Die Yangshao-Kultur () breitete sich neben der Peiligang-Kultur und der Cishan-Kultur in der Zeit von 5000 bis 3000 v. Chr. in einigen Gebieten Zentral- und Nordchinas sowie an den Küstenstreifen aus. Mit über 1000 Grabungsstätten von Hebei über Henan, Shaanxi, Shanxi, bis nach Qinghai und Gansu entlang des Huang He ist diese jungsteinzeitliche Kultur besonders gut dokumentiert.
Phasen Die Yangshao-Kultur wird üblicherweise in drei Phasen unterteilt: Die Frühe Yanghshao-Periode oder Banpo-Phase (ca. 5000–4000 v. Chr.) ist durch die archäologischen Fundstätten Banpo, Jiangzhai, Beishouling und Dadiwan im Tal des Wei He in der Provinz Shaanxi repräsentiert.Liu Li, Chen Xingcan: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, Cambridge University Press, 2012, ISBN 978-0-521-64310-8, S. 190–191. Die Mittlere Yangshao-Periode oder Miaodigou-Phase (ca. 4000–3500 v. Chr.) war durch die Ausbreitung der Kultur und ihrer Bevölkerung in alle Richtungen gekennzeichnet. In einigen Gebieten, so u. a. im Westen der Provinz Henan, entwickelten sich hierarchische Siedlungen.Liu Li, Chen Xingcan: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 191–193. In der Späteren Yangshao-Periode (ca. 3500–3000 v. Chr.) breiteten sich die hierarchisch strukturierten Dörfer noch stärker aus. Die älteste bekannte Stampflehmmauer Chinas wurde um den etwa 25 Hektar großen Ort Xishan errichtet, der beim heutigen Zhengzhou in Zentral-Henan lag.Liu Li, Chen Xingcan: The Archaeology of China: From the Late Paleolithic to the Early Bronze Age, 2012, S. 193–194.
Siedlungen; Lebensweise; Keramik mini|links|Amphore der Yangshao-Kultur mini|links|Kochutensil aus Keramik mini|links|Ursprung und Verbreitung der Sinotibetische Sprachen. Rotes Oval ist die späte Cishan- und die frühe Yangshao-Kultur. Schwarzer Pfeil ist der vermutete Pfad der Sinotibetischen Expansion. Nachdem die linguistisch vergleichende Methode auf die von Laurent Sagart im Jahr 2019 entwickelte Datenbank mit vergleichenden linguistischen Daten angewendet wurde, um Lautkorrespondenzen zu identifizieren und Kognaten zu ermitteln, werden phylogenetische Methoden verwendet, um Beziehungen zwischen diesen Sprachen abzuleiten und das Alter ihrer Herkunft und ihres Heimatlandes zu schätzen.
Die nach dem ersten Fundort Yangshao im Westen der Provinz Henan benannte Yangshao-Kultur ist die am längsten bekannte neolithische Kultur Chinas; sie wurde 1921 vom schwedischen Archäologen Johan Gunnar Andersson entdeckt. Ihr Zentrum lag wohl in jenem Gebiet am Gelben Fluss (Huang He), wo dieser von Norden her kommend nach Osten abbiegt und zuerst den Fen He und dann den Wei He aufnimmt. Diese fruchtbare Region eignete sich besonders gut für die Ansiedlung einer Ackerbau und Viehzucht treibenden Bevölkerung.Roger Goepper: Das alte China. Geschichte und Kultur des Reiches der Mitte, C. Bertelsmann Verlag, München 1988, ISBN 3-570-06749-1, S. 31.
