Sizilien ( und von gleichlautend ) ist mit 25.426 km² die größte Insel im Mittelmeer. Sie liegt südwestlich von Kalabrien, der „Stiefelspitze“ Italiens. Gemeinsam mit einigen ihr vorgelagerten kleineren Inseln bildet sie die Autonome Region Sizilien der Italienischen Republik.
Die im Allgemeinen gebirgige Insel ist von zahlreichen Flüssen durchzogen. Die meisten der Seen Siziliens sind künstlich angelegte Stauseen. Das geographisch markanteste Merkmal Siziliens ist der Vulkan Ätna. Die größten Städte sind Palermo, die Hauptstadt der Autonomen Region, sowie Catania, Messina und Syrakus.
In der Antike siedelten neben den einheimischen Völkern auch Griechen und Karthager auf der Insel, die als Hauptgebiet der Magna Graecia galt und seit 241 v. Chr. zum Römischen Reich gehörte. Giuseppe Tomasi di Lampedusa nennt Sizilien das „Amerika der Antike“. Im Mittelalter prägten insbesondere Araber, Byzantiner und Normannen, unter diesen entstand das Königreich Sizilien, sowie die deutschen Staufer Sizilien. All diese Kulturen hinterließen deutliche Spuren auf der Insel.
Name Der Name Sizilien ist abgeleitet von oder – je nach Dialekt – und bezieht sich auf die Sikeler, die zur Zeit der griechischen Kolonisation den Osten der Insel bewohnten. Zuvor genutzte ältere Bezeichnungen sind ,Die Betonung Trinákria entspricht den lateinischen Akzentgesetzen. wörtlich „Dreikap“, was auf die Dreiecksform der Insel Bezug nimmt, und mit Bezug auf die Sikanen, andere nichtgriechische Bewohner der Insel.Herodot, Historien 7,170; Thukydides, Der Peloponnesische Krieg 6,2,5. vgl. auch Homer, Odyssee 24,302ff.: Odysseus gibt vor, aus Sikanien zu stammen. Auf Arabisch wurde die Insel صقلية Siqilliyya genannt.Karla Mallette: Arabic Literature in Italy. In: Christopher Kleinhenz: Medieval Italy. An Encyclopedia. Band 1, S. 45.
Geografie Lage und Form Von der Apenninhalbinsel ist Sizilien durch die Straße von Messina (italienisch Stretto di Messina) getrennt, eine Meerenge, die an der schmalsten Stelle etwa drei Kilometer breit ist. Die Entfernung nach Malta beträgt 95 km. Nach Tunesien sind es über die Straße von Sizilien (italienisch Canale di Sicilia) 145 km.
Die Insel Sizilien hat in etwa die Form eines Dreiecks, der sie ihren griechischen Namen Trinakria, zu deutsch „Drei-Kap“, verdankt. Die drei Ecken der Insel werden durch das Capo Boeo in Marsala im Westen, das Capo Peloro in Messina im Nordosten und das Capo Passero in Portopalo di Capo Passero im Südosten gebildet. Vor der in Ost-West-Richtung verlaufenden Nordküste liegt das Tyrrhenische Meer, vor der Ostküste das Ionische Meer und zwischen der Südwestküste und dem afrikanischen Kontinent das Sizilische Meer.
Die Insel erstreckt sich von 36,65° bis 38,3° nördlicher Breite und von 12.426° bis 15.653° östlicher Länge. Zum Vergleich liegt der südlichste Punkt des europäischen Festlandes in Tarifa (Spanien) bei fast genau 36° nördlicher Breite, also nur rund 70 km weiter südlich als die Südspitze der Insel. Die griechische Halbinsel Peloponnes erstreckt sich von 36,385° bis 38,339° nördlicher Breite, also etwa in demselben Bereich wie Sizilien.
Landformen mini|Eruption des Ätna im Jahre 2002, fotografiert aus der ISS
Über 80 % der Fläche Siziliens sind Berg- oder Hügelland. Ebene Gebiete gibt es im Süden und im Hinterland von Catania. An der Nordküste setzen die Monti Peloritani, die Monti Nebrodi und die Monti Madonie die Gebirgskette des Apennin fort, ihnen folgen weiter westlich die Monti Sicani und die Monti di Trapani. Im Südosten erheben sich die Monti Iblei, im Landesinneren die Monti Erei.
Der höchste Berg Siziliens ist der Ätna (3403 m), der zugleich der größte und aktivste Vulkan Europas ist. Weitere aktive Vulkane sind Stromboli und Vulcano auf den im Nordosten vorgelagerten Liparischen Inseln. Der höchste nichtvulkanische Berg ist der Pizzo Carbonara (1979 m) in den Monti Madonie.
