mini|300px|Männliche und weibliche Genitalien mit natürlichem Schamhaar.

Mit Schamhaar (PubesVon lat. pubes, is: „Unterleib, Schoß“, meton. „Scham“. Nicht zu verwechseln mit pubes, -eris „mannbar, erwachsen“, von dem lat. pubertas abstammt, das wiederum metonymisch auch „Bartflaum“ – also männliche Gesichtsbehaarung – bedeutet. (vgl. Der kleine Stowasser, München 1971). Wird Pubes als Schamhaar übersetzt oder gebraucht, so handelt es sich um eine pars pro toto: Pubes ist der gesamte Bereich der Schamregion.) wird das Haar auf der äußeren Haut an den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen nebst angrenzender Region bezeichnet. Aufgrund der Freisetzung von Sexualhormonen während der Pubertät, insbesondere von Androgenen bei Jungen und von Östrogenen bei Mädchen, bildet sich das Schamhaar im Verlauf der geschlechtlichen Reifung und ist somit ein sekundäres Geschlechtsmerkmal.

Struktur, Ausprägung und Wachstum mini|hochkant|Blonde Schamhaare einer Frau

Schamhaare beginnen in der Pubertät zu wachsen, bei Mädchen etwa ab dem zehnten und bei Jungen etwa ab dem zwölften Lebensjahr. Bei Mädchen bedecken die Schamhaare die äußeren Schamlippen und den Venushügel. Beim Jungen wachsen die Schamhaare auf dem Hodensack und um die Peniswurzel herum. Bei Frauen erinnert die Form der Behaarung oberhalb des Geschlechts an ein auf der Spitze stehendes Dreieck. Bei Männern wachsen die Schamhaare in Form eines Trapezes oder in gerader Linie bis zum Bauchnabel hinauf.

Je nach genetischer Veranlagung kann sich die Behaarung bis auf den Afterbereich ausdehnen. Die Haare im Analbereich werden auch als perianale Behaarung bezeichnet. Behaart ist in der Regel nur der äußere Bereich des Analkanals, die so genannte Zona cutanea. Die Schleimhaut im unmittelbaren Umfeld des Afters selbst ist unbehaart. Der Ausdruck perianale Behaarung (von griech. περί peri- „ringsum, umgebend“) ist daher sachlich exakter.

Analhaar tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf und ist individuell und geschlechtsspezifisch unterschiedlich dicht und stark ausgeprägt. Die Entwicklung vom kaum sichtbaren, flaumartigen Vellushaar zum kräftigeren, pigmentierten Terminalhaar erfolgt erst im postpubertären Stadium.

Die Schamhaare sind meist kräftiger und dunkler als die Kopfhaare, bei Rothaarigen, sehr Hellblonden und Schwarzhaarigen gleichfarbig. Bei Europäern sind sie häufig gelockt oder gekräuselt, bei Afrikanern eng gekräuselt und bei Asiaten und den amerikanischen Ureinwohnern eher glatt und stärker anliegend. Auch die Haardichte und das Maß der Ausbreitung sowie die Länge der Schamhaare sind genetisch bedingt und daher individuell verschieden.

Für Schamhaare wird ein durchschnittliches Wachstum von 0,20 bis 0,39 mm/Tag angegeben; für die Wachstumsphase (Anagenphase) wurde eine Zeitspanne von 47 bis 77 Wochen, für die Ruhephase (Telogenphase) von 51 bis 73 Wochen ermittelt, an die sich dann der Haarausfall anschließt.Burkhard Madea: Haaranalytik: Technik und Interpretation in Medizin und Recht. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2004, ISBN 3-7691-0437-4, S. 37 ()

Hygiene und Gesundheit mini|Durch Rasur mit Humanen Papillom­viren infi­zierte Penis­wurzel Durch die Schamhaar-Rasurmode haben sich HPV-Infektionen bei Männern weit verbreitet, im Durchschnitt tragen fast die Hälfte der Männer irgendeinen HPV-Typ und 35 % eine Hochrisiko-Variante, die ein Peniskarzinom oder ein Zervixkarzinom verursachen kann. mini|Filzlausbefall vor der Behandlung, 2005 in Amsterdam

Als Pedikulose (Läusebefall) bezeichnet man die Besiedelung des Menschen mit Kopf-, Kleider- oder Filzläusen. Vor allem in der Antike und im Mittelalter, zuletzt während des 2. Weltkriegs, befielen Filzläuse die Schambehaarung und wurden sexuell übertragen. Seit etwa 1977 wird Läusebefall bei Menschen und Haustieren einfach durch permithrinhaltige Shampoos beseitigt.

