Stühlingen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldshut im Süden Baden-Württembergs an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.
mini|hochkant=1.8|Panorama Stühlingen Geographie Der Luftkurort Stühlingen liegt an der Wutach am Südrand des Schwarzwaldes in 449 bis 850 Metern Höhe, direkt an der Grenze zur Schweiz, nahe der Gemeinde Schleitheim. Stühlingen liegt im Naturpark Südschwarzwald. mini|Die Altstadt von Westen (Landstraße)
Stadtgliederung Die B 314 durchquert das Wirtschaftsgebiet von Stühlingen entlang der ehemaligen Wutachtalbahn von Waldshut in Richtung der Autobahn A81. An der nordwestlichen Talseite ist die Stadt situiert, gegliedert in Altstadt (das „Städtle“) auf einem Plateau mit den Zugangsstraßen zum Schloss, Krankenhaus und Kloster und der im Tal liegenden neuzeitlichen Stadt (das „Dorf“) mit katholischer und evangelischer Kirche. Beide Wohngebiete sind durch den Stadtweg verbunden, der erst Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde.
Zur Stadt Stühlingen mit den früher selbstständigen Gemeinden Bettmaringen, Blumegg, Eberfingen, Grimmelshofen, Lausheim, Mauchen, Oberwangen, Schwaningen, Unterwangen und Weizen gehören neben der Stadt Stühlingen noch 32 weitere Weiler, Zinken, Höfe und Häuser.
→ Siehe auch: Liste der Orte im Landkreis Waldshut
Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bettmaringen liegen die Wüstungen Ottwangen und Tandlekofen. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Blumegg liegen die Burgruinen Blumegg und Vorburg sowie die Wüstung Hausen. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Lausheim liegen die Reste einer urkundlich nicht genannten Burg. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Unterwangen liegt die Wüstung Burgstell.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 1022–1028
Nachbargemeinden Nachbarorte von Stühlingen sind (im Uhrzeigersinn) Wutach, Blumberg, Schleitheim (CH), Oberhallau (CH), Hallau (CH), Eggingen, Ühlingen-Birkendorf und Bonndorf im Schwarzwald.
Städte in der Umgebung von Stühlingen sind Schaffhausen (Schweiz), Bonndorf, Blumberg, Stein am Rhein (Schweiz), Waldshut-Tiengen, Singen (Hohentwiel) und Donaueschingen.
Geschichte Stühlingen war der Sitz der Landgrafschaft Stühlingen und der Herrschaft Fürstenberg.
Vorgeschichte Das Siedlungsgebiet um Stühlingen im mittleren Wutachtal war sehr lange ein Brückenkopf zwischen Schwäbischer Alb und Schweizer Jura. Nahe Fundstellen wie „Schweizersbild“ und „Peterfels“ zeigen dies bereits für das Jungpaläolithikum an. Für das Neolithikum sind direkte Funde in Stühlingen spärlich. Ein Grabfund vom Schlossberg weist auf das Glockenbecherphänomen hin, das zeitlich dem ausgehenden 3. Jt. v. Chr. zugeordnet wird. Für die Bronzezeit des 2. Jts v. Chr. verdichten sich die Fundstellen, so z. B. durch ein frühbronzezeitliches Gräberfeld in Lausheim oder die ausgedehnten Grabhügel bei Mauchen, die der süddeutschen Hügelbronzezeit, Mitte des 2. Jts. v. Chr., zugerechnet werden. Für die nachfolgende Urnenfelderzeit und einsetzenden älteren Eisenzeit, der Hallstattkultur, gibt es bedeutende Siedlungs- und Grabfelderfunde im nahegelegenen Lembach und Ewattingen.
Römerzeit Es ist von daher naheliegend, dass die Römer mit Juliomagus im benachbarten schweizerischen Schleitheim eine einflussreiche Kleinstadt gegründet haben. Sie ist archäologisch gut erforscht und museumstechnisch erschlossen.
Wie Funde aus römischer Zeit in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stühlingen zeigen, war der Talboden bei Stühlingen schon sehr lange besiedelt. Die Grundfeste des Schlosses Hohenlupfen soll zu dieser Zeit als Fundament für einen römischen Signalturm gedient haben. Bei der Ziegelhütte wurden Münzen aus römischer Zeit gefunden, die mit den Insignien der XI. und XXI. Legion des römischen Heeres versehen sind.
