mini|300px|Luftbild Kitzingen mini|300px|Altstadt mit Alter Mainbrücke im Vordergrund, links die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes, rechts die Evangelische Stadtkirche mini|300px|Kaiserstraße mit Marktturm und Rathaus
Kitzingen ist eine Stadt im nordbayerischen Regierungsbezirk Unterfranken und als Große Kreisstadt Sitz des Landratsamtes im gleichnamigen Landkreis. Mit 22.936 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) ist sie derzeit knapp hinter Bad Kissingen die fünftgrößte Stadt in Unterfranken.
Die historische Weinhandelsstadt liegt im äußersten Westen der Metropolregion Nürnberg, im Süden der Regiopolregion Mainfranken und ist Teil der Planungsregion Würzburg (Bayerische Planungsregion 2). In Kitzingen befinden sich der Falterturm mit seinem schiefen Turmhelm, die Alte Mainbrücke und das 1966 eröffnete Deutsche Fastnachtmuseum.
Geographie Geographische Lage mini|Blick auf die Altstadt am Main mini|Stadtansicht von derKonrad-Adenauer-Brücke
Kitzingen liegt an den Ufern des Mains im Maindreieck und inmitten des Weinbaugebiets Franken. In Sichtweite der Stadt im Osten beginnen die Steilstufen der Mittelgebirgslandschaft des Steigerwalds. Die bedeutende Universitäts- und Regierungsstadt Würzburg liegt nur 20 km nordwestlich und die Industriestadt Schweinfurt 34 km nördlich (jeweils Luftlinie).
Geologie Die Stadt liegt im fränkischen Schichtstufenland auf Muschelkalkböden.
Ausdehnung des Stadtgebiets Der historische Stadtkern liegt westlich des Mains, die Ortsteile Etwashausen und Siedlung sowie die meisten Industriegebiete liegen dagegen östlich. Im Norden erstreckt sich der sogenannte Klosterforst als einer der größeren Wälder im Vorland des Steigerwaldes und das Gültholz als Bürgerwald. Kitzingen ist eine Brückenstadt und hat heute vier Straßenbrücken und eine Eisenbahnbrücke über den Main, was für eine Stadt dieser Größenordnung außerordentlich selten ist und die verkehrstechnische Bedeutung der Stadt widerspiegelt. Die Brücken von Nord nach Süd: Nordbrücke, Alte Mainbrücke, Konrad-Adenauer-Brücke, Eisenbahnbrücke, Südbrücke. Neben der Altstadt entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert in der Nähe des Bahnhofs das sogenannte Mühlberggebiet als dritter historischer Siedlungskern neben Bürgerstadt und Kloster. Die Stadt bildet gemäß bayerischem Landesentwicklungsprogramm ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.
Das Stadtgebiet mit allen Siedlungen misst etwa fünf Kilometer von Westen nach Osten und drei Kilometer von Norden nach Süden.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Schwarzach am Main, Großlangheim, Rödelsee, Mainbernheim, Marktsteft, Sulzfeld am Main, Ochsenfurt, Biebelried, Buchbrunn, Mainstockheim, Albertshofen und Dettelbach. Die gemeinsame Gemarkungsgrenze mit der Nachbargemeinde Ochsenfurt (Gemarkung Erlach), bei der das Kitzinger Stadtgebiet direkt an den Landkreis Würzburg grenzt, beträgt dabei nur etwa 50 Meter.
Gemeindegliederung Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Hoheim, Hohenfeld, Kitzingen, Klosterforst, Repperndorf und Sickershausen. Die Gemarkung Kitzingen hat eine Fläche von 24,350 km². Sie ist in 8865 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2746,80 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Eheriedermühle, Etwashausen und Siedlung.
Naturräumliche Lage Die Stadt Kitzingen und ihre Stadtteile liegen in insgesamt vier verschiedenen Naturräumen. Die Kernstadt und die am Main gelegenen Orte liegen im niederschlagsarmen Kitzinger Maintal, das Teil des Mittleren Maintals ist. Die großen Waldflächen im Nordosten wachsen auf dem ausgedehnten Albertshofener Flugsandgebiet in der Kitzinger Mainebene des Steigerwaldvorlandes. Im Osten schließt die Mainbernheimer Ebene an. Alle westlichen Bereiche oberhalb des Maintals liegt dagegen auf den Hochflächen im südlichen Maindreieck.
Klima Kitzingen liegt in der Maingauklimazone, dem trockensten Gebiet Bayerns, das hier zusammen mit den Muschelkalkböden den Weinbau besonders begünstigt und so in der Vergangenheit auch zum Wohlstand der Stadt beigetragen hat.
Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur der DWD-Wetterstation Kitzingen (Stations-ID 2600) betrug für die noch gültige Klima-Referenzperiode von 1961–1990 9,2 °C, der mittlere Jahresniederschlag lag in diesem Zeitraum bei 591 mm. Nach der aktuelleren Klima-Referenzperiode 1991–2020 ist die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur an der Kitzinger Wetterstation auf 10,3 °C angestiegen, während sich der mittlere Jahresniederschlag mit 592 mm kaum verändert hat. Allerdings haben sich die Niederschläge teilweise von den Sommermonaten in die Wintermonate verlagert. Zudem hat der Juli den Juni als niederschlagsreichsten Monat abgelöst. Im Juli fällt in Kitzingen mehr als doppelt so viel Niederschlag wie im trockensten Monat April.
Am 5. Juli 2015 und 7. August 2015 wurde an der DWD-Wetterstation Kitzingen, die sich auf 193 m ü. NN befindet, jeweils mit 40,3 °C die höchste bis dahin seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnung im Jahr 1881 in Deutschland gemessene Temperatur erreicht. Dieser Rekordwert wurde am 24. Juli 2019 im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen mit einer Temperatur von 40,5 °C übertroffen.
Geschichte Gründungsgeschichte und Anfänge
Die Geschichte der Stadt Kitzingen, welche zum Ipfgau gehörte, beginnt um etwa 745 mit der Gründung eines Frauenklosters durch Hadeloga (oder Adeloga oder Hadla), der Sage nach eine Tochter des fränkischen Hausmeiers Karl Martell. Als sie eines Sommertages auf der Terrasse des Schlosses ihres Bruders, König Pippin III. des Jüngeren (Pippin der Kurze) auf dem Schwanberg stand und in das Maintal zu ihren Füßen schaute, war sie so angetan von der Lieblichkeit der Landschaft, dass sie beschloss, ein Kloster zu gründen. Sie übergab ihren Schleier (laut anderen Quellen ihren Handschuh) dem Wind, der ihn nach Westen ins Tal trug. Da, wo der Schleier zu Boden fiel, wollte sie das Kloster errichten. Der Schäfer Kitz fand den Schleier am westlichen Strand des Mains an einem Weinstock hängend. Dort wurde das Kloster erbaut. Zu Ehren des Schäfers wurde es Kitzingen genannt. So weit die Sage.
Als zeitlich früheste Beurkundung des Klosters Kitzingen ist in der Lebensbeschreibung des ersten Fuldaer Abtes Sturmius in der vita sturmi unter apud Kizinga monasterium das Jahr 748 angegeben, mit Hadeloga als dessen Äbtissin. Vermutlich wurde das Kloster durch den Hl. Bonifatius geweiht. Dass das Kloster einige Jahre vorher gebaut worden war, ist anzunehmen. Die Stadt Kitzingen feiert das Jahr 745 als Gründungsjahr der Stadt und Hadeloga als Gründerin.
Allerdings stammte Hadeloga wohl nicht aus dem Königsgeschlecht der Karolinger. In keiner der Ahnentafeln der Karolinger ist ihr Name zu finden. Und 745 gab es weder Schloss noch Burg auf dem Schwanberg, von dem sie ihren Schleier hätte werfen können. Auch die in Zedlers Großem Universallexikon von 1732 angegebene (H)Adeloga oder Adelheid, Tochter Pippins III., ist als Klostergründerin auszuschließen, da Adelheid erst 746 geboren wurde. Sie war wohl eher die Nachfolgerin der ersten Äbtissin.
Heute wird angenommen, dass Hadeloga aus dem einflussreichen Adelsgeschlecht der Mattonen stammte. Dass das Kloster den Rang einer Reichsabtei hatte, unterstreicht die Bedeutung dieses Geschlechtes.
Entwicklung der Stadt im Hoch- und Spätmittelalter mini|Stadtansicht von Kitzingen 1656 aus der Topographia Franconiae von Matthäus Merian
1040 wurde erstmals eine Siedlung („villa“) um das Kloster erwähnt. Vom 11. bis zum 15. Jahrhundert entwickelte sich Kitzingen nach und nach zur Stadt (das genaue Datum der Stadtrechtverleihung ist nicht bekannt) und konnte sich schrittweise von der Abhängigkeit gegenüber dem Kloster loslösen. Dabei wechselte der Ort mehrfach den Besitzer (Grafen von Hohenlohe, Hochstift Würzburg, Markgrafen von Brandenburg-Ansbach).
