Der Talent (Eigenschreibweise TALENT) ist eine Triebwagen-Plattform von Bombardier Transportation (ursprünglich Waggonfabrik Talbot). „Talent“ ist ein Akronym für Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen. Die Einheiten wurden als Diesel- (mit mechanischer oder elektrischer Kraftübertragung) und elektrische Triebzüge hergestellt. Es gibt Versionen mit und ohne Neigetechnik. Die Inneneinrichtung (Sitzteiler) war frei wählbar. Der Prototyp wurde 1996 vorgestellt; bis Anfang 2003 waren mehr als 300 Einheiten ausgeliefert oder bestellt.Über 300 Talent-Triebwagen verkauft. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2003, , S. 156.
Bombardier entwickelte unter der Bezeichnung Talent 2 eine Nachfolgebauart, die zwischen 2008 und 2021 produziert wurde; jedoch waren sie lediglich als elektrische Triebwagen bestellbar. Diese wurde durch den weiterentwickelten Talent 3 abgelöst.
Technische Daten TALENT sind regelspurige Vollbahn-Triebwagen nach UIC-Norm. Sie sind optional mit Straßenbahnausstattung wie Blinker, Außenspiegeln und anderem lieferbar.
Typisch ist die windschnittige Form (Design von Alexander Neumeister): Die Köpfe laufen spitz zu, die Betriebskupplungen sind Scharfenbergkupplung mit seitlichen Kontaktaufsätzen. Die Seitenwände stehen nicht wie bei den meisten Schienenfahrzeugen senkrecht, stattdessen ist der Querschnitt, um auch bei Nutzung der bisher allerdings nur in Norwegen eingebauten Neigetechnik die Fahrzeugumgrenzung einzuhalten, annähernd oval. Für die elektrische Fahrzeugausrüstung war die österreichische Firma ELIN EBG Traction verantwortlich.
Die Talent gibt es als zwei- bis vierteilige Gelenkfahrzeuge, die Nachfolger Talent 2 werden bis zu sechsteilig angeboten. Die Gelenke sind als Wagenübergang über Jakobs-Drehgestellen ausgeführt. Angetrieben sind nur die Drehgestelle an den Führerstandsenden. Außer über den beiden (voneinander unabhängigen) Antriebseinheiten und über den Jakobsdrehgestellen sind die Triebwagen niederflurig. Die Übergänge über den Jakobsdrehgestellen sind entweder mit Stufen oder mit Rampen begehbar. Die Fußbodenhöhe ist im Niederflurteil und somit am Einstieg zwischen 590, 800 oder 960 Millimetern über Schienenoberkante wählbar. Im Hochflurteil beträgt sie dann beispielsweise 1130 Millimeter. Die für moderne Nahverkehrstriebwagen üblichen Ausstattungsmerkmale wie Klimaanlage, Fahrgastinformationssystem, barrierefreie Vakuumtoilette oder Mehrzweckabteil sind vorhanden.
Eine Besonderheit der TALENT gegenüber anderen Fahrzeugplattformen ist, dass die Wagenkasten nicht als eine Röhre vorgefertigt wurden. Untergestell, Seitenwände und Dach wurden in eigenen Ständen lackiert und vormontiert. Die Untergestelle wurden als Edelstahlkonstruktion gefertigt, während die Seitenwände aus Aluminium bestehen. Das Dach wurde als Sandwichplatte ausgeführt. Die Fahrzeugköpfe bestehen aus einer Stahlgerüstkonstruktion mit GFK-Verkleidung, die von einem externen Lieferanten zugeliefert wurde. Die Komponenten wurden anschließend zusammengesetzt und kaltverfugt. Der Hersteller warb bei diesem Verfahren mit hoher modularer Flexibilität, leichtem Tausch von Komponenten im Reparaturfall und einer einfachen Recyclingfähigkeit der Komponenten.mit Talent in die Zukunft - Teil 1/2, Youtube, Aufruf: 28. Mai 2022 Nachteilig an diesem Verfahren ist, dass bei fehlerhaften Dichtungen Wasser in die Innenräume eindringen kann.
Einsatz Fahrzeuge der Talent-Familie werden in Deutschland, Österreich, Ungarn, Norwegen (Neigetechnikversion), Slowakei, der Schweiz, Rumänien, den Niederlanden und Kanada eingesetzt.
