mini|hochkant|Wappen von Königsberg im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig mini|hochkant|Schlossteich, im Hintergrund das Königsberger Schloss (1912) mini|Alte Teilstädte in Königsberg (1255) mini|Königsberg nordöstlich des Frischen Haffs auf einer Landkarte von 1910 mini|Stadtplan von Königsberg 1905

Königsberg (niederpreußisch Keenigsbarch) war die Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen. Ihre nahezu siebenhundertjährige Geschichte endete infolge des Zweiten Weltkriegs. Die Stadt wurde 1946 als fortan sowjetische bzw. russische Stadt in Kaliningrad umbenannt.

Königsberg entstand bei der 1255 vom Deutschen Ritterorden an der Pregelmündung im Südosten der Halbinsel Samland errichteten gleichnamigen Burg. Bis 1945 war Königsberg als Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen deren kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Mit der Reichsgründung wurde es 1871 zur nordöstlichsten Großstadt des Deutschen Reiches. Im April 1945 eroberte die Rote Armee in der Schlacht um Königsberg die durch zwei britische Luftangriffe schon 1944 weitgehend zerstörte Stadt. Anschließend nahm die Sowjetunion das nördliche Ostpreußen mit Königsberg in Besitz. Die nach der Eroberung in Ostpreußen verbliebene und auch in den Jahren danach am Leben gebliebene deutsche Zivilbevölkerung wurde bis 1948 zwangsweise in die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands umgesiedelt.

Geographische Lage Königsberg/Kaliningrad liegt auf derselben geographischen Breite wie Kap Arkona, die Schleimündung, Belfast, Vilnius, Smolensk und der Baikalsee. Die Geographische Länge teilt die Stadt mit Olsztyn (Allenstein), Belgrad, den östlichen Ålandinseln und dem Westrand der Barentsinsel.

Sie liegt auf beiden Ufern des Pregels, nördlich des alten Pregels im Samland, südlich in Natangen. Die Stadt hat sieben Hügel: Löbenichtscher Kirchenberg, Schiefer Berg, Mühlenberg, Schlossberg, Rollberg, Bauernberg und Butterberg; außerhalb der drei alten Städte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht sind der Haberberg und der Veilchenberg. Die Höhe über dem Meeresspiegel beträgt: Kneiphof 2,5 m, Schlossberg 13 m, Haberberg 9,5 m; höchster Punkt am Oberteich mit 22,5 m. Entfernungen (als Luftlinie) sind: Berlin 583 km, Danzig 148 km, Sowetsk (Kaliningrad) (Tilsit) 98 km, Tschernjachowsk (Insterburg) 85 km.Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberg von A bis Z. Ein Stadtlexikon. 2. Auflage. München 1976.

Stadtgebiet 1595 betrug die Entfernung vom äußeren Sackheimischen Krug bis zum Ende des Nassen Gartens 4,6 km. 1864 umfasste das Stadtgebiet 2063 ha. Durch die ersten Eingemeindungen (1905) wuchs Königsberg um 2033 ha auf 4434,9 ha. Gemeinsam erwarben die Stadt und der Landkreis Königsberg i. Pr. 1910 den Galtgarben. 1927 wuchs die Stadt durch weitere Eingemeindungen um 4019 ha auf 8454 ha, bis 1932 auf 9790,9 ha. Die letzten Eingemeindungen erfolgten 1939.

