Das Vogtland (, , vogtländisch Vuechtland oder Vuuchtland) ist eine Region im Grenzgebiet von Thüringen, Sachsen, Franken und Böhmen. „Vogtland“ bezieht sich auf den ehemaligen Herrschaftsbereich der Vögte von Weida, Plauen und Gera. Weida ist dabei der älteste Stammsitz. Die späten Linien, die Fürstentümer Reuß jüngerer und älterer Linie, hatten ihre jeweilige Hauptstadt in Gera und Greiz.
Im Vogtland leben heute etwa eine halbe Million Menschen.
Name und Lage mini|Zwischen Sachsen und Hochfranken, Thüringen und Böhmen mini|Schulhandkarte des Vogtlandes (um 1906) Es ist anzunehmen, dass bereits Kaiser Friedrich I. um 1180 den Herren von Weida den Titel advocatus ‚Vogt‘ verliehen hat. Der Titel wurde bei der Teilung des Stammhauses von allen Zweigen weitergeführt und wie ein erbliches Reichslehen weitergegeben. Im Jahr 1254 handelten die Vögte von Weida, Plauen und Gera einen Vertrag über ein Bündnis mit dem Markgrafen Heinrich dem Erlauchten von Meißen aus, bei dem sie als gleichberechtigte Partner auftraten. In der Urkunde unterschieden sie das Land des Markgrafen (terra marchionis) von ihrem Gebiet (terra nostra, unser Land). Es ist anzunehmen, dass der Markgraf zur Unterscheidung der Länder in umgekehrter Richtung sein Land vom Land der Vögte (terra advocatorum) abgrenzte. Die Urkunde dazu ist jedoch nicht erhalten geblieben. Der Name erscheint danach, 1317 und später, als „woyte lande“ oder in ähnlicher Form in anderen Urkunden, die jedoch immer Vereinbarungen anderer Herrscher über das Vogtland beinhalten. Der Name Vogtland kann erst im Jahr 1343 nachgewiesen werden.Walter Ludwig: Zum Namen Vogtland. In: Plauener Kulturspiegel 1960/61 bzw. Heimatbote des Kreises Greiz 1962, Hefte 4, 5 und 6. Bald hernach ist er auch als Herkunftsname Vo(i)gtländer urkundlich bezeugt, so etwa 1496 in Bozen als Bäckermeister Lyenhart Voytlender.
Das böhmische Vogtland hat seine historischen Bezüge im Ascher Ländchen, das sich frühzeitig aus dem Egerland herausgelöst hat. Das Egerland war Reichsterritorium, bevor es an die Krone Böhmen verpfändet wurde. Die Vögte erweiterten hier im Norden ihren Einflussbereich. 1281 erhielt Heinrich I. (Plauen) den Markt Asch. Johann von Böhmen überließ den Vögten das ihm 1322 von Ludwig dem Bayern verpfändete Egerland zur Verwaltung. Aus diesem Grund dehnen einige Historiker den Begriff Vogtland auf das gesamte Egerland aus.
Heute ist Vogtland auch eine umgangssprachlich gebräuchliche Bezeichnung für den Vogtlandkreis im Freistaat Sachsen. Demgegenüber erfasst das naturräumliche Vogtland zwar zusätzlich Teile Thüringens und Bayerns, grenzt jedoch den Höhenschwerpunkt im Osten aus, der naturräumlich dem Westerzgebirge zugerechnet werden muss. Im Südvogtland, oft ausgehend vom Egerer Becken, kommt es häufig zu regionalen Schwarmbeben.
Das Vogtland selbst ist Namensgeber für ein hier 1837 erstmals durch August Breithaupt entdecktes und beschriebenes Mineral, das den Namen Variscit nach der lateinischen Landesbezeichnung erhielt. Auch die Vogtländer Weißkopf-Trommeltaube hat ihren Namen durch ihr Herkunftsgebiet.
Geografie Die Landschaft des Vogtlandes wirkt durch Felder, Wiesen und bewaldete Hügelkuppen sehr idyllisch. Im Süden und Südosten steigt das Vogtland zum Mittelgebirge an und nimmt, vor allem im Osten, auch Teile des Erzgebirges ein. Diese Gegend nennt man das Obere Vogtland. Dort überwiegt der Nadelwald (Fichten, meist in Monokultur). Die Stadt Adorf gilt als Tor zum oberen Vogtland und bildet einen Kreuzweg nach Böhmen und Hochfranken. Der höchste Berg des Vogtlandes ist der Schneehübel (974 m) im Westerzgebirge. Bekannter und markanter sind jedoch der Aschberg bei Klingenthal (936 m) und der Schneckenstein (883 m), beide nach geologischen Gesichtspunkten ebenfalls im Westerzgebirge.
