Pocahontas ist der 33. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios. Er beruht auf der Geschichte der Indianerfrau Pocahontas und ist somit der erste Disneyfilm, dem eine reale Person zugrunde liegt. Die Premiere fand am 15. Juni 1995 im Central Park in New York City vor einer geschätzten Menge von 100.000 Menschen statt. Damit hält Pocahontas bis heute den Rekord für die größte Filmpremiere überhaupt.sharetv.com Trivia zu Pocahontas (1995), englisch Am 23. Juni 1995 startete Pocahontas schließlich US-weit in den Kinos und spielte am Eröffnungswochenende rund 30 Millionen Dollar ein. In Deutschland und Österreich kam der Film am 16. November 1995 heraus, in der Schweiz einen Tag später.

Der Film war zwar finanziell erfolgreich und spielte mit 346 Mio. US-Dollar etwa das Fünffache seiner Produktionskosten von 55 Mio. US-Dollar ein, blieb jedoch entgegen den Erwartungen der Macher weit hinter den Einspielergebnissen seines Vorgängers Der König der Löwen zurück, die etwa doppelt so hoch waren. 1998 produzierte Disney die Fortsetzung Pocahontas 2 – Die Reise in eine neue Welt für den Videoverkauf.

Handlung England im Jahre 1607. Eine Gruppe von Männern, darunter der berühmte englische Abenteurer John Smith, soll im Auftrag der Virginia Company das noch junge Amerika erkunden. John Ratcliffe, Leiter der Expedition und selbsternannter Gouverneur des neu gegründeten Jamestown, ist besonders egozentrisch und versucht das Land auszubeuten. Auch die restliche Besatzung sieht in der neuen Welt einen rückständigen Ort, den es zu verbessern gilt. Auf der Reise in die Neue Welt gerät das Schiff der Engländer in einen Sturm, bei dem Thomas (ein junges Besatzungsmitglied, das zum ersten Mal reist) über Bord geht, jedoch von John gerettet wird.

In dieser vermeintlich rückständigen Welt verspricht der Indianerhäuptling Powhatan, der mit seinen Kriegern gerade aus einem Krieg mit einem feindlichen Indianerstamm zurückkehrt, seine schöne Tochter Pocahontas dem stärksten Krieger des Volkes, Kokoum, der jedoch nicht ihren persönlichen Wünschen entspricht. Er ist ihr zu ernst. Pocahontas sucht Rat bei Großmutter Weide, einer alten sprechenden Trauerweide, und erzählt ihr von einem Traum, den sie in letzter Zeit immer wieder hat und in dem ein kreisender Pfeil vorkommt. Sie glaubt, dass dieser Traum auf ein künftiges aufregendes Ereignis hindeutet. Großmutter Weide rät ihr, mit dem Herz zu lauschen und dann zu verstehen. Bald darauf entdeckt Pocahontas „seltsame Wolken“, die in Wirklichkeit die Segel des englischen Schiffes sind, das in der nahegelegenen Bucht anlegt.

Die Engländer erkunden die Gegend, errichten Jamestown und begeben sich, angestachelt vom habgierigen Ratcliffe, auf die Suche nach Gold, während John das Gebiet wegen eventueller Gefahren erkundet. Pocahontas verliebt sich auf einem Erkundungsgang mit ihren Freunden Meeko (einem Waschbären) und Flit (einem Kolibri) in den Engländer Smith. Zwar verstehen sie einander zunächst nicht, doch Pocahontas hört auf den Rat ihrer Mentorin, Großmutter Weide, sie solle auf ihr Herz hören, und lässt sich auf Smith ein. Im Laufe ihrer Bekanntschaft, die sich zu einer Freundschaft und bald zu einer Liebesbeziehung entwickelt, vermittelt sie ihm Verständnis für die Natur und für ihre Kultur, was den kolonialistisch eingestellten Engländer zum ersten Mal an seinen engstirnigen und intoleranten Ansichten zweifeln lässt.

