mini|Taubenhaus auf der Neckarinsel in Tübingen. mini|hochkant|Das Haus der Tauben am ehemaligen Schloss in Cadenberge, Landkreis Cuxhaven

Ein Taubenschlag dient der Zucht und Haltung von Haustauben und bietet ihnen Schutz vor Witterungseinflüssen und natürlichen Feinden. Nach der Bauweise werden Taubenschläge auch als Einbauschlag, Bodenschlag, Gartenschlag oder Offenschlag bezeichnet. Besondere Formen freistehender Taubenschläge sind Taubentürme und Taubenhäuser. Taubenkästen und Taubenhöhlen dienten ebenfalls der Unterbringung von Tauben. Wegen unzureichenden Schutzes und schlechter hygienischer Bedingungen werden sie in dieser Form aber kaum noch genutzt. Betreute Taubenschläge kommen aber als Maßnahme der Populationskontrolle zum Einsatz.

Die verschiedenen Nutzungsweisen der Haustaube als Ausstellungstaube, Brieftaube (bzw. Flugsporttaube), oder Fleischtaube stellen unterschiedliche Bedingungen an Aufteilung und Einrichtung des Schlages.

Taubenschläge in Deutschland mini|links|Taubenhaus in Schorssow-Bristow Da die Anschaffung eines Taubenschlages oft die finanziellen Möglichkeiten eines Hobbytaubenzüchters übersteigt, finden sich häufig mehrere Züchter zusammen und gründen eine Schlaggemeinschaft, wirtschaftlich vergleichbar mit einem Reitstall, wobei sich mehrere Personen ein Taubenhaus teilen und ihre Tauben dort unterbringen.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war in Deutschland die Freiflughaltung von Tauben in ländlichen Gebieten, aber auch bei den Bergleuten in ihren Kolonien im Ruhrgebiet, weit verbreitet.

Mittlerweile werden Haustauben in Deutschland fast nur noch zur Zucht oder für den Brieftaubensport gehalten, während sich in den Städten riesige Populationen von verwilderten Haustauben angesiedelt haben. Die Nutzung als Fleischlieferant geriet in Vergessenheit; die Nutzung als Düngerlieferant wurde durch Verordnungen erschwert: Der Kot von Stadttauben gilt als Restmüll.

Taubenschläge als Maßnahme der Populationskontrolle mini|Taubenhaus in Luxemburg-Stadt, Versuch der stadtweiten Populations-Kontrolle

In Städten mit großen Populationen von Stadttauben werden zunehmend öffentliche Taubenschläge nach dem „Augsburger Modell“ errichtet. Als Bestandteil eines Maßnahmenbündels ermöglichen sie die kontrollierte Bereitstellung geeigneten Futters und Wassers, die gesundheitliche Beobachtung und Versorgung der Tiere sowie den Austausch von Eiern gegen Attrappen. Dadurch kann die Fortpflanzung der im Schlag brütenden Tiere begrenzt werden. Zugleich können die Tauben an einen kontrollierten Ort gebunden und lokale Konfliktschwerpunkte entlastet werden.

Im Rahmen der 1988 begonnenen „Basler Taubenaktion“ verringerte sich die geschätzte Stadttaubenpopulation innerhalb von 50 Monaten von etwa 20.000 auf 10.000 Tiere. Das Programm verband eine Aufklärungskampagne zur Verringerung privater Fütterungen mit betreuten Taubenschlägen und dem Austausch von Eiern. Da diese Maßnahmen gemeinsam umgesetzt wurden, lässt sich der Bestandsrückgang nicht einer einzelnen Maßnahme zuschreiben.

Richard Köhler kam 2008 in einem Gutachten für die Stadt Bochum zu dem Schluss, dass eine deutliche gesamtstädtische Bestandsverminderung durch Taubenschläge und Eiermanagement populationsbiologisch kaum zu erwarten sei, solange nicht ein sehr großer Teil der Gesamtpopulation erfasst werde. Eine lokale Entschärfung abgegrenzter Problemschwerpunkte hielt er dagegen für möglich.

