Der Deister, auch Großer Deister genannt, ist ein maximal hoher Höhenzug im Calenberger Bergland an der Nordgrenze des Niedersächsischen Berglandes nahe Hannover in den Landkreisen Schaumburg, Hameln-Pyrmont und der Region Hannover. Er ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Obwohl er oftmals auch als Teil des Weserberglandes gesehen wird, gehört er im engeren Sinne nicht dazu.

Geographie mini|hochkant=2.5|Nordwestlicher Deister mit (vlnr) Rodenberger Höhe (333 m), Egge (355 m), Großem Hals (361 m, Fernmeldeturm Barsinghausen), NN (368 m) und Reinekensiekskopf (382 m, Nordmannsturm). Im Vordergrund Altenhagen II. mini|Der Deister bei Lauenau mini|Deisterkamm mit Nienstedt

Lage Der Deister liegt rund 20 km südwestlich von Hannover. Er erstreckt sich zwischen den Ortschaften Bad Nenndorf im Nordwesten, Barsinghausen im Norden, Wennigsen im Nordosten, Bennigsen im Osten, Springe im Südosten, Bad Münder im Süden, Eimbeckhausen im Südwesten und Lauenau sowie Rodenberg im Westen auf etwa 21 km Länge; seine Breite liegt im Mittel bei vier Kilometern. In südöstlicher Verlängerung schließt sich der Höhenzug des Kleinen Deisters an.

Im Deister entspringen zahlreiche Bäche. Er wird über die Rodenberger Aue, Südaue, Ihme und Haller in die Leine, im Bereich Bad Münder über die Hamel zur Weser entwässert.

Naturräumliche Gliederung Der Deister besteht in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37), in der Haupteinheit Calenberger Bergland (378) und in der Untereinheit Süd-Hannoversche Berge (378.3) aus den Naturräumen Barsinghausener Deister (378.30; Nordosten) und Nienstedter Deister (378.31; Südwesten).

Berge Der Deisterkamm ist bis zu hoch und wird etwa mittig vom hohen Nienstedter Pass gequert. Zu den Bergen und Erhebungen des Höhenzugs gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN), wenn nicht anders genannt laut: Bröhn (405 m), zwischen Nettelrede und Wennigser Mark – mit Annaturm (AT) Hirschköpfe: Westnordwestkuppe (395 m) und Ostsüdostkuppe (390 m), zwischen Springe und Wennigser Mark Höfeler (395 m), zwischen Luttringhausen und Wennigser Mark – mit Flugsicherungsanlage Reinekensiekskopf (382 m), nordöstlich von Nienstedt – mit Nordmannsturm und naher Teufelskanzel Hohe Warte (379 m), östlich von Nienstedt, zwischen Wennigser Mark und Eimbeckhausen Fahrenbrink (376 m), nordwestlich von Springe Großer Hals (361 m), zwischen Barsinghausen und Lauenau – mit Fernmeldeturm Ebersberg (355 m), westlich von Springe Egge (355 m), zwischen Barsinghausen und Lauenau Bielstein (344 m), zwischen Springe und Wennigsen – mit Steilfelsen und Schutzhütte Rodenberger Höhe (330 m), zwischen Hohenbostel und Lauenau – mit Wallburg Heisterburg (KD) und Sendeturm Stiegeskopf (325 m), zwischen Springe und Wennigsen Kalenberg (310 m), zwischen Bredenbeck, Springe und Völksen Kappenberg (203,3 m), zwischen Altenhagen II und Springe Strutzberg (198 m), südwestlich von Bantorf – mit Belvedereturm (AT)

Ortschaften Nienstedt ist die einzige größere Ortschaft im Inneren des Deister. An seinen Rändern liegen (je von Nordwest nach Südost): Bad Nenndorf (Nordwestende) Südwestrand: Rodenberg (Abstand) Feggendorf (unmittelbare Randlage) Lauenau (Abstand) Messenkamp (Abstand) und Altenhagen II (unmittelbare Randlage) Eimbeckhausen (Nienstedt vorgelagert) Luttringhausen Nettelrede Bad MünderNordostrand: Waltringhausen Bantorf Hohenbostel Barsinghausen Kirchdorf Egestorf Wennigser Mark Wennigsen (Abstand) Argestorf Bredenbeck Steinkrug Bennigsen Völksen

Springe (Südostende)

Geologie Der Deister hat eine herzynisch ausgeprägte Streichrichtung. Er bildet den Nordostflügel einer großen Sattelstruktur. Einem Riegel gleich trennt der dichtbewaldete Höhenzug mit dem südöstlich anschließenden Kleinen Deister und dem Osterwald die flache Calenberger Lössbörde von den Siedlungskammern des Ith, des Süntel und der Bückeberge ab. Das Gebirge entstand durch Anhebungen im Rahmen der Saxonischen Bruchschollentektonik, während die Oberfläche während der Elster-Kaltzeit und Saale-Kaltzeit geformt wurde.

