The Secret Agent (Originaltitel: O Agente Secreto) ist ein Spielfilm von Kleber Mendonça Filho aus dem Jahr 2025. Der Thriller mit Wagner Moura in der Hauptrolle ist im Jahr 1977 in Brasilien während der Militärdiktatur angesiedelt und handelt von einem Mann, der wegen „subversiver Aktivitäten“ verfolgt wird. Die fiktive Geschichte wurde von Kindheitserinnerungen des Regisseurs an seine Heimatstadt Recife und seinem vorherigen Dokumentarfilm Pictures of Ghosts (2023) inspiriert. Die Premiere fand Mitte Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes statt, wo das Werk mit dem Regie- und Darstellerpreis ausgezeichnet wurde. Es folgten zahlreiche weitere Preise, darunter ein Jahr später der Gewinn von zwei Golden Globe Awards 2026 (Bester fremdsprachiger Film und Bester Hauptdarsteller - Drama). Ebenfalls folgten im Jahr 2026 vier Oscar-Nominierungen in den Kategorien Film, Hauptdarsteller, Casting und internationaler Film. Ein regulärer Kinostart im deutschsprachigen Raum fand im November 2025 statt.

Handlung Brasilien im Jahr 1977: Armando Alves, ein 43-jähriger ehemaliger Universitätsprofessor und Technologieexperte, ist auf der über 2600 km langen Fahrt von São Paulo nach Recife. In der Hafenstadt am Atlantik finden gerade die Feierlichkeiten zum jährlichen Karneval statt, was die Polizei schon in einer der ersten Szenen von eigentlich wichtigeren Aufgaben abzulenken scheint. Armando kommt unter dem Decknamen Marcelo bei Dona Sebastiana unter, die noch weitere Flüchtlinge (u. a. aus Angola) beherbergt. Er sieht seinen kleinen Sohn Fernando wieder, der nach dem Tod seiner Mutter bei seinen Großeltern mütterlicherseits aufwächst.

Unterdessen werden der korrupte Polizeichef Euclides und seine Leute von einer Karnevalsfeier zur Universität gerufen, nachdem dort im Magen eines toten Tigerhais ein menschliches Bein gefunden wurde. Die Polizisten zeigen sich besonders interessiert, welche Beweismittel (nicht) vorliegen. Später vertauschen zwei Mitarbeiter des Polizeichefs das Bein aus dem Kühlraum der Gerichtsmedizin gegen ein Tierbein, und entsorgen das menschliche Bein erneut im Fluss. Laut reißerisch-phantasievoller Zeitungsberichterstattung dazu (überspitzt im Film visualisiert), die die Schutzsuchenden bei Dona Sebastiana amüsiert gemeinsam lesen und kommentieren, wird es anschließend erneut an Land gesichtet, wo es in einem Park, der ein Cruising Spot für Schwule ist, Schrecken verbreitet.

Dona Sebastiana verschafft Armando/Marcelo eine Anstellung bei der örtlichen Meldebehörde. Dort soll er mit den anderen Mitarbeitern am ersten Tag deutlich vor der eigentlichen Öffnungszeit als Kulisse für Journalisten eine zweite Polizei-Stelle simulieren, damit dort eine einflussreiche Dame ungestört ihre Aussage zu einem ihr unangenehmen Fall machen kann. Dabei begegnet er Euclides, der ihn zu mögen scheint und ihm Schutz anbietet. Er nimmt ihn mit zu einem deutschen Auswanderer, den er aus Spaß nötigt, seine Narben vorzuführen, wobei sein Verhalten erkennen lässt, dass er mit anderen Menschen machen kann, was er will. Armando wirkt abgestoßen, macht aber gute Miene zum bösen Spiel.

Inzwischen erfährt man, dass der ehemalige Präsident des staatlich geführten Energiekonzerns Eletrobrás zwei Auftragsmörder, Bobbi und Augusto, engagiert, um Armando umzubringen. Er hatte zuvor bei einem Besuch der Universität, an der Armando eine Forschungsgruppe leitet, den Entzug aller Gelder angekündigt. Seine Arroganz lässt erkennen, dass auch er willkürlich über andere verfügen kann, wie es ihm passt und wie es seinen Interessen dient. Es wird angedeutet, dass Armando Patente hält, an die er kommen will. Bei einem Abendessen verhält er sich offen verächtlich und provokativ gegen Armando und beleidigt dessen schwarze Ehefrau. Als die sich mit klaren Worten dagegen verwahrt, eskaliert der Streit auf handgreifliche Weise. Das spätere Ende von Armandos Forschungsgruppe und die Rufmordkampagne gegen ihn gehen offenbar direkt auf den Eletrobrás-Mann zurück.

