mini|Faksimile des Augsburger Schieds, in dem München erstmals genannt wurde mini|hochkant|Münchner Stadtsiegel von 1330 mini|hochkant|Wappen Münchens 1865–1936 und 1949–1957 Die Bezeichnung des Mönchs im Wappen als Münchner Kindl ist erstmals 1727 nachgewiesen
Die uns bekannte Geschichte Münchens begann am 14. Juni 1158 mit der erstmaligen Erwähnung von „Munichen“, einem durch Heinrich den Löwen angelegten Markt, im Augsburger Schied. Die Anfangszeit Münchens war geprägt von Auseinandersetzungen zwischen dem Herzog von Bayern und dem Bischof von Freising, Mitte des 13. Jahrhunderts konnten sich die Herzöge aus dem Haus Wittelsbach in der Stadtherrschaft durchsetzen. Von da an bis zum Ende der Monarchie 1918 war München Residenzstadt der Wittelsbacher Herzöge, Kurfürsten und Könige sowie Hauptstadt Bayerns oder zumindest eines der bayerischen Teilherzogtümer. Neben die Stadtherrschaft durch die Wittelsbacher trat zunehmend auch die bürgerliche Selbstverwaltung. 1286 wurde erstmals ein Rat der Stadt erwähnt. Nachdem der Magistrat der Stadt zunächst 1810 aufgehoben worden war, wurde München 1818 eine eigenständige Gemeinde. Seit 1918 ist München Hauptstadt des Freistaats Bayern.
Übersicht
1158 Erstmalige urkundliche Erwähnung Münchens im Augsburger Schied als Markt Heinrichs des Löwen 1180 München fiel an den Bischof von Freising 1225 Erste urkundliche Erwähnung der ältesten Pfarrkirche St. Peter 1240 München ging von bischöflichen in wittelsbachischen Besitz über 1255 München wurde Residenzstadt des Teilherzogtums Oberbayern 1271 Die Marienkapelle wurde zur zweiten Pfarrkirche erhoben 1327 Großer Stadtbrand von München 1328 Die Stadt wurde für zwei Jahrzehnte kaiserliche Residenz, erheblich erweitert und mit einem zweiten Mauerring versehen 1337 Vollendung des Zweiten Mauerrings 1385 Mit der Neuveste begann die Geschichte der Münchner Residenz 1397–1403: Münchner Unruhen 1442 Vertreibung aller Juden aus der Stadt 1480 Fertigstellung des Alten Rathauses 1494 Einweihung des Neubaues der Frauenkirche 1504 München wurde nach der Wiedervereinigung der Herzogtümer alleinige Hauptstadt Bayerns 1583 Bau der Michaelskirche mit Jesuitenkolleg (Gegenreformation) 1589 Gründung des herzoglichen Hofbräuhauses 1623 München wurde während des Dreißigjährigen Krieges kurfürstliche Residenzstadt 1634 Schwedische Besatzung; im darauffolgenden Jahr brach die Pest aus, der ein Drittel der Bevölkerung erlag 1663 Hochbarock: Baubeginn von Schloss Nymphenburg und Theatinerkirche 1704 Habsburgische Besatzung im Spanischen Erbfolgekrieg und Sendlinger Mordweihnacht an Heiligabend 1705 1715 Die letzten kaiserlichen Truppen verließen München, und Kurfürst Max Emanuel kehrte aus dem Exil zurück 1727 Grundsteinlegung für St. Anna im Lehel, erste Rokokokirche Bayerns. 1742 Habsburgische Besatzung im Österreichischen Erbfolgekrieg 1753 Eröffnung des Residenztheaters 1777 München wurde Hauptstadt von Kurpfalz-Bayern 1789 Anlage des Englischen Gartens und Abbruch der Stadtbefestigung 1803 Säkularisation in Bayern erfasste München 1805 Die Errichtung der Maxvorstadt mit Brienner Straße und später Ludwigstraße begann 1806 München wurde Hauptstadt des Königreiches Bayern und somit Königliche Haupt- und Residenzstadt 1810 Erstes Oktoberfest 1811 Grundsteinlegung für das Nationaltheater 1825–1848 König Ludwig I: München wurde zu einer Kunststadt mit Weltruf 1826 Die Ingolstädter Universität zog um nach München (→ Ludwig-Maximilians-Universität) 1836 Eröffnung der Alten Pinakothek 1839 Die zweite deutsche Eisenbahn fuhr von München nach Augsburg 1848 Unruhen während der März-Revolution 1854 100.000 Einwohner, München wird Großstadt nach Eingemeindung von Au, Giesing und Haidhausen 1854 Baubeginn der Maximilianstraße als dritter Prachtstraße 1860 Gründung des TSV 1860 München 1864 Thronbesteigung König Ludwigs II. und Uraufführung von Opern Richard Wagners im Nationaltheater 1867 Beginn des Baus des Neuen Rathauses 1868 Gründung der Technischen Universität 1886–1912 Kulturelle Blüte und technischer Fortschritt unter Prinzregent Luitpold 1890 Die Stadt Schwabing wurde eingemeindet 1891 Anlegung der Prinzregentenstraße 1899 Eingemeindung von Nymphenburg 1900 Gründung des FC Bayern München 1911 Eröffnung des Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße 1917 Die BMW GmbH entstand 1918 Revolution und Sturz der Monarchie 1919 Ausrufung und Untergang der Bayerischen Räterepublik 1923 Der Hitler-Ludendorff-Putsch scheiterte in München 1931 Im Deutschen Museum wurde die erste Fernsehsendung der Welt gezeigt 1933–1945 Gleichschaltung in der Zeit des Nationalsozialismus; München als Hauptstadt der Bewegung 1934 Nacht der langen Messer 1938 Münchner Abkommen 1938 Die Stadt Pasing wurde eingemeindet 1939 Bürgerbräukeller-Attentat 1942–1943 Widerstandsbewegung Weiße Rose 1944 Schwere Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg 1945 Amerikanische Truppen besetzten und befreiten die Stadt 1957 München wird Millionenstadt 1962 Schwabinger Krawalle 1967 Neuperlach entsteht seither als größte Satellitenstadt 1971 Eröffnung der U-Bahn München 1972 Olympische Sommerspiele in München und Geiselnahme von München 1980 Oktoberfestattentat 1992 Eröffnung des neuen Flughafens München Franz Josef Strauß 1998 Einweihung der neuen Messe München 2005 Eröffnung der Allianz Arena
Vorgeschichte Frühgeschichte Schon aus dem Tertiär und der Eiszeit im sich anschließendem Quartär gibt es archäologische Funde im Münchner Raum. Beckenknochen eines Dinotheriums, eines Urzeit-Elefanten, wurden in einer Münchner Kiesgrube gefunden. Mit der letzten Kältephase der Eiszeit begannen die Gletscher, die den gesamten Alpenraum bedeckten, zu schmelzen. Aus einem 150 km breiten See mit dickem wasserundurchlässigem Lehmboden bildete sich die Münchner Schotterebene. mini|Gürtelschnalle aus einem Gräberfeld des 5.–7. Jh. in Aubing
Ausgrabungen im Altstadtbereich zeigen, dass das Stadtzentrum bereits am Ende der Jungsteinzeit, etwa 2000 v. Chr., von Menschen besiedelt war. Aus der Steinzeit stammen auch Hockergräber in den heutigen Stadtteilen Berg am Laim, Pasing, Moosach und Sendling.
Funde von Gräbern in Harlaching und im Luitpoldpark zeigen, dass auch während der Bronzezeit die Ufer von Isar und Würm besiedelt waren. Erst 2014 fanden Archäologen direkt in der Münchner Altstadt, unterhalb des Apothekenhofes der Residenz, ein fast unversehrtes, spätbronzezeitliches Grab.
Im Gebiet des künftigen Münchner Stadtteils Freiham lebten ebenfalls bereits in der Hallstattzeit, also im 7./6. Jahrhundert v. Chr. Menschen, hier gab es eine Siedlung mit mehreren Hofstellen, entsprechende Pfostengruben wurden im Norden Freihams bei archäologischen Ausgrabungen 2014 entdeckt.
