Der Präsident von Irland ( [], ) ist das Staatsoberhaupt der Republik Irland und bekleidet damit deren höchstes Amt. Der Präsident wird alle sieben Jahre direkt vom irischen Volk gewählt und kann maximal für eine weitere Amtszeit gewählt werden. Die Präsidentschaft ist großteils eine zeremonielle Stellung, aber der Präsident hat einige Machtbefugnisse, die alleine in seiner Verantwortung liegen. Das Amt wurde im Jahr 1937 durch die irische Verfassung geschaffen. Der Amtssitz des Präsidenten ist Áras an Uachtaráin in Dublin. Die aktuelle Amtsinhaberin Catherine Connolly wurde am 24. Oktober 2025 gewählt.

Wahl

Die Amtszeit eines Präsidenten beträgt sieben Jahre und ein Präsident kann maximal zwei Amtszeiten diese Position ausüben. Der Präsident wird in geheimer Wahl direkt vom Volk gewählt und muss mindestens 35 Jahre alt sein (Artikel 12). Kann ein Präsident sein Amt nicht mehr ausüben (zum Beispiel wegen schwerer Krankheit oder Tod) muss innerhalb von 60 Tagen eine Neuwahl stattfinden. In dieser Zeit übernimmt die Presidential Commission die Aufgaben des Präsidenten (Artikel 14).

Aufgaben Die irische Verfassung schreibt ein parlamentarisches System vor, unter dem die Rolle des Präsidenten großteils zeremonieller Natur ist. Die meisten Funktionen kann der Präsident nur in enger Anlehnung an die Verfassung und auf Anordnung der Regierung durchführen. Der Präsident hat aber einige persönliche Machtbefugnisse, die er nach seinem eigenen Dafürhalten umsetzen kann. Im Gegensatz zu den Präsidenten vieler anderer Staaten ist der irische Präsident weder nominell noch de facto eine Art Generaldirektor des Staates. Die Exekutivmacht liegt in den Händen des Kabinetts, die aber dazu angehalten ist, den Präsidenten bei allen politischen Themen auf dem Laufenden zu halten.

Zeremonielle Aufgaben Einsetzen der Regierung: Der Präsident ernennt nach der Nominierung durch das Dáil Éireann (Unterhaus) den Taoiseach (Regierungsoberhaupt) sowie nach Nominierung durch den Taoiseach die anderen Minister und nimmt deren Rücktrittsgesuche entgegen. Er kann Minister auf Anraten des Taoiseach von ihrem Amt entbinden. Nach Bestimmung durch die Regierung muss der Präsident auch die Mitglieder der Judikative einsetzen. Versammeln und Auflösen des Dáil Éireann: Diese Aufgabe wird – bis auf die Möglichkeit, die Auflösung unter bestimmten Umständen abzulehnen – auf Vorschlag der Regierung ausgeführt. Unterzeichnen von Gesetzesvorschlägen: Der Präsident ist formell gesehen eine von drei Säulen des Oireachtas (Parlament). Er kann kein Gesetz ablehnen, das das Unterhaus und der Senat beschlossen haben – außer seine exklusiven Machtbefugnisse lassen dies zu. Außenpolitische Bedeutung: Auch diese Aufgabe wird durch die Regierung bestimmt. Der Präsident ernennt irische Botschafter und erkennt ausländische Botschafter in Irland an. Minister unterzeichnen (seit 1949) internationale Verträge im Namen des Präsidenten. Oberbefehlshaber der Verteidigungs-Streitkräfte: Diese Rolle wird ebenfalls auf Geheiß der Regierung durchgeführt.

Einschränkungen Der Präsident darf das Land nur mit Zustimmung der Regierung verlassen. Jede Rede an die Nation und Reden vor dem Parlament müssen von der Regierung vorab genehmigt worden sein. Abgesehen davon besitzt der Präsident absolute Redefreiheit. Während frühere Präsidenten von diesem Recht nur selten Gebrauch machten, nutzten die beiden letzten Präsidentinnen Mary Robinson und Mary McAleese viele Gelegenheiten, um ihre persönliche Meinung ohne Mitsprache der Regierung kundzutun, zum Beispiel in Interviews. Allerdings wird vom Präsidenten erwartet, dabei keine direkte Kritik an der Regierung zu üben.

