Der Bund der Vertriebenen – Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände e. V. (BdV), kurz Bund der Vertriebenen, ist der Dachverband der deutschen Vertriebenenverbände in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Vereinszweck ist es, die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen (Heimatvertriebene) wahrzunehmen. Präsident des seit 1957 bestehenden BdV ist seit Oktober 2025 der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer (CSU).

Politische Einordnung Dass sich der Verein für demokratische Werte und Völkerverständigung einsetzt, wurde wiederholt von den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt, zum Beispiel am 2. September 2006 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler am „Tag der Heimat“. Andererseits werden dem Verband oder einigen seiner Mitglieder immer wieder Nähe zum Rechtsextremismus sowie nationalistisches und revisionistisches Denken vorgeworfen. Besonders das Verhältnis des BdV zu Polen ist dadurch belastet.

Aufbau und Zahl der Mitglieder Der BdV ist zweigliedrig organisiert: Einerseits gibt es 20 Landsmannschaften, welche die Herkunftsgebiete der Vertriebenen repräsentieren, andererseits gibt es 16 Landesverbände, die die Bundesländer vertreten. Nach eigenen Angaben ist der BdV „der einzige repräsentative Verband der rund 15 Millionen Deutschen, die infolge Flucht, Vertreibung und Aussiedlung in der Bundesrepublik Deutschland Aufnahme gefunden haben und noch finden.“ Auch Nichtvertriebene können einem Vertriebenenverband beitreten. Weiterhin befasst sich der Bund, nicht zuletzt aufgrund des Engagements seines Ehrenvorsitzenden und ehemaligen Vizepräsidenten Adolf Fetsch, mit der Betreuung von Spätaussiedlern. Laut BdV sind die Mitglieder in 6000 regionale Gliederungen und über 1000 Heimatkreisvereinigungen bzw. Heimatortsgemeinschaften organisiert.

Die genaue Mitgliederzahl des BdV ist umstritten. Während der BdV auf der Verbandsseite bis 2009 noch von rund 2 Millionen Mitgliedern sprach, wurde die Mitgliederzahl ab 2011 mit rund 1,3 Millionen beziffert. Diese Angabe fand sich auch 2021 noch unverändert auf der Verbandsseite. Insbesondere zu Beginn der 2010er Jahre waren diese Angaben Inhalt einer öffentlichen Debatte und wurden von verschiedenen Kritikern angezweifelt. So ging etwa Erich Später bereits 2010 von nur rund 25.000 Mitgliedern aus und sprach davon, dass der BdV „die Anzahl seiner Mitglieder schon immer grotesk überhöht dargestellt“ habe. Die seit 1958 herausgegebene Mitgliederzeitschrift „Deutscher Ostdienst“ (DOD) hatte 2010 eine Auflage von etwa 2000 Exemplaren. Die Nachrichtenagentur ddp ermittelte zum Jahresbeginn 2010 durch eine Telefonumfrage bei den Landesverbänden etwa 550.000 Mitglieder. In einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau im Jahr 2015 schätzte der frühere BdV-Mitarbeiter Björn Günther die Mitgliederzahl auf unter 300.000, während der BdV-Präsident Bernd Fabritius die Zahl von 1,3 Millionen bekräftigte.

