mini|hochkant=1.9|Der Englische Garten von Südwesten aus der Luft gesehen mini|hochkant=1.9|Karte des Englischen Gartens mini|hochkant=1.9|Blick aus der Raumstation ISS (24. März 2010) mini|Ausblick vom Monopteros-Tempel, von links: Bayerische Staatskanzlei, Alter Peter, Neues Rathaus, Residenz, Frauenkirche, Theatinerkirche, Salvatorkirche
Der Englische Garten befindet sich im Münchner Nordosten am Westufer der Isar. Mit seiner 3,75 km² großen Grünanlage gehört er zu den größten städtischen Parkanlagen der Welt. Die Bezeichnung Englischer Garten wurde von den englischen Landschaftsgärten übernommen, die Friedrich Ludwig von Sckell bei der Gestaltung des Geländes zum Vorbild genommen hatte.
Der Münchner Englische Garten zählt zu den ersten großen kontinentaleuropäischen Parkanlagen, die von jedermann betreten werden durften. Als eine der weiträumigsten innerstädtischen Parkanlagen der Welt ist der Englische Garten sowohl bei Münchnern als auch bei Touristen mit jährlich rund 5 Millionen Besuchern sehr beliebt.Der Englische Garten – das grüne Herz von München. In: englischer-garten-muenchen.info, aufgerufen am 14. Juli 2018.
In den 1940er-Jahren entstand eine „Lastenstraße“, deren Bau mit Kriegszwecken begründet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verbindung zum Isarring, einer vierstreifigen Hauptverkehrsstraße, erweitert. Diese teilt seitdem die Grünanlage in einen Süd- (den ursprünglichen „Englischen Garten“) und einen Nordteil (die Hirschau). Der südliche, zur Innenstadt gelegene Bereich mit einer Länge von zwei Kilometern umfasst etwa 130 Hektar, der nördliche, weniger stark besuchte, etwa 245 Hektar und erstreckt sich über drei Kilometer parallel zur Isar.
Geschichte mini|Burgfriedensäule aus dem Jahr 1728 ca. 100 m südwestlich vom Monopteros Als 1777 der bayerische Kurfürst Maximilian III. kinderlos starb, fiel das Land an den pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor. Nach dessen gescheitertem Versuch, das ungeliebte Erbe gegen die österreichischen Niederlande (ungefähr das heutige Belgien) einzutauschen, widmete er sich der Umgestaltung Münchens. Unter anderem ließ er im Hofgarten eine Gemäldegalerie eröffnen und machte Hofgarten und Galerie der Öffentlichkeit zugänglich.
Im Februar 1789 verfügte Karl Theodor, in jeder Garnisonsstadt der bayerischen Armee Militärgärten anzulegen. Diese sollten die Soldaten in Friedenszeiten sinnvoll beschäftigen und ihnen landwirtschaftliche Fähigkeiten vermitteln, aber sie sollten auch der Allgemeinheit zugänglich sein. Die Anregung dazu stammte von dem in Massachusetts geborenen bayerischen Kriegsminister Benjamin Thompson (seit 1792 Reichsgraf von Rumford). Als Standort für die Münchner Gärten war das westliche „Hirschangergebiet“, die heutige Schönfeldwiese im Südwesten des Englischen Gartens vorgesehen. Im Juli wurde mit der Verwirklichung des Vorhabens begonnen.
Am 13. August 1789 ordnete Karl Theodor per Dekret an, das Gebiet östlich der Militärgärten in einen Volkspark umzuwandeln. Dieses Datum gilt heute gemeinhin als eigentlicher Gründungstag des Englischen Gartens in seiner heutigen Form. Es handelte sich um eine der ersten Anlagen dieser Art in Europa (beispielsweise wurde der Wiener Prater 1766 als Volkspark geöffnet). Die Ausführung wurde dem Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig von Sckell übertragen, die Oberaufsicht behielt Benjamin Thompson.
Der Volkspark hieß zunächst Theodors Park. Schon bald setzte sich der Name Englischer Garten durch, einer programmatischen Bezeichnung für den zeitgenössisch neuen Gartenstil, der dem Vorbild der Natur folgte – in Abgrenzung vom geometrischen, „französischen“ Barockgarten. Am 1. April 1792 wurde der Park für die damals rund 40.000 Münchner Bürger geöffnet.Justina Schreiber: Karl Theodor und Graf Rumford – Der Kurfürst und sein Weltverbesserer. In: Bayern 2, 1. April 2017, mit Audio-Datei, 52:50 Min.
1798 verließ Thompson München, sein Nachfolger wurde Freiherr von Werneck, der u. a. den Kleinhesseloher See anlegte. Ihm zu Ehren steht auch ein Denkmal am Nordufer des Sees. Im Dezember 1799 wurde der Englische Garten um Gebiete der Hirschau erweitert, im Januar 1800 kam das Gelände der mittlerweile aufgelösten Militärgärten hinzu.
