Espírito Santo (portugiesisch für Heiliger Geist, amtlich Estado do Espírito Santo, Kurzzeichen: ES) ist ein Bundesstaat in der Südostregion von Brasilien. Die Bevölkerungszahl betrug bei der Volkszählung 2022 3.833.486 Einwohner, die auf einer Fläche von rund 46.074,4 km² leben. Die Hauptstadt ist Vitória.

Er ist administrativ in 12 Regionen mit 78 Gemeinden (municípios) unterteilt. 49. Gouverneur ist seit dem 1. Januar 2019 Renato Casagrande (PSB).

Geografie mini|Morro do Moreno in Vila Velha Der Staat Espírito Santo nimmt eine Fläche von 46.184 km² an der brasilianischen Atlantikküste ein. Er gehört zur Region Südost und grenzt an die Staaten Minas Gerais, Bahia und Rio de Janeiro. Etwa 40 % der Oberfläche befinden sich in einem Streifen aus Ebenen, wenngleich das Relief des Staates bedeutende Höhenunterschiede aufweist. Zwei geographische Regionen lassen sich unterscheiden: das Tiefland Baixada Espírito-Santense sowie das Bergland mit der Serra do Castelo und der Serra do Caparaó, wo mit dem Pico da Bandeira (2892 m) auch die höchste Erhebung von Espírito Santo liegt. Die bedeutendsten Flüsse heißen Rio Doce, São Mateus, Itaúnas, Itapemirim und Jucu. Sie bilden die Küstenebenen des Südostens. Das Klima ist tropisch und feucht, es wird durch die Luftmassen des Atlantischen Ozeans beeinflusst. Die Niederschläge, die 1000 mm bis 1500 mm jährlich ausmachen, fallen vor allem im Sommer. Die Temperatur liegt im Jahresmittel bei 22 °C bis 24 °C.Brasil-Turismo: Geografia, besucht am 7. August 2010.Governo do Espírito Santo: , besucht am 16. Februar 2012.Renato Grimm e Luciana Panzarini auf Bemtevibrasil: 08 a 11/07 – Parque Nacional do Caparaó – Pico da Bandeira, besucht am 11. Juli 2010.Denis Richter: Domínios Morfloclimáticos Brasileiros, Os (segundo Aziz Ab’Saber), besucht am 19. September 2010.

Landschaftsformen

mini|Der Pico da Bandeira ist mit 2891,8 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt von Espírito Santo und der dritthöchste Punkt Brasiliens.

Der größte Teil von Espírito Santo ist eine Hochebene, die Teil des atlantischen Massives ist.Eduardo de Freitas: Aspectos naturais do Espírito Santo, besucht am 19. Juli 2013. Er liegt auf einer Höhe von 600–700 m über dem Meeresspiegel, hat eine eher unebene Oberfläche und Gesteine aus dem Archaikum, wo alleinstehende Berge charakteristisch sind. An der Grenze zum Staat Minas Gerais geht die Hochebene in ein Gebirge mit Höhen um 1000 m über dem Meeresspiegel über, hier befinden sich die Serra do Caparaó und die Serra da Chibata und mit dem 2890 m hohen Pico da Bandeira auch einer der höchsten Punkte Brasiliens.

Fünf Landschaftsformen lassen sich in Espírito Santo unterscheiden: Küstenebenen mit ausgedehnten Sandflächen, Stränden und Landzungen (Restingas). Arenitische Plateaus entlang der Küstenebene, die etwa 50 m Höhe haben, relativ eben sind und steil östlich in Richtung Küstenebene abfallen.Espírito Santo in der Nova Enciclopédia Barsa, São Paulo (Encyclopaedia Britannica do Brasil Publicações Ltda) 1998, S. 37 Isolierte Hügel und Berge, die entlang der Küste vorkommen und an einigen Orten Steilküsten bilden, zwischen denen sich Buchten und Naturhäfen bilden, wie etwa die Baía de Vitória Schwemmebenen entlang der Flüsse, die teilweise in ein Delta enden wie die Mündung des Rio Doce Das Bergland, Ostrand des brasilianischen Berglandes, mit einer durchschnittlichen Höhe von 700 m, wobei hierunter Bergmassive wie die oben genannte Serra do Caparaó herausstehen.

Im Unterschied zu den Staaten Rio de Janeiro und São Paulo, wo der Übergang von Hochland zu Ebene fließend ist, ist der Rand des Hochlandes in Espírito Santo zerklüftet, weil die Flüsse tiefe Täler hineingeschnitten haben. In der nördlichen Hälfte des Staates ist der Übergang von den Küstenniederungen zum Hochland im Landesinneren sanfter. Nördlich des Rio Doce gibt es zerklüftetes Land, das nicht sehr hoch liegt, jedoch fälschlicherweise Gebirge genannt wird.Eduardo de Freitas: Aspectos naturais do Espírito Santo, besucht am 19. Juli 2013.

Küste Die Küste von Espírito Santo ist im Süden und im Zentrum felsig, mit arenitischen Steilküsten im Süden und großen Granitblöcken in Ufernähe im Zentrum. Während die Küste im Süden und Zentrum stark zerklüftet ist und viele Buchten und vorgelagerte Inseln hat, ist sie im Norden sandig und geradlinig. Dort dominieren Sandstrände und Latschenvegetation sowie ausgedehnte Dünen, besonders in Itaúnas und Conceição da Barra. Zum Bundesstaat gehören auch die 12,5 km² große Insel Trindade, die sich 1140 km östlich der Küste mitten im Atlantischen Ozean befindet, sowie die 30 km von Trindade entfernte Martim Vaz. Von den insgesamt 73 Inseln des Staates liegen allein 50 in der Hauptstadt Vitória.Turismo Capixaba: , besucht am 7. August 2010.

Klima

In Espírito Santo gibt es zwei grundsätzliche Ausformungen des Klimas, nämlich tropisch-feuchtes Monsunklima Am und Savannenklima Aw nach der effektiven Klimaklassifikation von Köppen & Geiger, sowie tropisches Höhenklima. Ersteres herrscht in den niedrigen Lagen vor, es ist durch ganzjährige Wärme und mittlere Temperaturen oberhalb von 22 °C gekennzeichnet. Dieser Regenwald-Klimatyp mit mehr als 1250 mm Niederschlag pro Jahr und einer schwach ausgeprägten Trockenzeit ist an der nördlichen Küste, am Fuß des Berglandes und in der Region Vitória vorherrschend. Im Rest der Ebenen trifft man auf Klima mit 1000 mm Niederschlag und einer deutlich ausgeprägten Trockenzeit. Das Höhenklima ohne Trockenzeit beherrscht den bergigen Süden des Staates; es kennt niedrige Temperaturen im Winter, ein Jahresmittel von 18 °C und starke klimatische Schwankungen.Eduardo de Freitas (Brasil Escola): Geografia do Espírito Santo. Besucht am 21. Oktober 2012Humberto Paulo Euclydes, Paulo Afonso Ferreira, Reynaldo Furtado Faria Filho, Afonso de Paula dos Santos: (PDF; 429 kB; brasilianisches Portugiesisch). Abgerufen am 9. April 2019.

Flora und Fauna mini|Tillandsia eltoniana Das gesamte Gebiet von Espírito Santo war früher einmal komplett von tropischem Wald bedeckt. Er ist im Süden des Staates, wo die Besiedelung durch den Menschen am frühesten einsetzte, komplett verschwunden. Die Suche nach neuen Ackerflächen und der Holz- und vor allem Hartholzeinschlag haben zur Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Fläche, der Weidegebiete und zerstörten Flächen geführt. Nur im Norden des Staates, wo die Abholzung noch voranschreitet, sind Waldreserven vorhanden. Die Serra do Caparaó, die früher gänzlich von Mata Atlântica bedeckt war, ist heute komplett verwüstet und Grünland ist nur auf Höhen ab 2000 m über dem Meeresspiegel vorhanden. Die neotropische Bromelie Tillandsia eltoniana ist ausschließlich im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo anzutreffen.

Gewässer

Die wichtigsten Flüsse des Bundesstaates sind von Norden nach Süden der Rio Itaúnas, der Rio São Mateus, der Rio Doce und der Rio Itapemirim. Sie alle fließen von Westen nach Osten. Der wichtigste Fluss ist der Rio Doce, der in Minas Gerais entspringt und den Staat Espírito Santo in zwei fast gleich große Hälften teilt. In seinem Delta gibt es zahlreiche Lagunen, von denen die Lagoa Juparanã die bedeutendste ist.„Espírito Santo: Geografia“, in: Nova Enciclopédia Barsa (Band 6), 1998, São Paulo: Encyclopaedia Britannica do Brasil Publicações Ltda. S. 37 ff.

Städte

+Großstädte in Espírito Santo nach Einwohnerzahl (2010)kursiv: mit Schätzung zum 1. Juli 2020 StadtNr. Einwohner Mesoregion 90px Vila Velha 1 414.586501.325Central 90px Serra 2 409.267527.240 Central Cariacica 3 348.738383.917 Central 90px Vitória (Hauptstadt) 4 327.801365.855 Central 90px Cachoeiro de Itapemirim 5 189.889210.589 Sul Linhares 6 141.306176.688 Litoral Norte 90px Colatina 7 111.788123.400 Noroeste São Mateus 8 109.028132.642 Litoral Norte 90px Guarapari 9 105.286126.701 Central Aracruz 10 81.832103.101 Litoral Norte

