Der griechische Buchstabe Sigma (griechisches Neutrum oder , neugriechisches Neutrum ; Majuskel Σ, Minuskel im Wort σ, Minuskel am Wortende ς) ist der 18. Buchstabe des griechischen Alphabets und hat nach dem milesischen System den Zahlwert 200. In der griechischen Sprache wird es grundsätzlich als stimmloses „S“ gesprochen (hart), es sei denn, es steht vor einem stimmhaften Konsonanten wie dem m in Organismós (οργανισμός, „Organisation; Organismus“), dann wird auch das s stimmhaft (weich) ([z]).
Herkunft und Ableitungen Das phönizische Alphabet hatte vier Buchstaben für Zischlaute. Die Griechen übernahmen zwei davon – Schin und Sade – für ihren S-Laut, die aber nie gleichzeitig in einem der unterschiedlichen altgriechischen Alphabete vorkamen. Der Buchstabe Samech wurde im ionischen Alphabet als X mit dem Lautwert ksi verwendet. Sein Name aber wurde in leicht abgewandelter Form auf den phönizischen Buchstaben „Sin“ übertragen, der nun im Griechischen Sigma hieß.
In hellenistischer Zeit wurde der Buchstabe in Handschriften zu einer heute als lunares Sigma (lunar: „mondsichelförmig“), eigentlich sigma lunatum, bezeichneten Form vereinfacht (ursprünglich nur als Majuskel für die Unziale, daraus die Minuskel ), die sich in der Spätantike und im Byzantinischen Reich zur meistverwendeten Form entwickelte und im kirchlichen Kontext noch heute üblich ist (orthodoxe Kirchen). Von dieser Buchstabenform leiten sich sowohl das koptische Semma () als auch das kyrillische Es () ab, während sich das lateinische S von der gewöhnlichen Majuskel über die etruskische Form ableitet.
Verwendung als kleines Sigma σ im Qualitätsmanagement Six Sigma (3,4 Fehler pro einer Million Fehlermöglichkeiten) in der Physik für die Oberflächenspannung für die Fließspannung für die elektrische Flächenladungsdichte für die Stefan-Boltzmann-Konstante für die spezifische elektrische Leitfähigkeit eines Materials für die Pauli-Matrizen für den Wirkungsquerschnitt für die mechanische Spannung in der Werkstoffkunde eine sehr spröde Phase im Fe-Cr-System die Spannung in der Informatik zur Bezeichnung der Selektion in der relationalen Algebra zur Bezeichnung der Selektivität einer Datenbankabfrage in der Mathematik in der Statistik für die Standardabweichung der Grundgesamtheit in der mathematischen Zahlentheorie für eine Teilersumme in der Funktionalanalysis für das Spektrum eines Linearen Operators in der Maßtheorie und der mengentheoretischen Topologie bedeutet das Sigma, wenn es einem Eigenschaftswort vorangestellt ist, dass sich eine Eigenschaft oder ein Axiom von endlichen bis auf abzählbar unendliche Indexmengen erstreckt. bei Zahlenmauern als Bezeichnung für die Anzahl der Basiszellen in der Chemie zur Benennung einer Molekülorbital-Bindung zur Benennung eines Sigma-Komplexes als Zeichen für die Volumenkonzentration in der Biologie für ein Protein, welches durch Bindung an die RNA-Polymerase für die Initiation der Transkription notwendig ist (siehe Sigma-Faktor) in der Phonologie für eine Silbe in der Mikroökonomie als Zeichen für die Substitutionselastizität in der Strukturgeologie zur Benennung eines Klastentypus (siehe Sigma-Klast)
als großes Sigma Σ ein Bezeichner in der Physik für ein Σ-Baryon. Symbol in der Physik für ein Bezugssystem. Symbol in der Mathematik für Summe oder Signatur. Symbol in der Statistik für die Kovarianzmatrix Symbol in der Theoretischen Informatik für ein Alphabet In der Astronomie ist die Sigma die Geschwindigkeit, mit der sich die Sterne am äußersten Rand einer Galaxie bewegen.
als Wort Sigma Verwendung in der Ökologie und Vegetationskunde: Sigma-Soziologie (Synsoziologie), d. h. die Erfassung von Vegetationskomplexen Kurzbezeichnung in der Medizin für den S-förmig verlaufenden Teil des Dickdarms (Colon sigmoideum) Ein Sigma wird in der Jugendsprache als Kurzform für einen Sigma Male, einen Einzelgänger, verwendet.Julian Schmelmer: Sigma Males: Die problematische Obsession junger Männer mit Patrick Bateman. In: Stern, 30. Januar 2023.
Beispiele Sokrates ( , heutiges Griechisch [sɔˈkratis]) Lunares Sigma:
Unicode-Ausgabe der Varianten Neben der im obigen Infoblock angegebenen Normalform ist im Unicodeblock Griechisch und Koptisch auch das lunare Sigma als Symbolzeichen kodiert: Majuskel Ϲ (Unicode U+03F9: „GREEK CAPITAL LUNATE SIGMA SYMBOL“) Minuskel ϲ (Unicode U+03F2: „GREEK LUNATE SIGMA SYMBOL“)
Davon gibt es auch eine gepunktete Version: Majuskel Ͼ (Unicode U+03FE: „GREEK CAPITAL DOTTED LUNATE SIGMA SYMBOL“) Minuskel ͼ (Unicode U+037C: „GREEK SMALL DOTTED LUNATE SIGMA SYMBOL“)
Zusätzlich ist auch das vom römischen Kaiser Claudius im Rahmen seiner Schriftreform entwickelte Antisigma definiert sowie eine gepunktete Version davon: Majuskel Ͻ (Unicode U+03FD: „GREEK CAPITAL REVERSED LUNATE SIGMA SYMBOL“) Minuskel ͻ (Unicode U+037B: „GREEK SMALL REVERSED LUNATE SIGMA SYMBOL“) Majuskel Ͽ (Unicode U+03FF: „GREEK CAPITAL REVERSED DOTTED LUNATE SIGMA SYMBOL“) Minuskel ͽ (Unicode U+037D: „GREEK SMALL REVERSED DOTTED LUNATE SIGMA SYMBOL“)
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Einzelnachweise
Kategorie:Griechischer Buchstabe