Antike – Kelten und Römer Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. gründeten die keltischen Stämme im Alpenvorland erste befestigte, stadtähnliche Siedlungen. In dem Oppidum von Manching lebten damals bereits etwa 5.000 bis 10.000 Kelten innerhalb einer Stadtbefestigung. Aus der Keltenzeit stammen im Münchner Raum Viereckschanzen in der Aubinger Lohe, in Langwied, Feldmoching und Perlach. Das spätere Gebiet Münchens lag jedoch westlich des bis zum Chiemsee reichenden keltischen Königreichs Noricum und war vergleichsweise dünn mit einigen Gutshöfen besiedelt. Um ca. 50 v. Chr. verschwanden viele Siedlungen, auch Manching wurde verlassen, es entstand die sogenannte „Boiische Einöde“. Der Verbleib der keltischen Bevölkerung ist bis dato noch nicht geklärt und ist Gegenstand zahlreicher Hypothesen. Es wird jedoch von germanischen Einfällen aus dem heutigen Mitteldeutschland ausgegangen, die weite Landstriche kurz vor Ankunft der Römer weitgehend entvölkerten. mini|Via Julia heute, im Forstenrieder Park Zur Zeit des Kaisers Augustus wurde jedenfalls das keltisch besiedelte Gebiet des heutigen Altbayerns südlich der Donau ab 25 v. Chr. Teil des Römischen Reiches und seiner Provinz Raetia. Hauptstadt Rätiens wurde Augusta Vindelicorum (Augsburg). Reste römischer Gräber im Münchner Raum wurden in Aubing, Englschalking und Denning gefunden, in Denning gibt es auch Reste einer Villa rustica. Bei den Ausgrabungen in Freiham wurden auch zwei große und gut erhaltene Öfen aus der Römerzeit entdeckt, sie lagen am Rand einer Siedlung, in der es auch Steingebäude gab. Zwei römische Fernstraßen führten am Rand des heutigen Stadtgebietes über die Isar, die Via Julia bei Grünwald im Süden und eine weitere bei Unterföhring im Norden. Letztere sollte später bei der Stadtgründung Münchens eine wichtige Rolle spielen. In Grünwald selbst befand sich die Römerschanze Grünwald. Das weitläufige Bodendenkmal geht auf eine römische Wachstation und Siedlung zurück. Nachdem der letzte römische Kaiser Romulus Augustulus 476 n. Chr. abgesetzt worden war und in der Folge die Soldzahlungen in Raetia ausblieben, verließen bis 488 viele der provinzialrömischen Bewohner die nördlich der Alpen liegenden Provinzen des einstigen Weströmischen Reiches.
Frühmittelalter – Bajuwaren Nach Zusammenbruch der römischen Herrschaft in der Mitte des 5. Jahrhunderts und der Eroberung Italiens durch den König der Ostgoten Theoderich im Jahre 489, fiel auch die Provinz Raetia, die zur Diözese Italia gehört, an die Goten. In der Folge bildete sich das Volk der Bajuwaren, das 551 erstmals genannt wurde. Archäologische Funde und eine neue Interpretation der Quellen lassen den Schluss zu, dass die Bajuwaren weniger germanische als (kelto-)romanische Wurzeln hatten. Die römische Bevölkerung war nicht ganz abgezogen, auch die Strukturen des römischen Reichs bestanden fort, was im Übrigen auch viele lateinische Sprachreste in den bayerischen Mundarten zu bestätigen scheinen. Archäologisch wurden in Unterhaching ebenso wie in Straubing Zeugnisse einer fürstlichen Oberschicht für das erste Drittel des 6. Jahrhunderts nachgewiesen. Vermutlich haben sich die Bajuwaren damals aus verschiedenen Volksgruppen gebildet, den Resten der keltischen Bevölkerung (Vindeliker und Boier), aus einheimischen Römern, aus alemannischen, fränkischen bzw. thüringischen, ostgotischen, markomannischen und langobardischen Volkssplittern sowie aus germanischen Söldnern der römischen Grenztruppen. Auch aus der Zeit der Bajuwaren wurde eine Vielzahl von Reihengräbern in München gefunden, Schwerpunkte der Siedlung waren wiederum die Flussufer von Isar und Würm. Auch in Johanneskirchen wurde eine bajuwarische Siedlung gefunden. Etwa ab der Mitte des 6. Jahrhunderts bildete sich mit den Agilolfingern die erste bairische Stammesdynastie, die von ihrem Herrschaftssitz in Regensburg aus ihr Hoheitsgebiet bis Mitte des 8. Jahrhunderts nach Osten bis zur Enns und nach Süden bis ins heutige Südtirol erweiterten. mini|links|Romanische Heilig-Kreuz-Kirche in Fröttmaning. Eine Schenkungsurkunde im Zusammenhang mit der Kirche aus dem Jahre 815 ist die älteste Urkunde im Bayerischen Staatsarchiv