Am 8. August 1266, dem Festtag des Heiligen Cyriakus, fand im Süden von Kitzingen zwischen der Stadt und Sulzfeld am Main die sogenannte Cyriakus-Schlacht statt. Vorausgegangen war ein Konflikt im Würzburger Domkapitel nach dem Tod des Bischofs Iring von Reinstein-Homburg. Eine Minderheit stand dem Kandidaten Berthold von Henneberg nahe, während die Mehrheit der Domherren Poppo von Trimberg zum neuen Bischof machen wollte. Schließlich wurde der Streit kriegerisch ausgetragen.mini|hochkant|Die Cyriakusschlacht in der Fries-Chronik des 16. JahrhundertsDie Grafen von Henneberg und ihre Verbündeten, die Grafen zu Castell, planten am Morgen des 8. August die Überquerung des Maines bei Kitzingen, um auf die Hochfläche bei Repperndorf vorstoßen zu können. Die Stadt Kitzingen selbst war in den Händen der Herren von Hohenlohe, die aufseiten der Würzburger standen. Also setzte man weiter südlich bei Sulzfeld über. Hier erwarteten die Würzburger Bürgertruppen die Henneberger und drängten sie zurück. Die Schlacht entschied die Auseinandersetzung im Domkapitel dennoch nicht.
1280 wird Kitzingen urkundlich als „oppidum“ bezeichnet, was so viel wie Marktflecken bedeutet. 1390 erfolgte die erste Erwähnung eines mittelalterlichen Leprosoriums („Sondersiechenhaus“), das dem Heiligen Nikolaus geweiht war und noch im 19. Jahrhundert, zeitweise als eigenständiger Ortsteil, bestand. Dieses lag vor den Toren Etwashausens, etwa dort, wo sich heute die östliche Auffahrt der Konrad-Adenauer-Brücke befindet. Untertägige Reste sind als Bodendenkmal erhalten. → siehe auch: Siechenhaus (Kitzingen)
Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Stadt erstmals mit einem rechteckigen, turmbewehrten Mauerring umgeben, dessen auffälligstes Relikt der Marktturm ist. In diese Befestigung war auch der Bau einer steinernen Mainbrücke einbezogen, die im Jahr 1300 in einer hohenlohischen Urkunde erstmals erwähnt wurde. Im 15. Jahrhundert, als die Stadt über diese erste Befestigung hinausgewachsen war, umwallte man sie mit einer zweiten Stadtmauer mit insgesamt 30 Wehrtürmen, diesmal in Form eines gleichseitigen Dreiecks, wobei die Mainfront die Ostseite bildete. Auch die Vorstadt Etwashausen erhielt im Zuge dessen eine Ortsbefestigung. Insgesamt fünf Tore ermöglichten den Zugang zur Stadt, von denen das Faltertor (Errichtung 1469–1496) mit dem Falterturm das aufwändigste war. Innerhalb dieser Umwallung sollte die Stadt bis ins 19. Jahrhundert hinein verbleiben.
Im Jahre 1482 versammelten sich in Kitzingen die Abgesandten der fränkischen Fürsten, der Bischöfe von Würzburg und Bamberg, des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg und der Freien Reichsstadt Nürnberg. Das Ziel war, der weit verbreiteten Weinpanscherei einen Riegel vorzuschieben. Das am 29. September des gleichen Jahres beschlossene Gesetz legte fest, was im Wein enthalten sein durfte und was nicht. Zuwiderhandlungen wurden bestraft. Wenn etwa gepanschter Wein entdeckt wurde, wurden die Fässer zerstört und eine Buße verhängt. Das Gesetz, bekannt als das Kitzinger Weingesetz von 1482 oder auch als das 1. Fränkische Weingesetz, galt seinerzeit vom Bodensee bis Sachsen und machte Kitzingen weithin bekannt.
1487 wurde die katholischen Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer geweiht (Jahreszahl an Empore und Seiteneingang), sie unterstand zwar dem Kloster, war jedoch die Bürgerkirche der Stadt, was auch durch ihre Lage in der Nähe des Marktplatzes unterstrichen wird.
Vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert