Der Berlin-Marathon (derzeit offizieller Name BMW BERLIN-MARATHON) ist ein jährlich in Berlin stattfindender Straßen- und Volkslauf. Der vom SC Charlottenburg veranstaltete Lauf fand erstmals im Oktober 1974 als Berliner Volksmarathon statt und ist heute Deutschlands teilnehmerstärkste Marathon-Laufveranstaltung.
Der aktuelle Modus des Berlin-Marathons ist eine Zweitages-Veranstaltung (Samstag/Sonntag). Neben dem Hauptlauf am Sonntag über 42,195 km (inkl. Rollstuhlfahrer und Handbiker) gibt es am Samstag einen Mini-Marathon für Schüler über die letzten 4,2195 km der Originalstrecke sowie einen Marathon für Inlineskater.
Der Lauf ist einer der World Marathon Majors und gehört neben den Veranstaltungen in New York, Boston und London zu den größten und renommiertesten Marathonläufen der Welt. Nach den durchschnittlichen Zeiten der jeweils besten zehn Ergebnisse der Männer und der Frauen ist die Berliner Strecke die schnellste der Welt. Im Berlin Marathon wurden dreizehn offizielle IAAF-Weltrekorde aufgestellt, zuletzt die von Eliud Kipchoge (2022, 2:01:09 h) und Tigist Assefa (2023, 2:11:53 h). mini|Teilnehmermedaille des Berlin-Marathons 2005 mini|Berlin-Marathon 2016 – auf der Strecke
Geschichte 1971–1990 Der Beginn der großen Laufveranstaltungen war der 8. November 1964 in West-Berlin. An diesem Tag fand der erste Berliner Crosslauf am Teufelsberg mit über 700 Teilnehmern statt. Eine Gruppe um Horst Milde organisierte diesen Lauf, nachdem sie von einem Rennen in Le Mans inspiriert worden waren. In den folgenden Jahren entwickelte sich der SCC-Cross am Teufelsberg zu einer festen Institution in der Berliner Sportszene.
Zehn Jahre später fand 1974 der 1. Berliner Volksmarathon statt. Inspiriert wurde Horst Milde von einem Marathon, der am 14. Oktober 1973 mit Start und Ziel am Mommsenstadion mit 92 Teilnehmern vom Berliner Leichtathletik-Verband ausgerichtet worden war. Überzeugt davon, dass unter den Volksläufern an einem Lauf über diese Distanz ein weitaus größeres Interesse besteht, organisierte Milde im Jahr darauf einen Marathon auf derselben Strecke. Von den 286 angemeldeten Läufern erreichten 244 das Ziel. Gestartet wurde vor dem Mommsenstadion auf der Waldschulallee und gelaufen wurde eine Pendelstrecke im Grunewald, entlang der AVUS, fast bis zum Strandbad Wannsee.Jörg Wenig, Horst Milde: . Folge I. Website der German Road Races. 17. September 2008 Bei den Männern siegte Günter Hallas in 2:44:53 h, bei den Frauen die ehemalige Mittelstreckenläuferin Jutta von Haase in ihrem ersten Wettkampf über eine längere Strecke als 1500 m in 3:22:01 h.Jörg Wenig, Horst Milde: . Folge V. Website der German Road Races. 22. September 2008 Hallas startete bislang 34 Mal beim Berlin-Marathon, Bernd Hübner hat mit bislang 36 Berlin-Marathons zwei Teilnahmen mehr aufzuweisen. Website des Berlin-Marathons (alle Läufer und Rollstuhlfahrer, die den Berlin-Marathon zehnmal oder öfter absolviert haben)
Ab 1975 wurde die Strecke ein wenig geändert. Start und Ziel wurden ins Mommsenstadion verlegt. Auch die zweite Austragung richtete sich an die Berliner Volksläufer. Es siegte ein Ehepaar: Ralf Bochröder bei den Männern und Kristin Bochröder bei den Frauen.Horst Milde: . Website der German Road Races. 25. März 2003Ralf Bochröder: . Website der German Road Races. 23. Februar 2009 1977 wurde die Deutsche Marathon-Meisterschaft in die Veranstaltung integriert, sie startete eine Stunde später. Im Rahmen dieser Meisterschaften stellte Christa Vahlensieck mit 2:34:47,5 h einen inoffiziellen Weltrekord auf. Als die französische Besatzungsmacht im Mai 1981 die 25 km de Berlin als ersten Stadtlauf Berlins durchführte, reifte der Plan, den Marathon in die Innenstadt zu verlegen. Der Veranstalter SCC stieß zunächst auf behördliches Unverständnis. So soll beispielsweise Horst Milde, Klaus Hübner, dem damaligen Polizeipräsidenten von Berlin, mit dem Satz „Dort drüben sitzt ein Verrückter – der will durch die Stadt rennen.“ vorgestellt worden sein. Seitens der Polizei wurde dem Veranstalter zunächst mitgeteilt, dass die Straßen für die Autos da seien. Obwohl der Berliner Senat keine Einwände gegen das Rennen erhob, ergaben sich dennoch einige politische Hürden, die mit Hilfe der westlichen Alliierten – Horst Milde hatte sich an John Kornblum, den Chef der US-Mission, gewandt – überwunden werden konnten.