Das nördlichere Hügelland wird durchschnitten von einigen Flusstälern, insbesondere der Weißen Elster und der Göltzsch. Des Weiteren durchzieht die Saale das Bayerische und das Thüringische Vogtland. Zur Überquerung der Täler wurden für Eisenbahn und Straßenverkehr mächtige Brücken gebaut. Besonderen Ruhm erlangten dabei die Göltzschtalbrücke zwischen Reichenbach im Vogtland und Netzschkau, die größte Ziegelsteinbrücke der Welt, und deren „kleine Schwester“, die Elstertalbrücke in der Gemeinde Pöhl. Beide sind Eisenbahnbrücken der Verbindung Nürnberg–Dresden. Neben den Straßenbrücken der Autobahn A 72 bei Hof (Saaletal), bei Pirk (Weiße Elster) und bei Weißensand (Göltzsch) kommt der Friedensbrücke in Plauen eine besondere Bedeutung zu: Es ist die größte Steinbogenbrücke Europas. Auch existieren etliche Talsperren im Vogtland. Bekannt als Erholungsgebiete sind die Talsperre Pöhl (Trieb, ein Nebenfluss der Weißen Elster), die Talsperre Pirk (Weiße Elster), die Bleilochtalsperre (Saale), die Talsperre Zeulenroda und der Untreusee.
An das Vogtland grenzen neben dem Teile des Ostens einnehmenden Erzgebirge das Thüringer Schiefergebirge nebst Frankenwald und das Fichtelgebirge im Westen und Südwesten. Das sächsische Vogtland gehört in seinem südöstlichen Teil zum Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Das Vogtland ist ein Teil der Euregio Egrensis, eines Vereins mit Arbeitsgemeinschaften in Bayern, Sachsen, Thüringen und Tschechien.
Das Vogtland gilt als eine der vulkanisch aktivsten Zonen in Mitteleuropa. Anzeichen dafür sind Schwarmbeben, Thermalquellen und Gasaustritte (Mofetten). Mit 100 spürbaren kleinen Erdbeben im Jahre 1824 wurde dort zuerst ein Erdbebenschwarm beschrieben. Stärkere Beben in der Region gab es unter anderem 1897, 1903, 1908, 1985, 2000 und 2014. Das bisher stärkste gemessene Erdbeben im Vogtland/Böhmen mit einer Magnitude von 4,6 auf der Richterskala war im Winter 1985/86.Bebenschwärme im Gebiet von Novy Kostel (Tschechische Republik), umwelt.sachsen.de, abgerufen am 3. Juni 2014
Quellen mit Heilwirkung haben die Kurorte Bad Elster und in Bad Brambach mit der stärksten Radonquelle der Welt aufblühen lassen. Mit Marienbad, Franzensbad und Karlsbad auf der tschechisch-böhmischen Seite bilden die beiden sächsischen Staatsbäder das sogenannte Bäderfünfeck.
Größte Städte im Vogtland Stadt Landkreis Einwohner Bild Landesteil Gera kreisfrei94.847 100px|Blick auf Gera-Untermhaus Thüringen Plauen Vogtlandkreis64.763 100px|Blick vom Plauener Rathaus Sachsen Hof kreisfrei46.656 100px|Hofer Theresienstein Bayern Cheb (dt. Eger) Okres Cheb31.954 100px|Marktplatz von Cheb Böhmen Reichenbach im Vogtland Vogtlandkreis20.371 100px|Stadtkirche Reichenbach Sachsen Greiz Greiz20.220 100px|Oberes und unteres Schloss Greiz Thüringen Auerbach/Vogtl. Vogtlandkreis17.759 100px|Auerbacher Innenstadt Sachsen Zeulenroda-Triebes Greiz 15.890 100px|Rathaus in Zeulenroda Thüringen Aš (dt. Asch) Okres Cheb12.804 100px|Stadtmuseum Aš Böhmen
Weitere Städte sind Oelsnitz, Rodewisch, Lengenfeld, Elsterberg, Falkenstein, Klingenthal, Pausa-Mühltroff, Bad Elster, Adorf, Schöneck, Treuen, Markneukirchen und Netzschkau im sächsischen Vogtland, Hohenleuben, Berga-Wünschendorf, Ronneburg, Auma-Weidatal, Münchenbernsdorf, Schleiz (Verwaltungssitz des Saale-Orla-Kreises), Weida, Bad Lobenstein, Schmölln und Gefell im thüringischen Vogtland, Rehau und Selbitz im bayerischen Vogtland sowie Luby (Schönbach), Hranice u Aše (Roßbach), Kraslice (Graslitz) im böhmischen Vogtland.
Geschichte mini|Land der Vögte 1350 mini|Karte von 1662 mini|Osterburg (Weida), Sitz der Vögte von Weida mini|Oberes Schloss (Greiz), Residenz des Fürstenhauses Reuß
Der Landschaftsname Vogtland (früher auch Voigtland, terra advocatorum) geht auf die vom 11. bis zum 16. Jahrhundert hier herrschenden Vögte von Weida, Gera und Plauen zurück. Im 12. Jahrhundert setzte Kaiser Friedrich I. Barbarossa zur Sicherung seiner Herrschaft die ersten Vögte als Verwalter seiner östlichen Reichswaldgebiete ein, nachdem er Heinrich von Weida aus der Ministerialität Herzog Heinrich des Löwen übernommen hatte. Diese hatten ihren Stammsitz auf der Osterburg in Weida, weshalb Weida häufig auch als Wiege des Vogtlandes bezeichnet wird. Zu den weiteren Privilegien der Vögte gehörte das 1232 durch Friedrich II. verliehene Berg- und Münzregal.