1804 wurde Sckell von Maximilian I. Joseph, dem Nachfolger Karl Theodors, zum Leiter der neu geschaffenen bayerischen Hofgärtenintendanz ernannt. In dieser Funktion prägte er bis zu seinem Tod 1823 das Bild des heutigen Englischen Gartens wesentlich.
mini|Friedrich Ludwig von Sckell (links) erläutert Kurfürst Karl Theodor (Mitte) und Benjamin Thompson Reichsgraf von Rumford (rechts) seine Pläne im Englischen Garten mini|Figur am früheren Eingang des Englischen Gartens, nach dem ersten Wort eines Sinnspruchs auf der Steintafel im Volksmund „Harmlos“ genannt; gestaltet von Franz Jakob Schwanthaler, 1803
Parkteile Englischer Garten mini|Englischer Garten, aufgenommen von der Königinstraße im September 2018 Als „Englischer Garten“ im engeren Sinne wird der Südteil des Parks bezeichnet. Das entspricht in etwa der 1789–92 angelegten Parkanlage. In diesem Teil liegen die bekanntesten Gebäude des Parks (Teehaus, Monopteros, Chinesischer Turm). Die Grenze zwischen dem Nord- und Südteil des Parks bildet der vierspurige Isarring (Teilstück des Mittleren Rings), der täglich von 110.000 Autos befahren wird.
Der südliche Teil des Englischen Gartens ist Bestandteil des Münchner Landschaftsschutzgebiets Isarauen (LSG-00120.09).
Hirschau Der nördliche Teil des Englischen Gartens wird auch als Hirschau bezeichnet. Diese Bezeichnung geht auf den früheren Wildreichtum der Isarauen nördlich der Stadt zurück. Die Hirschau erstreckte sich ursprünglich nach Süden etwa bis zum heutigen Hofgarten. Der erste Stadtplan Münchens, gezeichnet 1613 von Tobias Volckmer, zeigt in diesem Gebiet äsende Hirsche. Nach der Hirschau ist auch die niedrigste Kiesterrasse der Isar, die ihr ursprüngliches Hochwasserbett bildet, als Hirschauterrasse benannt.
Die Hirschau wurde von 1798 bis 1804 als nördliche Fortsetzung des Englischen Gartens bis zum Aumeister angelegt. Der Name Hirschau ist seit 1808 auf den Stadtkarten eingetragen, davor, zum Beispiel 1712, wurde sie auch Hirschanger genannt. Im Gegensatz zum stark besuchten südlichen Teil des Englischen Gartens haben große Teile der Hirschau den Charakter eines ruhigen Stadtwaldes. Ab 1814 war dieser Teil des Englischen Gartens trotz seines auch damals vorherrschenden wäldlichen Charakters industriell geprägt. Hier befand sich die bedeutende Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei, die um 1900 einen eigenen Gleisanschluss an den Güterbahnhof Schwabing erhielt. Teil der Fabrik war auch ein Wasserkraftwerk (Tivoli-Kraftwerk), dessen Gebäude erhalten ist. Um 1935 wurde die Lokomotivfabrik geschlossen und später nahezu vollständig zurückgebaut. Auf der Trasse des bis 1950 abgebauten Gleisanschlusses verläuft heute der Ernst-Penzoldt-Weg durch den Englischen Garten. In: kocaurek.de, 2014, aufgerufen am 22. Februar 2017.
Am Stauwehr Oberföhring können Fußgänger die Isar überqueren und nach Oberföhring gelangen. Am Nord- und am Südende der Hirschau befinden sich die Biergärten Aumeister und Hirschau.
Der nördliche Teil des Englischen Gartens bildet zusammen mit der ihn nach Norden fortsetzenden Oberen Isarau das Landschaftsschutzgebiet Hirschau und Obere Isarau (LSG-00599.01).
Gewässer Bäche Am Südende des Englischen Gartens treten der Schwabinger Bach und der Eisbach in den Park ein, vereinigen sich und fließen dann wieder getrennt weiter. Vom Eisbach zweigt der Oberstjägermeisterbach ab, so dass ein Großteil des Englischen Gartens von drei etwa parallel verlaufenden Bächen durchzogen wird.
Mehrere kleine Bäche dienen als Querverbindungen zwischen diesen Bächen und zur Isar. Der Entenbach im Südteil des Englischen Gartens fließt vom Oberstjägermeisterbach zum Schwabinger Bach, der Obere Wehrbach in der Hirschau vom Schwabinger Bach zum Oberstjägermeisterbach. Über den Unteren Wehrbach fließt ein Teil des Wassers des Oberstjägermeisterbachs wieder in die Isar. Der Reitbach zweigt vom Oberstjägermeisterbach ab und fließt nach etwa 200 Meter wieder in ihn zurück, so dass zwischen beiden Bächen eine Insel bleibt, die als Vogelschutzinsel dient.