Der Imera Meridionale als längster Fluss Siziliens entspringt in den Monti Madonie und mündet nach 144 km bei Licata ins Sizilische Meer. Die Quelle des 113 km langen Simeto, der mit über 4000 Quadratkilometern das größte Einzugsgebiet hat, liegt in den Monti Nebrodi, seine Mündung in das Ionische Meer südlich von Catania. Weitere größere Flüsse sind der Platani (84 km) und der Belice (77 km) im Westen der Insel. Besonders bekannt ist der Alcantara (52 km) wegen seiner Schluchten, den Gole dell’Alcantara, die er durch die Lava des Ätna gegraben hat.
Unter den Seen Siziliens sind nur wenige natürlichen Ursprungs. Der größte unter ihnen ist der Lago di Pergusa im Zentrum der Insel. Er ist vulkanischen Ursprungs und hat eine fast kreisrunde Fläche. Die meisten Seen sind Stauseen, von denen der Lago Pozzillo mit einer Fläche von 7,8 km2 der größte ist.
Die Küste Siziliens erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 1152 Kilometern mit zahlreichen Kaps. Im Norden und Osten steigt das Land steil aus dem Meer auf. Unterbrochen werden diese Felsküsten von zahlreichen Buchten mit Sandstränden. Gegen Süden hin fällt das Land flach ab und es gibt längere Abschnitte mit Sandstrand.
Vor der Nordküste Siziliens liegen die Äolischen oder Liparischen Inseln (Isole Eolie), im Nordwesten die Insel Ustica. Die Westspitze wird von den Ägadischen Inseln (Isole Egadi) gesäumt. Zwischen der Südküste Siziliens und der tunesischen Küste befinden sich die Insel Pantelleria und die Pelagischen Inseln (Isole Pelagie).
Geologie Die Monti Peloritani als Fortsetzung des Aspromonte bestehen aus Gneis und Glimmerschiefer. Die Monti Nebrodi setzen sich aus Tonschiefer und Sandstein zusammen, die Monti Madonie aus Sand- und Kalkstein. Das Inselinnere und der Süden bestehen vorwiegend aus Tonen und Mergeln.
Sizilien gehört zur afrikanischen und zur apulischen Platte bzw. eurasischen Kontinentalplatte. Die Kontaktzone beider Platten verläuft quer durch die Insel. An den Nahtstellen kommt es immer wieder zu Reibungen, die heftige Erdbeben auslösen, unter denen vor allem der südliche Teil der Insel zu leiden hat. Der östliche Teil gehört zu einer vulkanischen Zone, die von den Liparischen Inseln über den Ätna und die Monti Iblei weiter Richtung Malta verläuft. Auch die Inseln Pantelleria und Ustica sind vulkanischen Ursprungs.
Klima mini|Mediterrane Landschaft auf Sizilien
Auf Sizilien herrscht mediterranes Klima mit heißem, trockenem Sommer und mildem, feuchtem Winter. An den Küsten betragen die Temperaturen im Sommer durchschnittlich 26 °C, im Winter 10 °C. Im Süden werden durch den aus der Sahara wehenden Scirocco Werte über 40 °C erreicht. Im Inselinneren ist es im Vergleich zu den Küstengebieten etwas kühler. Hier liegen die Durchschnittstemperaturen bei 19 °C im Sommer und 5 °C im Winter. Oberhalb von 2000 m kann es in den Wintermonaten scharfen Frost und Schnee geben.
In Catenanuova wurde laut Agenzia Regionale per i Rifiuti e le Acque – Osservatorio delle Acque am 10. August 1999 mit 48,5 °C die höchste jemals in Europa gemessene Temperatur registriert.Agenzia Regionale per i Rifiuti e le Acque – Osservatorio delle Acque
Von Mai bis September fällt bis auf kurze Regenschauer kaum Niederschlag. Oktober bis Februar sind die regenreichsten Monate, wobei in den Gebirgen im Norden mehr Niederschlag fällt als in den südlicheren Gebieten. Unter den großen Städten an der Küste ist Messina die niederschlagreichste Stadt. Catania, das im Regenschatten des Ätna liegt, ist die Stadt mit der geringsten Niederschlagsmenge.
Flora und Fauna Flora mini|Monti Madonie
Sizilien war ursprünglich von Wald bedeckt, der im Lauf der Jahrhunderte gerodet wurde, um Holz für den Schiffbau beziehungsweise neues Nutzland (campagna) zu gewinnen. Dabei wurde die Macchia (auch boscaglia) zurückgedrängt, die heute vor allem an der West- und Südküste zu finden ist. Größere, zusammenhängende Waldgebiete gibt es noch in den Monti Madonie und den Monti Nebrodi. Hier wachsen unter anderem Korkeichen, Buchen, Kiefern und eine für Sizilien typische Tannenart, die Nebrodi-Tanne. In den Monti Iblei gedeihen Johannisbrotbäume.
