Metzingen ist eine baden-württembergische Mittelstadt am Fuß der Schwäbischen Alb nahe Reutlingen. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie ist nach Reutlingen die zweitgrößte Stadt des Landkreises Reutlingen und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden innerhalb der Region Neckar-Alb. Metzingen ist überregional vor allem durch die zahlreichen „Outlets“ bekannt. Seit 1. Oktober 1990 ist Metzingen Große Kreisstadt. Metzingen ist mit einem Großteil seiner Gemarkung (80,2 %) Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Geographie mini|Metzingen vom „Weinberg“ aus gesehen Geographische Lage Die Stadt Metzingen liegt am Eingang zum Ermstal, umgeben von Weinbergen und für diese Region typischen Streuobstwiesen. Sie liegt etwa 30 Kilometer südlich von Stuttgart. Die Nachbarstadt im Westen ist Reutlingen. Sie ist sieben Kilometer entfernt. Der höchste Punkt der Gemarkung wird am Albtrauf mit etwas südlich des Segelfluggeländes Roßfeld gemessen, der niedrigste Punkt mit an der Erms beim Austritt aus dem Stadtgebiet.

Geologie Metzingen ist umgeben von Vulkanbergen und dem Trauf der Schwäbischen Alb. Das Juragebirge ist reich an Fossilien aus dem Urmeer. In etwa 6 km Entfernung befindet sich die Achalm (), ein Zeugenberg, der durch den Rückzug des Albtraufs entstand. Im Nordosten ist der Jusi () beim Nachbarort Kohlberg ein mit Wacholderheiden bewachsener Aussichtsberg und der größte Vulkanschlot des Schwäbischen Vulkans.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Metzingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen bzw. zum Landkreis Esslingen¹:

Riederich, Grafenberg, Kohlberg ¹, Neuffen ¹, Dettingen an der Erms, St. Johann, Eningen unter Achalm und Reutlingen.

Stadtgliederung Die Stadt Metzingen besteht aus den drei Stadtteilen Metzingen, Metzingen-Glems und Metzingen-Neuhausen, die Stadtteile sind räumlich identisch mit den Gemarkungen der bis in die 1970er Jahre selbstständigen Gemeinden. Die drei Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und in den Grenzen der beiden Stadtteile Metzingen-Glems und Metzingen-Neuhausen ist jeweils eine Ortschaft mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. In den Ortschaften befinden sich jeweils eigene Verwaltungsstellen mit den Aufgaben einer Geschäftsstelle des Bürgermeisteramtes.Hauptsatzung der Stadt Metzingen vom 18. Mai 2006 (PDF; 104 kB)

Zum Stadtteil Metzingen gehören die Stadt Metzingen, das Gehöft Korrenhof und die Häuser Elektrizitätswerk, Schieferwerk und Weimerstal. Zum Stadtteil Metzingen-Glems gehört das Dorf Glems sowie das Roßfeld, samt Flugfeld, und Teile des Albtraufes um das Dorf, darunter mehrere Felsen, wie der Grüne Fels, der Wiesenfelsen, der Fünffingerfelsen und der Roßfelsen, der ein Gipfelkreuz trägt. Zum Stadtteil Metzingen-Neuhausen gehört das Dorf Neuhausen an der Erms.

Im Stadtgebiet liegen die Wüstungen Brenningen (im Stadtteil Metzingen) ein nicht näher benanntes Gehöft, das im 14. Jahrhundert als Propstei des Klosters Zwiefalten diente und vermutlich im Zeitraum nach 1485 verlassen wurde (im Stadtteil Metzingen-Neuhausen) und die Ortschaften Unterer Hof und Oberer Hof im Stadtteil Metzingen-Glems.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 38–41

Ferner gibt es auch Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Hierzu gehören die Haugenrainsiedlung und Neugreuth.

Raumplanung Metzingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Neckar-Alb, zu dessen Mittelbereich neben Metzingen selbst die Städte und Gemeinden Bad Urach, Dettingen an der Erms, Grabenstetten, Grafenberg, Hülben, Riederich und Römerstein des Landkreises Reutlingen gehören.

Schutzgebiete

Der Nordosten der Stadtfläche um den Floriansberg, die Kuppen von Weinberg und Hofbühl sowie der Albtrauf um Glems gehören zum Landschaftsschutzgebiet Reutlinger und Uracher Alb. Zudem hat die Stadt Anteile an den FFH-Gebieten Albvorland bei Mössingen und Reutlingen und Uracher Talspinne sowie am Vogelschutzgebiet Mittlere Schwäbische Alb.

Etwa drei Viertel der Stadtfläche gehören zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Eine Kernzone ist am Albtrauf östlich von Glems ausgewiesen.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Metzingen Auf dem Gebiet des heutigen Metzingen befand sich ein römischer Vicus, dessen Reste am Ermsufer in den Fluren Auf Mauren, Roih und Baumgartenwasen gefunden wurden. Der Name dieser Siedlung war aufgrund eines Inschriftenfunds Vicus Armis(s)ium. Die Inschrift erwähnt „Tempelgenossen von der Erms“ (confanesses armissesCIL XIII 6378 (Metzingen), zu lesen als confanenses armis(s)enses).Gerhard Rasch: Antike geographische Namen nördlich der Alpen. S. 19. Der Vicus ging mit dem Limesfall unter, die Besiedlung Metzingens in der Völkerwanderungszeit ist unklar.

Das mittelalterliche Metzingen wurde 1075 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und ging 1089 zur Hälfte an die Grafen von Grüningen. 1317 kam es an die Grafen von Württemberg. 1489 machte Graf Eberhard im Bart Metzingen zum Sitz eines Unteramts innerhalb des Amts Urach. 1562 wurde das Rathaus gebaut. Begünstigt durch das milde Klima wurde in Metzingen Wein angebaut, was um 1600 zu rasch zur Vergrößerung des Wohlstands führte. Im Dreißigjährigen Krieg brannte Metzingen nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 zur Hälfte ab; auch das Rathaus und Teile der Kelter wurden zerstört. Kurze Zeit brach die Pest aus, durch die zwei Drittel der Bevölkerung starben. Von 1635 bis 1648 war das Dorf – mit kurzen Unterbrechungen – Teil der Pfandschaft Achalm und damit vorderösterreichisch. Erst mit dem Westfälischen Frieden kam Metzingen zu Württemberg zurück.Eberhard Fritz: Die „Pfandschaft Achalm“ im Besitz der Tiroler Linie des Hauses Habsburg. Expansionsbestrebungen in Vorderösterreich während des Dreißigjährigen Krieges. In: Reutlinger Geschichtsblätter. 49, 2010, S. 239–348.

mini|Rathaus von 1668 Nach 1700 siedelten sich die ersten Textilbetriebe und Gerbereien in Metzingen an. Durch die Industrialisierung kam es um 1800 zu einem raschen Bevölkerungswachstum. 1820/1824 wurden die ersten Textilfabriken in Metzingen gebaut. Die Fertigung von Lederhandschuhen hat eine lange Tradition.

Bei der Verwaltungsreform des Königreichs Württemberg am Anfang des 19. Jahrhunderts blieb Metzingen bis 1938 Bestandteil des Oberamts Urach. 1831 verlieh König Wilhelm I. auf Bitten der Zunftvorsteher Metzingen die Stadtrechte.

Missernten und eine schlechte Ernährungslage hemmten die Entwicklung in den Dreißiger- und Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Einwohner wanderten nach Amerika aus. 1859 wurde Metzingen mit dem ersten Abschnitt der Bahnstrecke Plochingen–Immendingen an das Netz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen angeschlossen, was zu einem Aufschwung der lokalen Wirtschaft führte.

Nach dem Ersten Weltkrieg beklagte die Stadt 192 Vermisste und Gefallene. Durch die Weltwirtschaftskrise mussten viele Betriebe schließen.

Während der NS-Zeit wurde 1933 unter anderem die in Metzingen stark vertretene KPD aufgelöst und die NSDAP erhielt die Mehrzahl der Mandate im Gemeinderat. Das Oberamt Urach, das seit 1934 Kreis Urach hieß, wurde aufgelöst. Metzingen kam zum Landkreis Reutlingen. Auf dem Säbühl wurde eine Gaubeamtenschule eingerichtet, zumindest eine jüdische Familie wurde deportiert.

Am 19. April 1945 fiel Metzingen kampflos an die Amerikaner; wenige Tage später trafen die Franzosen ein. Insgesamt fielen im Zweiten Weltkrieg über 500 Einwohner Metzingens. 1945 wurde Metzingen Teil der französischen Besatzungszone. Ab 1947 gehörte die Stadt zu Württemberg-Hohenzollern und ab 1952 zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im neu gegründeten Land Baden-Württemberg.