Eine ausgeprägte perianale Behaarung führte früher häufig zu hygienischen Problemen und zwang Betroffene zur Reinigung nach dem Stuhlgang.Henning Rohde: Lehratlas der Proktologie. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 3-13-140881-2, S. 222 ff. ().

Biologische Funktion und der Einfluss auf die Partnerwahl Evolutionsbiologisch stehen die Schamhaare möglicherweise, ebenso wie die Achselhaare, im Dienst der Verdunstung von sexuellen Lockstoffen aus den apokrinen Drüsen. Achsel- wie Schamhaare dienen dazu, diese Duftstoffe besser abzugeben.Schamhaare biologisch nicht nötig – Evolutionär sinnvoll?. Auf: fem.com vom 24. April 2014; zuletzt abgerufen am 11. März 2016.

Die biologische und evolutionäre Relevanz für die menschliche Sexualität und Partnerwahl ist Gegenstand moderner neurobiologischer und endokrinologischer Forschung, wobei die Reaktionen stark von Geschlecht und sexueller Orientierung beeinflusst werden.

Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Studie untersuchte die physiologischen Auswirkungen von Achselgerüchen auf heterosexuelle Männer. Die Ergebnisse zeigten, dass das Riechen an Achselsekreten, die von Frauen während der fruchtbaren Phase gewonnen wurden, zu einem signifikanten Anstieg des Testosteron- und Cortisolspiegels im Speichel der Probanden führte und ein gesteigertes subjektives sexuelles Verlangen auslöste. Die Forscher folgerten daraus, dass die menschliche Achselhöhle als Quelle von Chemosignalen dient, die biologische Informationen über den hormonellen Status und die Fruchtbarkeit übertragen.

Im Gegensatz dazu reagieren Männer je nach sexueller Orientierung völlig unterschiedlich auf männliche Achselgerüche. Hirnaktivitätsmessungen (u. a. am Karolinska-Institut) zeigten, dass das Einatmen von Androstendion, einer chemischen Verbindung, die in hoher Konzentration im männlichen Achselschweiß vorkommt, bei homosexuellen Männern direkt den vorderen Hypothalamus aktiviert. Diese Gehirnregion ist für die Verarbeitung sexueller Reize und die hormonelle Steuerung zuständig. Bei heterosexuellen Männern hingegen löst derselbe männliche Achselgeruch keine sexuelle Aktivierung aus, sondern stimuliert lediglich die Standard-Riechrinde (Cortex olfactorius).

Aus evolutionärer Sicht stützen diese Daten die Hypothese, dass die sexuelle Fixierung auf die Achselregion auf biologischen Mechanismen der hormonellen Stimulation und der unbewussten chemosensorischen Partnerwahl beruht, die analog zu primären sexuellen Verhaltensweisen funktionieren.

Temporäre Schamhaarentfernung

Die Haltung gegenüber der natürlichen Schambehaarung unterscheidet sich stark zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen und Epochen. Während in den meisten Kulturen Schamhaare positiv und als erotisch und ästhetisch bewertet werden, gibt es individuell auch einen Enthaarungsfetischismus, und in einigen Kulturkreisen werden sie aus religiösen, modischen, pornografischen oder pädophilen Gründen entfernt.The Frisky: 10 Important Moments In The History Of Pubic Hair Auf: thefrisky.com vom 8. November 2012; zuletzt abgerufen am 11. März 2016.The Sex Information and Education Council of Canada: Female Pubic Hair Removal. Auf: sexualityandu.ca von April 2012; zuletzt abgerufen am 11. März 2016.

In vielen Kulturen stehen die Schamhaare als Symbol für Fruchtbarkeit oder Erwachsensein und Heiratsfähigkeit.

