Gottfried (Götz) Johann Riedesel Freiherr zu Eisenbach (* 11. Juli 1882 in Berlin; † 18. September 1914 in Wali bei Tsingtau, China) aus dem Hause der Freiherren Riedesel war ein deutscher Offizier und angehender Beamter im auswärtigen Dienst. Er gilt als erster Gefallener der Belagerung von Tsingtau aufseiten der Mittelmächte.

Leben Gottfried, genannt Götz, war der Sohn von Anne (geborene von Stülpnagel) und Georg Riedesel zu Eisenbach.Gerhard Keiper, Martin Kröger: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 3, F. Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-506-71842-6, S. 662. Er verbrachte seine Jugend teils in Altenburg (Oberhessen), teils in Darmstadt. Dort besuchte er das Ludwig-Georgs-Gymnasium, wo er im Schuljahr 1906 seine Reifeprüfung ablegte. Anschließend begann er ein Studium der Rechtswissenschaften, das ihn an die Universitäten von Genf, Freiburg im Breisgau, Leipzig und Marburg führte. Er war seit 1901 Mitglied der Studentenverbindung Canitz-Gesellschaft Leipzig.Canitzgesellschaft e.V. (Hrsg.): 150 Jahre Canitzgesellschaft 1875 bis 2025. Eigenverlag, Berlin 2025, S. 253, Nr. 272. Nach bestandenem Referendarexamen in Kassel trat er in den preußischen Staatsdienst ein und arbeitete als Gerichts- und Regierungsreferendar.

Während dieser Zeit leistete er seinen Militärdienst beim 3. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam ab und blieb diesem Regiment als Reserveoffizier bis zu seinem Lebensende verbunden. Im Jahr 1909 bestand er das Staatsexamen und begann seine Tätigkeit im preußischen Verwaltungsdienst. Bereits 1910 wechselte er in den Auswärtigen Dienst und wurde ein Jahr später Attaché in London. 1913 erhielt er die Ernennung zum zweiten Legationssekretär an der deutschen Gesandtschaft in Peking.Erich von Salzmann: Die deutsche Gesandtschaft in Peking. In: Die Woche. 16. Jahrgang, Ausgabe Nummer 1 vom 3. Januar 1914, S. 24–29 (hier: S. 25 f. – mit Foto) (Digitalisat der Digitalen Bibliothek Elbing).

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 bat er darum, von seinem diplomatischen Posten entbunden zu werden, um nach Deutschland zurückzukehren und sich seinem früheren Regiment anzuschließen. Stattdessen wurde er nach Tsingtau, dem deutschen Pachthafen in China, einberufen. Dort traf er am 7. August 1914 ein und wurde als Leutnant der Reserve der berittenen 5. Kompanie des III. Seebataillons zugeteilt.

Nur wenige Wochen später, am 18. September 1914, führte er einen Zug Reiter an die Grenze des Pachtgebietes Kiautschou. Bei den Grenzorten Liuting und Wali kam es zu einem Vorpostengefecht mit einer zahlenmäßig überlegenen Kavalleriepatrouille der Japaner. Im offenen Gelände des seichten Baisha-Flußbettes erlitt er durch Beschuss eine Beinverletzung, an der er verblutete, ehe ihm geholfen werden konnte.Waldemar Vollerthun: Der Kampf um Tsingtau. Eine Episode aus dem Weltkrieg 1914/1918 nach Tagebuchblättern. S. Hirzel, Leipzig 1920, S. 98 f. (Digitalisat). Der Leichnam wurde per Auto nach Tsingtau gebracht.Karl Vogt: Aus der Lebenschronik eines Japandeutschen 1897–1941. Tokyo 1962, S. 74 (Herausgabe postum durch die OAG; online zugänglich). Seine Beisetzung fand am Folgetag auf dem Gouvernementsfriedhof in Tsingtau statt. Die Grabrede hielt der Gouvernementspfarrer, Ludwig Winter.Nicola Kuhn: Der chinesische Paravent – Wie der Kolonialismus in deutsche Wohnzimmer kam. dtv, München 2024, ISBN 978-3-423-28403-5, S. 58.

Nachwirkungen Deutsche Presseartikel nannten Leutnant der Reserve Riedesel zu Eisenbach als ersten TotenLaut des Zeitzeugen Karl Vogt kamen bei einem Unfall in den Wochen zuvor bereits zwei Ordonnanzen ums Leben, was allerdings vor dem Beginn der Belagerung und somit ohne direkte Feindeinwirkung geschah (Karl Vogt: Aus der Lebenschronik eines Japandeutschen 1897–1941. Tokyo 1962, S. 72). der Verteidiger Tsingtaus (nach anderer Quelle:Ohne Verfasser: Die Belagerung von Tsingtau. In: Schwäbischer Merkur. Mittagsblatt, Ausgabe Nr. 442 vom 23. September 1914, S. 3 (Digitalisat des Deutschen Zeitungsportals). erster gefallener Offizier).Ohne Verfasser: Aus Tsingtaus letzten Wochen. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe vom 28. November 1914, S. 3 (Digitalisat des Deutschen Zeitungsportals). Dabei bezogen sich die Zeitungen auf eine meist nicht näher genannte amtliche Bekanntmachung (zum Beispiel: „W.T.B. Amtlich“).

Die Zeitschrift Kolonie und Heimat, das Organ des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft, stellte ihn bildlich auf eine Stufe mit dem U-Boot-Kommandanten Otto Weddigen, der zeitgleich Bekanntheit erlangte.Ohne Verfasser: Bilder vom Kriege. In: Kolonie und Heimat. VIII. Jahrgang, 4. Kriegs-Nummer, S. 7 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main). Sein Tod fand zwischen den Kriegen stellenweise in der Populärliteratur Erwähnung.Walter von Schoen: Auf Vorposten für Deutschland – Unsere Kolonien im Weltkrieg. Im Deutschen Verlag, Berlin 1935, S. 38.

Literatur Gerhard Keiper, Martin Kröger: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 3, F. Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-506-71842-6, S. 662. Karl Siegmar von Galéra: Wege zu neuen Lebensformen 1806–1918. Geschichte des Geschlechts der Riedesel Freiherrn zu Eisenbach im 19. Jahrhundert. Degener, Neustadt an der Aisch 1965, S. 211.

Weblinks

Porträtbild im Archivinformationssystem Hessen

Einzelnachweise

Gotz Götz Kategorie:Person (Pachtgebiet Kiautschou) Kategorie:Leutnant (Deutsches Heer) Kategorie:Leutnant (Preußen) Kategorie:Kavallerist (Preußen) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Korporierter (Studentenverbindung) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1882 Kategorie:Gestorben 1914 Kategorie:Mann