Bernard de Bluet d’Arbères (auch: Bernard Bluet d’Arbères, Bernard de Bluet oder Debluet; * 1566, Village d’Arbère, Herzogtum Savoyen; † Juli 1606, Paris) auch bekannt unter dem falschen Titel Comte de Permission war ein Dienstbote (Domestique) und Hofnarr des Herzogs von Savoyen Karl Emanuel I. Nachdem er sich in Paris niedergelassen hatte, bezeichnete sich der Bauernsohn selbst als Visionär und Wahrsager.
Obwohl er Analphabet war, verfasste er zahlreiche Texte mystischer Natur. Er versuchte auch, in den Dienst des französischen Königs Heinrich IV. zu treten, der sich im Krieg mit dem Herzogtum Savoyen befand, starb jedoch während dessen Herrschaft in Armut.
Leben Jugend Bernard de Bluet oder Debluet wurde 1566 in eine arme Familie in Arbère geboren, einem Bauerndorf im Herzogtum Savoyen, das heute zur Gemeinde Divonne-les-Bains im Département Ain nahe der Schweizer Grenze gehört.Orlando de Rudder: Le Comte de Permission. JC Lattès 2009
Von klein auf war er Schafhirte, mit neun Jahren verließ er sein Dorf und wurde Stellmacher, dann Artillerieschlosser für ein Fort in RumillyJoseph-Marie Quérard: Les supercheries littéraires dévoilées. vol. III, Paul Daffis: S. 81.
Treffen mit dem Herzog von Savoyen mini|Karl Emmanuel I. Er wurde in eine protestantische Familie hineingeboren und konvertierte zum Katholizismus, den er leidenschaftlich praktizierte. Fünfzehn Jahre lang lebte er als Einsiedler in den Bergen und wanderte manchmal mit einer Kapelle auf Rädern umher, die es ihm ermöglichte, an den Orten zu beten, die ihn inspirierten. Schließlich wurde er dem Herzog von Savoyen, Karl Emanuel I., bekannt, der ihn als Diener anstellte und ihn nach Piemont mitnahm. Dieser benutzte ihn auch als Hofnarr und Sündenbock (souffre-douleur), was ihm dennoch erlaubte, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und für seine Familie zu sorgen. In einem seiner Werke beschreibt Bluet d’Arbère sein schwieriges Leben als Hofnarr des Herzogs:
Umzug nach Paris mini|Heinrich IV. InSeptember 1599Bluet begleitete den Herzog von Savoyen nach Paris, der mit dem König von Frankreich, Heinrich IV., Frieden aushandeln wollte. Bluet blieb anschließend in Paris und bezeichnete sich selbst als Seher und Visionär. Er gab sich den phantasievollen Titel „Graf von Permission“ (oder „vom Land der Verheißung“). Bluet soll auch Geheimagent im Dienste Heinrichs IV. gewesen sein, dem er in Anlehnung an einen römischen Kaiser den Spitznamen „Theodosius“ gab.Paul Lacroix: Curiosités de l’histoire de France. A. Delahays 1858: S. 159.
Am Weihnachtstag 1604 verbrannte die Faculté de théologie catholique de Paris (Sorbonne) sein Buch Interpretationen des Lebens Jesu Christi (Interprétations de la Vie de Jésus-Christ) und verbot ihm die Veröffentlichung. Heinrich IV. stellte seine Subventionen ein, und der Adel wandte sich von ihm ab. Er verarmte und starb in Paris an der Pest im Juli 1606, im Alter von 40 Jahren, nach einem neuntägigen Fasten, um, wie er sagte, die Pandemie abzuwehren, die damals Paris heimsuchte.Bertrand Guégan: La vie extravagante du comte de Permission, bouffon de Henri IV, racontée par lui-même. Plein Chant 2019.
Werk mini|hochkant|Werk von Bernard Bluet d’Arbères (1600–1605). wikisource Obwohl er Analphabet war, ist Bernard de Bluet d’Arbères der Autor von 113 Broschüren, deren Text er einem Dritten diktiert hat. Diese Texte sind unter dem allgemeinen Titel „Intitulation“ zusammengefasst und werden von ihm wie folgt präsentiert:
Seine Texte umfassen Hunderte von Berichten über Träume und Halluzinationen, aber auch Passagen eher autobiografischer Natur. Er schildert viele Einzelheiten seines Lebens als Kind im Dorf, seiner Revolten und seines Lebens als Abenteurer.
Bezugnahmen Der französische Memoirenschreiber Pierre de L’Estoile (1546–1611), Autor einer Chronik, einer einzigartigen Quelle für die historische Erforschung der Hugenottenkriege, beschreibt den Grafen als einen Verrückten, der durch die Straßen von Paris lief.Registre-journal du règne de Henri IV. Bd. III: S. 126.
In seinem satirischen Prosawerk La Confession de Sancy (Die Beichte von Sancy) hob der Dichter Théodore Agrippa d’Aubigné (1552–1630) den „floralen Stil des Grafen von Permission“ („style bien fleuri du comte de Permission“) hervor.
Der Philosoph Michel Foucault schreibt in seiner „Geschichte des Wahnsinns im klassischen Zeitalter“ (veröffentlicht 1972), Bernard de Bluet d’Arbères sein ein Verrückter, ein Autor „ganz außergewöhnlicher, darüber hinaus absolut unlesbarer Texte“ („textes tout à fait extraordinaires, absolument illisibles d’ailleurs“), und dessen Werk Teil der „großen Tradition der Literatur des Wahnsinns…“ („grande tradition de la littérature de la folie…“) sei.
Octave Delepierres Werk Histoire littéraire des fous („Literarische Geschichte der Verrückten“) stellt Bernard de Bluet d’Arbères als „den Vorfahren dar, der für die literarischen Verrückten das war, was Adam Billaut für die Dichterarbeiter war“ („l’ancêtre qui fut aux fous littéraires ce que fut Adam Billaut aux ouvriers poètes“)..
Benennungen Eine Straße in Divonne-les-Bains trägt seinen Namen (beziehungsweise seinen falschen Titel), rue du Comte-de-Permission.
Einzelnachweise
Literatur Charles Nodier: Bibliographie des fous de quelques livres excentriques. vol. 2, Techener, Paris 1835: S. 31–38. gallica.bnf.fr Orlando de Rudder: Le Comte de Permission. JC Lattès 2009 ISBN 978-2-7096-2200-4 editions-jclattes.fr Bertrand Guégan: La vie extravagante du comte de Permission, bouffon de Henri IV, racontée par lui-même. Plein Chant 2019. ISBN 978-2-85452-344-7 pleinchant.fr
Weblinks
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