mini|alt=Ein geschwungenes Tal mit einer steilen und einer flachen Flanke, beidseitig mit Bäumen bestanden|Blick in die Tallandschaft des Westparks, östlicher Teil mini|alt=See mit künstlichen Uferstrukturen an dem Kinder Gänse füttern, hinter Bäumen ragt Wohnbebauung auf|Der Mollsee im Ostteil mini|alt=Pagode mit geschnitzter Fassade steht erhöht unter Bäumen|Nepalesische Pagode im Ostasienensemble Der Westpark ist eine Parkanlage im Münchner Stadtbezirk Sendling-Westpark. Er wurde für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 1983 angelegt und ist seit deren Ende frei zugänglich. Der Westpark ist nach einer Erweiterung bei einer Ost-West-Ausdehnung von etwa 2,4 Kilometern 69 Hektar groß. Er wird durch den Mittleren Ring (Garmischer Straße) in einen Ost- und einen Westabschnitt geteilt, die durch eine begrünte, breite Fußgänger- und Fahrradüberführung verbunden sind.
Zum Freizeitangebot des Parks gehören Spiel- und Sportplätze, Grillgelegenheiten sowie Spazier- und Fahrradwege. Im Westteil befindet sich der Biergarten und das Wirtshaus am Rosengarten, im Ostteil der Biergarten Hopfengarten und das alternative Café Gans am Wasser. Blumen- und Staudengärten, ein Alpinum, ein Rosengarten, ein historischer Garten, ein Blindengarten, das Ostasien-Ensemble mit Gärten und Bauten sowie weitere Nationengärten sind Anziehungspunkte für die Besucher und machen den Westpark zum meistbesuchten städtischen Park in München.Peter Kluska: Landschaftsarchitektur: Projekte + Wettbewerbe 1970–2010. Hirmer 2013, ISBN 978-3-7774-5681-2, Seite 84 Weiterhin ist der Park schon seit der Gartenbau-Ausstellung Standort mehrerer bedeutender Kunstwerke im öffentlichen Raum.
Geschichte Das Gelände des späteren Westparks waren in den 1970er Jahren rund 60 Hektar weitgehend unbebautes Brachland im damaligen Stadtbezirk Waldfriedhofsviertel, das im Norden von der Lindauer Autobahn und deren Ende und Einmündung in den westlichen Mittleren Ring geprägt war.Soweit nicht anders angegeben, stützt sich dieser Abschnitt auf: 20 Jahre Westpark, Kapitel Planung und erste Bauphase, Seiten 10–15 Im Osten grenzte die Fläche an das Betriebsgelände eines Bauunternehmens und die Bahnlinie nach Großhesselohe. Im Süden waren nach dem Zweiten Weltkrieg an den Hauptstraßen eine Zeilenbebauung, dahinter im Südwesten Einfamilienhäuser und im Südosten Wohnblöcke bis nahe der Fläche entstanden. Im Norden liegen am Autobahnende Sportflächen und die für die Olympischen Spiele 1972 gebaute Rudi-Sedlmayer-Halle (von 2011 bis 2023 Audi Dome; seit 2023 BMW Park). Im Südwesten der Fläche lag ein aufgelassenes Kieswerk, im Osten befanden sich zwei kleine Gewerbeflächen und die stillgelegte Radrennbahn des RC Amor München. Das Gelände war eben, wurde teilweise landwirtschaftlich genutzt. Bis auf zwei alte Eichen östlich des Mittleren Rings war die Fläche baumlos.
