jüdinnen im Dritten Reich selektiert haben. In: Süddeutsche Zeitung. 11. November 1997, S. 40.

Die Geschehnisse der Kriegsjahre ließ das Unternehmen Diehl später durch unabhängige Historiker in einer populärwissenschaftlichen Unternehmensbiografie aufarbeiten. Nachdem die Firma zunächst Leistungen an ehemalige Zwangsarbeiter stets mit dem Argument verweigert hatte, nicht sie, sondern die Bundesrepublik Deutschland sei zuständig, weil es „sich um eine staatliche Zuweisung von Arbeitskräften“ gehandelt habe, ließ das Unternehmen schließlich einen freiwilligen Fonds einrichten. Ohne einen juristisch verbindlichen Anspruch anzuerkennen, wurden zunächst jeweils 10.000 bis 15.000 Mark an 180 Jüdinnen gezahlt.Hans-Werner Loose: Vorbildlicher Diehl. In: Die Welt. 24. März 1999, Nr. 70, S. 3.

Ein Luftangriff im August 1942 zerstörte einen Teil der Produktionsanlagen. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden fast sämtliche Baulichkeiten in Röthenbach an der Pegnitz zerstört oder schwer beschädigt.

Wiederaufbau und Expansion Trotz schwerer Zerstörungen durch Luftangriffe und Demontage wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die feinmechanische Fertigung sehr schnell wieder aufgenommen. Zunächst wurden Instandsetzungsarbeiten an Reichsbahnwaggons durchgeführt sowie Gebrauchsgegenstände wie Schöpfkellen und Töpfe durch Umschmelzen von Leichtmetall-Schrotten hergestellt.

Wecker mini|Diehl-Wecker (ca. 1955), noch rein mechanisch

1948 kam die erste Diehl-Uhr auf den Markt, der Normalwecker. Ein Jahr später wurde der sehr verkaufsstarke Wecker Diletta vorgestellt. 1959 folgte der mini-clock, ein Wecker, von dem insgesamt 6,3 Mio. Stück hergestellt wurden. Ein bereits elektrischer Wecker (mit Netz-Anschluss) war der Minetto. Neben der eigenen Uhrenproduktion erhielt Diehl den Auftrag eines Hausgeräteherstellers, die Uhrentechnik mit Schaltvorgängen zu verbinden. Mit der Einführung der ersten vollelektronischen Herdschaltuhr 1977 wurde Diehl zum Marktführer für Herdschaltuhren.

Trotz der eigenen Erfolge auf dem Uhrensektor übernahm Diehl 1956 die Aktienmehrheit an der Junghans AG, der zu diesem Zeitpunkt größten Uhrenfabrik Europas. Die gesamten Uhrenaktivitäten wurden an einem Standort gebündelt. Junghans war eines der ersten Unternehmen, das zur Gangregelung einen Quarzkristall einsetzte, dessen Schwingungen von einer integrierten Halbleiterschaltung weiterverarbeitet werden. Junghans wurde zum offiziellen Zeitmesser der Olympischen Spiele des Jahres 1972 in München.

Mit der „Mega1“ wurde 1990 die erste Funkarmbanduhr der Welt produziert (größere Funkuhren gab es schon davor). Im Folgejahr brachte die zur Unternehmensgruppe Diehl gehörende Firma Junghans auch die erste Funkarmbanduhr der Welt mit Zeigern auf den Markt. JUNGHANS UHREN GmbH, Schramberg

Die Uhrensparte mit der Marke Junghans verkaufte Diehl im Jahr 2000 an die EganaGoldpfeil-Holding.

Rechenmaschinen Neben der Uhrenproduktion wurde noch in den 1940er Jahren die Produktion von Diehl-Rechenmaschinen aufgenommen. Die Archimedes-Rechenmaschinen wurden weiterentwickelt und produziert. Die Serienfertigung begann 1952. Mit rund 2.800 mechanischen Teilen kann die Rechenmaschine Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Mit der transmatic kam 1963 eine druckende Vierspeziesmaschine auf den Markt. 1972 wurde die Produktion mechanischer Tischrechner eingestellt.