Bedeutung 1965 gehörte knapp ein Prozent der Vertriebenen einer Landsmannschaft des BdV an. Als die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition in den siebziger Jahren nicht mehr auf Konfrontation, sondern auf Aussöhnung mit den Ländern Mittel- und Osteuropas setzte, nahm die Bedeutung des BdV ab.Helga Hirsch: „Kollektive Erinnerung im Wandel“, Aus Politik und Zeitgeschichte der Bundeszentrale für politische Bildung, Ausgabe 40–41/2003 Dieser Bedeutungsverlust wurde auch 2010 vom Historiker Erich Später hervorgehoben. Während die Vertriebenenverbände bis 1969 quasi ein Vetorecht in der deutschen Außenpolitik gehabt hätten, sei dies durch die Ostpolitik zurückgedrängt worden, und ihre territorialen Forderungen seien seit 1989 obsolet. Ferner verwies er darauf, dass „das alte Nazi-Millieu der Berufsvertriebenen“ biologisch ausstürbe. Ähnlich betonte Anna Jakubowska 2012 neben der Bedeutung der Ostpolitik ab 1970 auch die Wende ab 1989/1990 für die Selbst- und Fremddarstellung des BdV. Während der Verband den langjährigen Kampf um die Rückkehr der Vertriebenen durch die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze im Zwei-plus-Vier-Vertrag 1990 definitiv verloren habe, verstünde er sich weiterhin als ein politischer Interessenverband und versuche seitdem, auf dem Gebiet der Geschichtspolitik aktiv zu werden. Dies sei insbesondere ab 1998 durch die Wahl von Erika Steinbach zur Präsidentin gelungen. Seitdem errege der Verband im Vergleich zu den früheren Jahren die größte Aufmerksamkeit der deutschen und polnischen Medien.

Der Verband steht auf bundes- und landespolitischer Ebene Gruppierungen wie der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung in der CDU/CSU nahe.siehe z. B. Mit Ausnahme von Wenzel Jaksch und Reinhold Rehs, die während ihrer Zeit als Verbandspräsidenten Mitglieder der SPD waren, waren alle Vorsitzenden, insbesondere mit Herbert Czaja, Fritz Wittmann, Erika Steinbach und Bernd Fabritius ohne Unterbrechung seit 1970 Abgeordnete für die Fraktion der CDU oder CSU im Bundestag. An dem zumeist im März ausgerichteten Jahresempfang nahmen wiederholt Politiker der obersten Regierungsebene teil, so etwa mehrfach Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Finanzierung Der Verband wird aus Bundesmitteln gefördert. Im Jahre 1995 betrug diese institutionelle Förderung über 3,5 Mio. DM. Davon wurden vom BdV 320.000 DM an seine Mitgliedsverbände weitergeleitet. Die Förderung erfolgt aus Mitteln der „Zuwendungen an zentrale Organisationen und Verbände, die der Eingliederung der Aussiedler, Übersiedler, Vertriebenen und Flüchtlinge dienen“. Unter der rot-grünen Bundesregierung wurde die Förderung heruntergefahren und betrug in den Jahren 2002 bis 2004 jährlich 920.000 EUR. 2017 erhielt die Geschäftsstelle des BdV im Jahr 2017 Fördermittel in Höhe von 979.000 EUR sowie Haushaltsmittel in Höhe von 101.000 EUR für eine Wanderausstellung zu Flucht und Vertreibung von Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Die verschiedenen Mitgliederverbände des BdV erhielten 2017 zum einen zum einen Bundesmittel in Höhe von 950.000 EUR „zur Projektförderung verständigungspolitischer Maßnahmen für ihre Arbeit zur Versöhnung und zum friedlichen Zusammenleben der Völker in Europa“ sowie Bundesmittel in Höhe von 1,4 Millionen EUR über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur Migrationserstberatung.

Gesetzliche Grundlagen der Aufgaben Die Grundlage der Vereinsarbeit ist im Bundesvertriebenengesetz von 1953 geregelt. Der Verband pflegt das kulturelle Erbe der VertriebenenGesetzestext, abgerufen am 18. November 2012 und berät unentgeltlich.Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz – BVFG) § 95 Unentgeltliche Beratung, auf www.gesetze-im-internet.de, abgerufen am 18. November 2012 In den nach § 22 BVFG gebildeten Beirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, der die Aufgabe hat, die Bundesregierung in diesen Fragen zu beraten, entsenden die Vertriebenenverbände gemäß § 23 Abs. 1 BVFG allein sechzehn Vertreter. Auch auf Landes- und Kommunalebene bestehen Vertriebenenbeiräte, in denen die Sach- und Fachkompetenz der Vertriebenen gefragt ist.

Wiedergutmachung für deutsche Zwangsarbeiter Nach jahrelangen Bemühungen des BdV im deutschen Bundeshaushalt Geldmittel für Wiedergutmachung für deutsche Zivilisten einzuplanen, die in den Jahren 1939 bis 1956 als Zwangsarbeiter für andere Länder arbeiten mussten, gelang ihm dies am 27. November 2015, als der Bundestag die Richtlinie über eine Anerkennungsleistung ehemaliger deutscher Zwangsarbeiter verabschiedete.https://www.bund-der-vertriebenen.de/presse/presse-details/zwangsarbeiterentschaedigung-kommt-bdv-forderung-wird-erfuellt Dies ist eine historische Entscheidung, da nie zuvor deutsche Zivilisten von der Bundesrepublik entschädigt wurden. Es handelt sich um 50 Millionen Euro, die das deutsche Parlament im Jahr 2015 für die Wiedergutmachung der Zwangsarbeit eingeplant hat.http://wochenblatt.pl/bundesverwaltungsamt-wartet-auf-antraege/

Geschichte mini|40 Jahre Eingliederung heimatvertriebener Deutscher: Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1985

Die Vorgänger-Organisationen verabschiedeten am 5. August 1950 die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Diese wurde am 6. August 1950 vor dem Stuttgarter Schloss feierlich verkündet und bestimmt als Grundlage das Selbstverständnis der deutschen Heimatvertriebenen. Es war die erste Veranstaltung des seither jährlich als Gedenktag begangenen Tages der Heimat.

Ein großer Teil der Führungsgruppen dieser Organisationen stammte aus den sozialen und politischen Eliten der deutschen Ostgebiete und volksdeutschen Siedlungsgebiete. Unter ihnen waren ehemalige Aktivisten der NSDAP, Angehörige der SS und des deutschen Besatzungsapparats, die sich am Vernichtungskrieg im Osten und an der Schoah beteiligt hatten.Erich Später: Wie viele Nullen hat der BdV? In: Konkret, Heft 03/2010. Abgerufen am 13. März 2010. Von den dreizehn Mitgliedern des ersten Präsidiums des Bundes waren nur zwei „dezidierte Nicht-Nationalsozialisten“; die anderen waren durchwegs Träger des NS-Regimes.Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 528f; siehe dazu auch (als Vorabrezension) Klaus Wiegrefe: „Träger des Regimes“. In: Der Spiegel, 47 (2012), vom 19. November 2012, S. 60–62. Online Der BdV selbst entstand am 27. Oktober 1957 durch den Zusammenschluss des „Bundes der vertriebenen Deutschen“ (BVD) und des „Verbands der Landsmannschaften“ (VdL). Während der BVD sich eher als politisches Kampforgan der Vertriebenen zur Wiedererlangung der alten Heimat sah, war der VdL eher auf die kulturellen und sozialen Fragen der Vertriebenen orientiert. Dies führte in den Anfangsjahren zu mancherlei heftiger Auseinandersetzung im neuen Verband.

Der Verband stand den demokratischen Parteien Deutschlands in seiner Anfangszeit neutral gegenüber. In der ersten Wahl zum Präsidium des BdV wurden überwiegend frühere Nationalsozialisten gewählt.Rosenbach, Marcel und Wiegrefe, Klaus: „Verbände - Nachsichtiges Urteil“ im Der Spiegel 8/2010, abgerufen am 11. April 2010

Dem Historiker Erich Später zufolge bildeten in den ersten 20 Jahren des BdV ehemalige NS-Funktionäre und Mitglieder der SS die Mehrheit „auf jeder Ebene, von den untersten bis zu den höchsten Rängen“. Das stellte laut Später „eine enorme Lobby- und Integrationsmacht für den Verwaltungs- und Vernichtungsapparat des Nationalsozialismus dar“: So sind „die 90.000 Beamten und Angestellten der öffentlichen Verwaltungen aus den Ostgebieten reibungslos im öffentlichen Dienst“ untergebracht worden.