Burgdorf () ist eine Mittelstadt mit etwa 30.000 Einwohnern in der niedersächsischen Region Hannover. Bis 1974 war die Stadt Sitz des Landkreises Burgdorf. Burgdorf ist für seinen Spargelanbau bekannt und hat eine lange Anbautradition, die hier 1750 erstmals erwähnt wurde.Burgdorf bei Niedersächsische Spargelstraße Der Ort liegt in einem traditionellen Pferdezuchtgebiet für Hannoveraner und ist Standort eines Pferdemarktes. In Burgdorf befindet sich die größte Zinnfigurensammlung Deutschlands im kommunalen Besitz.

Geografie Lage Burgdorf liegt zwischen Hannover, Celle und Peine und ist von allen drei Städten jeweils etwa 25 km entfernt. Es grenzt an Uetze, Lehrte, Isernhagen und Burgwedel sowie an die Gemeinde Adelheidsdorf im Landkreis Celle. Durch das Gebiet der Stadt Burgdorf fließt die Burgdorfer Aue, deswegen wird sie auch die Auestadt genannt. Der prägende Naturraum ist die Burgdorf-Peiner Geest mit ihren nährstoffarmen, sandigen Böden, größtenteils flacher Landschaft mit einigen niedrigen Hügeln sowie Kiefern- und Birken- und Stieleichenwäldern. Das Stadtgebiet wird vom Altwarmbüchener Moor und dem Oldhorster Moor im Westen sowie dem Burgdorfer Holz im Osten eingeschlossen.

Stadtgliederung mini|Die Ortschaften Burgdorfs

Die Stadt Burgdorf ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus folgenden Stadtteilen: Beinhorn Burgdorf (Kernstadt) Dachtmissen Heeßel (mit Ahrbeck) Hülptingsen Otze Ramlingen-Ehlershausen Schillerslage Sorgensen Weferlingsen

Im Volksmund gibt es weiterhin eine informelle Gliederung des Stadtgebiets. Man spricht von der Weststadt, die westlich der Bahnstrecke gelegen ist, von der Nordstadt nördlich der Gartenstraße und der Südstadt südlich der Aue und des Gümmekanals. Das Gebiet zwischen diesen drei Stadtvierteln wird als Innenstadt oder Altstadt bezeichnet.

Straßenverzeichnis

Geschichte mini|hochkant=1.8|Burgdorf um 1654 in einem Merian-Stich

Burgdorf wurde 1277Godehard und Lothar Obst, Burgdorf in den Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts, 2005, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt, S. 87 ff.; Dieter Heun in Marktspiegel Burgdorf vom 29. Januar 2022 ("Wird es wieder das falsche Jahr?") erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zum Bistum Hildesheim. Während des Mittelalters war der Ort von einer Reihe von kleineren Ansiedlungen umgeben, die wüst fielen. Dazu gehören Eseringen, Garvesse, Hetelingen und Oensingen. Nach der kleinen Hildesheimer Stiftsfehde (1420–1422) kam es dann 1433 an die Celler Herzöge, deren Gebiet später zum Regierungsbezirk Lüneburg wurde. 1433 ließ Herzog Otto von der Heide das Schloss Burgdorf neu aufbauen und mit einem Wall und doppelten Graben umziehen. Der Ort Burgdorf war damals nur ein Dorf.

Im Dreißigjährigen Krieg gab es eine Schlacht bei einem stark besetzten Pass bei Dachtmissen. Gegen die Kontributionen und Abgaben wehrten sich die Burgdorfer Bürger 1637 mit einem kleineren Aufstand. Auch in den Jahren 1658 und 1809 gab es große Brände in der Stadt, welche dadurch immer wieder zerstört und danach wieder aufgebaut wurde.

1811 erbaute die jüdische Gemeinde in Burgdorf ein Fachwerkhaus und richtete darin die Synagoge Burgdorf ein. 1939 wurde sie gezwungen, das Gebäude an die Stadt zu verkaufen. Ab 1941 diente es der Hitlerjugend als Geschäftsstelle und war später eine Bücherei. Seit dem Jahr 2008 ist das Gebäude eine kulturelle Begegnungsstätte unter der Bezeichnung KulturWerkStadt.

1935 entstand östlich der Altstadt die katholische St.-Nikolaus-Kirche, die 1972 bedeutend erweitert und modernisiert wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges warf die United States Army Air Forces am 24. Februar 1945 fast 70 Bomben auf Burgdorf ab, wodurch 30 Bewohner den Tod fanden. 2006 wurde für die Bombenopfer eine Gedenktafel am zentralen Spittaplatz aufgestellt.„Bomben über Burgdorf“: Ausstellung dokumentiert Kriegsjahr 1945 in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. Januar 2020 In der Zeit des Krieges mussten zahlreiche NS-Zwangsarbeiter auf Bauernhöfen in Burgdorf und Umgebung Zwangsarbeit verrichten. 1944 kam es zu einem Aufstand, woraufhin 31 polnische und sowjetische Zwangsarbeiter aus Burgdorf und Umgebung am 9. August 1944 im KZ Neuengamme hingerichtet wurden. Nach Kriegsende errichtete die britische Militärregierung am nordöstlichen Stadtrand Burgdorfs das Barackenlager Ohio. Ende 1945 lebten dort 1000 ehemalige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und heimatlos gewordene Ausländer.

Der bis 1974 bestehende Landkreis Burgdorf wurde gegen den Willen des überwiegenden Teils der Bevölkerung mit den Landkreisen Neustadt am Rübenberge, Springe und Hannover zum neuen Landkreis Hannover zusammengeschlossen. Burgdorf verlor dadurch den Status als Kreisstadt und gehörte nicht mehr dem Regierungsbezirk Lüneburg an, sondern dem am 31. Dezember 2004 aufgelösten Regierungsbezirk Hannover.

Am 1. November 2001 wurde der Landkreis Hannover mit der Stadt Hannover zur Region Hannover zusammengeschlossen, der Burgdorf damit auch angehört. In Burgdorf gibt es ein Amtsgericht und ein Finanzamt.

Eingemeindungen Durch die am 1. April 1974 in Kraft getretene niedersächsische Gebietsreform wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Beinhorn, Dachtmissen, Heeßel, Hülptingsen, Otze, Ramlingen-Ehlershausen, Schillerslage, Sorgensen und Weferlingsen in die Stadt Burgdorf eingegliedert. Sie wurden damit Ortschaften der Stadt Burgdorf.

Einwohnerentwicklung Kernstadt Burgdorf Jahr Einwohner Quelle 1824 –¹ 1848 2.362 ² 1890 3.386 1910 4.465 1925 5.252 1933 5.955 Jahr Einwohner Quelle 1939 6.452 1950 10.942 1956 11.119 1973 18.966 2010 22.014 ³ 2015 22.409 ¹ 283 Feuerstellen ² in 313 Häusern (Stadt Burgdorf mit seinen zwei Gemeindeverbänden) ³ laut Versionsgeschichte des Artikels

Stadt Burgdorf Jahr Einwohner Quelle 1975 26.976 ¹ 1980 28.196 ¹ 1985 28.641 ¹ 1990 29.022 ¹ 1995 30.275 ¹ Jahr Einwohner Quelle 2000 30.314 ¹ 2005 30.074 ¹ 2010 29.886 ¹ 2015 30.147 ¹ 2019 30.727 ¹ ¹ jeweils zum 31. Dezember

Religion mini|hochkant|St.-Paulus-Kirche Zum evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Burgdorf gehören in Burgdorf die Kirchengemeinden St. Pankratius, St. Paulus und Martin Luther mit ihren gleichnamigen Kirchen. Die Burgdorfer Hauptkirche St. Pankratius von 1813 befindet sich im Stadtzentrum an der Marktstraße. In der Südstadt befindet sich die moderne Kirche St. Paulus am Berliner Ring. Die Martin-Luther-Kirche steht in Ehlershausen. Zur evangelischen Kirche gehören in Burgdorf eine Reihe weitere Einrichtungen, wie die Kindertagesstätten „Fröbelweg“ und „Pusteblume“ (Weststadt) sowie die Paulus-Kinderkrippe und der Friedhof der Pankratius-Kirche.

Die katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus gehört zum Dekanat Hannover. Zu ihr gehört die gleichnamige Kirche an der Straße Im Langen Mühlenfeld, sie wurde 1935 errichtet und 1972 erweitert. Ferner seit 2006 auch die Kirchen St. Barbara in Hänigsen und St. Matthias in Uetze, wovon St. Barbara 2012 profaniert und abgerissen wurde.

Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist gesunken und die Personen, die keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehören, machen mit 51,6 % (Stand 31. Dezember 2022) eine absolute Mehrheit der Bevölkerung aus.Region Hannover (Hrsg.)Region Hannover Kurzinformationen 12/2023 Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit; PDF, abgerufen am 26. November 2023.

Die Landeskirchliche Gemeinschaft geht auf das Jahr 1919 zurück, sie hat seit 1978 ihr Gemeinschaftshaus an der Heinrichstraße.

Die Evangelisch-Freikirchliche Jesusgemeinde mit Sitz am Schützenweg gehört zur Gemeinde Hannover-Walderseestraße (Baptisten), die Christengemeinde Elim mit Sitz an der Gartenstraße gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.

Die neuapostolische Gemeinde Burgdorf gehört zum Kirchenbezirk Hannover Nord. Sie wurde 1906 gegründet und verfügt über eine Kirche an der Wallgartenstraße.

Die Zeugen Jehovas sind mit einer Versammlung in Burgdorf vertreten.

Weitere Kirchen befinden sich in zu Burgdorf eingemeindeten Ortsteilen.

Politik Rat der Stadt

Der Rat der Stadt Burgdorf besteht aus 34 Ratsherren und -frauen. Dies ist die Anzahl der Sitze, die bei der Kommunalwahl am 12. September 2021 vergeben wurden. Hinzu kommt der Bürgermeister. Die Sitze verteilen sich wie folgt: +SPDCDUGrüneFDPWGS FBLinkeAfD∑Sitze1096332134

Bürgermeister Bürgermeister der Stadt Burgdorf ist Armin Pollehn (CDU). Seine Stellvertreter sind Arne Hinz (SPD) und Beate Neitzel (CDU).

Am 1. November 2019 wurde der in den Ruhestand gehende ehemalige Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD) von Armin Pollehn (CDU) abgelöst, der in einer Stichwahl gegen Matthias Paul am 16. Juni 2019 zum künftigen Bürgermeister gewählt wurde.

Ortsräte Die Stadtteile der Stadt Burgdorf werden von insgesamt 17 Ratsmitgliedern in drei Ortsräten vertreten. Seit der Kommunalwahl 2021 verteilen diese sich wie folgt: +StadtteileSPDCDUGrüneFDPWGparteilos∑Otze121 -1a -5Ramlingen-Ehlershausen2211 -1c7Schillerslage -2 -12b -5∑36223117 a Unabhängige Wählergemeinschaft für Otze, b Unabhängige Wählergemeinschaft WGS FreieBurgdorfer, c Einzelkandidat: Wolfram Nolte

Wappen Das Kommunalwappen von Burgdorf stammt von dem heraldischen Maler Carl Wenzel aus Hannover. Wenzel erschuf etliche Wappen im Landkreis Hannover, zum Beispiel für die Orte Ahlten, Bilm und Dolgen. Die Genehmigung des Wappens wurde am 5. September 1940 durch den Oberpräsidenten der Provinz Hannover erteilt. Die am 1. März 1974 durch Gesetz neugebildete Stadt Burgdorf hat das Wappen der bisherigen Stadt Burgdorf übernommen, das vom Regierungspräsidenten in Hannover am 8. Mai 1974 genehmigt wurde.

Farben, Flagge Die Farben der Stadt, und daraus folgend die der Stadtflagge: „Die Farben der Stadt sind ‚grün‘ und ‚gelb‘.“

Siegel Das Siegel ist folgend gestaltet: „Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift ‚Stadt Burgdorf‘.“ Wappen, Farben und Siegel der Stadt Burgdorf sind in § 2 Absatz 1, 2 und 3 der Hauptsatzung festgelegt.

Wappen der Ortschaften „Bei geeigneten Anlässen feierlicher und sonstiger repräsentativer Art dürfen in den Ortschaften neben dem Stadtwappen und der Stadtfahne die bisherigen Wappen und Fahnen der Ortschaften gezeigt werden.“ Den Gebrauch der bisherigen Hoheitszeichen der eingemeindeten Ortschaften regelt § 2 Absatz 5 der Hauptsatzung.

Städtepartnerschaften , Kanton Bern (Schweiz), seit 1968 , Sachsen-Anhalt (Deutschland), seit dem 17. November 1990

Die seit 1971 bestehende Partnerschaft zur niederländischen Stadt Rheden wurde aus finanziellen Gründen 2015 und 2016 von beiden Städten beendet.

Partnerschaften der Ortschaften

Des Weiteren gibt es seit 1990 Partnerschaften zwischen der Ortschaft Ramlingen-Ehlershausen und Kleinmühlingen (Gemeinde Bördeland) in Sachsen-Anhalt sowie zwischen Otze und Großmühlingen, ebenfalls der Gemeinde Bördeland zugehörig.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

Das Burgdorfer Stadtbild ist durch zum Teil bedeutende historische Fachwerkbauten geprägt, die gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufwändig und originalgetreu restauriert wurden. Dazu zählt vor allem das Schloss Burgdorf von 1643, das an der Stelle des bereits im 13. Jahrhundert erwähnten castrum burgtorfe steht. 1805 entstand das bemerkenswerte, ursprünglich klassizistische Rathaus, das 1950 ein Satteldach und 1996 ein Glockenspiel erhielt. Das Gebäude des Stadtmuseums stammt aus dem Jahr 1658. Dieses wie einige andere Häuser Am Brandende wurden beim großen Stadtbrand von 1809 verschont. Von Grund auf neu gebaut werden musste die St.-Pankratius-Kirche, die 1814 in klassizistischen Formen vollendet war. Auf dem Magdalenenfriedhof aus dem 16. Jahrhundert mit der Magdalenenkapelle von 1868 befindet sich das Grab des Komponisten und Dichters Philipp Spitta. Südlich der Ortschaft Heeßel, in einem Landschaftsschutzgebiet, liegen die Reste der von Wällen umgebenen Burg Heeßel. Die Otzer Kapelle mit ihrem hölzernen Glockenturm wurde im Jahr 1350 errichtet.