Im Vorführbereich des Kinos von Alexandre, Armandos Schwiegervater, treffen sich Armando und Alexandre mit Elza, der Anführerin einer politischen Widerstandsbewegung, die Armandos Untertauchen ermöglichte und nun Tonband-Aufnahmen der Geschichten von politisch Verfolgten anfertigt. - Kurze Zeitsprünge in die Gegenwart zeigen zwei Frauen, die diese Tonbänder anhören und sich über das Gehörte austauschen. - Elza verspricht, schnellstmöglich einen falschen Pass für Armando zu besorgen, damit er und sein Sohn ins Ausland fliehen können, wo Armando schon neue Angebote an anderen Forschungseinrichtungen hat. Dabei warnt sie ihn davor, dass Auftragsmörder auf ihn angesetzt sind. Bei einem gemeinsamen Abend mit seinen Nachbarn bei Dona Sebastiana merkt er, dass das nicht nur ihm so ergeht.

Die Auftragsmörder heuern zwischenzeitlich den armen Lagerarbeiter Vilmar an, um Armando aufzuspüren und zu töten. Vilmar identifiziert kurz darauf im Passamt Armando. Armando stiehlt sich schnell davon und versucht den Spieß umzudrehen, indem er Euclides und seine Leute darum bittet, sich den schrägen Typen im Passamt, der sicher Ärger machen wolle, genauer anzuschauen. Diese sind dazu auch bereit, werden aber von Vilmar erschossen, der verwundet entkommt. Auch Bobbi, der Vilmar daraufhin verfolgt, wird kurz darauf von ihm getötet.

Es folgt ein erneuter Sprung in die Gegenwart, wo immer noch die Geschichtsstudentin Flavia mit einer Kollegin die Tonaufnahmen anhört und diskutiert. Ihr geht der Fall nahe, sodass sie anhand von Zeitungsarchiven herausfindet, dass Armando letztlich doch ermordet wurde. Schließlich reist sie nach Recife und übergibt Kopien der Tonbandaufnahmen, zu denen sie unerwartet Anweisung erhalten hatte, sie zu löschen, an Armandos Sohn Fernando, der als Arzt in einer Blutspendeklinik arbeitet.'O Agente Secreto' aborda o passado, do Recife para o mundo. In: O Estado de S. Paulo, 15. April 2025, Caderno 2 (abgerufen via lizenzpflichtiger Datenbank Nexis Uni).L’agent secret. In: advitamdistribution.com (abgerufen am 6. November 2025).The Secret Agent (2025). In: kino-zeit.de (abgerufen am 19. November 2025).The Secret Agent (2025). In: fusdb.com (abgerufen am 19. November 2025).

Entstehungsgeschichte Inspiration, Drehbuch und Besetzung der Hauptrolle

The Secret Agent ist der vierte Spielfilm des brasilianischen Regisseurs Kleber Mendonça Filho, der auch das Drehbuch verfasste. Zwar spiele das Werk im Jahr 1977, sei aber kein Film über die Militärdiktatur. Vielmehr greife The Secret Agent Kindheitserinnerungen des Regisseurs auf, der zum Zeitpunkt der Geschichte neun Jahre alt war. Für den Film habe Mendonça Filho viel Recherche in den Zeitungsarchiven der brasilianischen Nationalbibliothek betrieben. Auch habe ihm sein vorheriger Dokumentarfilm Pictures of Ghosts (2023) über seine Heimatstadt Recife zur Geschichte inspiriert. Darin fing der Regisseur das Stadtzentrum im 20. Jahrhundert über Archivmaterial und speziell dort beheimatete Kinos ein.Retratos Fantasmas. In: filmstarts.de (abgerufen am 22. April 2025). „Pictures of Ghosts hat mir geholfen, diesen Film zu verstehen. Kennen Sie den Moment, wenn man mit dem Drehbuch nicht weiterkommt? Diese beiden Filme haben eine sehr starke Verbindung, weil sie so tief in die Vergangenheit eintauchen“, so Mendonça Filho.Emannuel Bento: 'O Agente Secreto': Gravações do filme de Kleber Mendonça despertam nostalgia e curiosidade no Recife. In: 24. Juli 2024 (abgerufen am 22. April 2025). Insgesamt arbeitete er drei Jahre lang an seinem Drehbuch.