Deutschland
Baureihen 644 und 944 Als Baureihe 644 (Endwagen) und 944 (Mittelwagen) bezeichnet die Deutsche Bahn (DB) dreiteilige Talent mit dieselelektrischem Antrieb, die für S-Bahn-artigen Verkehr auf nicht elektrifizierten Strecken beschafft wurden. Ein Triebwagen besitzt sechs Einstiege je Fahrzeugseite und wird von zwei MTU-Dieselmotoren (12 V 183 TD 13) mit je 505 kW Leistung angetrieben. Die Motoren treiben dabei Generatoren an, die wiederum die elektrischen Fahrmotoren in den Enddrehgestellen mit Energie versorgen. Die Fahrzeuge unterscheiden sich durch ihre Dachaufbauten mit Stromrichter und Bremswiderständen deutlich von anderen Fahrzeugen. Die DB erhielt 63 Triebzüge (644 001/501 bis 063/563). Bei den 644 ist jedes Fahrzeugsegment gegenüber den Triebwagen der Reihe 643.0 um einen Fensterteiler verlängert ausgeführt. Durch Klappsitze in einigen Türräumen bietet diese Baureihe trotz zusätzlicher Türen eine hohe Sitzplatzkapazität. Die Fußbodenhöhe liegt bei 800 Millimetern. Eine Besonderheit an diesen Drehgestellen bei Fahrzeugen für den deutschen Markt sind die geringen Radsatzdurchmesser. So konnte bei dieser Baureihe mit 800 mm Einstiegshöhe zwischen erster und letzter Tür ein vollständig ebener Fußboden ohne Treppen und Rampen realisiert werden.
Nordrhein-Westfalen Die Fahrzeuge wurden von 1999 bis Juni 2014 hauptsächlich im Raum Köln auf der Oberbergischen Bahn (Kursbuchstrecke (KBS) 459), der Eifelstrecke (KBS 474) und der Voreifelbahn (KBS 475) eingesetzt, teilweise in Dreifachtraktion. Sie wurden durch die Baureihen 620 und 622 abgelöst.
Die Einheiten 644 061–063 kamen ab der EXPO 2000 bis Dezember 2003 auf der Strecke Bielefeld – Dissen-Bad Rothenfelde (Haller Willem) zum Einsatz. Anschließend gelangten die Fahrzeuge in das o. g. Haupteinsatzgebiet, kehrten aber mehrfach nach Westfalen zurück, zunächst für die RB 69 Bielefeld – Oelde, später mehrmals als kurzfristiger 425-Ersatz auf der RB 61 Bielefeld – Bad Bentheim, ab Dezember 2004 zudem fest als Porta-Express RE 78 Bielefeld – Minden, der dann im Dezember 2007 nach Nienburg (Weser) verlängert wurde. Die werkstattmäßige Unterhaltung dieser Triebwagen erfolgte stets durch das Werk Osnabrück bzw. zuletzt Münster; seit Dezember 2008 waren alle vorhandenen 644 wieder im Werk Köln-Deutzerfeld beheimatet. Die Fahrzeuge 644 061–063 wurden für den Einsatz auf dem Haller Willem mit Fahrkartenautomaten und Entwertern sowie außen aufgeklebten Haller-Willem-Logos ausgestattet, mit Ausnahme des 644 062 auch mit den Einrichtungen für den Funkfahrbetrieb, die beim 644 061 bis heute vorhanden sind.
Im Februar 2015 wurden die Triebwagen bei Fristabläufen nach Hamm (Westf) zum Stillstandsmanagement überführt. Zwischenzeitlich standen mehrere wegen Brand- oder Unfallschäden als Ersatzteilspender in Köln-Deutzerfeld abgestellt. Der am 6. April 2020 durch einen Brand bei Brilon beschädigte 644 059 wurde 2021 verschrottet.
Im Sauerland-Netz wurde für nicht ausgelieferte oder nicht einsatzbereite Triebwagen der Baureihen 632 und 633 ein Ersatzkonzept notwendig. Von Dezember 2016 bis ins Jahr 2023 kamen die Fahrzeuge der Baureihe 644 im gesamten Sauerland-Netz (mit Ausnahme der Linie RB 52) zum Einsatz, seitdem ist der Einsatz massiv zurückgefahren worden. In dieser Zeit waren die Fahrzeuge dem Werk Dortmund zugeteilt.
Aufgrund des hohen Schadstandes an den Triebwagen der Baureihen 640 (Alstom Coradia LINT 27), 643 (Bombardier Talent, dieselmechanisch) und 648 (Alstom Coradia LINT 41) wurden seit Februar 2024 außerdem drei aus NRW ausgeliehene Triebfahrzeuge der Baureihe 644 auf der Lahn-Eifel-Bahn in Rheinland-Pfalz und Hessen eingesetzt. Spätestens 2025 wurden diese wieder nach NRW zurückgegeben und sind hier nicht mehr im Einsatz. Seit Ende Juni / Anfang Juli 2026 sind dort wieder geliehene Fahrzeuge der BR 644 im Einsatz, diesmal stammen diese aus BaWü (siehe unten).
Einige Einheiten wurden noch für den planmäßigen Einsatz auf der RB 38 (Köln Messe/Deutz – Horrem – Bedburg, früher bis Neuss) gebraucht, bis sie im August 2024 ebenfalls vollständig durch Fahrzeuge der Baureihe 620 ersetzt wurden.