Die nach Nordosten abdachende Hälfte des Deisters ist von ausstreichenden Sandsteinen, Schluffsteinen und Tonsteinen, zum Teil mit Einschaltungen von Steinkohle gekennzeichnet. Es sind die sogenannten Obernkirchen-Schichten (Wealden) der Unterkreide. Die nach Südwesten abdachende, morphologisch etwas steilere Hälfte ist von ausstreichenden Mergelsteinen, Tonsteinen und Kalksteinen gekennzeichnet. Es sind die sogenannten Münder Mergel des Oberen Juras. Weiter nach Südwesten schließen sich Kalksteine, der sogenannte „Eimbeckhäuser Plattenkalk“, an.

Deistersandstein wurde vom Mittelalter bis in die Neuzeit abgebaut und für Bauzwecke verwendet.

Natur mini|Fichten- und Buchenmischwald längs des Deisterkammweges mini|Süntelbuchen am Feggendorfer Grillplatz Schutzgebiete Auf den nordöstlich seines Hauptkamms liegenden Bereichen des Deisters befindet sich das Landschaftsschutzgebiet Norddeister (CDDA-Nr. 323262; 1994 ausgewiesen; 55,99 km² groß), und auf den südwestlich gelegenen Bereichen liegt das dreiteilige LSG Süddeister (CDDA-Nr. 324902-4; 1967; 75,6 km²). Südwestlich dieses Kamms erstreckt sich das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Süntel, Wesergebirge, Deister (FFH-Nr. 3720-301; 24,97 km²), das in der Region Hannover als Naturschutzgebiet Köllnischfeld ausgewiesen ist.

Flora und Fauna Der Bergzug ist von einem Buchen-Fichten-, teilweise auch Buchen-Eichen-Forst bzw. -Mischwald bedeckt. An der Cecilienhöhe bei Bad Nenndorf, am Grillplatz Lauenau-Feggendorf und südwestlich vom ehemaligen Forsthaus Köllnischfeld stehen noch mehrere Exemplare der seltenen, hier heimischen Süntelbuchen.

Zu den seltenen Pflanzen des Deisters gehören unter anderem auch Hülse (Stechpalme), Seidelbast, Knabenkräuter, Gelappter Schildfarn und Großes Schneeglöckchen.

Der Deister beherbergt eine für deutsche Mittelgebirge typische Tierwelt. Rot-, Reh- und Schwarzwild kommen zahlreich vor. Weitere vorkommende Haarwildarten sind Baum- und Steinmarder, Hermelin, Iltis und Mauswiesel sowie der Fuchs. Mittlerweile ist er auch Heimat von Bioinvasoren wie Waschbär und Marderhund. Beheimatet sind die Greifvogelarten Mäusebussard, Habicht und Rotmilan. Von den selteneren Kleintieren sind hier die Fledermausarten Mausohr und Kleine Hufeisennase zu Hause.

Forstwirtschaft Die staatlichen Forstreviere im Deister gehören zusammen mit denen im Kleinen Deister zum niedersächsischen Forstamt Saupark mit Sitz im Jagdschloss Springe und sind in die Revierförstereien Brünninghausen, Georgsplatz, Jägerhaus, Köllnischfeld, Lauenau und Osterwald aufgeteilt. Die Klosterforste Barsinghausen und Wennigsen gehören zur Klosterrevierförsterei Wülfinghausen. Daneben existieren auch Privatforste wie die Knigge’sche Forst bei Bredenbeck.

Sehenswürdigkeiten Der Deister liegt im Grenzbereich alter germanischer Gaue, mittelalterlicher Hoheitsgebiete und neuzeitlicher Landkreise. Daher sind in dem Höhenzug zahlreiche geschichtsträchtige Orte zu finden, die oftmals Wanderziele sind: Etwa 200 frühgeschichtliche Hügelgräber, hauptsächlich im Rehborn und im Schneegrund Steinformation Alte Taufe Zahlreiche alte Grenzsteine und Gedenksteine Alte Steinbrüche, in denen früher Deistersandstein abgebaut wurde Reste des Steinkohle-Bergbau im Deister, darunter der Feggendorfer Stollen Reste frühmittelalterlicher Ringwallanlagen: Heisterburg bei Lauenau-Feggendorf Wirkesburg bei Lauenau-Feggendorf Bennigser Burg bei Bennigsen Wennigser Wasserräder am Bruchbach bei Wennigsen Die Teufelsbrücke (bei Rodenberg) Besucherbergwerk Klosterstollen in Barsinghausen Türme im Deister