Im Oberdorf, am Fuße des Galgenbucks, wurde 1848 ein Mosaikfußboden römischer Herkunft entdeckt. Der Fund indiziert, dass hier eine Villa rustica gestanden haben muss, die im Einflussgebiet der römischen Kleinstadt Juliomagus auf heutiger Schleitheimer Gemarkung lag.
mini|Steinkisten der letzten Grabungskampagne Merowingerzeit Zum Ende des 5. Jahrhunderts hatten die Merowinger durch Siege über die „fränkischen Kleinkönige“ und die Einführung des Christentums auch die Alamannen dem zentralisierten Frankenreich angegliedert. Durch ihre überlegene staatliche Organisationsform bewahrten die Merowinger auch die gallo-römische Kultur, sie bedienten sich der Kenntnisse der alten gallo-römischen Aristokratie und lehnten sich an die spätantike Verwaltungspraxis an. An wichtigen Verkehrsknotenpunkten, zu denen auch der Übergang vom Wutachtal in den Klettgau zählte, erweiterten sie alte Siedlungen. Im 6. Jahrhundert kam es zu Teilungen des Reiches, das Chlothar I. von 558 bis 561 wieder vereinigte. Bislang gab es nur wenig Hinweise auf die Merowinger am Hochrhein, so dass den Funden bei Stühlingen eine gewisse Bedeutung zukommt. Geschlossen wird dadurch auch eine Lücke in der Besiedlungsgeschichte des Raumes.
Bereits 1951 waren acht Gräber auf einer Niederterrasse der Wutach entdeckt worden. Beim Bau einer Gashochdruckleitung begann man 2007 mit der Freilegung des Gräberfeldes, das sich als merowingisch herausstellte.Andrea Bräuning, Diethard Tschoke: Zum Abschluss der Ausgrabungen des merowingerzeitlichen Gräberfelds in Stühlingen. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2010. S. 212 bis 218, Theis, ISBN 978-3-8062-2499-3. Mit ehrenamtlichen Helfern wurden bis 2010 mehrere Kampagnen durchgeführt. Die Funde stammen aus der Zeit vom ausgehenden 6. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts und umfassen 123 Bestattungen. Darunter waren Gräber mit Steinkisten und Steinsärgen. Die Gräber enthielten meist keine Schmuckgegenstände mehr, die Abdeckplatten waren zerschlagen. Offenbar waren sie bereits vorzeitlich von Grabräubern geplündert worden. Gefunden wurden Glasperlen und zahlreiche Waffenbeigaben.
Ab 2008 waren auch weitere Flächen untersucht worden, dabei stieß man auf einen frühmittelalterlichen Friedhof und frühurnenfelderzeitliche Gräber.Jutta Klug-Treppe: Zum Abschluss der Ausgrabungen des merowingerzeitlichen Gräberfelds in Stühlingen. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2009. Theis, ISBN 978-3-8062-2364-4, S. 194–198.
Herrschaft der Grafen von Lupfen und Verleihung des Stadtrechts mini|hochkant|Schloss Hohenlupfen Im Jahr 1252 gelangte Stühlingen mit Umgebung in den Besitz der Herren von Lupfen und bekam 1262 unter Graf Eberhard I. von Lupfen das Stadtrecht verliehen. Damit verbunden waren die wichtigen Rechte, Märkte abzuhalten und als Gerichtsstätte für das Landgericht zu fungieren. Das förderte die wirtschaftliche Entwicklung. So begann eine über 300-jährige Herrschaft der Grafen von Lupfen in Stühlingen. Im 14. Jahrhundert waren die Lupfener bereits treue Parteigänger in habsburgischen Diensten. Ihren politischen Höhepunkt erreichte das Geschlecht unter Hans I. von Lupfen, der 1436 starb. Er trat in die Dienste der burgundisch-österreichischen Herzogin Katharina. Später stieg er in die Führungsschicht des südwestdeutschen Adels auf und bekleidete die Stelle eines Reichshofrichters. Schlechte Zahlungsmoral der Habsburger bedingte, dass er sich an ihm übertragene Ämter der landesherrlichen Verwaltung schadlos hielt. In der Forschung gilt Hans I. daher als skrupelloser Machtpolitiker. Durch Heiratspolitik erlangte er zudem bedeutende Güter im Elsass und Südtirol.
Schweizerkrieg Der Schweizerkrieg machte auch die Statthalterschaft der Lupfener Grafen zur Zielscheibe der aufständischen eidgenössischen Bauern, von denen die Stadt 1499 erobert und gebrandschatzt wurde. Obwohl die Burg und das Städtle (die Altstadt, siehe Abschnitt Kultur und Sehenswürdigkeiten) kampflos übergeben wurden, plünderte die eidgenössische Soldateska entgegen einem Abkommen letzteres, vermutlich um sich für einen Angriff auf das benachbarte Hallau zu rächen. Bei diesem Angriff war das Hallauer Oberdorf in Flammen aufgegangen, im Gegenzug wurde nun das Stühlinger Städtle und die Burg niedergebrannt. Dies geschah, obwohl der Kommandant und Obervogt Martin von Starkenberg kapituliert hatte, um die Festung vor der Vernichtung zu retten. Die Kapitulation kostete den Obervogt im Nachhinein den Kopf. Die Stühlinger Burg wurde dabei fast vollständig zerstört und im Anschluss nur notdürftig wieder aufgebaut. Das Städtle erholte sich nur langsam von den Kriegsfolgen. Die Bewohner der ganzen Landgrafschaft Stühlingen mussten für den Wiederaufbau zahlen, was die Situation für die Einheimischen noch verschlimmerte.