Die Vögte verfügten in ihrer Gefolgschaft über zahlreiche niederadelige Familien. Zu diesen Familien gehören u. a. die von Dobeneck, Feilitzsch, Reitzenstein, Sack oder Zedtwitz. Eine Besonderheit des vogtländischen Adels war die Bildung von Rittergütern, so dass Rechte tendenziell eher mit den Gütern als mit dem Familienverbund verknüpft waren als andernorts. Im Wappenbuch von Johann Siebmacher von 1605 erscheinen sie aufgrund mehrfacher Lehensverhältnisse verteilt in der thüringischen, sächsischen und fränkischen Ritterschaft. Siebmacher verwendet den Begriff der vogtländischen Ritterschaft überhaupt nicht, sondern ordnete die Familie mehrheitlich dem meißnischen Adel zu. Der Genealoge Johann Gottfried Biedermann widmete der vogtländischen Ritterschaft 1752 einen eigenen Buchband.
Zur Abwehr der Machtansprüche der Markgrafen von Meißen zu Beginn des 14. Jahrhunderts unterwarf sich Heinrich von Plauen 1327 der Lehnsherrschaft der Böhmischen Krone. Davon war lediglich die Herrschaft Voigtsberg ausgenommen, die Reichslehen blieb. 1349 unterstellte sein gleichnamiger Sohn Heinrich auch Voigtsberg der böhmischen Lehnshoheit; damit war das gesamte Vogtland zum Reichsafterlehen geworden. Die territorialen und dynastischen Streitigkeiten um das Vogtland gipfelten im Vogtländischen Krieg, der 1357 zu einer Neuordnung führte. Im Jahr 1357 erfolgte ein Gebietstausch mit der Markgrafschaft Meißen, wobei u. a. Wiedersberg, Liebau, Adorf, Pausa, Neuenkirchen und Hirschberg meißnisch wurden und stattdessen Borna, Geithain und Kohren an den Vogt gingen. Den Tausch fochten Heinrichs Vettern in den betroffenen Seitenlinien an. Auerbach, Pausa und Liebau erhielten ab 1379 die Herren von Plauen, wie sie sich fortan nannten, als meißnisches Lehn zurück. Seit dem Jahre 1426 waren sie auch Burggrafen von Meißen und befanden sich in dauerndem Machtkampf mit den sächsischen Kurfürsten.
Heinrich II. von Plauen fiel wegen seiner offenen Unterstützung der Adelsopposition bei König Georg von Podiebrad in Ungnade, der den Brand des königlichen Schlosses Graslitz bei Kämpfen zwischen Heinrich und dessen Gegnern zum Anlass nahm, ihm das Lehen zu entziehen und das Vogtland 1466 durch den sächsischen Kurfürsten Ernst besetzen ließ. Ernst erhielt das Vogtland als Lehen, das 1485 bei der Leipziger Teilung an die Ernestiner überging, wobei jedoch u. a. das Bergregal gemeinschaftlich blieb. Nach der Schlacht bei Mühlberg verloren die Ernestiner 1547 das Vogtland wieder und Ferdinand I. verlieh es seinem Kanzler Heinrich IV. von Plauen. Auch der sächsische Kurfürst Moritz wurde dabei Mitinhaber des Lehens. Heinrich IV. verschuldete sich stark, und nach seinem Tode 1554 konnten dessen Söhne Heinrich V. und Heinrich VI. ihre Schuldverpflichtungen gegenüber Kurfürst August nicht erfüllen. Wegen der Zehntrückstände und anderer Forderungen verpfändeten die Brüder 1559 das Vogtland an Kursachsen.
Mit Heinrich VI. von Plauen endete die Herrschaft der Vögte von Plauen über das Vogtland, nachdem er das verpfändete Land nicht mehr einlösen konnte. 1566 erwarb Kurfürst August die Ämter und Städte Voigtsberg, Oelsnitz, Plauen und Pausa. Nach dem freundbrüderlichen Hauptvergleich von 1657 wurden die Amtssassen des Vogtländischen Kreises sowie die Ämter Plauen, Voigtsberg und Pausa dem Herzog von Sachsen-Zeitz zugesprochen, während die schriftsässigen Rittergüter und die Stadt Schöneck beim Kurfürstentum Sachsen verblieben. 1718, nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Zeitz, fielen die Gebiete wieder an Kursachsen zurück. Neben einem kursächsischen Anteil bildeten die Auerbachischen und Schönecker Wälder während dieser Zeit einen besonderen Teil, der gemeinschaftlich kurfürstlich und herzoglich war.