Währenddessen geraten die amerikanischen Ureinwohner und die Engländer, deren Lebensideologien unterschiedlicher nicht sein könnten, feindlich aneinander. Powhatan entsendet nach einer Warnung durch Kekata, den Medizinmann des Stammes, einen Erkundungstrupp unter der Führung Kokoums, um die unbekannten Eindringlinge auszukundschaften und so zu erfahren, was diese in seinem Land vorhaben. Dabei werden die Indianer von den Engländern bemerkt und es kommt zu einem ersten Gefecht, bei dem zwar niemand getötet, ein Indianer aber angeschossen wird. Powhatan ist durch diesen Vorfall so alarmiert, dass er die Engländer als zu bekämpfende Feinde betrachtet und Verbündete um Hilfe bittet. Gouverneur Ratcliffe glaubt, dass die von ihm zutiefst verachteten Ureinwohner das zu ergatternde, bislang aber nicht gefundene Gold vor den Engländern verstecken, während Powhatan berechtigterweise der Auffassung ist, dass die Engländer gekommen seien, um sein Land zu zerstören. Sowohl Pocahontas als auch John bekommen davon Wind und versuchen beide vergeblich, ihre Parteien von den Feindseligkeiten abzuhalten. Der Konflikt zwischen beiden Parteien führt schließlich zu einem dramatischen Höhepunkt, als Pocahontas sich verbotenerweise mit John, der wegen seiner jetzigen Sympathie für die Indianer im Auftrag des Gouverneurs heimlich von Thomas verfolgt wird, im Wald trifft, um in dieser Situation Rat bei Großmutter Weide zu suchen, Kokoum beide zusammen sieht, John angreift und daraufhin vom rechtzeitig auftauchenden Thomas erschossen wird. Die Indianer glauben daraufhin, John hätte Pocahontas und Kokoum angegriffen und nehmen ihn gefangen. Powhatan will John am nächsten Tag hinrichten, weist seine Tochter scharf zurecht und bereitet seine Krieger auf einen beginnenden Krieg mit den Engländern vor. Thomas wiederum glaubt, die Indianer hätten John entführt und erzählt dies seinen Leuten, worauf Ratcliffe die Situation ausnutzt, um mit seinen Leuten gegen die Indianer in die Schlacht zu ziehen. Beide Parteien brechen am Morgen auf. Pocahontas ist angesichts der Situation nun sehr verzweifelt. Sie glaubt, dem falschen Weg gefolgt zu sein, doch Großmutter Weide rät ihr, nicht aufzugeben. Sie betrachtet einen Kompass, den John ihr geschenkt hatte und erkennt in dessen kreisender pfeilförmiger Nadel den Pfeil aus ihrem Traum, der ihr nun „den richtigen Weg“ zeigt. Geleitet von den Geistern der Erde und angefeuert von Großmutter Weide läuft sie los, um den sich anbahnenden Kampf zwischen Engländern und Indianern noch zu verhindern. Sie tritt nun selbstbewusst und mutig als Mittlerin auf und kann dank ihrer Zuneigung zu John eine verbindende Brücke zwischen den beiden Parteien schlagen und die drohende Auseinandersetzung schlichten, indem sie John vor ihrem Vater rettet und diesem klarmacht, wohin der Hass sie alle geführt hat. Powhatan erkennt die Weisheit in den Worten seiner Tochter, will nun doch nicht kämpfen und lässt den gefesselten John frei. Ratcliffe ist vom friedlichen Ausgang der Auseinandersetzung gar nicht angetan und versucht, Powhatan zu erschießen. John erkennt die Gefahr rechtzeitig und wirft sich geistesgegenwärtig in die Schusslinie, stößt Powhatan weg und rettet so, schwer verletzt, das Leben des Häuptlings. Nun sehen auch Ratcliffes Männer ein, dass ihr Anführer nicht länger seines Amtes walten kann, und führen ihn unschädlich gemacht ab. John Smith erhält von Powhatan zum Dank für die Rettung das Versprechen, nun bei seinem Volk stets willkommen zu sein, muss aber schwer verwundet nach London zurückkehren und Pocahontas trifft die schwere Entscheidung, ihn ziehen zu lassen.

Produktionsgeschichte und Hintergründe Historische Hintergründe mini|Die Rettung von John Smith durch Pocahontas, fiktive Darstellung aus dem 19. Jahrhundert (ca. 1865) Als erstem und bislang einzigem Disney-Film liegt Pocahontas eine reale Person zugrunde. Jeffrey Katzenberg, damaliger Chef der Walt Disney Company, sah in der Geschichte um die amerikanische Legendenfigur das Potential für einen ernsten, erwachsenenorientierten Film. Die Häuptlingstochter Pocahontas wurde um das Jahr 1595 im heutigen US-Bundesstaat Virginia als Tochter von Indianerhäuptling Powhatan geboren. Der Name „Pocahontas“ war laut historischen Quellen lediglich ihr Spitzname und bedeutet „die Verspielte“, während sie im Allgemeinen „Amonute“ oder „Matoaka“ genannt worden sein soll.