Ermessensentscheidungen Der Präsident kann in folgenden Fällen unabhängig entscheiden. Unter Umständen hat er die Meinung des Staatsrates einzuholen, ohne an diese gebunden zu sein. Prüfung von Gesetzesvorschlägen: Der Präsident darf, nach Rücksprache mit dem Staatsrat, einen Gesetzentwurf an den obersten Gerichtshof senden, um diesen auf Verfassungsmäßigkeit überprüfen zu lassen. Der Gerichtshof prüft den Entwurf im Ganzen; bei einem negativen Ergebnis darf der Präsident den Entwurf nicht unterzeichnen. Diese Möglichkeit der Prüfung ist die am meisten gebrauchte Ermessensentscheidung des Präsidenten. Von diesem Recht kann der Präsident allerdings nicht bei folgenden Entwürfen Gebrauch machen: Haushaltsentwürfe Entwürfe zur Verfassungsänderung Bei wichtigen Gesetzentwürfen, bei denen die Zustimmungszeit des Senates gekürzt wurde Abstimmung von Gesetzesvorschlägen durch die Bevölkerung: Falls eine Mehrheit des Senates und ein Drittel des Dáil Éireann eine entsprechende Petition unterzeichnen, kann der Präsident nach Rücksprache mit dem Staatsrat die Unterschrift unter den Entwurf nur verweigern (abgesehen von Verfassungsänderungen), wenn er in dem Entwurf „nationale Wichtigkeit“ sieht. Dann gibt es zwei Möglichkeiten, den Entwurf in ein Gesetz umzuwandeln: durch die Bevölkerung in einer normalen Volksbefragung durch die Wiederwahl der Regierung bei einer Neuwahl innerhalb von acht Monaten Diese Machtbefugnis des Präsidenten wurde bisher nicht eingesetzt, da die Regierung meistens eine Mehrheit im Senat besitzt, die das Drittel des Dáil blockieren kann. Ablehnung der Auflösung des Unterhauses: Präsidenten können die Auflösung des Dáil Éireann aufgrund des Wunsches eines Taoiseach, der die Unterstützung des Dáil verloren hat, verweigern. Auch von diesem Recht wurde bisher kein Gebrauch gemacht, auch wenn die Möglichkeit dazu bereits drei Mal (1944, 1982 und 1994) gegeben war. Da diese Macht „komplett im eigenen Ermessen“ liegt (absolute discretion nach der englischen Version der irischen Verfassung), beziehungsweise „durch seinen eigenen Rat“ (as a chomhairle féin nach der irischen Version der Verfassung), muss der Präsident diese Entscheidung ohne Konsultation des Staatsrates fällen, da dieser aus Führern der politischen Parteien besteht, die hier Einfluss nehmen könnten. Da laut Rechtsexperten in diesem Fall ein Unterschied zwischen den beiden Sprachversionen besteht – nach der englischen Version könnte der Präsident sich die Meinung der Opposition einholen; in der irischen Version darf er dies nicht –, gilt die Regel, dass die irische Version als verbindlich angesehen wird.Diese Tatsache hat dazu geführt, dass die Präsidenten zuweilen jegliche Kontaktversuche strikt unterbunden hatten. Besonders deutlich wurde dies im Januar 1982, als Präsident Patrick Hillery seinen Stabsmitarbeiter Captain Anthony Barber instruierte, keinerlei Telefonanrufe durchzustellen. Doch drei Oppositionelle, unter ihnen Charles Haughey, der Anführer von Fianna Fáil, verlangten zum Präsidenten durchgestellt zu werden. Haughey drohte Barber sogar das Ende seiner (militärischen) Laufbahn an. Daher notierte Hillery als oberster Befehlshaber diese Drohungen in Barbers Unterlagen und stellte klar, dass Barber nach den Anweisungen des Präsidenten gehandelt hatte. Angeblich lautete Haugheys Drohung wortwörtlich: „when I am in [power], I intend to roast your fucking arse if you don’t put me through immediately“ (dt. „Wenn ich die Macht habe, werde ich Ihren beschissenen Arsch rösten, sollten Sie mich nicht sofort durchstellen.“). Der Präsident kann auf Verlangen des Dáil und nach Konsultation mit dem Staatsrat ein Zeitlimit verhängen, bis zu dem der Senat über einen Gesetzesentwurf entscheiden muss. Da der Senat nicht die Macht hat, ein Gesetz abzulehnen, ist dies die Zeit, um die der Senat ein Gesetz verzögern kann. Errichtung eines Vermittlungsausschusses: Auf Anraten des Senats kann der Präsident (nach Anhörung des Staatsrates) einen Vermittlungsausschuss einrichten, um einen Streit zwischen den beiden Häusern des Parlaments beizulegen, ob ein Gesetzesvorschlag als „Haushaltsgesetz“" gilt. Von diesem Recht wurde bisher kein Gebrauch gemacht. Rede an das Unter- bzw. Oberhaus: Der Präsident kann nach Rücksprache mit dem Staatsrat und für den Fall, dass seine Rede im Ganzen von der Regierung bewilligt wurde, eine offizielle persönliche Ansprache oder eine Nachricht an eines der beiden oder beide Häuser schicken. Vier Mal wurde bisher von diesem Recht Gebrauch gemacht, je einmal von Éamon de Valera und Mary Robinson sowie zweimal von Mary McAleese. Rede an die Nation: Der Präsident kann, nach Rücksprache mit dem Staatsrat und für den Fall, dass seine Rede im Ganzen von der Regierung bewilligt wurde, eine offizielle persönliche Ansprache oder eine offizielle Nachricht an die Nation richten. Erskine Childers war bisher der einzige Präsident, der dies getan hatte (1974).