Charakteristisch für die Yangshao-Kultur ist die Buntkeramik. Die Gefäße wurden aus Ton, der bei Temperaturen von circa 800 bis 1050 Grad Celsius gebrannt wurde, ohne die Verwendung einer Töpferscheibe hergestellt und sind schwarz und rot bemalt auf braunem und ziegelfarbenem Grund. Sie sind mit geometrischen und figuralen Elementen verziert. Diese Ornamente wurden auf die mit der nassen Hand geglättete und danach polierte Gefäßwandung mit einem Pinsel nach dem Brand aufgezeichnet. Als Pigmente der Malereien dienten meist Hämatit-Pulver und Magnesiumoxid. Den Großteil der Yangshao-Keramik bildeten indessen unbemalte, aus grauem oder bräunlichem Ton produzierte Gebrauchsgefäße.Roger Goepper: Das alte China. Geschichte und Kultur des Reiches der Mitte, 1988, S. 32.
Die Werkzeuge der Yangshao-Kultur waren aus geschlagenem und teils poliertem Stein sowie aus Knochen gefertigt. Es gab Pfeil und Bogen, Harpunen, Angelhaken und Speere. Die Nahrungsgrundlage lieferten der Hirseanbau, die Haltung von Schwein und Hund (seltener Rind, Ziege und Schaf), Jagd und Fischfang. Jagdbeute waren Pferde, Hirsche, Nashörner, Antilopen, Leoparden, Hasen u. a. Auch die Seidenraupenzucht war bereits bekannt.
Eine typische Siedlung der Yangshao-Kultur wurde im Dorf Banpo (bzw. Banpocun) bei Xi’an, Provinz Shaanxi, ausgegraben. Die Siedlung besitzt eine ovalen Grundriss und eine Fläche von 50 000 m². Es wurden Wohnhäuser, ein mögliches Gemeinschaftsgebäude, Vorratssilos und Abzäunungen beobachtet. Umgeben war die Siedlung von einem 6 m breiten und tiefen Graben. Im Norden lagen die Begräbnisstätten. Kinder wurden in Urnen im Wohnbereich bestattet. Daraus, dass den Verstorbenen Nahrungsmittel und Grabbeigaben beigelegt wurden, schließt man, dass es bereits Jenseitsvorstellungen gab.
Häuser der Yangshao-Kultur können sowohl quadratische oder viereckige als auch runde Grundrisse besitzen. Das Dach und teilweise auch die Wände wurden von Pfosten aus Holz getragen. Ein der Spätphase der Yangshao-Kultur zugehöriges größeres Wohngebäude, das 1972 in der archäologischen Stätte Dahecun entdeckt wurde, weist eine komplexere Bauweise und Raumstruktur auf als die einfachen und kleineren Häuser der älteren Banpo-Siedlung.
Aufgrund ihrer unterschiedlichen Keramik-Typen werden verschiedene nach ihren Fundstätten benannte Yangshao-Kulturen unterschieden: Banpo-Kultur, Shijia-Kultur, Miaodigou-Kultur, Xiwangcun-Kultur, Qinwangzhai-Kultur, Hougang-Kultur, Dasikongcun-Kultur und Xiawanggang-Kultur.
Die Yangshao-Stätte steht seit 1961 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China (1-138).
Siehe auch Liste neolithischer Fundstätten in China Denkmäler der Volksrepublik China (Henan)
Literatur Otto Ladstätter, Sepp Linhart: China und Japan. Die Kulturen Ostasiens. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1983 Hermann Müller-Karpe: Neolithische Siedlungen der Yangshao-Kultur in Nordchina, nach den Arbeiten von Shi Xingbang u. a. Beck, München 1982 Zhongguo kexueyuan Kaogu yanjiusuo, Banpo bowuguan (Archäologisches Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und das Banpo-Museum) (Hrsg.): Xi'an Banpo (Die Banpo-Siedlung bei Xi'an). Wenwu chubanshe, Peking 1963 Yan Wenming: Yangshao wenhua yanjiu (Forschungen zur Yangshao-Kultur), Peking: Wenwu chubanshe, 1989
Weblinks
Site of Yangshao Village (englisch) (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Jungsteinzeitliche Kultur (China) Kategorie:Archäologische Kultur (Asien) Kategorie:5. Jahrtausend v. Chr. Kategorie:4. Jahrtausend v. Chr. Kategorie:3. Jahrtausend v. Chr.