Türme Auf dem Deister gibt es mehrere Türme (Auswahl): Annaturm (29 m), Aussichtsturm auf dem Bröhn, mit Waldgaststätte Annaturm Belvedereturm, Aussichtsturm auf dem Strutzberg, 1852 erbaut, 1987 erhöht Fernmeldeturm Barsinghausen (139 m, mit Antenne 150 m), auf dem Großen Hals, 1967–1969 erbaut. Nordmannsturm (19 m), Aussichtsturm auf dem Reinekensiekskopf, 1862/63 vom hannoverschen Maurer- und Steinhauermeister Constantin Nordmann (1805–1889) errichtet, 1881 durch Blitz zerstört, 1882 neu erbaut, 2000 renoviert – Zugang durch die Waldgaststätte Nordmannsturm

Radarstation der Deutschen Flugsicherung (DFS) auf dem Höfeler: Eine von bundesweit sechs SRE-M-Anlagen: Plattform 26 m hoch/mit Antenne 38,5 m, 1981/82 als Betonturm gebaut (Ersatz für eine alte Stahlgitterkonstruktion). Die Reichweite beträgt etwa 145 Nautische Meilen (NM), das entspricht 270 km.

Sport Radsport Der Deister mit seinen zahlreichen Wirtschaftswegen ist ein beliebtes Ausflugsziel für Mountainbike-Fahrer aus ganz Norddeutschland.Waldinformationstag soll Mountainbiker für Naturschutz sensibilisieren bei hannover.de vom 21. August 2021 Eine 2023 veröffentlichte Studie zum Natur- und Naherholungsraum Deister bezeichnete das Mountainbikefahren als eine den Deister prägende Freizeitaktivität.Informationsdrucksache - 1890 (V) IDs zu Entwicklungspotentialen des Natur- und Naherholungsraumes Deister und Ergebnisse der Machbarkeitsstudie von 2023 Die Hauptwege im Deister sind auch mit Trekkingrädern befahrbar. Bei Rennradfahrern erfreut sich der Nienstedter Pass großer Beliebtheit. Die steilste straßenähnlich ausgebaute Auffahrt zum Deisterkamm ist die in Springe beginnende Jägerallee mit einer maximalen Steigung von 15 Prozent. Eine Deisterüberquerung auf asphaltierter Strecke ist jedoch nicht möglich.

Nachdem in den 2010er Jahren wegen der vermehrten Anlage von illegalen Trails im Wald Konflikte zwischen Mountainbikern, Waldbesitzern und Förstern aufkamen, gründete sich 2012 der Verein Deisterfreunde. Der Verein als Interessengemeinschaft der Mountainbiker betreibt in Zusammenarbeit mit der Region Hannover und den Niedersächsischen Landesforsten drei Downhill-Strecken, auf denen Mountainbiker offiziell fahren dürfen.Wem gehört der Wald? in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21. April 2014 Mit der Corona-Pandemie verstärkte sich ab 2019 der Konflikt, da viele Menschen den Mountainbike-Sport für sich neu entdeckt hatten. Es entstanden zahlreiche unerlaubt angelegte Mountainbike-Trails, unter anderem über die historischen Wallanlagen der Heisterburg.Streit um illegales Mountainbike-Fahren im Deister: Region und Polizei wollen Kontrollen verschärfen in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. August 2021 Die Zahl der illegal angelegten Trails schätzte die Region Hannover 2019 auf etwa 60.Illegale Strecken für Mountainbiker im Deister: Waldbesitzer klagen über massive Probleme in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. August 2019 2023 schalteten die Klosterkammer Hannover und private Waldeigentümer die Polizei wegen eines illegalen Trails mit Rampen, Erdwällen und tiefe Rinnen ein.Widerstand gegen illegale Mountainbike-Strecken im Deister bei ndr.de vom 21. April 2023

Wandern Der Deister verfügt über zahlreiche Wanderwege. Er kann auf Waldwegen und -pfaden durchwandert werden. Zu seinen Wanderwegen gehören: Europäischer Fernwanderweg E1, verläuft von Bad Nenndorf weitgehend auf dem Kammweg durch den Deister bis Bad Münder am Deister Calenberger Weg (Bad Nenndorf-Marienburg), verläuft von Bad Nenndorf zunächst auf der Nordseite, überquert den Deister am Taternpfahl und verlässt ihn in Völksen Roswithaweg (Nienburg-Bad Gandersheim), verläuft auf der Südseite Kansteinweg (Hannover-Alfeld), überquert den Deister an der Wöltjebuche Deisterkreisel, Radtourenweg, der um den Großen Deister herumführt

Der Hannoversche Wander- und Gebirgsverein beklagte 2024 die Verdrängung von Wandernden und anderen Erholungsuchenden im Deister durch Mountainbiker.Andreas Voigt: Ärger um Mountainbiken im Deister: Wanderer wollen nicht unter die Räder kommen, haz.de, 20. November 2024, abgerufen am 22. November 2024.

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