mini|hochkant=1.8|Die Wolgatreidler (1872) Treideln (von [spät]lat. tragulare),Peter Treichel: Nichts soll vergessen sein. Norderstedt 2016, ISBN 978-3-8334-5392-2, S. 116 f.: führt seinen Namen auf tragulare und Treideln zurück.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. De Gruyter, Berlin/Boston 1989, ISBN 3-11-084503-2, S. 738. auch Schiffziehen, Halferei, sächsisch Bomätschen, schweizerisch Recken, ist das Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen oder Zugtiere, seltener auch durch Zugmaschinen oder Treidelloks. Schiffe wurden in der Regel nur stromauf getreidelt und stromab durch die Strömung oder den Wind angetrieben.

Geschichte Frühgeschichtliche Periode Die ersten Belege zum Treidelwesen finden sich in Mesopotamien. Die Flussschifffahrt auf dem Euphrat, dem Tigris und auf dem persischen Fluss Karun, die alle drei sich in den Persischen Golf ergießen, war wesentlich für das Handeltreiben mit angrenzenden Ländern und Fernhandelsbeziehungen von der Ostsee bis zum Indusdelta. Die Fortbewegungsmethoden zu Wasser sind für das Zweistromland in Form von Segeln, Rudern, Staken und Treideln belegt. Große Schiffe wurden bevorzugt durch Kanäle und stromaufwärts getreidelt, während auf See und auf dem Meer das Segeln die dominante Fortbewegungsmethode war. Weder die Türkei noch Persien haben schiffbare Flüsse. Diese sind entweder als Bergströme zu reißend, als Tieflandflüsse zu seicht und zu kurz, oder, wenn sie lang sind, zu wasserarm, um auch nur für einen regelmäßigen Bootsverkehr in Betracht zu kommen. Bei ägyptischen Schiffen sind Segel häufig mit einer aufwändigen Rigg dargestellt, waren jedoch stark von Tauen und Seilen abhängig gewesen. Neben Segeln waren auch Ruder bekannt. Die Bewegung stromaufwärts musste gerudert oder (seltener) getreidelt werden. Auch ist der Transport von zerlegten Schiffen und ihrer Last über Land belegt. Herodot beschreibt im 5. Jahrhundert v. Chr. das Treideln in Ägypten durch menschlichen Arbeitseinsatz. Er berichtet, dass ab Elephantine der Nilstrom steil ansteigen würde, weshalb hier zu treideln sei. Der Strom soll so stark gewesen sein, dass ein Schiff von beiden Seiten des Ufers aus mit Seilen gezogen werden müsste und es, sollten die Seile reißen, hinweggespült würde. Herodot schrieb expliziert, dass das Treideln nur dann unterlassen werden könnte, wenn starker Wind aufkomme. Auch verschiedene bildliche Quellen aus Ägypten dokumentieren das Treideln durch menschlichen Einsatz.

Im Mittleren Niltal des Reiches von Kusch fehlen für das in Ägypten und Vorderasien eingesetzte Treideln die Belege. Es hat den Anschein, dass der Nil mindestens südlich des 3. Kataraktes sogar eine trennende Wirkung hatte und vielmehr eine Grenze als eine Kontaktmöglichkeit darstellte. Wegen der Schwierigkeiten der Schifffahrt gegen die Strömung und den Wind dürfte die normale Reiseroute auf dem Landweg verlaufen sein. Für das Transportwesen war der Nil hier deutlich weniger dominierend als in Ägypten, denn durch sechs Katarakte war er über weite Strecken nicht schiffbar.