Trotz schonungsloser Rodungen ist Sizilien mit 3000 unterschiedlichen Pflanzenarten die vegetationsreichste Insel des Mittelmeers. Neben einer Vielzahl an Wildpflanzen, z. B. endemischen Orchideen wie Halbmond-Ragwurz,Helmuth Zelesny: Bericht über eine Orchideenreise nach Sizilien im April 1999. Börtlingen; reich bebildert. gedeihen subtropische und tropische Pflanzen wie Bougainvillea, Jasmin, Mimosen, Gummibäume, Bananenstauden oder Papyruspflanzen im Mündungsgebiet der Flüsse Anapo und Ciane.
Zu den wichtigsten Kulturpflanzen zählen seit griechischer Zeit Weinreben und Oliven, seit römischer Zeit Hartweizen. Durch den Einfluss der Araber kamen Zitrusfrüchte und Mandelbäume nach Sizilien, mit den Spaniern Tomaten, Paprika und Auberginen. Besonders ertragreiche Anbaugebiete für Gemüse und Obst sind die fruchtbaren Hänge des Ätna und das ebene Tiefland südlich von Catania. Im Zuge des Klimawandels wird der Anbau tropischer Früchte wie Avocados, Mangos, Papayas und Passionsfrüchten zunehmend möglich. Im Jahr 2025 wurden erstmals Bananensetzlinge in der Gegend von Marina di Ragusa sowie in den Gebieten zwischen Marsala und Campobello di Mazara angepflanzt.Micaela Taroni: Chiquita beginnt den professionellen Bananen-Anbau in Italien / Das Wetter wird immer wärmer. In Süditalien bauen Firmen jetzt tropische Früchte an. Und im Norden gedeihen mittlerweile Oliven neben Skipisten In: Berliner Morgenpost vom 10. Oktober 2025, Seite Politik 3
Fauna mini|Sizilianische Mauereidechse
Durch die Rodung der Wälder und intensiv betriebene Jagd wurde der ursprüngliche Bestand an Wildtieren wie Rotwild, Wölfen, Füchsen und Wildkatzen nahezu ausgerottet. Die Meeresfauna mit einem reichen Bestand an Fischen, vor allem Thun- und Schwertfisch, und an Krebstieren leidet unter Überfischung.
Sizilien ist ein wichtiger Rastplatz bzw. Winterquartier für Zugvögel aus Nordeuropa.
Mehrere Reptilienarten sind auf der Insel heimisch: Drei Landschildkrötenarten leben auf Sizilien, die Sizilianische Sumpfschildkröte sowie die Maurische und die Griechische Landschildkröte. An den Küsten der Pelagischen Inseln leben Meeresschildkröten. Darüber hinaus leben zwei Geckoarten auf der Insel, der Mauergecko und der Europäische Halbfinger. Die Westliche Smaragdeidechse ist die größte Eidechse Siziliens. Daneben leben der Algerische Sandläufer, die Ruineneidechse und endemische Echsenarten wie die Sizilianische Mauereidechse auf der Insel. Von den vier auf der Insel lebenden Schlangenarten ist nur die Aspisviper giftig, während die Italienische Äskulapnatter, die Gelbgrüne Zornnatter und die Leopardnatter ungiftig sind.The Reptile Database: Sicily.Vogel- und Naturschutz Grenchen: Die Reptilien Siziliens. (PDF-Datei; 2,15 MB)
Folgende Amphibien leben auf Sizilien: die Wasserfrösche Italienischer Hybridfrosch und Italienischer Wasserfrosch, der Italienische Laubfrosch, der Gemalte Scheibenzüngler sowie die Nordafrikanische Wechselkröte (Bufotes boulengeri).amphibiaweb.org
Geschichte
Die zentrale Lage Siziliens im Mittelmeer hat die wechselhafte Geschichte dieser Insel geprägt. Als Stützpunkte für Seefahrt und Handel hatten die Städte Siziliens stets eine große Bedeutung. Immer wieder bemächtigten sich deshalb neue Eroberer der Insel, blieben, vermischten sich mit der bereits ansässigen Bevölkerung und hinterließen ihre Spuren in der Kultur Siziliens. Nur selten war die Insel politisch selbständig, zumeist wurde sie von Reichen oder Staaten beherrscht, die ihr politisches Zentrum anderswo hatten.
Antike Vor den Griechen