Nachfolge Für den Fall eines vorzeitigen Ausscheidens des Präsidenten aus seinem Amt muss der Nachfolger innerhalb von 60 Tagen gewählt werden. In dieser Zwischenzeit übernimmt die sog. Presidential Commission die Aufgaben des Präsidenten.

Genau genommen endet die Amtszeit des alten Präsidenten um Mitternacht am Tag vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten. Auch in der Zeit von Mitternacht bis zur tatsächlichen Amtseinführung übernimmt diese Kommission die Aufgaben des Präsidenten.

Auch der Staatsrat kann die Aufgaben des Präsidenten laut Verfassung übernehmen, falls sowohl der Präsident als auch die Kommission dazu nicht in der Lage sind; eine Situation, die bisher nicht aufgetreten ist.

Liste der irischen Präsidenten #PräsidentAmtszeitPartei – Presidential Commission 29. Dezember 1937–25. Juni 1938 1. 80px| Douglas Hyde 25. Juni 1938–24. Juni 1945 (von allen Parteien gewählt) 2. 80px| Seán Ó Ceallaigh 25. Juni 1945–24. Juni 1959 (2 Amtszeiten) Fianna Fáil 3. 80px| Éamon de Valera 25. Juni 1959–24. Juni 1973 (2 Amtszeiten) Fianna Fáil 4. 80px| Erskine Childers 25. Juni 1973–17. November 1974 Fianna Fáil – Presidential Commission 17. November 1974–19. Dezember 1974 5. 80px| Cearbhall Ó Dálaigh 19. Dezember 1974–22. Oktober 1976 Fianna Fáil – Presidential Commission 22. Oktober 1976–3. Dezember 1976 6. 80px| Patrick Hillery 3. Dezember 1976–2. Dezember 1990 (2 Amtszeiten) Fianna Fáil 7. 80px| Mary Robinson 3. Dezember 1990–12. September 1997 Irish Labour Party – Presidential Commission 12. September 1997–10. November 1997 8. 80px| Mary McAleese 10. November 1997–11. November 2011 (2 Amtszeiten) Fianna Fáil 9. 80px| Michael D. Higgins 11. November 2011–10. November 2025 (2 Amtszeiten) Irish Labour Party 10. 80px| Catherine Connolly seit 11. November 2025 unabhängig

Residenz, Salut, Anrede Der Amtssitz des irischen Präsidenten ist Áras an Uachtaráin. Das Gebäude liegt im Phoenix Park in Dublin. Es verfügt über 29 Räume und wurde ehemals als Sommerresidenz des Lord Lieutenant of Ireland sowie von zwei der drei (Timothy Michael Healy und James McNeill) Generalgouverneure des Irischen Freistaates genutzt.

Der Präsident wird formell mit „Präsident“ ( President oder A Uachtaráin), in der Regel ohne den Vorsatz „Mr.“ oder „Madam“ angeredet. Manchmal wird auch „Eure Exzellenz“ (englisch Your Excellency oder irisch A Shoilse) verwendet.

Der Präsidialsalut ist ein Teil der irischen Nationalhymne, Amhrán na bhFiann, und besteht aus den ersten und letzten zwei Zeilen des Liedes.

Amtseinführung Die Amtseinführung des Präsidenten ist eine formelle Zeremonie, die am Tag nach dem Ende der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten in Dublin Castle in der St. Patrick’s Hall abgehalten wird.

Laut der irischen Verfassung muss der Präsident, wenn er sein Amt annimmt, in Gegenwart der Mitglieder beider Häuser des Parlaments, der Richter der obersten Gerichte und weiterer „Persönlichkeiten“ eine formelle Bekanntmachung unterschreiben, die veröffentlicht wird.

Vor den versammelten Mitgliedern des Dáil Éireann, des Seanad Éireann, der Regierung, der Judikative, vor Mitgliedern der lokalen Behörden, Diplomaten und weiteren eingeladenen Gästen sowie mit den Mitgliedern des Staatsrates hinter ihm muss der Präsident folgenden Amtseid leisten: