der Freitag ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung, gegründet 1990 mit dem Untertitel Die Ost-West-Wochenzeitung. Im Jahre 2009 wurde die Zeitung nach Eigentümerwechsel deutlich umgestaltet: Neben optischen und inhaltlichen kam es vor allem zu personellen Veränderungen. Gleichzeitig wurde der Untertitel in Das Meinungsmedium geändert. Erscheinungstag der Printausgabe ist Donnerstag, Erscheinungsort Berlin. Verleger ist seit 2008 Jakob Augstein, der von 2013 bis 2022 mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 2017 auch Chefredakteur war. Seit September 2019 lautet der Untertitel Die Wochenzeitung.

Profil Die politische Haltung der Zeitung gilt als linksliberal. In einem Interview sagte Jakob Augstein 2017, der Freitag habe zwar keine „Blattlinie“, aber „es gibt den Charakter und die Identität einer Zeitung. Wir sind eine linke Zeitung. […] Es gibt ja zwei linke Denktraditionen, zwischen denen eine Sollbruchstelle existiert, auf die wir acht geben müssen. Die eine ist auf Gleichberechtigung aus, auf Internationalisierung, auf die liberale Gesellschaft. Die andere steht für Gerechtigkeit und Identität. Ich halte es für unsere Aufgabe, über Nähe und Distanz dieser beiden Stränge nachzudenken.“

Die Gestaltung des Layouts des Freitag wurde bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem durch den Art Directors Club, die Lead Awards, den European Newspaper Award und die Society for News Design.

Geschichte und Strukturen 1990 bis 2009: Ost-West-Wochenzeitung Der Freitag wurde 1990 in Berlin gegründet. In ihm gingen der Ost-Berliner Sonntag (gegründet 1946), die DKP-nahe Deutsche Volkszeitung (gegründet 1953 und wesentlich finanziert von der SED) sowie Die Tat (1949 von der VVN gegründet und 1983 mit der Deutschen Volkszeitung fusioniert) zu einer neuen, gesamtdeutschen Zeitung auf.Der Freitag: Impressum. Abgerufen am 19. März 2011: „Gründungsjahr 1990. Hervorgegangen aus dem ‚Sonntag‘, Ostberlin, gegründet 1946 vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, und der ‚Volkszeitung‘, ehemals ‚Deutsche Volkszeitung‘, gegründet 1953 in Düsseldorf von Reichskanzler a. D. Dr. Joseph Wirth, und der ‚Tat‘, gegründet 1950 in Frankfurt/M. von der VVN.“ Der Freitag sah seine publizistische Aufgabe zunächst darin, das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten kritisch und konstruktiv zu begleiten und ein Forum für eine west-östliche Debatte zu bieten. Er wandte sich dabei vornehmlich an eine urbane, gebildete, linksbürgerliche Leserschaft. Eine Leserbefragung im Jahr 2006 ergab, dass etwa ein Drittel der Freitag-Leser aus den neuen Bundesländern stammte. mini|Altes Logo bis Januar 2009 Die Gründungsherausgeber waren Günter Gaus (†), Wolfgang Ullmann (†), Gerburg Treusch-Dieter (†) und Christoph Hein. Auf die Frage, was der Begriff „links“ ihm bedeute, antwortete Gaus im Gespräch mit Alexander Kluge im Jahr 1993: „Ich nenne links, dass man gesellschaftliche Fragen für vorrangig hält. Dass man die gesellschaftlichen Antworten, die gegeben werden, jedes Mal sehr skeptisch überprüft, ob sie wirklich mehr als eine Tagesantwort sein können.“Freitag Archiv: „Was nennen Sie links?“, JUBILäUM II: Günter Gaus im Gespräch mit Alexander Kluge (1993)

Bis 1996 gehörte der Freitag der Medien Schmidt & Partner, die unter anderem auch für den Verlag Elefanten Press verantwortlich zeichnete. Im Frühjahr des Jahres wurde der Freitag für den symbolischen Preis von einer Mark verkauft.Wilhelm Brüggen: „Ein gut bestelltes Haus“, Freitag Nr. 22 vom 30. Mai 2008 Zur damaligen neuen Eigentümergruppe gehörten unter anderen die Journalisten Ursel Sieber, Wolfgang Storz und Holger Schmale, der Arzt Willi Brüggen und der Sozialwissenschaftler Frieder Otto Wolf. Es gelang den neuen Verlegern, das Unternehmen fast von der gesamten Schuldenlast in Höhe von rund 1,5 Millionen Mark zu befreien.

Neustart 2008/2009: Meinungsmedium mini|Der Freitag, Titelseite vom 5. Februar 2009

Am 26. Mai 2008 kaufte der Verleger und Journalist Jakob Augstein den Freitag und übernahm formell am 1. Juni des Jahres die Zeitung. Unter Augstein erhielt der Freitag zunächst eine neue Redaktionsstruktur: Von Herbst 2008 an war Philip Grassmann, vorher bei der Süddeutschen Zeitung, Chefredakteur der bislang eher basisdemokratisch organisierten Redaktion. Sein Stellvertreter war von 2010 bis 2012 Jörn Kabisch, vorher bei der taz.Kress.de: „Kress Profil ‚Jörn Kabisch‘“, In der Personendatenbank KressKöpfe Ihm folgte zum April 2012 Jana Hensel nach.David Hein: Jana Hensel kehrt dem „Freitag“ den Rücken. In: horizont.net. 5. Januar 2015. Abgerufen am 16. Februar 2012. Sie verließ das Blatt zum Ende des Jahres 2014 „auf eigenen Wunsch“. Ihr Nachfolger war der bisherige Leiter der Ressorts Kultur und Alltag, Michael Angele.Marc Bartl: Wechsel in der Chefredaktion des „Freitag“: Jana Hensel ist weg, Michael Angele steigt auf. In: kress. 5. Januar 2014. Abgerufen am 5. Januar 2014. Seit März 2016 war Katja Kullmann stellvertretende Chefredakteurin.new-business.de: Katja Kullmann verstärkt das Team der Chefredaktion beim 'Freitag'. new-business.de. Abgerufen am 9. November 2016. Augstein selbst trat zum Februar 2013 in die Chefredaktion ein. Mitte Juni 2010 wechselte Ulrike Winkelmann von der taz zum Freitag und wurde Leiterin des Politikressorts.Nach elf Jahren „taz“: Winkelmann wird Politik-Chefin beim „Freitag“, kress.de, 28. April 2010. Sie verließ das Blatt nach nur knapp einem Jahr und kehrte zur taz zurück.Ulrike Winkelmann wechselt zur taz zurück. In: Meedia. 20. Mai 2011. Abgerufen am 12. Juni 2011. Ihr folgte von September 2011 bis Februar 2013 Verena Schmitt-Roschmann nach, die zuvor bundespolitische Korrespondentin bei dapd war.Kress.de: „Freitag“ holt sich dapd-Frau: Verena Schmitt-Roschmann wird Politik-Chefin. 10. Juni 2011. Abgerufen am 11. Juni 2011. Art-Direktorin war bis Februar 2013 Janine Sack. Ähnlich wie bei der taz verdienen Redakteure und Autoren deutlich weniger als bei anderen Zeitungen.

Die Geschäftsführung der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG übernahm 2008 Detlev Hustedt. Er war zuvor stellvertretender Gesamtanzeigenleiter bei der Welt-Gruppe und Anzeigenleiter bei der Wochenzeitung Die Woche sowie Geschäftsführer der Nachrichtenagentur pressetext.deutschland.Kress.de: „Kress Profil ‚Detlev Hustedt‘“, In der Personendatenbank KressKöpfe Im März 2010 verließ Geschäftsführer Hustedt den Freitag.Meedia.de: Geschäftsführer Hustedt verlässt Freitag Zum Neustart erhöhte der Freitag seine Auflage der Ausgabe 06/2008 auf 70.000 Exemplare. Ebenso wurde die Zahl der Verkaufsstellen bundesweit kurzfristig auf mehr als 20.000 erhöht.dnv-online.de , vom 16. Januar 2009

Nachdem erste Anzeigen von Markenartikeln im bis dahin anzeigenarmen Freitag erschienen waren, gab es auf der Leserbriefseite Diskussionen über den künftigen Kurs, in denen Augstein auf die wirtschaftliche Notwendigkeit des Anzeigengeschäftes hinwies und die redaktionelle Unabhängigkeit des Blattes gegenüber allen äußeren Interessen unterstrich.Freitag Nr. 49 vom 5. Dezember 2008 S. 12 „Tagebuch“

Am 5. Februar 2009 erfolgte eine optische Neugestaltung der Zeitung und des Internetauftritts.Die Welt: Zurück zu den Wurzeln. 29. Dezember 2008 Neben den Artikeln der Redaktion und einem Archiv wird dort nun auch Bloggern die Möglichkeit geboten, in der „Community“ eigene Beiträge zu veröffentlichen. Eine Auswahl wird wöchentlich in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht. Die Zahl redaktioneller Mitarbeiter wurde von sieben auf zwanzig erhöht und die Verkaufsstellen verfünfzehnfacht. Der Verlag beschäftigt 35 Mitarbeiter. Das Titellogo wurde geändert, die Namen der Herausgeber wurden vom Titelblatt entfernt; das Impressum enthielt keine Bezugnahme mehr auf den Sonntag und auf die Volkszeitung.