Computer mini|Textsystem SAT 808 Diehl beteiligte sich 1975 an der Konstanzer Computertechnik Müller (CTM), um die Arbeitsgebiete mittlere Datentechnik und Textsysteme weiter auszubauen. 1982 stellte CTM einen mehrplatzfähigen Digitalcomputer mit Winchester-Laufwerk vor; im folgenden Jahr einen 32-Bit-Digitalcomputer. 1986 wurden die Anteile an SEL verkauft.

Wehrtechnik Nach dem Aufbau der Bundeswehr stieg Diehl wieder in das Wehrtechnikgeschäft ein und begann mit der Herstellung von 20- und 40-Millimeter-Munition in einem eigens dafür errichteten Werk in Röthenbach an der Pegnitz. Mit dem Erwerb einer Remscheider Gießerei kam die Herstellung von Panzerketten hinzu. Kurz darauf folgte ein Gießereibetrieb im Saarland und das neugegründete Sprengstofflaborierwerk auf dem Maasberg in Bierfeld. Mit der Übernahme der Mauser-Werke in Oberndorf 1979 wurde Diehl zum Systemhaus für Heeresausrüstung. Mauser entwickelte u. a. die 27-mm-Bordkanone für die Kampfflugzeuge Tornado und Alpha Jet. Durch die Beendigung des Ost-West-Konflikts Anfang der neunziger Jahre und die damit notwendig gewordene Neuorientierung in der deutschen Wehrtechnik beendete Diehl sein Engagement bei Mauser sukzessive bis 1995. In den 1980er-Jahren entwickelte sich Diehl durch die Montage des Artillerieraketensystems MLRS zu einem bedeutenden Systemanbieter; diese Stellung wurde durch die Übernahme der Bodenseewerk Gerätetechnik, dem Generalunternehmer für das europäische Produktionsprogramm des Luft-Luft-Flugkörpers Sidewinder AIM-9B und führendem Systemhaus für Lenkflugkörper, weiter ausgebaut.

Nachdem Diehl in den Anfangsjahren der Bundeswehr den Auftrag über die Wartung von Autopiloten der Noratlas-Flugzeuge erhalten hatte, wurden die Luftfahrtaktivitäten durch Lizenzfertigungen ausgebaut. Dazu gehörten Komponenten für den Starfighter ebenso wie Prüfgeräte für das Aufklärungsprogramm AWACS. Daraus entwickelte sich die Diehl Luftfahrt Elektronik, ein Unternehmen, das als früher Partner für Airbus in den Bereichen Kabinenbeleuchtung und Notstromversorgung tätig wurde.

Weiteres Weitere Erwerbungen waren 1958 das Sundwiger Messingwerk, um neben Stangen, Rohren und Schmiedeteilen auch Drähte und Bänder aus einer Hand anbieten zu können. Das Unternehmen wurde 2020 verkauft.

1979 wurde mit Comet einer der ältesten Hersteller von pyrotechnischen Erzeugnissen in Deutschland erworben. Das Unternehmen, das zusammen mit Fritz von Opel Raketenantriebe für Autos, Schienenfahrzeuge und Flugzeuge entwickelt hatte, rundete das wehrtechnische Geschäft ab. 2005 wurde Comet verkauft.

Generationenwechsel Zur Sicherung der Selbständigkeit und um die Unabhängigkeit des Familienunternehmens auch langfristig zu sichern, verfügte Karl Diehl 1998 die Umfirmierung der Firma in die Diehl Stiftung & Co. Die Kapitalverhältnisse blieben davon unberührt. Für die Stiftung wurde ein Aufsichtsrat eingerichtet, der zunächst nur aus den Gesellschaftern bestand, später auch durch externe Mitglieder erweitert wurde. Erster Vorsitzender des Gremiums wurde Karl Diehl.