Geschichte Stadtgründung und Deutschordenszeit

mini|hochkant|Die ältesten Siegel der drei Teilstädte Königsbergs: Altstadt (1360), Löbenicht (1413), Kneiphof (1383)

Nach den Schilderungen des Wulfstan von Haithabu, der um 900 nach Truso reiste, gab es in dem Land der westbaltischen Prußen zahlreiche Burgen, die jeweils einem kynig unterstanden und den Kern einer Siedlungszelle in der näheren Umgebung bildeten. Eine solche Wallburg mit Namen Twangste bestand an der Mündung des Pregels vor der Einmündung in das Frische Haff.Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 3, S. 560. Zu ihr gehörten ein Dorf und ein Hafenplatz, der von den Wikingern als auch Lübecker Kaufleuten frequentiert wurde. Als der Deutsche Orden 1230 mit der Eroberung Preußens begann, planten die Lübecker die Gründung einer Tochterstadt, kamen jedoch nicht dazu, dies rechtzeitig umzusetzen. 1255 erreichte der Deutsche Orden unter Poppo von Osterna die Pregelmündung. Dort errichtete er eine Ordensburg,Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte einer historischen Landschaft. C.H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66980-4, S. 15. das spätere Königsberger Schloss.

Die Altstadt wurde 1256 im Gebiet des späteren Steindammes angelegt und nach der Zerstörung durch die Prußen während des Großen Prußenaufstandes im Jahr 1263 in dem Tal unterhalb des Schlossbergs wieder aufgebaut.Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 1, S. 103. 1283 erfolgte die Gründung der zu Ehren von Ottokar II. Přemysl Königsberg genannten Stadt. Sie erhielt 1286 das Stadtrecht nach dem Kulmer Recht durch Landmeister Konrad von Thierberg d. J. und wurde 1340 Mitglied der Hanse.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt wurden 1300 Löbenicht und 1327 Kneiphof gegründet, die jedoch erst 1724 durch eine königliche Entscheidung vereinigt wurden. Das Königsberger Schloss, die königlichen Freiheiten, die Burgfreiheit, der Tragheim, Vorder- und Hinterroßgarten sowie die Neue Sorge blieben außerhalb. Die Amtsbezeichnung war nun Königlich Preußische Haupt- und Residenzstadt Königsberg. Erst mit der Preußischen Städteordnung wurden das Schloss und die kgl. Freiheiten eingemeindet. Jede Ansiedlung verfügte ursprünglich über eigene Verwaltung, Befestigungsanlagen, einen Markt sowie eine Kirche. Die Bewohner waren vorwiegend vom Orden angesiedelte Deutsche. Diese besondere Verwaltungsform blieb bis zum Zusammenschluss der Kommunen unverändert.

Die Kneiphofinsel war seit 1322 geistlicher Bezirk, wo zwischen 1330 und 1380 der Königsberger Dom entstand. Das Königsberger Schloss, seit 1330 Sitz des Ordensmarschalls, wurde im 14. Jahrhundert ein zentraler Sammlungspunkt der litauerreisenden Adligen.Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 3, S. 172. So bildete Königsberg eine der Basen der Litauerkriege des Deutschen Ordens.Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 2, S. 568. 1370 wurde ein auf Königsberg zielender Vorstoß litauischer Heere durch städtische Aufgebote sowie die Streitmacht des Deutschen Ordens in der Schlacht bei Rudau abgewendet.Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 2, S. 96.

Im Hoch- und Spätmittelalter verstand man unter der Bezeichnung „Königsberg“ zumeist die Ordensburg, obwohl der Name zunehmend auf die umgebenden Kommunen übertragen wurde.

Als Mitte des 15. Jahrhunderts die preußischen Stände gegen die Herrschaft des Ordens aufbegehrten, den Preußischen Bund gründeten und sich bei Garantie großzügiger Privilegien der polnischen Krone unterstellten, waren die drei Städte im Umfeld der Burg Königsberg zunächst beteiligt. Dagegen wehrten sich trotz bereits erfolgter Huldigung die Handwerker der Teilstadt Altstadt und Löbenicht. In schweren Kämpfen konnten sie zusammen mit den Freien des Samlandes und dem Orden die von Danzig unterstützte Teilstadt Kneiphof niederringen. So bekannte sich Königsberg 1456 erneut zum Orden und ermöglichte ihm, seine Machtpositionen im Samland zu behaupten.Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 3, S. 664.