1981 verließ der Lauf schließlich den Grunewald und wurde zum Stadtmarathon. Start war auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude, die Strecke führte unter anderem am Checkpoint Charlie vorbei und das Ziel befand sich auf dem Kurfürstendamm. Auf der Asphaltstrecke war es möglich, Rollstuhlfahrer an dem Rennen zu beteiligen. Mit 3486 gemeldeten Teilnehmern war der Berlin-Marathon 1981 bereits der größte deutsche Stadtlauf.Jörg Wenig & Horst Milde: . Folge II. Website der German Road Races. 18. September 2008 Aufgrund der stetig steigenden Teilnehmerzahlen wurde der Start 1987 auf die Straße des 17. Juni verlegt. Außerdem engagierte der Veranstalter erstmals über 30 an der Strecke aufgestellte Musikgruppen. Premiere feierte 1989 der Mini-Marathon der Schüler. Die Idee war es, Mannschaften von je zehn Schülern die letzten 4,2195 km des Marathons laufen zu lassen. Von zehn Schülern addiert ergab das die gesamte Marathondistanz. Das Konzept erfreute sich großer Beliebtheit und besteht noch immer.
1990-Gegenwart Am 30. September 1990, drei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung, führte der Lauf erstmals durch das Brandenburger Tor und teilweise durch den damaligen Ostteil der Stadt. Gestartet wurde allerdings in die entgegengesetzte Richtung weiterhin auf der Straße des 17. Juni. Das große Interesse an diesem Rennen erforderte erstmals Anmeldungen abzulehnen: Das Teilnehmerlimit war mit 25.000 erreicht. Erstmals wurde ein Marathonlauf live im deutschen Fernsehen übertragen, sogar in Japan gab es eine Live-Übertragung.Jörg Wenig, Horst Milde: . Folge III. Website der German Road Races. 19. September 2008
mini|links|Im Startblock E beim Berlin-Marathon 2004 kurz vor dem Startschuss 1994 wurde die elektronische Zeitnahme mit Hilfe des ChampionChips eingeführt. Im selben Jahr wurde in Berlin das Rollstuhl-Marathonrennen der Behinderten-Weltmeisterschaften ausgetragen, das Heinz Frei mit einer Weltbestzeit von 1:22:12 h gewann. Sammy Lelei lief 1995 mit 2:07:02 h die damals zweitschnellste je gelaufene Zeit und verfehlte um nur zwölf Sekunden die Weltbestzeit.
1997 gingen erstmals Inlineskater auf die Strecke. Zum 25. Berlin-Marathon 1998 wurde der Teilnehmerrekord des Laufs von 1990 mit 32.877 Teilnehmern zum ersten Mal übertroffen. Es siegte Ronaldo da Costa mit 2:06:05 h und er brach damit die zehn Jahre alte Weltbestleistung von Belayneh Dinsamo (2:06:50 h). Ronaldo da Costa war der erste Läufer, der einen Marathon mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h lief.Jörg Wenig, Horst Milde: . Folge V. Website der German Road Races. 20. September 2008 Im Folgejahr 1999 fiel die Weltbestleistung der Frauen: Tegla Loroupe siegte mit 2:20:43 h. Im Männerrennen wurden erstmals zwei Zeiten unter 2:07 h gelaufen. Somit stand Berlin auf Platz eins der Liste der schnellsten Marathonläufe. Erstmals nahmen Power-Walker an dem Lauf teil. 2001 gab es wieder eine Weltbestleistung. Die japanische Olympiasiegerin Naoko Takahashi lief mit 2:19:46 h als erste Frau unter 2:20 Stunden. Der Lauf wurde in Japan live übertragen und erreichte Einschaltquoten von über 50 Prozent.