In der Zeit des Nationalsozialismus war der östliche Teil des Geländes für die nie verwirklichte Kraft-durch-Freude-Stadt vorgesehen, eine Siedlung für Arbeiter, die die Monumentalbauten auf der geplanten Achse von Pasing bis zur Innenstadt errichten sollten.Denis A. Chevalley: Die städtebauliche Entwicklung in den südlichen und westlichen Stadtbereichen westlich der Isar, Denkmäler in Bayern, Landeshauptstadt München, Südwest, Karl-Lipp-Verlag, München 2004, ISBN 3-87490-584-5, Seite CXXVIIHans-Peter Rasp: Eine Stadt für tausend Jahre: München – Bauten und Projekte für die Hauptstadt der Bewegung. Süddeutscher Verlag 1981, ISBN 3-7991-6124-4, Seiten 91–94 Nach dem Zweiten Weltkrieg waren eine Verlängerung der Lindauer Autobahn als Bundesstraße bis zur Lindwurmstraße, ein Großparkplatz für das damalige Messegelände auf der Theresienhöhe sowie Wohn- und Gewerbebauten im Gespräch. Dagegen wandten sich Bürgerinitiativen und Lokalpolitiker, die eine Parkanlage für die stark bebauten Stadtteile Sendling, Laim und das nahe gelegene Westend forderten. München hatte in Vorbereitung der Olympischen Spiele auch das Wohn- und Gewerbeflächenangebot stark ausgebaut, und bei stagnierender oder kurzzeitig sinkender Einwohnerzahl standen 1973 rund 5000 Wohnungen in München leer, weshalb damals der politische Druck, Bauland zu erschließen, kurzzeitig zurückging.So der damalige Oberbürgermeister Georg Kronawitter 2005 auf einer Podiumsdiskussion. In: 20 Jahre Westpark, Transkript der Podiumsdiskussion, Seite 25
Der Stadtentwicklungsplan von 1975 sah ein grünes Netz mit einem neuen West-, Ost- und Nordpark vor; der Nordpark nahe dem Stadtteil Freimann wurde 1973 auch als Standort für eine eventuelle Bewerbung der Stadt München um die Internationale Gartenbauausstellung 1983 benannt. 1976 zeichnete sich ab, dass eine Gartenbauausstellung im Nordpark – wegen dessen Lage abseits dicht bebauter Stadtviertel, ohne geeignete Flächen für Ausstellungshallen und wegen der gewaltigen Größe – keine Förderung durch den Freistaat Bayern und den Bund zu erwarten hatte. Daher kam die Idee auf, die IGA im Westpark zu veranstalten. Sie wurde vom Gartenbauamt der Stadt ausformuliert und der Münchner Stadtrat beschloss den Bau des Westparks und dessen Bewerbung für die Gartenbauausstellung.Stationen auf dem Weg zur Iga, Süddeutsche Zeitung vom 28. April 1983, Seite 17
Im gleichen Jahr wurde der Stadtentwicklungsplan durch einen Grün- und Erholungsflächenplan ergänzt, der die Planungsgrundlage für den Westpark darstellte. Jedoch war im Jahr 1974 auf den Südteil des Geländes für das Unternehmen Bayernwerk Baurecht mit einer hohen Geschossflächenzahl übertragen worden. Es stand den Plänen im Wege und nach umfangreichen Verhandlungen wurde das Baurecht im Zuge der Westparkplanungen auf das ehemalige städtische Kohlenlager an der Heckenstallerstraße erneut verlegt.Das Recht war ursprünglich im Nationalsozialismus mit 24.000 Quadratmetern für die Bebauung der Isarinsel in Oberföhring erteilt worden. Als die Bayernwerke das Baurecht Anfang der 1970er Jahre ausüben wollten, kollidierte es mit der Erholungsnutzung und der Ausweisung der Isarauen als Landschaftsschutzgebiet. Eine Ablösung war aus finanziellen Gründen nicht realistisch, daher musste das Baurecht auf einen anderen Ort übertragen werden, so der damalige Stadtbaurat Wolfgang Czisch 2005 auf einer Podiumsdiskussion. In: 20 Jahre Westpark, Transkript der Podiumsdiskussion, Seite 27 Daraus entstand schließlich die Siedlung am Gottfried-Böhm-Ring. Erst durch die Verlegung des Baurechts, die Aufgabe der weiteren Planungen und den Ankauf von rund der Hälfte des Gebietes aus Privatbesitz durch die Stadt wurde es möglich, das bisherige Brachgelände vollständig für den Westpark zu nutzen.IGA 83 in München – Warum? – Interview mit dem Leiter der Stadtgartendirektion Josef Wurzer. In: Garten + Landschaft, Ausgabe 4/83, Seiten 267 f. Im Zuge der Verhandlungen ergab sich, dass das im Osten an den künftigen Park angrenzende Firmengelände des Bauunternehmens Leonhard Moll mit rund 14 Hektar in den folgenden Jahren aufgegeben würde und während der Ausstellung genutzt werden konnte. Die Stadt konnte einen Teil der Fläche ankaufen und dem Park dauerhaft zuschlagen.
Entwurf mini|Die Brachfläche mit ersten Geländemodellierungen, 1978 miniatur|alt=grasbewachsener Hügel mit steilen Flanken und Bäumen auf der Spitze|Aussichtshügel mit steilen Flanken im Westteil des Parks Im Sommer 1976 wurde ein Architektenwettbewerb für den Westpark eröffnet. Zugelassen waren nur bayerische Landschaftsarchitekten.Josef Wurzer: Wettbewerb Westpark München. In: Garten + Landschaft, Ausgabe 7/77, Seite 428 Die Anforderungen an den Park durch die Planung der Gartenbauausstellung wurden erst im Laufe des Wettbewerbs konkretisiert und mussten in die laufende Entwurfsplanung eingearbeitet werden.
Im Februar 1977 gewann der Münchner Landschaftsarchitekt Peter Kluska per einstimmigem Entscheid der JuryPeter Kluska: Landschaftsarchitektur: Projekte + Wettbewerbe 1970–2010. Hirmer 2013, ISBN 978-3-7774-5681-2, Seite 56 mit einem Entwurf, der „versuchte, […] einen vom Lärm der Großstadt abgeschirmten Talraum im Charakter der Voralpenlandschaft zu schaffen, in den der Besucher eintauchen und von dessen künstlich aufgeschütteten, Moränen gleichenden Hügeln aus er die Stadtkulisse und das Alpenpanorama sehen könne.“20 Jahre Westpark, Kapitel Planung und erste Bauphase, Seiten 10–15 Nach eigenen Angaben kam ihm die Idee, als er bei einem Flug nach München aus der Vogelperspektive auf das zu beplanende Gelände schaute. In die Talstrukturen eingebettet liegt in beiden Parkteilen je eine Wasserlandschaft am jeweils tiefsten Punkt des Geländes, das im Vergleich zum Olympiapark als „vielfältig gebrochenes Echo der populären Münchner Olympia-Landschaft“ bezeichnet wurde.Gottfried Knapp: Die inszenierte Natur. Süddeutsche Zeitung vom 30. April/1. Mai 1983, Seite 131 Das Preisgericht wies darauf hin, dass „ein gesteigertes Landschaftserlebnis geboten [wird], das in seiner Eigenart unverwechselbar ist“.
Wesentlicher Teil des Parkentwurfs ist das Wegenetz. Mit einer klaren Hierarchie von asphaltierten Hauptwegen und Nebenwegen mit wassergebundener Decke in verschiedenen Breiten werden Besucherströme getrennt, die den Park durchqueren oder in ihm flanieren und Ruhe finden wollen. Je nach Geländeprofil sind bis zu drei Höhenebenen erschlossen: die Hauptwege im Tal, ein schmalerer Weg am Hang und ein Pfad auf der Höhe der Hügel. Alle Wege sind geschwungen geführt, um den Eindruck zu erwecken, sie würden sich der Landschaft anpassen. Auf allen Ebenen stehen an den Wegen vielfältige Sitzgelegenheiten.
Zur Verbindung von Ost- und Westteil entwarf Kluska eine flache Spannbeton-Brücke mit begrünten Seiten, um die Besucher vom Verkehr des Mittleren Rings abzuschirmen. Kleinere Fuß- und Radverkehrsbrücken verbinden den Park nach Osten über die Hansastraße und eine Bahnlinie mit der Schwanthalerhöhe.Peter Kluska, Anton Hansjakob: Vier Brücken. In: Garten + Landschaft, Ausgabe 4/83, Seiten 286/287
Den Entwurf erfasste Kluska in damals innovativer Technik per Computer mit Höhenlinien und über 12.000 Messpunkten, die anschließend exakt eingemessen in die Baustelle übertragen werden konnten. Zusätzlich fertigte er ein Modell an, in dem mit Hilfe eines Endoskops Bilder aus der späteren Fußgängerperspektive gemacht werden konnten.
Im Mai 1977 wurde die offizielle Bewerbung für die IGA 83 eingereicht. Einziger Gegenkandidat Münchens war Hamburg, das sich mit einer Neugestaltung von Planten un Blomen zum vierten Mal nach der dreimaligen Ausrichtung der Ausstellung in dieser Stadt in den Jahren 1953, 1963 und 1973 beworben hatte. Im Juli entschied das Vergabegremium mit 29:1 Stimmen20 Jahre Westpark, Transkript der Podiumsdiskussion, Seiten 24–35 für den Münchner Entwurf.
Ausführung mini|Der Park im Bau, April 1982 miniatur|alt=mehrere Wege führen in geschwungenen Formen durch die Tallandschaft. Das Bild zeigt den Park im Frühling, die Bäume sind noch ohne Blätter|Die geschwungene Wegführung ist typisch Der erste Spatenstich fand im Januar 1978 statt, die erste Pflanzung im April 1978. Aufgrund der kurzen Zeit bis zur Gartenbauausstellung mussten ältere, bereits große Bäume gepflanzt werden. Aus den städtischen Baumschulen und Betrieben der Umgebung wurden über 6000 Großbäume im Alter von 20 bis 40 Jahren und rund 100.000 Sträucher verpflanzt.