Im Dezember 2011 trennte sich der Verleger Augstein von den bisherigen Herausgebern Daniela Dahn, György Dalos, Frithjof Schmidt und Friedrich Schorlemmer. Er begründete das damit, dass die Übergangsphase nun abgeschlossen sei, der Freitag nun den Charakter einer „normalen Zeitung“ (und nicht mehr eines „Projekts“) habe, woraus folge, dass das Institut der Herausgeber sich für den Freitag überlebt habe.Stefan Reinecke: Interview über Rauswürfe beim „Freitag“: „Nur noch ein Störfaktor“. In: taz.de. 5. Januar 2012. Abgerufen am 5. Januar 2012. (Interview mit Daniela Dahn.)Peter Wolter: „Der Freitag hat intellektuell an Substanz verloren“. In: Junge Welt. 6. Januar 2012. Abgerufen am 5. Januar 2012. (Interview mit Daniela Dahn.) Hintergrund sei ein Beitrag von Dahn zum Bürgerkrieg in Libyen gewesen, der nicht erscheinen konnte,Ulrike Simon: Vier Herausgeber müssen gehen. In: Frankfurter Rundschau. 6. Januar 2012. Abgerufen am 7. Januar 2012.Birte Bühnen: „Normale Zeitung“ und kein „Projekt“ mehr: Augstein trennt sich von den Herausgebern des „Freitag“. In: kress.de. 6. Januar 2012. Abgerufen am 7. Januar 2012. so dass sie ihn in den Blättern für deutsche und internationale Politik veröffentlichte.Daniela Dahn: Störfaktor Gaddafi. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Juli 2011. Seiten 35–39. Abgerufen am 7. Januar 2012.

Das Blatt konnte sich in den ersten Jahren nach der Übernahme durch Augstein nur durch dessen Zuschüsse finanziell über Wasser halten.Wolfgang Michal: Arm und nicht mal sexy: Warum gerade linke Zeitungen so große Probleme haben. In: Carta.info. 18. November 2012. Abgerufen am 21. November 2012: „Nachdem das Blatt eine Zeitlang aus den IVW-Statistiken verschwunden war, ist seit Herbst 2011 wieder zu sehen, wie die Auflage – stagniert. Knapp 14.000 Exemplare verkaufte der Freitag im dritten Quartal 2011. Und auf diesem Niveau bewegt er sich auch ein Jahr später, trotz ansprechender Renovierungsarbeiten, trotz unterstützender Netz-Community und eines journalistisch überaus umtriebigen Verlagsleiters. Ohne die Zuschüsse aus dem Vermögen des Chefs wäre das Blatt wohl längst über die Spree gegangen.“Uwe Müller: Jakob Augstein wird Chefredakteur des „Freitag“. In: welt.de. 21. Dezember 2012. Abgerufen am 22. Dezember 2012. Die Verluste des Freitag wurden faktisch durch Gewinne aus Augsteins Spiegel-Anteilen finanziert. Als Reaktion kündigte Augstein an, die 40-köpfige Redaktion im Jahr 2013 um neun Stellen zu verkleinern.Jürn Kruse: Redaktion soll eingedampft werden. In: taz. die tageszeitung. 12. Dezember 2012. Abgerufen am 22. Dezember 2012. Die verkaufte Auflage stieg seitdem wieder leicht an. Der Jahresabschluss von Der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG hatte zum Geschäftsjahr 2015 noch einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Fehlbetrag von 91.986,59 Euro ausgewiesen.Der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2015, einsehbar beim Bundesanzeiger Nach Darstellung Augsteins von Anfang 2017 macht der Freitag aber inzwischen keine Verluste mehr und ist somit nicht mehr auf seine finanzielle Unterstützung angewiesen.

Seit Oktober 2009 veranstaltet die Zeitung die politische Veranstaltungsreihe Freitag-Salon, seit 2015 in Kooperation mit dem Berliner Radiosender radioeins, der die Diskussion mit Jakob Augstein und seinem jeweiligen Gast live im Radio überträgt. Der radioeins und Freitag Salon fand bis Februar 2019 im Berliner Maxim-Gorki-Theater statt,freitag.de, abgerufen am 19. Dezember 2018. seit März 2019 findet er in der Volksbühne Berlin statt.freitag.de, abgerufen am 15. April 2019.

2017 bis 2018: Jürgen Todenhöfer als Herausgeber