Die Fahrzeuge 644 045, 051 und 056 wurden für die fahrgastintensive Linie RB 64 Münster–Enschede umgebaut. Dabei wurden in den Sitzbereichen jeweils eine Tür verschlossen und die Klappsitze in den Türbereichen durch feste Sitze ersetzt. Der Mehrzweckbereich hat seine beiden Türportale behalten. Von außen sind die Türen wie der sonstige Wagenkasten lackiert. Ein Rückbau wäre aber technisch wieder möglich. Aufgrund von altersbedingten Ausfällen der Fahrzeuge sind mehrere 644 aus dem Dortmunder Bestand für das Sauerland-Netz im Einsatz. Diese haben anders als die umgebauten Fahrzeuge und die 643 keine Zulassung für die Strecke bis Enschede.
Baden-Württemberg/Bayern Anfang des Jahres 2016 führte DB Regio mit einigen Fahrzeugen Probefahrten auf der Hochrheinbahn und der Bahnstrecke Aalen–Ulm durch. Diese verliefen positiv, sodass seit Mitte März 2016 sieben Garnituren auf der Bahnstrecke Aalen–Ulm im Regelbetrieb verkehrten, die zuvor in Nordrhein-Westfalen im Einsatz waren. Die Züge wurden dafür von der DB generalüberholt. Nachdem der Betrieb auf der Bahnstrecke Aalen–Ulm im Jahr 2019 im Rahmen von Ausschreibungen an die Hohenzollerische Landesbahn (HZL) verloren gegangen war, wurden die sieben verbliebenen Garnituren nach Nordrhein-Westfalen zurückgeholt. Dort benötigte man sie wegen des hohen Schadstandes bei den Einheiten der Baureihen 620 und 622 im Dieselnetz. Seit Ende Juni / Anfang Juli 2026 sind mehrere Fahrzeuge der Hochrheinbahn im Netz der Lahn-Eifel-Bahn in RLP und Hessen unterwegs, um hier wegen des hohen Schadstandes der Fahrzeuge der Baureihen 640 und 648 (Alstom Coradia LINT 27 und 41) sowie 643 (dieselmechanische Bombardier Talent) auszuhelfen.
Auf der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen und weiter bis Lindau wurden in Teilstrecken die Triebwagen der Reihe 644 bis Dezember 2021 eingesetzt, bis sie im Rahmen der fertiggestellten Elektrifizierung dieser Strecke dort überflüssig wurden.
Seit der Ausmusterung der Baureihe 611 finden die Triebwagen auch auf der Donautalbahn zwischen Ulm und Donaueschingen Verwendung. Drei 644 wurden dem Werk Kempten zugeteilt und kommen zwischen Ulm und Memmingen sowie Weissenhorn zum Einsatz.
Baureihen 643 und 943 Als Baureihe 643 (Endwagen) und 943 (Mittelwagen) bezeichnet die DB dreiteilige Talent mit dieselmechanischem Antrieb. Die Fußbodenhöhe liegt im Einstiegs- und mittleren Bereich bei 590 Millimetern, bei den Fahrzeugen der NordWestBahn bei 800 Millimetern. Eingesetzt werden die Triebwagen der Reihe 643 von den Betriebshöfen Kaiserslautern, Trier, Duisburg und Münster (Westfalen) und seit Dezember 2010 auf dem Betriebshof Karlsruhe. Sie wiesen bis zum Redesign der Baureihe 644 einen im Vergleich zur Baureihe 644 höheren Komfort auf. Dickere Polster sowie Armlehnen in der zweiten Wagenklasse sind im Gegensatz zur Ursprungsvariante des 644 vorzufinden. Außerdem ist der Innenraum anders aufgebaut, unter anderem gibt es in den 643 ein kleineres Mehrzweckabteil. Der Antrieb ist dieselmechanisch, der der 644 dieselelektrisch. Die Motorleistung ist zudem geringer als bei den 644.
34 Triebwagen der Baureihe 643 kommen seit Dezember 2011 auf drei Strecken im westlichen Münsterland zum Einsatz (unter anderem auf der Bahnstrecke Dortmund–Gronau als RB 51) und wurden für diesen Zweck optisch und technisch überholt.
Seit Dezember 2014 kommen Züge der Baureihe 643 auch auf den Strecken der Lahn-Eifel-Bahn zum Einsatz. Dies beinhaltet die Bahnstrecke Andernach–Kaisersesch, den Abschnitt Andernach – Koblenz der Linken Rheinstrecke sowie die Lahntalbahn.
Baureihe 643.2 alternativtext=643.226 BOStrab|mini|643 226 mit voller BOStrab-Ausrüstung, Werkstest am Bahnhof Aachen Nord