Der Eisbach mündet zwischen der John-F.-Kennedy-Brücke und dem Stauwehr Oberföhring in die Isar. Der Schwabinger Bach teilt sich am nördlichen Ende der Hirschau auf: Ein Arm fließt als Garchinger Mühlbach in die Obere Isarau, der andere Arm fließt mit dem Oberstjägermeisterbach zusammen. Von diesem Zusammenfluss aus fließen der Schwabinger Eisbach in die Isar zurück und der Schwabinger Altbach weiter in die Obere Isarau.
Kleinhesseloher See Unmittelbar südlich des Isarrings, der die Hirschau vom südlichen Teil des Englischen Gartens trennt, liegt der im Jahr 1803 angelegte und 8,64 Hektar große Kleinhesseloher See, der vom Oberstjägermeisterbach durchflossen wird.
mini|Eisbach mini|Sommer am Schwabinger Bach mini|Kleinhesseloher See
Bauwerke Rumfordhaus Das Rumfordhaus, auch Rumfordschlössl oder seltener Rumfordsaal genannt (), ist ein klassizistisches Gebäude im Südwesten des Gartens und wurde nach dem Reichsgrafen von Rumford, Sir Benjamin Thompson, benannt.
1791 (ein Jahr vor der Öffnung des Englischen Gartens für die Münchner Bürger) wurde das Rumfordhaus nach einem Entwurf von Baptist Lechner erbaut. Es diente zuerst als Offizierskasino und wurde später für höfische Zwecke genutzt. Der Spiegelsaal war Ort glanzvoller Abendessen mit bis 150 Gästen.Rumfordschlössl. In: muenchen.de.
Das verfallene Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg renoviert. 1966 übernahm es der Kreisjugendring München-Stadt und richtete ein Freizeitheim für Kinder und Jugendliche ein. Seit 1972 gab es eine Vorschule und einen offenen Jugendtreff. Ab 1986 wurde unter anderem ein Schwerpunkt auf Umweltpädagogik für Schulklassen gelegt. Heute ist es unter dem Namen Natur- und Kulturtreff bekannt.Natur- und Kulturtreff Rumfordschlössl für Kinder. In: Kreisjugendring (KJR), aufgerufen am 22. Februar 2017.
Chinesischer Turm
Der 25 Meter hohe Holzbau im Stil einer Pagode wurde 1789/90 nach einem Entwurf von Joseph Frey von Johann Baptist Lechner errichtet.
Vorbild für den Chinesischen Turm war die doppelt so hohe „Große Pagode“ im königlichen Schlossgarten Kew Gardens in London, die sich wiederum an einer Majolikapagode in den Gärten eines chinesischen Kaisers (Xiangshan-Park, Peking) orientierte.
Der Chinesische Turm brannte mehrfach ab, zuletzt im Juli 1944 nach Bombenangriffen. Er wurde aber stets originalgetreu wieder aufgebaut, zuletzt 1952.
Am Chinesischen Turm befindet sich der mit 7.000 Sitzplätzen zweitgrößte Biergarten Münchens. In der Adventszeit wird hier ein kleiner Christkindlmarkt abgehalten. Seit 1989 findet hier wieder jedes Jahr der Kocherlball statt.
Nahe dem Chinesischen Turm steht seit 1913 ein beliebtes Kinderkarussell im Stil der Biedermeierzeit. Hier drehen sich auf einem Innen- und einem Außenkreis Kutschen, Wagen und Schlitten und 20 holzgeschnitzte Tiere unter der Musik einer Walzenorgel oder eines Polyphons; gemalt und ausgesägt finden sich unter anderem Kinderbuchfiguren, Berufe, Münchner Originale und bayerische Trachten. Der Pavillonbau befindet sich seit 1977 im Besitz des Bayerischen Freistaats.1913 vom Schwabinger Malermeister und Dekorationsmaler August Julier eröffnet, der es dort anstelle eines schlichteren Karussells von um 1850/60 errichtete; bis 1977 im Besitz der Familie Julier, 1977 an die Bayer. Verwaltung der staatl. Schlösser, Gärten und Seen verkauft, Restaurierung 1979 bis 1981. Genaueres in „Karussells in München“ von Florian Dering im Bayerischen Jahrbuch für Volkskunde 1983/84, Institut für Volkskunde München.Bayerische Schlösserverwaltung: Das Karussel im Englischen Garten – Kinderglück seit 100 Jahren, aufgerufen am 13. Dezember 2022