Mit der Hauptrolle des Marcelo wurde der international bekannte brasilianische Film- und Fernsehschauspieler Wagner Moura betraut, für den es die erste Zusammenarbeit mit Regisseur Mendonça Filho war. Für Moura war es gleichzeitig die erste Filmrolle im brasilianischen Kino seit Jahren.Pedro N. Jordão: “O Agente Secreto”: Wagner Moura diz que foi proibido de falar sobre filme. In: cnnbrasil.com.br, 6. Dezember 2024 (abgerufen am 22. April 2025). Das Drehbuch hatte Mendonça Filho ihm auf den Leib geschrieben. Der Schauspieler habe eigenen Angaben zufolge seit dessen Spielfilmdebüt Von großen und kleinen Haien (2012) mit dem Regisseur arbeiten wollen. Das preisgekrönte Gesellschaftsporträt handelte von einem Gebäudekomplex in Recife, der sich vor der bedrohlichen Außenwelt mit Hilfe von allgegenwärtigen Wächtern abschottet.Von großen und kleinen Haien. In: filmdienst.de (abgerufen am 22. April 2025). Moura pries die Dreharbeiten an The Secret Agent rückblickend als „eine der besten Erfahrungen“, die er je als Schauspieler gemacht habe. Er hatte Mendonça Filho erstmals 2003 bei der Präsentation von Sérgio Machados Spielfilm Lower City (Cidade Baixa) beim Filmfestival von Cannes kennengelernt, wo dieser damals noch als Filmkritiker tätig war. Moura genoss die Arbeit im Nordosten Brasiliens in seiner Landessprache. Gleichzeitig kannte er Recife, wo er fast 25 Jahre zuvor in dem Theaterstück A Máquina von João Falcão aufgetreten war. Moura verbrachte insgesamt vier Monate in der Stadt, neben den Dreharbeiten einen Monat, um sich auf das Filmprojekt vorzubereiten.

Weitere Besetzung und Produktion mini|hochkant|Udo Kier (2024) In weiteren Rollen sind die brasilianischen Darsteller Gabriel Leone als Bobbi, Maria Fernanda Cândido als Elza und Thomás Aquino als Arlindo zu sehen. Auch der deutsche Schauspieler Udo Kier, der bereits in Kleber Mendonça Filhos Film Bacurau (2019) zu sehen war, findet sich auf der Besetzungsliste und übernahm den Part des Hans.

Zwischen Januar und Mai 2024 fand über vier Monate die Vorproduktion statt. Von Juni bis August desselben Jahres folgten die zehnwöchigen Dreharbeiten in Recife, Brasília und São Paulo. Als Kamerafrau fungierte Evgenia Alexandrova. Mendonça Filho und sie hegten eine gemeinsame Vorliebe für Panavision-Linsen („anamorphic B-series“), die laut Alexandrova einen „natürlichen, handwerklichen und wunderschönen unvollkommenen Look“ erzeugen. Die Bilder von The Secret Agent sollten „organisch“ sein, aber auch über „Charakter“ verfügen. Zur Verwendung kamen Kameras vom Typ ALEXA Mini und ALEXA 35 sowie das ARRIRAW-Format.Sarah Shachat: Cannes 2025: How 61 Cinematographers Shot Their Films. In: indiewire.com, 16. Mai 2025 (abgerufen am 23. Mai 2025). Drehorte in Recifes Innenstadt waren unter anderem das Cinema São Luiz, die Ponte Duarte Coelho sowie die Straßen Praça Machado de Assis Rua Clube Náutico Capibaribe, Rua Doutor Sebastião Lins und Rua da Aurora.

Während der Postproduktion des Films wurde acht Monate an der finalen Schnittfassung gearbeitet. Als Editoren zeichneten Mendonça Filhos langjähriger Weggefährte Eduardo Serrano sowie Matheus Farias verantwortlich. Die Filmmusik komponierten Mateus Alves und Tomaz Alves Souza. Die Endphase der Produktion, die aus der Tonmischung und Bildbearbeitung bestand, fand in Berlin und Paris statt. 'O Agente Secreto' de Kleber Mendonça Filho, estrelado por Wagner Moura, é selecionado para o Festival de Cannes. In: gshow.globo.com, 10. April 2025 (abgerufen am 22. April 2025).

Bei The Secret Agent handelt es sich um eine Produktion des brasilianischen Unternehmens CinemaScópio in Koproduktion mit der französischen mk2 films, der deutschen Firma One Two Films und dem niederländischen Unternehmen Lemming Film. Das Projekt wurde mit 150.000 Euro vom Medienboard Berlin-Brandenburg als Produktionsförderung finanziell unterstützt. (abgerufen am 22. April 2025).

Rezeption Veröffentlichung