Bei der Gebietsreform der 1970er Jahre wurden die Nachbarorte Neuhausen an der Erms am 1. April 1971 und Glems am 1. Januar 1975 eingemeindet. Damit erhielt das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung. Die Einwohnerzahl Metzingens überschritt 1990 20.000. Die Stadtverwaltung stellte den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, dem die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung vom 1. Oktober 1990 stattgab.

Glems

mini|Metzingen-Glems Das am Albtrauf gelegene Dorf Glems wurde 1254 als „villa Glems“ erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich war es eine Tochtersiedlung des benachbarten Dettingen an der Erms und gehörte zunächst zur Grafschaft Urach. Kurze Zeit später kam es an die Grafen von Württemberg und gehörte zum Unteramt Dettingen innerhalb des Amtes bzw. Oberamtes Urach. 1938 kam der Ort zum Landkreis Reutlingen.

Neuhausen

Neuhausen wurde 1089 als „Niuwinhusin“ erstmals erwähnt. Damals schenkten die Brüder Graf Kuno und Liutold von Achalm Teile des Ortes als Gründungsausstattung an das Kloster Zwiefalten. 1431 verkaufte auch Heinrich Truchseß zu Neuhausen seinen Besitz dem Kloster, das somit das Gericht und die Vogtei über das Dorf innehatte. Im 15. Jahrhundert fasste allmählich Württemberg Fuß im Ort, doch blieben Vogtei und Obrigkeit weiterhin beim Kloster. Erst 1750 ging die Herrschaft auf Württemberg über, als das Kloster Zwiefalten zum Erwerb der Reichsunmittelbarkeit das Dorf neben anderen Besitzungen an Herzog Karl Eugen von Württemberg verkaufte. Danach gehörte Neuhausen zum Oberamt Urach. 1938 kam der Ort zum Landkreis Reutlingen.

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr / Datum Einwohner 1383 150 1470 1.230 1598 2.030 1661 1.196 1763 2.214 1803 3.146 1849 4.371 1861 4.318 1. Dez. 1871¹ 4.706 1. Dez. 1880¹ 5.360 1. Dez. 1900¹ 5.460 1. Dez. 1910¹ 6.337 16. Juni 1925¹ 6.587 16. Juni 1933¹ 7.041 17. Mai 1939¹ 7.752 Datum Einwohner 13. Sep. 1950¹ 9.660 6. Juni 1961¹ 11.819 27. Mai 1970¹ 14.475 31. Dez. 1975 19.224 31. Dez. 1980 19.473 25. Mai 1987¹ 19.468 31. Dez. 1990 20.754 31. Dez. 1995 21.447 31. Dez. 2000 21.679 31. Dez. 2005 21.983 31. Dez. 2010 22.035 31. Dez. 2015 21.612 31. Dez. 2020 22.117 ¹ Volkszählungsergebnis

Religionen mini|hochkant|Martinskirche Evangelische Kirche Metzingen gehörte anfangs zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat „circa Alpes“, Landkapitel Urach-Reutlingen unterstellt. Infolge der Zugehörigkeit zu Württemberg wurde im Ort 1537 die Reformation eingeführt. Danach war Metzingen über viele Jahrhunderte überwiegend protestantisch.

Die Kirchengemeinde Metzingen wuchs durch Zuzug nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. So wurde 1960 die Friedenskirche erbaut, die 1965 zur Pfarrei erhoben wurde. Eine weitere Pfarrei entstand in Neugreuth 1971 für einige Jahrzehnte bis zu ihrer Auflösung Anfang der 2000er Jahre. Die zunächst drei, nunmehr zwei Kirchengemeinden Martinskirche und Friedenskirche-Neugreuth bilden heute die evangelische Gesamtkirchengemeinde Metzingen.

Auch in Glems wurde infolge der Zugehörigkeit des Ortes zu Württemberg die Reformation eingeführt. Bis 1518 hatte der Ort kirchlich noch zu Dettingen gehört, dann wurde er vorübergehend eigene Pfarrei, die jedoch kurz nach der Reformation wieder aufgehoben wurde. Danach wurde der Ort der neu eingerichteten Pfarrei Neuhausen zugeteilt.

In Neuhausen an der Erms wurde ebenfalls die Reformation eingeführt. Kirchlich gehörte der Ort zu Dettingen. Eine Kapelle Zu Unserer Lieben Frau wird jedoch bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Nach der Reformation wurde Neuhausen Sitz einer eigenen Pfarrei, die auch den Nachbarort Glems betreute.