In den USA war die Schambehaarung wechselnden Moden und kulturellen Einstellungen unterworfen. Während in Amerika bis in die 1980er Jahre hinein die natürliche volle Schambehaarung üblich war und die Norm darstellte, gab es ab den 1990er Jahren Frauen, die ihre Schamhaare teilweise entfernten.D. Herbenick, V. Schick, M. Reece et al.: Pubic hair removal among women in the United States: Prevalence, methods and characteristics. In: The Journal of Sexual Medicine. Oktober 2010, Band 7, Nummer 10, S. 3322–3330, doi:10.1111/j.1743-6109.2010.01935.x. Ab den 2000er Jahren war die vollständige Schamhaarentfernung bei einigen Frauen üblich, einhergehend mit einer Missbilligung der natürlichen Schambehaarung in der Boulevardpresse.Schönes Haar – aber bitte nicht da – Intimrasur. In: Jugendsexualität im Internetzeitalter. Eine qualitative Studie zu sozialen und sexuellen Beziehungen von Jugendlichen. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, S. 223–232 (). Es folgte eine Normalisierung der Schambehaarung in den 2010er Jahren, so dass inzwischen die Ablehnung normaler Schamhaare verschwunden ist: die natürliche Schambehaarung gilt längst wieder als ästhetisch und sozial akzeptabel, dennoch rasieren sich manche Frauen ihre Schamhaare weiterhin weg.Mark Hay: How and Why Pubic Hair Is Back in Porn. Auf: vice.com vom 6. Juni 2017, zuletzt abgerufen am 8. Januar 2021.Kashmira Gander: Is pubic hair finally back in fashion? Auf: independent.co.uk vom 7. Juli 2017, zuletzt abgerufen am 8. Januar 2021.James Draper: Surge in women's hair transplants on their bikini lines. Auf: dailymail.co.uk vom 14. Februar 2017, zuletzt abgerufen am 8. Januar 2021.

Verwendung in Forschung und Forensik Zur Klärung spezieller Fragen der ExpositionM. Wilhelm, F. K. Ohnesorge, D. Hötzel: Cadmium, copper, lead, and zinc concentrations in human scalp and pubic hair. In: Science of the Total Environment. Band 92, 1990, S. 199–206, PMID 2326621. gegenüber beziehungsweise der Akkumulation von Schwermetallen,D. Wiechuła, K. Loska, D. Ungier, A. Fischer: Chromium, zinc and magnesium concentrations in the pubic hair of obese and overweight women. In: Biological Trace Element Research. Band 148, 2012, S. 18–24, PMID 22351101. des Stoffwechsels von EthanolP. Kintz, M. Villain, E. Vallet, M. Etter, G. Salquebre, V. Cirimele: Ethyl glucuronide: unusual distribution between head hair and pubic hair. In: Forensic Science International. Band 176, 2008, S. 87–90 ,PMID 17997064. und der Exposition gegenüber DrogenA. M. Tsatsakis: Judicial applications of hair testing for addicts in Crete: sectional hair analysis of heavy heroin abusers. In: Journal of Clinical Forensic Medicine. Band 5, 1998, S. 109–113, PMID 15335529.R. Cordero, S. Paterson: Simultaneous quantification of opiates, amphetamines, cocaine and metabolites and diazepam and metabolite in a single hair sample using GC-MS. In: Journal Of Chromatography. B, Analytical Technologies In The Biomedical And Life Sciences. Band 850, 2007, S. 423–431, PMID 17210273. werden Schamhaare auch in der physiologischen Forschung und Forensik nach angemessener Probenvorbereitung eingesetzt.

Schambehaarung in Kunst und Medien mini|Der Ursprung der Welt von Gustave Courbet

Als früheste bildnerische Darstellung von Schamhaar in der europäischen Neuzeit gilt Hans Baldungs Der Tod und das Mädchen.Michael Sims: Adams Nabel und Evas Rippe: eine Erkundung des menschlichen Körpers. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-608-94116-6, S. 273 (in der Google-Buchsuche). Das 1866 veröffentlichte Gemälde Der Ursprung der Welt (L’Origine du monde) von Gustave Courbet stellte Schambehaarung explizit dar. Das Bild löste seinerzeit einen Skandal aus. Dem Kunsthistoriker und Philosophen John Ruskin wird zugeschrieben, dass er in seiner Hochzeitsnacht durch den Anblick weiblicher Schamhaare traumatisiert wurde und floh, so dass die Ehe annulliert wurde, weil er in seinem Beruf nur Akte ohne weibliche Schambehaarung zu Gesicht bekommen hatte und daher nichts von deren Existenz wusste. Zu Ruskins Lebzeiten im 19. Jahrhundert war es nicht üblich, vor der Hochzeitsnacht sexuell zu verkehren oder Frauen nackt zu sehen.Nigel Barley: Schönes neues Haar. In: Der Tagesspiegel vom 1. Januar 2007, zuletzt abgerufen am 12. Juni 2014. Die von dem Wiener Medien-Künstler Gerald Zahn geschaffene Videoinstallation Hairy Monsters widmet sich als Hommage an die Pornografie der 1960er bis 1970er Jahre dem Thema der Schambehaarung, wobei kaleidoskopartige Spiegelungen von Schamhaar-Partien an seltsame behaarte Wesen erinnern.Hairy Monsters. Videoperformance von Gerald Zahn zum Thema der weiblichen Schambehaarung.