Römische Periode Beim Aufstieg Roms zur Weltmacht hatte der Warenaustausch über teils große Distanzen eine große Rolle in der römischen Wirtschaft. In der Kaiserzeit reichte der römische Wirtschaftsraum schließlich von Nordafrika bis nach Britannien, Germanien und in den Donauraum, vom Schwarzen Meer bis nach Vorderasien. Die geographischen Rahmenbedingungen für die Vernetzung der römischen Wirtschaft begünstigten vor allem die Verbindungen über die Wasserwege. Die Römer gaben sich nicht mit den natürlichen Voraussetzungen zufrieden, auf die sie bei der Eroberung neuer Gebiete trafen, sondern passten die natürlichen Wasserstraßen nach kurzer Zeit durch Treidelpfade und Kanäle an ihre Bedürfnisse an. Die heutigen Flussverläufe sind aufgrund gänzlich veränderter Abflussbedingungen nicht mehr mit dem Zustand römischer Zeit vergleichbar. In den Jahrhunderten wurde der Flusslauf dem Schiffsverkehr durch weitgehende Begradigungen und Flussbettvertiefungen angepasst und in der Gegenwart meist durch Befestigungen und Deiche künstlich begradigt und eingeengt, so dass die ursprünglichen Flusslaufabschnitte meist kaum noch zu erkennen sind. Überall dort, wo im frühen Mittelalter Schifffahrt belegt ist, kann auch in römischer Zeit mit Schifffahrt gerechnet werden. Römische Funde am modernen Wasserlauf weisen nicht unbedingt auf eine Anlegestelle hin, auch wenn vielleicht technische Einrichtungen in diese Richtung deuten. Schiffslandeplätze waren oft von der eigentlichen Hafensiedlung erheblich entfernt. Die Römer pflegten Furten mit einem Pflaster aus Steinplatten zu versehen und legten schon die ersten Treidel- oder Leinpfade als schmale Knüppeldämme an. Da im Laufe der Zeit auch der Tiefgang der Schiffe zunahm, vertiefte man das Flussbett besonders an solchen Furten und entfernte das Pflaster. Zum Treideln in römischer Zeit wurden noch keine Zugtiere eingesetzt. Die Schiffe in vormittelalterlicher Zeit wurden von Menschen gezogen. Lediglich eine Stelle bei Horaz berichtet von einem zum Ziehen eines Schiffes eingesetzten Maultier. Ochsen oder Pferde spielten beim Treideln in der Antike noch keine große Rolle. So sind in den römischen Häfen auch weder für Zugtiere geeignete, befestigte Wege am Ufer noch Ställe zur Unterbringung der Tiere zu erwarten. Der hohe Aufwand, den man entlang wichtiger Wasserstraßen betrieb, wird an einer Strecke mit hoher Fließgeschwindigkeit wie der Donau am Eisernen Tor deutlich. Hier wurde schon unter Tiberius 33 n. Chr. ein Treidelpfad teils aus dem Felsen heraus gehauen, teils mittels eines Bohlenweges konstruiert, den in den Felsen eingelassene Balken trugen. Dieser Treidelpfad wurde unter Domitian im Jahr 92 renoviert und unter Trajan weiter ausgebaut. Waren die Bedingungen für das Treideln nicht gegeben, wenn etwa Auenlandschaften das Anlegen von Treidelpfaden erschwerten, musste man staken und so Vortrieb erzielen; ein Verfahren, das im Vergleich zum Treideln dreimal so viel Kraftaufwand erforderte.

Treideln durch Menschenkraft Die von den Römern angelegten Treidel- oder Leinpfade wurden im Mittelalter weitergenutzt. Die Pfade der Schiffszieher wurden Leinpfad, Treidelpfad, Reckweg, Towpath (engl.), Bomätscherpfad oder im Donauraum Treppelpfad oder Treppelweg genannt. Die Leine war am Mast befestigt und mit dem Vorschiff verbunden, um den Schiffsbug in Richtung zu halten. Es bildete sich ein eigener Berufsstand der „Schiffszieher“ oder „Karche“. Die Schiffszieher trugen einen breiten Brustgurt aus geflochtenem Hanf, Leder oder Segeltuch an dem das Zugseil angehängt werden konnte. Zwischen zwei und zwanzig Menschen waren notwendig, um ein Schiff zu treideln. An vielen Flüssen wechselten die Leinpfade mehrfach die Uferseiten, dann mussten die Schiffszieher, später auch die Pferde und Reiter, ungeachtet der Wassertiefe und der Wassertemperatur den Fluss durchqueren. Bis etwa in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Schiffe von Menschen gezogen, am Shennong sogar bis weit ins 20. Jahrhundert. In den Habsburgischen Erblanden wurde von 1783 bis 1790 Schiffziehen als Strafe verhängt, nachdem Joseph II. die Todesstrafe im Rahmen der Josephinischen Strafgesetzreform so gut wie abgeschafft hatte. Von den 1173 Sträflingen, die zwischen 1784 und 1789 zum Treideln verurteilt worden waren, starben 721 bis zum Jahr 1790.

Pferdetreidelei Seit Beginn des 18. Jahrhunderts, als Schiffe und Ladung größer wurden, reichte die menschliche Kraft zum Treideln nicht mehr aus. Ein Pferd, das vier Männer ersetzte, diente zum Treideln. „Halfreiter“ trieben die Pferde in oft roher, tierquälerischer Weise auf dem Treidel- oder Leinpfad dem Ufer entlang an. Mit der Größenzunahme der Schiffe wurden für eine Fracht von zwei bis zu dreieinhalb Tonnen zehn bis zwölf Pferde benötigt. Für die Pferdetreidelei waren geeignete Treidelwege von etwa 1,5 m Breite mit starker Befestigung erforderlich, denn die Pferde bewegten sich paarweise schräg zum Ufer. Später entwickelten sich aber eigene Berufsbilder der „Schiff(s)reiter“ (auch „Schöffreiter“, „Schiff[s]chlepper“ genannt) oder „Halfterer“ sowie der „Naureiter“ und der „Afterreiter“ (das sind der erste und der letzte Reiter bei einem Schiffzug).Jakob Ebner: Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Walter de Gruyter Verlag, Berlin/Boston 2015, ISBN 978-3-11-019537-8. S. 38, 508, 644 Bei Stromschnellen wurden zusätzlich Pferde angeleint, sogenannte „Stichlingspferde“. Auf alten Stichen und Gemälden wirken die Treidelpferde und ihre Reiter in idyllischer Umgebung recht romantisch. Tatsächlich waren die Arbeitsbedingungen für Tier und Mensch überaus hart und mühevoll und alles andere als beschaulich.Auf der Internetseite Pferde-Alltag in alter Zeit wird aus verschiedenen Quellen beschrieben, wie schwierig das Treideln an Rhein, Ruhr (Leinpfad unterhalb des Isenbergs), Donau und Loire war. Bei häufigen Unfällen ertranken beide im Fluss. Bei aufgeweichten Treidelwegen, oft nach Hochwasser, rutschten die Pferde immer wieder aus und drohten in den Fluss gerissen zu werden. Auch konnten Schiffe bei starker Strömung oder durch Fehler des Steuermanns plötzlich seitlich ausscheren (aus dem Ruder laufen). Die Pferdekraft reichte dann nicht aus, um das Schiff zu stoppen und den Kurs aufrechtzuerhalten, deshalb ritt der Halfterer im Seitsitz, um bei Gefahr sofort vom Pferd springen zu können. Zur Rettung der Tiere kappte er dann das Schlepptau mit einem Messer oder Beil. Schwere Wasserfahrzeuge mit großem Tiefgang mussten mehr in Strommitte fahren und an einem sehr langen Seil gezogen werden. Ein kleiner Kahn (Buchtnachen) besetzt mit zwei Schiffsknechten (Leinenschnäpper) musste ungefähr in der Mitte zwischen den Zugtieren und dem Schiff als Seilstütze mitgezogen werden, um das Zugtau ständig über Wasser zu halten oder über Hindernisse hinweg zu heben.

Ein Schiff konnte in Talfahrt (stromab) täglich bis zu einhundert Flusskilometer bewältigen, die Treidelzeit bei Bergfahrt (stromauf) von Köln nach Mainz (ca. 160 km) betrug 52 bis 78 Stunden. Hinzu kamen Verzögerungen, wie durch Wechsel der Flussseiten an Einmündungen von Nebenflüssen. Nachts konnte man nicht treideln, außerdem brauchten Pferde und Menschen ihre Ruhezeit. Damit verlängerte sich die Treidelzeit auf 5–6 Tage. Man bewältigte im Durchschnitt nur 25–32 km pro Tag. In römischer Zeit wurden jedoch in der Regel keine Pferde, sondern Menschen eingesetzt, so dass sich die Zeit eher noch verlängerte. Daher ist für antike Verhältnisse eine Tagesstrecke von ca. 15–20 km realistisch. Im Vergleich schaffte ein Ochsenkarren auf vorindustriellen Straßen pro Tag etwa 10–16 km. Denn komplettiert wurde das Netz an Handelswegen durch die Straßenverbindungen, die wiederum die an der See und den Flüssen liegenden Handelsplätze mit den städtischen Siedlungen im Landesinneren verbanden und diese an die Handelsströme anschlossen. Für ein Schiff mit einer Ladung von ungefähr 2000 Zentner (100 t) wurden beispielsweise auf dem Mittelrhein bei mittlerem Wasserstand zehn Pferde gebraucht, bei kleinem Wasser zwölf. Im Falle, dass bei allzu seichtem Wasser die Ladung auf Leichterschiffe verteilt werden musste, waren oft bis zu sechzehn Pferde nötig. Trotz moderner technischer Möglichkeiten kam am Anfang des 20. Jahrhunderts gelegentlich noch ein Pferdetreidler zum Einsatz, wenn Kettenschlepper und Dampfboote verhindert waren.

Einführung der Kettenschleppschifffahrt