Der Nymphenburger Schlosspark ist eines der größten und bedeutendsten Gartenkunstwerke Deutschlands. Er bildet mit dem Schloss Nymphenburg und den Parkburgen eine Einheit. Die Anlage liegt im Westen Münchens im nach dem Schloss benannten Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg an der Grenze zu Pasing-Obermenzing. Der Park steht als Gartenkunstwerk unter Denkmalschutz und ist Landschaftsschutzgebiet. Fast sein gesamtes Gebiet ist darüber hinaus auch als Natura2000-Gebiet gemeldet.

Die kunstvolle Verknüpfung von formalem Garten und Landschaftspark gilt als Meisterwerk der Gartenkunst und macht die Gesamtanlage aus Schloss und Park zu einer vielbesuchten Attraktion. Sie wird an ihrer östlichen, der Stadt zugewandten Seite vom Nymphenburger Schloss mit dem vorgelagerten Schlossrondell begrenzt. Von allen anderen Seiten ist sie weitgehend von der historischen Gartenmauer umschlossen. Nach Norden schließt sich der Botanische Garten an und dahinter, jenseits der Menzinger Straße, das Kapuzinerhölzl.

Vorbilder für den ursprünglichen Barockgarten waren die französischen Gärten von Schloss Vaux-le-Vicomte und Schloss Versailles. Die heutige Gestalt ist das Ergebnis der grundlegenden Umgestaltung durch Friedrich Ludwig Sckell ab 1799. Der Park innerhalb der Gartenmauer hat eine Größe von 180 Hektar, die Fläche der gesamten Anlage beträgt 229 Hektar. mini|hochkant|Apollotempel mini|Blick vom Mittelkanal auf das Schloss mini|Naturdenkmal Sommerlinde am Badenburger See

Übersicht

mini|hochkant=1.5|Luftbild des Schlossparks Nymphenburg

Der Garten besteht aus dem großen landschaftlichen Teil im Westen und dem regelmäßig gestalteten Bereich in Schlossnähe. Der Mittelkanal teilt die Parklandschaft in einen nördlichen und einen südlichen Bereich. Die Wasserzufuhr erfolgt von Westen aus der Würm über den Pasing-Nymphenburger Kanal. Das Wasser wird über zwei Kanäle nach Osten und Nordosten sowie über den Hartmannshofer Bach nach Norden abgeleitet.

Im nördlichen Teil befindet sich der kleinere Pagodenburger See mit der Pagodenburg, im südlichen Teil der größere Badenburger See mit Apollotempel und der Badenburg. Das Grüne Brunnhaus mit den Wasserrädern und Druckpumpen für die Gartenfontäne steht im Dörfchen des südlichen Parkteils. Die Amalienburg bestimmt den südöstlichen Parkteil.

Im Osten grenzt der Schlosspark an das gegliederte Schlossgebäude. Auf der Gartenseite des Schlosses schließt sich das große Gartenparterre an, das den Mittelteil des von Kanälen eingegrenzten Rechtecks einnimmt und in Verlängerung der Mittelachse des Kanals liegt. Auf der Stadtseite des Schlosses liegt das Schlossrondell.

Geschichte

Die ersten Planungen mini|Schloss und Park Nymphenburg aus der Vogelperspektive, Miniatur von Maximilian de Geer, um 1730 Die Geburt des Kurprinzen Max Emanuel von Bayern aus dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher im Jahr 1662 war der Anlass, ein Schloss mit einem Garten im Gebiet zwischen den Dörfern Neuhausen und Obermenzing als Geschenk für die junge Mutter, die Kurfürstin Henriette Adelaide von Savoyen, zu errichten. Die Grundsteinlegung für den „Schwaigbau zu Nymphenburg“ erfolgte 1664. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum ist die italienisierende Bezeichnung „Borgo delle Ninfe“ erst eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Die Anlage war als Lustschloss nach Art italienischer Landvillen konzipiert; zur barocken Schlossanlage, die als Sommerresidenz und Alternative zum Regierungssitz, der Münchner Residenz, dienen konnte, wurde sie erst eine Generation später unter Max Emanuel ausgebaut. Vorbild war das piemontesische Jagdschloss La Venaria, dessen Architekt Amedeo Castellamonte (1613–1683) die ersten Entwürfe für Nymphenburg lieferte. Als erster Architekt wurde Agostino Barelli, als Bauleiter der Hofbaumeister Marx (Markus) Schinnagl beschäftigt. Die Arbeiten begannen mit dem Bau eines würfelförmigen Schlossgebäudes und der Anlage eines Gartens westlich des Schlosses. Es handelte sich dabei um ein kleines, italienisch gestaltetes Gartenparterre.

Der französische Garten mini|Schloss Nymphenburg und das Große Parterre von Westen, am Horizont die Münchner Frauenkirche, Ölgemälde von Bernardo Bellotto, um 1761 In den Jahren von 1701 bis 1704 wurden Veränderungen und Erweiterungen des Gartens im Stil des französischen Barocks durch Charles Carbonet vorgenommen. Damit einher ging der Kanalbau und die Versorgung mit dem von der Würm herangeführten Wasser.

Die großzügige Ausgestaltung wurde ab 1715 von Dominique Girard, der zuvor in den von André Le Nôtre geschaffenen Gärten von Versailles gearbeitet hatte, und Joseph Effner, einem Schüler von Germain Boffrand, verwirklicht. Girard gelang eine geschickte Wasserführung in dem ehemals trockenen Gelände. Es entstand ein Rechteck von Kanälen, die das Hauptschloss mit dem Gartenparterre in eine Insellage brachten. Die im Westen gelegene Seite des Rechtecks bildete die Große Kaskade. Nach Art der französischen Vorbilder wurden geradlinige Wege angelegt sowie Baumreihen und Laubengänge gepflanzt, die den Garten streng gliederten. Die Anlage bestand nun aus zwei Hauptbereichen, dem Ziergarten in der Nähe des Schlosses und dem Wald im Westen; die Parkburgen hatten eigenständige, kleinere Parterres erhalten.

Ab 1715 ließ Max Emanuel den außerhalb des Schlossparks anschließenden Wald bis fast zum Starnberger See in den Hirschjagdpark umgestalten. Wie innerhalb des Parks, allerdings in größerem Maßstab, wurden Schneisen angelegt und drei Jagdhäuser errichtet.

Der Landschaftspark mini|Plan des Nymphenburger Parks, von Friedrich Ludwig Sckell, um 1802 mini|„Plan des Königlichen Lustschlosses Nymphenburg und seiner Garten Anlagen“, Stich von Ludwig Emmert, um 1837

Die entscheidende Wende zur heutigen Gestalt der Gartenanlage wurde durch die Umgestaltung durch Friedrich Ludwig Sckell eingeleitet. Sckell hatte zuvor mit seiner Gestaltung des Schwetzinger Schlossgartens eine harmonische Zusammenführung des französischen und englischen Gartenstils gezeigt. Die Arbeiten in Nymphenburg dauerten wegen der Größe des Gartens länger. Ab 1799 gestaltete Sckell zuerst den abgegrenzten Kronprinzengarten als Sondergarten. Die Schaffung eines weitläufigen Landschaftsparks nach englischem Vorbild begann 1804 mit dem südlichen Parkteil, der 1807 fertiggestellt war, und wurde 1810 bis 1823 mit dem nördlichen Teil vollendet.

Anders als Lancelot Brown in England, der großflächige Landschaftsparks schuf, indem er die barocken Gärten zerstörte, ging Sckell behutsamer vor. Er bewahrte das Parterre auf der Gartenseite des Schlosses ebenso wie die Mittelachse mit dem Kanal und der abschließenden Kaskade. Auf diese Weise gelang ihm eine unaufdringliche Gliederung des Parks in zwei Landschaftsbereiche vergleichbarer Größe mit je eigener Prägung und Stimmung, wozu zwei von Sckell sehr unterschiedlich gestaltete Seen maßgeblich beitrugen.

Dieser Kunstgriff macht den Nymphenburger Park zu einem Beispiel einer Synthese zweier grundverschiedener Gartenformen: dem geordneten, die Natur durch die Mittel der Kunst aufwertenden französischen Barockgarten mit dem das freie Spiel der Natur inszenierenden englischen Landschaftspark. Eine erste Öffnung des Gartens für das allgemeine Publikum erfolgte 1792 unter Kurfürst Karl Theodor.

Der Park nach dem Ende der Monarchie Ursprünglich bildeten Auffahrtsalleen, Schlossrondell, Hauptschloss und Garten eine Einheit, die sich über mehr als drei Kilometer in ost-westlicher Richtung erstreckte und weit vor den Toren Münchens lag. Das Wachstum der Stadt ließ Bebauung und Straßennetz immer weiter ins Umland vorrücken. Mit dem Bau der breiten Ludwig-Ferdinand-Brücke über den Nymphenburger Kanal, der Errichtung von Wohnhäusern entlang der Nördlichen und Südlichen Schlossauffahrt und der Anlage einer Eisenbahntrasse im Westen wurden Park und Schloss vollständig umklammert und zu einem Stadtteil Münchens.

Nach Abschaffung der Monarchie wurden Park und Schloss Teil des Ehemaligen Kronguts und staatlich verwaltet. Mit dem Ende der Weimarer Republik bemächtigten sich die Nationalsozialisten der Anlage. Seit dem Sommer 1936 wurde die Revue Nacht der Amazonen, mit Pferden und tanzenden Mädchen, aufgeführt. Nach der gewaltsamen Aneignung der Klosterkirche im Orangerietrakt wurde in diesem Schlossteil im Oktober 1938 ein Jagdmuseum eröffnet. Die Ortsgruppenleitung der NSDAP erhielt einen unterirdischen Bunker.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden das Hauptschloss und die Amalienburg zum Schutz vor Luftangriffen mit einem Tarnanstrich versehen, die großen Wegeflächen dunkel belegt und Teile des Mittelkanals abgedeckt. Später wurden auch die Wasserbassins auf der Stadtseite des Schlosses aufgefüllt. Durch Bombentreffer wurden die Schlosskirche, der Vorplatz, die Badenburg und die Große Kaskade zerstört oder schwer beschädigt, Schäden entstanden auch an der Figurengruppe des Pan und am Baumbestand des Parks. Besatzungssoldaten sprengten ein altes Gebäude südlich der Großen Kaskade, das als Waffenlager zweckentfremdet worden war.

Die Reparatur der Bauwerke und die Instandsetzung des Gartens kamen nur langsam voran. Zwar wurde die Wiederherstellung nach den historischen Vorbildern betrieben, eine Reihe von Verlusten wurde jedoch nicht ausgeglichen. Der vor dem Zweiten Weltkrieg angelegte Sportplatz im südlichen Parkzipfel stellt einen andauernden, groben Eingriff in den Park dar.

Während der Olympischen Sommerspiele 1972 fanden im Schlossgarten wiederum Reitveranstaltungen statt: Die Wettbewerbe im Dressurreiten wurden im Gartenparterre abgehalten. Die Statuen wurden ausgelagert, Reitbahn und Tribünen als temporäre Anlagen errichtet, Nebengebäude des Schlosses fanden als Stallungen Verwendung.

Der Park und seine Teile Die Auffahrtsalleen mini|Blick von Osten auf das Hauptschloss: Kanal mit Auffahrtsalleen, im Hintergrund das Schlossrondell Die nördliche und die südliche Auffahrtsallee begleiten den von der Stadt auf das Schloss zulaufenden Kanal. Sie sind der einzige ausgeführte Teil eines von Joseph Effner geplanten sternförmigen Alleensystems einer barocken Idealstadt („Carlstadt“). Darüber hinaus war vorgesehen, die drei Sommerresidenzen des Kurfürsten (Nymphenburg, Schloss Schleißheim und Schloss Dachau) mit Kanälen zu verbinden (Nordmünchner Kanalsystem), zum einen, damit die höfische Gesellschaft von einer Lustbarkeit zur nächsten mit der Gondel gelangen konnte, zum anderen – nach holländischem Vorbild – als Transportweg für landwirtschaftliche Produkte und Baustoffe.

Die sehr langen Schlossauffahrten entlang des Schlosskanals dienten der Zurschaustellung absolutistischer Macht. Die Anfahrt sollte fürstliche Gäste beeindrucken: Ein Besucher, der sich in der Pferdekutsche auf das Schloss von Osten kommend zubewegte, nahm die wachsende Gebäudekulisse wahr, beim Durchfahren des Rondells beschrieb sein Gefährt einen Halbkreis, so dass sich das fast einen halben Kilometer breite Schloss in seiner ganzen Erhabenheit präsentierte.

Das Hauptschloss und das Auffahrtsrondell mini|Das Bassin im Auffahrtsrondell, als Abschluss des stadtseitigen Schlossgartenkanals Den Endpunkt des von der Stadt zum Schloss führenden Schlosskanals bildet der Ehrenhof, dessen Mittelpunkt Effner als Wasserparterre gestaltete, mit Fontäne, Wasserkaskade und beidseitig abzweigenden Kanälen. Diese durchbrechen die Kette von Schlosshaupt- und -nebenbauten und werden unter den in der Zeit von etwa 1739 bis 1747 entstandenen Galerien auf der Gartenseite fortgeführt. Dadurch wird die Verbindung von Ehrenhof, Schloss und dahinterliegendem Garten, die schon durch große Fensteröffnungen und Durchgangsbögen im Hauptgebäude angedeutet ist, zusätzlich betont.