mini|hochkant|Ernst Hüther (1880–1944), Unternehmer und Schokoladenfabrikant mini|hochkant|Mauxion-Spender Karl Ernst Hüther (* 26. Juni 1880 in Pößneck; † 8. August 1944 in Saalfeld/Saale) war ein deutscher Unternehmer und Inhaber der Schokoladenfabrik Mauxion GmbH (Saalfeld/Saale).

Leben und Wirken Ernst Hüther, eins von fünf Kindern des Hoteliers Karl Hüther und seiner Frau Elise, die das Hotel zur Post im thüringischen Pößneck betrieben, besuchte von 1886 bis 1894 die Bürgerschule in Pößneck. In den Jahren 1894 bis 1897 absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung in der 1876 gegründeten Schokoladenfabrik von Robert Berger, dem heutigen Schokoladenwerk Berggold. Während dieser Zeit erlangte er grundlegende Einblicke in die Praxis der Süßwaren- und Schokoladenherstellung. Nach seiner Ausbildung war er von 1898 bis 1900 in der Keksfabrik von Stratmann & Meyer in Bielefeld angestellt, bevor er von 1900 bis 1902 bei der Kaiserlichen Marine in Kiel seinen Militärdienst leistete. Von 1902 bis 1908 war Ernst Hüther für verschiedene Dauerbackwarenhersteller im Außendienst tätig. Dabei führte ihn der Weg als Geschäftsführer des Außenkontors der Fa. Gaedke nach Frankfurt a. M. 1908 wandte er sich der Schokoladenbranche zu und wurde Generalvertreter der Tangermünder Schokoladenfabrik Fr. Meyer & Co. in Berlin. 1909 ging Hüther den Weg in die Selbstständigkeit und gründete die Falter GmbH. Nach zwei Jahren gab er das Unternehmen auf.

Anfang des Jahres 1909 heiratete Ernst Hüther Anna ter Meer (* 1884 in Frankfurt a. M.; † 1962 Garmisch-Partenkirchen). Sie kam aus einer großbürgerlichen Frankfurter Unternehmerfamilie. Aus dieser Ehe stammten 4 Kinder: Werner (1909–1962), Ilse (1911–1999). Luise Charlotte (1915–1994) und Gerd (1917–1991).

Ein Neustart erfolgte für Ernst Hüther 1911 in Thüringen, wo er als einer von fünf Gesellschaftern in die Schokoladenfabrik Mauxion m.b.H in Saalfeld eintrat. Nach anfänglich gemeinsamer Geschäftsführung mit Alfred Mauxion war er bereits 1913 alleiniger Geschäftsführer. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs leistete Hüther 1914 kurzzeitig Kriegsdienst. Sechs Jahre nach seinem Eintritt in das Unternehmen Mauxion übernahm er 1917 sämtliche Kapitalanteile der Schokoladenfabrik und wurde damit Alleininhaber. Die anfänglich ungünstige finanzielle Situation konnte er durch eine findige Geschäftspolitik und tatkräftigen Unternehmergeist erfolgreich verbessern. Mit dem Halbpfundpaket „Extra Bitter“, in einer der damaligen Schweizer Markenschokolade ebenbürtigen Qualität, gelang ihm der Durchbruch.

Hüther entfaltete eine umfangreiche Bautätigkeit.Beiblatt zum Saalfelder Kreisblatt, Nr. 26 vom 26. Juni 1930. Bereits 1916 baute er eine Brücke über die Saale, die das unmittelbar am Fluss gelegene Werk mit der Stadt und dem betrieblichen Bahnhofsgelände mit Gleisanschluss verband. Zwischen 1921 und 1924 wurde ein neues achtgeschossiges Hauptgebäude für die Schokoladenfabrik errichtet. Entwurf und Bauleitung lagen beim Dresdner Architekturbüro Lossow & Kühne. Die Fabrik wurde mit dem modernsten Maschinenpark ausgestattet; das zum Standort gehörende Wassernutzungsrecht der Saale ermöglichte über Wasserturbinen die Energie- und Dampferzeugung für die enorm gestiegene Produktion des Werkes.

Mit dem „blauen Band“ und dem EH-Logo als Bildmarke schuf Hüther einen wirkungsvollen Markenauftritt. Mauxion betrieb weltweit eine intensive Werbetätigkeit. Im Jahr 1925 beliefen sich die Kosten für Werbung auf 2,5 Mio. Reichsmark. Dies brachte Hüther den Ruf als „Werbekönig der Schokoladenindustrie“ ein. Sein bis in die USA reichendes Vertriebssystem, die Präsenz bei Messen und Ausstellungen, die Schaffung der Werbefigur „Maux-Bub“ und die Vorstellung des Werkes in der Reihe „Musterbetriebe deutscher Wirtschaft“ trugen zum Erfolg des Unternehmens bei.Karin Hartewig: Mauxion, Rotstern und Stollwerck.

1934 kam es zu einem langanhaltenden Konflikt mit den geldgebenden Kreditinstituten, der zu weitreichenden Auseinandersetzungen führte. Für den Erhalt des Unternehmens musste Ernst Hüther den Weg des Kompromisses zwischen Geldgebern und politischen Machthabern gehen. 1937 wurde er Mitglied der NSDAP. Der Befehl Nr. 45 vom 26. Januar 1946 stellte Mauxion unter Sequester. Die Enteignungsurkunde wurde am 1. Juni 1948 ausgefertigt und vollzogen.

Am 8. August 1944 verstarb Ernst Hüther unerwartet.

Hüther und Saalfeld mini|Schokoladenfabrik Mauxion, Saalfeld an der Saale (historische Ansichtskarte) In ihrer Blütezeit 1929/30 hatte die Schokoladenfabrik bis zu 1500, weit überwiegend weibliche Beschäftigte. Mauxion war über Jahre der größte Arbeitgeber der Stadt. Es gab für das Personal eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen wie Werkskantine, Arztpraxis, Kindergarten, Verkaufsstellen, eine Kleingartenanlage und zahlreiche Betriebswohnungen. 1944 verfügte die Grundstücksverwaltung der Mauxion über mehr als 30 Immobilien in der Stadt, die Hüther von seinem langjährigen Architekten Max Hans Kühne bauen bzw. renovieren ließ. Die Vermietung erfolgte vorzugsweise an Werksangehörige. Das hohe soziale Engagement Hüthers brachte ihm treue Anhänger unter der Belegschaft und die Gemeinschaft der „Mauxianer“ bestand weit über seinen Tod hinaus.

Villa Bergfried mini|Park and Villa Bergfried in Saalfeld (Historische Ansichtskarte) Auf einer Anhöhe im Süden der Stadt Saalfeld ließ Ernst Hüther für sich und seine Familie die Villa Bergfried inklusive eines 20 Hektar großen Landschaftsparks mit Weiherhäuschen, Japangarten, Gärtnerei, Tennis- und Golfplatz und Glockenturm mit Carillon anlegen. Das von 1922 bis 1924 errichtete „behaglich bemessene Haus einer Familie“ stammt von dem Dresdner Architektenbüro Lossow & Kühne.Max Hans Kühne: Haus Bergfried. Mit der Gartenplanung beauftragte Hüther die Berliner Baumschule Ludwig Späth, die zur damaligen Zeit größte Baumschule Europas.

Stiftung und Ehrendoktor-Würde

Im März 1924 schenkte Ernst Hüther der Universität Erlangen 100.000 Goldmark „für Forschungszwecke auf den mir am nächsten liegenden Gebieten der Chemie und Botanik“. Daraufhin verlieh die Universität ihm auf Antrag des Chemie-Professors Otto Fischer und des Biologie-Professors Kurt Noack die Ehrendoktorwürde „wegen seiner Verdienste um die deutsche Volkswirtschaft und vorbildlicher sozialer Betätigung“ und begründete die Dr. Ernst Hüther-Stiftung.https://www.fau.de/glossary/dr-huether-stiftung/, abgerufen am 27. Februar 2026 Die noch heute (Stand: Februar 2026) bestehende Stiftung verfügt inzwischen nur noch über sehr geringe Mittel und spielt damit für Projektförderungen, Stipendien oder ähnliches an der heutigen Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in finanzieller Hinsicht keine Rolle mehr.Antwort-Mail der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Stabsstelle Presse und Kommunikation, vom 27. Februar 2026 auf eine entsprechende schriftliche Anfrage; Vorlage

Weblinks

Bergfried Saalfeld – Ein kleiner Parkführer, PDF, Saalfeld 2021 Dr. Ernst Hüther-Stiftung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Stiftung zur Unterstützung von Lehre und Forschung des Botanischen Instituts und der Institute für Organische und Anorganische Chemie an der FAU

Ausstellung Ein süßes Jahrhundert – Das Saalfelder Schokoladewerk 1901–2001. Stadtmuseum Saalfeld im Franziskanerkloster, 5. Mai bis 17. Juni 2001. Mit Begleitheft von Dirk Henning: Ein süßes Jahrhundert – Das Saalfelder Schokoladewerk 1901–2001 (= Saalfelder Museumsreihe, Heft 4).

Literatur Dirk Henning: Industriestadt Saalfeld – Fabriken, Unternehmer und Arbeiter 1830 bis 1945. Erfurt 2019, ISBN 978-3-95400-900-8. Ingo Lokies: Der Saalfelder Schokoladenfabrikant Dr. Ernst Hüther. Eine Betrachtung seiner finanziellen Verhältnisse und der wirtschaftlichen Lage der Firma Mauxion. In: Saalfelder Weihnachtsbüchlein – Beiträge zur Saalfelder Geschichte 115 (2018), S. 39–70, Saalfeld 2018. Claudia Streitberger: Saalfelder auf Reisen – Der Schokoladenfabrikant Ernst Hüther auf Kreuzfahrt 1927–1939. Hrsg. vom Stadtmuseum Saalfeld im ehemaligen Franziskanerkloster, Saalfeld 2015 (mit Biographie Ernst Hüthers). Claudia Streitberger: Mauxion Saalfeld. Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-200-1. Peter Rudolf Meinfelder: Dr. Ernst Hüther (1880 bis 1944). Unternehmer und Bauherr. In: Jahrbuch des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Saalfeld 1996. Beiblatt zum Saalfelder Kreisblatt Nr. 26 vom 26. Juni 1930. sowie Freunde des Bergfriedes e. V. (Hrsg.): Villa und Park Bergfried in Saalfeld/Saale – Die bewegte Geschichte von 1924 bis 2024. München 2025, ISBN 978-3-96303-575-3. Saalfelder Feengrotten GmbH (Hrsg.): Bergfried Saalfeld – Ein kleiner Parkführer. Faltplan mit Logo „Thüringen entdecken“. Saalfeld 2022. Karin Hartewig: Mauxion, Rotstern und Stollwerck - die bewegte Geschichte der Schokoladenfabrik in Saalfeld. Universitätsverlag, Leipzig 2021, ISBN 978-3-96023-343-5. Martin Baumann: Der Park Bergfried in Saalfeld. In: Die Denkmalpflege 61, 2003, Nr. 2, S. 137–142. Beate Brucksch: Bergfried Saalfeld – Eine denkmalpflegerische Zielstellung. 2000 (unveröffentlichtes Manuskript). Max Hans Kühne: Haus Bergfried/Saalfeld. Ein Herrensitz im Herzen Thüringens. Dresden 1929. E. Haenel: Das Haus Bergfried bei Saalfeld, Thüringen. In: Die Kunst 81–91, 58. Bd., 31. Jg., München 1928.

Einzelnachweise

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