Nachdem 2002 der Berlin-Marathon der Skater mit über 7000 Finishernwww.bmw-berlin-marathon.com - Finisherzahlen der Inline-Skater 2002 der größte seiner Art geworden war, wurde die Durchführung ab 2003 auf den Vorabend des Hauptlaufs verlegt. Zudem wurde 2003 die Streckenführung geändert, sodass das Ziel nun nicht mehr am Kurfürstendamm, sondern am Brandenburger Tor lag. Der Start wurde auf die Straße des 17. Juni vor das Brandenburger Tor verlegt und die Straße Unter den Linden wurde zur Zielgeraden. So entfiel der aufwendige Transport der Teilnehmerbeutel, die die Sportler schon immer am Start abgeben konnten. Zum 30. Berlin-Marathon wurde eine Weltbestleistung erreicht, die später als erster offizieller Marathon-Weltrekord anerkannt wurde. Paul Tergat aus Kenia lief mit 2:04:55 h als erster Mann unter 2:05 Stunden, sein Landsmann und Tempomacher Sammy Korir benötigte nur eine Sekunde mehr. 2004 löste Mark Milde, der sich seit 1999 um die Verpflichtung der Topläufer gekümmert hatte, seinen Vater Horst Milde als Race-Director ab. Seit 2004 gehört zum Berlin-Marathon ein Wettkampf für Handbiker.
mini|Wilson Kipsang beim Weltrekord-Lauf, Berlin-Marathon 2013
2006 gründeten die fünf weltgrößten Marathonveranstaltungen die Laufserie World Marathon Majors; diese umfasste den Berlin-Marathon, den Boston-Marathon, den London-Marathon, den Chicago-Marathon und den New-York-City-Marathon. Ab 2013 wurde noch der Tokio-Marathon als sechste Veranstaltung in die Serie aufgenommen. Die gesamte Reihe läuft über jeweils zwei Jahre und ist mit je 500.000 US-Dollar für den besten Mann und die beste Frau dotiert. In den Jahren 2006 bis 2009 gelang es Haile Gebrselassie als bislang einzigem Läufer, den Berlin-Marathon vier Mal in Folge zu gewinnen. Nachdem er bereits 2007 mit neuem Weltrekord die Ziellinie überquert hatte, lief Gebrselassie 2008 als erster Mann unter 2:04 Stunden (2:03:59), wodurch er endgültig zum Liebling des Berliner Sportpublikums wurde. Ebenfalls im Jahr 2008 war Irina Mikitenko erfolgreich und gewann das Rennen der Frauen mit Deutschem Rekord von 2:19:19 h. - Berlin-Marathon 2008
2011 löste der Automobilhersteller BMW die Einzelhandelskette Real als Titelsponsor ab. Im Rennen kam es zum Zusammentreffen des Vorjahressiegers Patrick Makau mit Weltrekordler Gebrselassie, der bei seinem fünften Start den fünften Sieg einfahren wollte, was ihm nicht gelang. Makau gewann das Rennen und unterbot zudem den Weltrekord mit einer Zeit von 2:03:38 h. - Berlin-Marathon 2011
2013 wurden zum 40. Jubiläum des Berlin-Marathons alle sieben Weltrekordler der letzten Jahre nach Berlin eingeladen. Wilson Kipsang gewann mit einer neuen Weltrekordzeit von 2:03:23 h das Rennen. - Berlin-Marathon 2013 Nur ein Jahr später lief Dennis Kimetto als erster Mensch überhaupt die 42,195 km unter 2:03 Stunden (2:02:57 h).Marathon in 2:03 Stunden: Kimetto unterbietet magische Grenze. In: Spiegel Online, 28. September 2014; abgerufen am 1. März 2016. Diese Zeit wurde am 16. September 2018 von Eliud Kipchoge erneut unterboten, der mit 2:01:39 h auch die Marke von 2:02 h unterbot.
2020 war der Berlin-Marathon für den 26. und 27. September geplant. Am 21. April 2020 untersagte der Senat von Berlin zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie alle Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmern bis zum 24. Oktober.Felix Hackenbruch: Absage des Berlin-Marathons überrascht Veranstalter. Keine Großveranstaltungen wegen Coronavirus. tagesspiegel.de, 21. April 2020; abgerufen am 21. April 2020.Jörg Wenig: Berlin-Marathon 2020 kann nicht wie geplant stattfinden. Neuer Senats-Entscheid. leichtathletik.de, 22. April 2020; abgerufen am 22. April 2020. Am 24. Juni 2020 gaben die Veranstalter offiziell bekannt, dass der Berlin-Marathon im Jahr 2020 nicht stattfinden wird.Absage des BMW Berlin-Marathon 2020, Event Update, auf: bmw-berlin-marathon.com, vom 24. Juni 2020, abgerufen am 24. Juni 2020. Seit 2021 findet der Marathon wieder statt.
Im Jahr 2022 gewann Eliud Kipchoge zum vierten Mal den Berlin-Marathon und verbesserte dabei seine 2018 ebenfalls in Berlin aufgestellte alte Weltrekordzeit um 30 Sekunden auf 2:01:09 h.