Ein Wiener Projektbericht von 2026 dokumentiert die Nutzung betreuter Taubenschläge als Aufenthalts-, Fütterungs- und Brutorte für die Tiere sowie rückläufige Beschwerden über Taubenansammlungen und Verschmutzungen. Die Bestände in den untersuchten Bereichen blieben stabil. Zugleich betont der Bericht, dass die erfolgreiche Etablierung der Taubenschläge wesentlich von einer Verringerung unkontrollierter Fütterungen im Umfeld abhängt. Geschichte und Verbreitung der Taubenschläge Bereits in altägyptischer Zeit wurde die domestizierte Form der Felsentaube in eigens dafür errichteten Taubenschlägen gehalten. Taubenzucht war auch bei Assyrern, Phöniziern und im antiken Griechenland bekannt. Die Haltung der Tauben wurde durch die Römer in Mitteleuropa und in Nordafrika verbreitet. Das römische columbarium ist die erste überlieferte Bauform eines Taubenschlags. Taubenschläge dienten in erster Linie zur Produktion von wertvollem Dünger, der auch exportiert wurde und erst danach zur Nahrungserzeugung und der Zucht von Brieftauben.

Im europäischen Mittelalter waren Taubenschläge große freistehende Gebäude auf dem Gelände von Klöstern oder Herrenhäusern; oft standen sie auch mitten in den Feldern. Ihr Betrieb war lukrativ, bedurfte aber der Genehmigung durch den König. Taubenzucht war eine vergnügliche Angelegenheit des Adels. Taubenschläge waren manchmal – wie in der Villa Barbaro in Venetien – als Pavillons in die Parkgestaltung integriert. Dieses Klassenprivileg wurde erst mit der Französischen Revolution abgeschafft, und Tauben wurden besonders im Winter für die Bevölkerung die einzige Alternative zu getrocknetem Fleisch.

mini|Dovecote oder Doocot auf einer Farm bei Salisbury, Wiltshire Britische Inseln Im Mittelalter konnten nur Grundherren die Vögel halten, so dass die verbliebenen mittelalterlichen Taubenschläge mit Herrenhäusern (Parke’s Castle), ehemaligen Klöstern und Pfarrhäusern verbunden sind. Als sich etwa ab 1600 die Gesetzeslage entspannte, besaßen auch viele Bauern Taubenschläge.

Viele Taubenschläge (engl. dovecotes) haben die Jahrhunderte überlebt, weil sie als Gebäude von besonderem historischem oder architektonischem Interesse angesehen werden. Für das Jahr 1126 ist der älteste erhaltene Taubenschlag im Rochester Castle überliefert. Von 1326 ist im englischen Ort Garway in der Grafschaft Herefordshire der älteste freistehende Taubenschlag belegt. Der vermutlich früheste erhaltene schottische Taubenschlag ist auf seiner Türinschrift 1576 datiert. Er steht bei Mertoun House in St Boswells (Region Scottish Borders).

Auf den Britischen Inseln wurden im 17. Jahrhundert über 26.000, teilweise aufwendig gestaltete Taubenschläge meist in Klostergärten und Parkanlagen von Adelshäusern gezählt. Die meisten dieser Taubenschläge, die als hohe Rundtürme einen Blickfang boten, konnten 200 bis 500 Paare beherbergen. Der Taubenschlag des Dorfes Culham in der Grafschaft Oxfordshire erreichte die Dimension eines kleinen Hauses und bot Nistkästen für 3000 Vögel. Ab Ende des 18. Jahrhunderts ging die Taubenhaltung in Großbritannien deutlich zurück, kleinere Taubenschläge wurden nur noch auf den Dächern bestehender Gebäude eingerichtet. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden einige der erhaltenen Gebäude durch den National Trust oder die staatliche Organisation English Heritage als Denkmäler gepflegt und sind für die Besichtigung zugänglich... PigeonCote.com, umfangreiche Webseite zur Geschichte englischer Taubenschläge.

mini|Taubenhaus (palomar) bei Montealegre de Campos

Spanien Vor allem in den äußerst fruchtbaren aber für die Viehzucht ungeeigneten Ebenen der Tierra de Campos in den ehemaligen Königreichen León und Kastilien zeugen noch heute viele Taubenhäuser (palomares) oder deren Ruinen von der Bedeutung der Taubenzucht im 16., 17. und 18. Jahrhundert; einige wurden wohl noch bis ins frühe 20. Jahrhundert genutzt. Sie wurden zumeist aus Stampflehm erbaut und stehen in freiem Gelände, d. h. inmitten der Felder; ihre Urheberschaft ist weitgehend unklar – in den meisten Fällen dürften es Großbauern gewesen sein, die sich diesem Zweig der Viehzucht widmeten. In anderen Gegenden der Iberischen Halbinsel sind sie eher selten, aber Ortsnamen wie Palomares deuten auf ihr ehemaliges Vorhandensein hin. Der Grundriss der noch erhaltenen oder erschließbaren Exemplare ist meist rund, aber auch quadratische Bauten kommen vor.

Frankreich

mini|Manoir d'Ango

In Frankreich waren Taubenhäuser (pigeonniers oder colombiers) über das ganze Land verbreitet, wobei sie natürlich in Weizenanbaugebieten häufiger waren als auf den kargen und steinigen Böden beispielsweise großer Teile der Bretagne, der Provence oder der Cevennen. Ende des 17. Jahrhunderts sollen es 42.000 gewesen sein. Aus dem Jahr 1261 gibt es eine Nachricht, dass der königliche Hof täglich 400 Tauben verschlang und die Hofhaltung der Königin ebenso viele. Ab einer Höhe von etwa kommen sie kaum noch vor.

Datierungen der meisten Taubenhäuser sind schwierig, da es sich um Zweckbauten handelt, die nur in geringem Maße stilgeschichtlichen Veränderungen (Moden) unterworfen sind; die Bauformen wiederholen sich deshalb oft. Die meisten noch existierenden Bauten werden meist dem 17. und 18. Jahrhundert, also der vorrevolutionären Epoche zugerechnet. Während man davon ausgeht, dass im Früh- und Hochmittelalter jedermann das Recht hatte, ein Taubenhaus zu bauen und zu betreiben, finden sich im Jahr 1312 erste Einschränkungen zugunsten der Feudalherren, die in der Folgezeit mehr und mehr beachtet wurden. Erst im Jahre 1789 wurde die Rechtsgleichheit durch entsprechende Gesetze und Erlasse der Nationalversammlung wiederhergestellt.

Taubenhäuser gibt es an allen möglichen Orten: Die meisten gehörten zu einem – in der Französischen Revolution oft zerstörten – Adelssitz; andere haben sich auf feudalen Gutshöfen erhalten; wieder andere stehen inmitten kleinerer Orte und bilden einen Aufsatz oberhalb von Toreinfahrten etc. An den ehemaligen Prioratskirchen von Civray im Département Vienne und an der Chapelle de Tresséroux beim Ort Les Lèches im Département Dordogne finden sich sogar Taubenschläge an der Südseite der Apsis.

Ägypten und Nubien mini|Großer, nicht mehr versorgter Taubenschlag im Zentrum einer Siedlung nahe Karima in Nordsudan Vom Nildelta gab es nilaufwärts bis nach Nubien schon im Altertum auf den jährlich überschwemmten Feldern an den Ufern des Nil Getreide- und Gemüseanbau. Zusätzlich zur natürlichen Düngung mit Nilschlamm wurde Taubenmist verwendet. Das Eintreffen der durch Regenfälle in Äthiopien verursachten Nilflut wurde mittels Brieftauben weitergemeldet. Aus der Zeit der römischen Herrschaft sind in Unterägypten einige Taubenschläge erhalten geblieben. Ausgrabungen, die in den 1920er und 1930er Jahren in Karanis südwestlich von Kairo gemacht wurden, zeigen fünf großteils erhaltene Taubenschläge inmitten der städtischen Siedlung. Die Taubenschläge wurden aus ungebrannten Lehmziegeln errichtet, sie sind im Grundriss zumeist quadratisch, teilweise turmhoch und mehrere Meter breit. Da die meisten dieser Lehmbauten auf den Dächern der Häuser errichtet waren und so zwangsläufig zuerst zusammengestürzt sind, wird von einer einstmals wesentlich höheren Zahl ausgegangen. Die Wände der freistehenden Gebäude waren an der Basis bis zu 1,5 Meter dick, ins Innere gelangte man bei drei der erhaltenen Türme nur über eine Leiter zur einzigen drei Meter höher gelegenen Tür. Die Größe der Taubenschläge deutet auf den Taubenmist als Handelsware hin. In der Ausgrabungsschicht des 4. und 5. Jahrhunderts fand man die Taubenschläge generell auf den Hausdächern. Taubenschläge wurden in römischer Zeit auch bei Landwirtschaftsbetrieben außerhalb der Städte gebaut, sie waren Teil dieser Gebäude oder standen frei, oft in der Nähe von Weingärten.Elinor M. Husselman: .

mini|hochkant|Kleine Taubenschläge außerhalb oder im Innenhof einzelner Gehöfte werden geschätzt und gepflegt. Bei Kerma in Nordsudan. Ungefähre Form eines nubischen Tonnengewölbes