Bauernkrieg In der Stühlinger Bauernschaft kam es 1524 zum Aufstand gegen die Obrigkeit. Laut einer Sage gab der sog. „Schneckenstreit“ Anlass zu diesem Aufstand. Sicher ist jedoch, dass der Funke, der den Bauernkrieg auslöste, von der Landgrafschaft Stühlingen ausging. Die Gründe hierfür sind sozialer Natur, eine lokale Ursache war ebenso der Schweizerkrieg, der erst 25 Jahre zurücklag, und unter dessen Lasten des Wiederaufbaus die Stühlinger Bevölkerung immer noch litt. Zudem waren die Landgrafen von Stühlingen bekannt dafür, ein verschwenderisches Hofleben zu führen, welches in Form von Abgaben und Frondiensten zu Lasten der Bevölkerung ging.Geschichte der Stadt und der vormaligen Landgrafschaft Stühlingen, Autor Hans Brandeck, Verlag der Stadtgemeinde Stühlingen Bekannt ist, dass einer der bedeutendsten Rädelsführer, Hans Müller von Bulgenbach, aus dem gleichnamigen Weiler im Westen der Landgrafschaft Stühlingen stammte. Die Landgrafschaft Stühlingen reichte um 1524 westlich bis nach Seebrugg im Südschwarzwald, der Aufstand des gemeinen Mannes bezog sich auf die Bewohner der ganzen Landgrafschaft.
Als der letzte Graf von Lupfen 1582 starb, besetzte Conrad von Pappenheim als einer der erbberechtigten Verwandten die Burg Stühlingen, die Burg Höwen und die Stadt Engen. Die Landgrafschaft Stühlingen wurde aber zunächst den weiteren Miterben Graf Karl II. von Zollern und Peter Freiherr von Mörsperg zugesprochen, erst 1605 wurde dann Conrads Sohn, Maximilian von Pappenheim, mit der Landgrafschaft Stühlingen belehnt. 1631 kam die Herrschaft Stühlingen durch Heirat seiner Tochter Maximiliana mit Graf Friedrich Rudolf von Fürstenberg an das spätere Fürstenhaus Fürstenberg, das hier bis 1723 residierte und danach die Residenz nach Schloss Donaueschingen verlegte.
Dreißigjähriger Krieg Am 30. September 1633 zogen der General Johann von Aldringen und der Feldherr Gómez Suárez de Figueroa, duque de Feria nach der Belagerung von Konstanz in den Klettgau, von Stühlingen aus bedrohten sie die Stadt Schaffhausen. Sie befehligten zusammen ein Heer von etwa 30.000 Mann. Nach Verhandlungen zogen sie am 8. Oktober nach Tiengen, welches sie den Schweden abnahmen, und belagerten danach Rheinfelden.
19. Jahrhundert Dem Stühlinger Städtle wurden 1828 das Untere bzw. Niedere Tor und 1846 das Obere Tor genommen. Das Untere Tor stürzte infolge des Brandes des Gasthauses „Schwarzer Adler“ ein und wurde nicht mehr aufgebaut. Das Obere Tor war weitaus repräsentativer, mit einer Glocke, einer Uhr und dem Stadt- und Herrschaftswappen versehen. Nachdem allerdings das benachbarte Gebäude des Gasthauses „Krone“ um 1800 abgebrannt war und man ob des freigewordenen Platzes für den zunehmenden Fuhrverkehr froh war, schlug auch für das Obere Tor in besagtem Jahr das letzte Stündlein. Ausnahmsweise brannte dieses Tor nicht ab, sondern wurde staatlich subventioniert von der Gemeinde abgerissen.
1864 wurde der Gerichtsbezirk Stühlingen aufgelöst und das Amtsgericht nach Bonndorf verlegt. Das Abhalten von Landgerichten war seit Jahrhunderten ein Recht der Stühlinger, da der Landgraf hier seinen Grafenstuhl verortet hatte. Dementsprechend hart traf es die Stühlinger, dieses Rechtes beraubt zu werden.
Der Bahnhof Stühlingen wurde 1875 in Betrieb genommen.
20. und 21. Jahrhundert