Bevölkerung mini|Bevölkerungsdichte Espírito Santo. Die vom IBGE durchgeführte Volkszählung des Jahres 2022 ergab, dass der Staat Espírito Santo 3.833.486 Einwohner hatte, wobei die Einwohnerzahl im Jahr 1991 noch bei 2.548.231 und im Jahr 2010 bei 3.514.952 lag. Er ist damit auf Rang 15 der bevölkerungsreichsten Staaten Brasiliens, 1,89 % der Brasilianer wohnen hier. Die gleiche Volkszählung zeigte weiterhin, dass in Espírito Santo 1.870.063 Männer und 1.963.649 Frauen leben. Im Jahr 2010 entfielen auf die Städte 2.931.472 Einwohner; 583.480 Menschen bevölkern die ländlichen Gebiete. In den zehn Jahren zuvor verzeichnete der Staat somit ein Bevölkerungswachstum von 13,59 %, das Wachstum der Städte war dabei deutlich höher als jenes der Landbevölkerung. Bis 2030 wird ein Anstieg auf fast 4,5 Millionen Einwohner vorausgesagt.

Die Bevölkerungsdichte des Staates liegt bei 88,21 Einwohner pro Quadratkilometer, damit liegt der Staat in der Rangliste der am dichtesten besiedelten Staaten Brasiliens auf Platz sieben. Die Verteilung der Bevölkerung ist ungleich, mit höheren Konzentrationen in der Region um die Hauptstadt Vitória und in der Bergregion im Inneren des Staates. Die Ebenen entlang der Küsten haben fast überall eine niedrigere Bevölkerungsdichte als der Landesdurchschnitt. Der nördliche Teil der Küstenebene ist am dünnsten besiedelt.

In zwei Gemeinden des Staates gilt Ostpommersch neben Portugiesisch als zweite Amtssprache: in Vila Pavão und Santa Maria de Jetibá. Im August 2011 wurde mit PIC 11/2009 der Artikel 182 der Staatsverfassung so geändert, dass die pommersche Sprache zusammen mit der deutschen Sprache zum kulturellen Erbe des Staates gehören. Religion mini|Der Convento da Penha

Obwohl traditionell der Katholizismus die dominierende Religion in Espírito Santo ist, gab es in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche Steigerung der Anhänger der Pfingstbewegungen. Laut der Volkszählung von 2010 ist die katholische Kirche die Religion von 53,4 % der Einwohner von Espírito Santo. Administrativ ist die katholische Kirche in eine Erzdiözese, nämlich das Erzbistum Vitória, und drei Diözesen aufgeteilt: Bistum São Mateus, Bistum Colatina und Bistum Cachoeiro de Itapemirim.Offizielle Webpräsenz der Confederação Nacional dos Bispos do Brasil: , besucht am 4. Oktober 2010. Mit dem Convento da Penha und der Basilika des Heiligen Antonius sind zwei der wichtigsten historischen Baudenkmäler des Staates auf den katholischen Glauben zurückzuführen.Luiz Guilherme Santos Neves: Lendas da Penha, besucht am 21. April 2009.Basílica de Santo Antônio: , besucht am 29. März 2011. Aus der Volkszählung 2010 geht weiters hervor, dass 33,1 % der Bevölkerung von Espírito Santo Anhänger der evangelischen Kirchen sind, das ist der höchste Anteil in ganz Brasilien. Es gibt zahlreiche Evangelikale Kirchen, die größten davon sind die Assembléia de Deus in ihren verschiedenen Verzweigungen, gefolgt von der Igreja Cristã Maranata, die vor 43 Jahren in Espírito Santo gegründet wurde, der vielgestaltigen baptistischen Kirche und der Igreja Universal do Reino de Deus.

Es finden sich auch Religionen afrikanischen Ursprunges, wie Spiritismus und andere.Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística: População residente por cor ou raça e religião, besucht am 19. September 2010. Die Evangelisch-lutherischen Kirchen sind auch im ganzen Staat präsent, vor allem im Hochland, wo es mehr Nachkommen von Deutschen und Pommern gibt.Portal Luteranos: Imigrantes Alemães no Espírito Santo, vom 25. Juni 2012, besucht am 17. Januar 2013. Mit dem Zen-Kloster Morro da Vargem von Ibiraçu befindet sich das älteste Zenkloster Lateinamerikas in Espírito Santo,Offizielle Webpräsenz des Mosteiro Zen da Vargem: Mosteiro Zen da Vargem, besucht am 5. August 2010 genau wie der 1555 gebaute Convento da Penha das erste Kloster Brasiliens warOffizielle Webpräsenz des Convento da Penha: , besucht am 24. März 2012 und die erste lutherische Kirche ebenfalls in Espírito Santo stand.Suzana Souza: Imigrantes no Brasil, besucht am 19. September 2010.