Der Film weist einige Parallelen zum Leben der echten Pocahontas auf, wenn auch ein Großteil ihrer Lebensereignisse im Film lediglich als Anlehnung daran vorhanden ist. So pflegte Pocahontas in Wirklichkeit wie auch in der Geschichte ein enges Verhältnis zu ihrem Vater, auf den sie als eine seiner Lieblingstöchter beachtenswerten Einfluss gehabt haben soll. Der echte John Smith, in Wirklichkeit rund fünfzehn Jahre älter als Pocahontas, berichtete in seinen Memoiren, Pocahontas habe sich in ihn verliebt und ihn im Jahr 1607 vor dem Tod in Gefangenschaft in ihrem Stamm gerettet.André Maurois: Die Geschichte Amerikas. Rascher, Zürich 1947 Des Weiteren sei sie als eine der wenigen Indianerinnen der Meinung gewesen, dass ein friedliches Nebeneinanderleben der Ureinwohner und der englischen Siedler möglich sein müsse, und habe sich demnach für die Vermittlung zwischen den Gruppen eingesetzt. Auch habe sie John Smith die Sprache ihres Stammes beigebracht.National Park Service: Historic Jamestown – Pocahontas: Her Life and Legend Die Genauigkeit dieser Schilderungen ist nicht belegbar. Eine Romanze zwischen ihr und Smith, im Film als Beziehung wie zwischen Romeo und Julia dargestellt, schildert Smith nicht.

Pocahontas’ Leben nach ihrer Bekanntschaft mit John Smith wird in der Fortsetzung des Films behandelt. So heiratete sie 1614 John Rolfe, mit dem sie nach England ging und dort als Mitglied der adeligen Gesellschaft und Botschafterin ihres Stammes sogar am königlichen Hofe empfangen wurde. Sie starb drei Jahre später, kurz vor ihrer Rückreise nach Virginia.

Inspirationsquellen mini|links|Ausgabe von The Story of Hiawatha, 1910 Eine erste Produktion der Walt Disney Company, die mit indianischen Themen zu tun hatte, war bereits 1937 der im Rahmen der Cartoon-Reihe Silly Symphonies produzierte Kurzfilm „Klein Adlerauge“, im Original Little Hiawatha. Dieser stellte eine Art Parodie des 1855 erschienenen Gedichts Hiawatha des amerikanischen Schriftstellers Henry Wadsworth Longfellow dar, das eines seiner bedeutendsten Werke gewesen war. Walt Disney wollte aus der Geschichte um den Ojibwa-Häuptling Hiawatha gar einen eigenen abendfüllenden Film produzieren und beauftragte gegen Ende der 1940er Jahre den Autor Dick Kelsey mit Drehbuch- und Bild-Entwürfen für diese Idee. Es entstanden eine Reihe von Bildern und Storyboards, die allerdings 1949 archiviert und nicht weiter verfolgt wurden. Gründe waren neben der zu dieser Zeit gerade laufenden Produktion von Cinderella auch die schwierige finanzielle Gesamtsituation der Disney-Studios, die wegen des Zweiten Weltkrieges in den 1940er Jahren schwere wirtschaftliche Verluste zu verkraften hatten. Dennoch dienten die Bilder der Hiawatha-Geschichte den Produzenten und künstlerischen Leitern von Pocahontas später als enorm wichtige Inspiration, so beispielsweise der Einsatz abstrakter Farbgebungen für die Darstellung von Emotionen oder die grafischen Stile zur Darstellung der Natur, die dadurch sehr spirituell wirkt.

Parallelen zwischen Hiawatha und Pocahontas finden sich nur entfernt, sind aber durchaus vorhanden. Beispielsweise ist der Krieg zwischen mehreren Völkern auch Thema der Hiawatha-Geschichte, wenn er auch hier nicht zwischen Ureinwohnern und Kolonialisten, sondern zwischen verschiedenen Indianerstämmen stattfindet. Letzteres wird allerdings zu Beginn von Pocahontas angedeutet, als die Krieger ihres Stammes von einer kämpferischen Auseinandersetzung mit den fiktiven „Massawomecks“ zurückkehren. Auch das Bestreben Hiawathas, als einziges Stammesmitglied den Frieden erreichen zu wollen, spiegelt sich in der Figur von Pocahontas wider. Unterschiede finden sich wiederum in der Tatsache, dass die Figur des Hiawatha kämpferische Fähigkeiten besitzt, so z. B. das Bogenschießen, und diese in den Entwürfen auch im Kampf gegen Ungeheuer einsetzt, während Pocahontas keine derartigen Eigenschaften aufweist und auch gegen keine übernatürlichen Wesen kämpfen muss. Zudem ist die Ursache des Streits in der Hiawatha-Geschichte eine Nahrungsmittelknappheit, die in Pocahontas nicht vorkommt. Hier geht es rein um materielle Interessen seitens der englischen Kolonialisten.