Nach dem Dreizehnjährigen Krieg wurde 1466 im Zweiten Frieden von Thorn Preußen geteilt. Königsberg verblieb bei dem vom Deutschen Orden verwalteten Teil Preußens. Nach dem Verlust der Marienburg 1457 wurde die Burg Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Mit dem Einzug des Hochmeisters Ludwig von Erlichshausen ins Königsberger Schloss war das Domizil des Ordens und somit die gesamte Ansiedlung schon seit 1457 Zentrum des Ordensstaates.

Hauptstadt des Herzogtums Preußen

Im Jahr 1525 führte der Hochmeister Albrecht aus dem Haus Hohenzollern die Reformation im Ordensstaat ein und beendete im Vertrag von Krakau den Reiterkrieg mit Polen durch Umwandlung des Ordensstaats in ein weltliches Herzogtum, das er als Fahnenlehen vom polnischen König entgegennahm. Da das Herzogtum sich nur auf den östlichen Teil Preußens erstreckte, führten er und seine Nachfolger den Titel „Herzog in Preußen“ und nicht „Herzog von Preußen“.

Als zweite lutherische Universität in Europa nach Marburg gründete Albrecht 1544 die Albertus-Universität. Er machte sich um die Astronomie verdient, indem er die Preußischen Tafeln von Erasmus Reinhold mitfinanzierte. Deren Bezugspunkt war Königsberg wegen seiner Wahl als geografischer Nullmeridian. Sie trugen maßgeblich zur Verbreitung der Lehre des 1543 gestorbenen Nikolaus Kopernikus bei. Dieser hatte als Domherr im Fürst-Bistum Ermland gewirkt, das der Krone Polens unterstand, aber fast rundherum vom Herzogtum Preußen umschlossen wurde.

Der zweite Herzog, Albrecht Friedrich, litt unter Depressionen und wurde aus diesem Grund durch Administratoren vertreten. Als er 1618 ohne männliche Nachkommen starb, wurde durch Erbfolge Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg Herzog in Preußen. Dessen Sohn, Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg, musste im Dreißigjährigen Krieg die von den Schweden ausgeplünderte Mark Brandenburg und das Berliner Schloss verlassen und nahm 1638 mit seinem Hofstaat Zuflucht im unzerstörten Königsberg.Barbara Beuys: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, ISBN 3-498-00456-5, S. 63.

Wie ihre Vorgänger, die Hochmeister des Deutschen Ordens seit dem Zweiten Thorner Frieden 1466, mussten die Herzöge die polnische Lehnshoheit über das Herzogtum anerkennen. Durch geschickte Politik gelang es dem später als „Großer Kurfürst“ bezeichneten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, die volle Souveränität des Herzogtums Preußen zu erlangen (Verträge von Labiau 1656, Wehlau und Bromberg 1657 und Oliva 1660). Dazu gehörte Königsberg, das damals noch aus den drei selbständigen Teilstädten Altstadt, Kneiphof und Löbenicht bestand. mini|Stadtansicht von Königsberg (aus Christoph Hartknochs Alt- und neues Preussen, 1684) Die Königsberger Stände wehrten sich gegen die absolutistischen Bestrebungen des Kurfürsten und versuchten, wie zweihundert Jahre zuvor der Preußische Bund, Unterstützung aus Polen zu bekommen. Der Kurfürst schlug diesen Königsberger Aufstand mit militärischen Mitteln nieder und konnte so seinen Machtanspruch und die Steuererhebung zur Finanzierung seines stehenden Heeres durchsetzen.

Nach dem Edikt von Potsdam (1685) wurden 350 Hugenotten in Königsberg sesshaft. Sie siedelten sich vorwiegend in der Burggasse, der späteren Französischen Straße, an. Ab 1733 bauten sie die Französisch-reformierte Kirche (Königsberg).

Provinzhauptstadt im preußischen Staat

mini|Königskrönung von Friedrich III.