Der Spessart ist ein Mittelgebirge zwischen Vogelsberg, Rhön und Odenwald in Bayern und Hessen. Er umfasst das größte zusammenhängende Gebiet aus Laubmischwäldern in Deutschland und liegt nördlich des die Grenze zum Odenwald bildenden Mains – etwa 55 km ostsüdöstlich von Frankfurt und 40 km westnordwestlich von Würzburg. Die höchste Erhebung ist mit der Geiersberg im Hohen Spessart.

Name Der Name leitet sich aus Specht und Hardt („Bergwald“) her, steht so für Spechtswald. Er ist im Jahr 839 belegt als Spehteshart, um 1000 als Speshart. Der Name kommt auch in der Schreibweise Spechteshart vor.Hermann Müller: Über Moenus, Moguntia, Spechteshart und Wirziburg. Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Thein: Würzburg 1858 (Digitalisat). Im 18. Jahrhundert nahm man auch noch römischen Ursprung an; demnach wäre Spessart eine Zusammenziehung der lateinischen Wörter spissa et ardua silva, was etwa übersetzt werden könnte mit dichter und beschwerlicher Wald.

Geografie Lage mini|Blick vom Ludwigsturm (Hahnenkamm) südostwärts zum Geiersberg (), höchster Berg im Spessart mini|Blick auf Hobbach und Dammbach aus der Luft mini|Typische Spessartlandschaft mit bewaldeten Hängen und Wiesentälern (Weihersgrund)

Der Spessart wird im Wesentlichen von drei Flüssen eingegrenzt: vom Main zwischen Gemünden und Hanau, von der Kinzig im Norden und von der Sinn im Nordosten. Merkspruch: „Kinzig, Sinn und Main schließen rings den Spessart ein.“ Er ist ein bewaldetes Massengebirge mit abgerundeten Kuppen, die nur wenig die Gesamthöhe überragen. Die unteren Abhänge sind besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt, auf den Höhen bedecken Eichen- und Buchenwälder den Spessart.

Der Hauptrücken zieht sich von Miltenberg im Süden 75 km lang nach Norden bis zur Gegend von Schlüchtern. Die Höhen der Gipfellagen liegen zwischen etwa 450 und , und die höchste Erhebung ist der Geiersberg mit dem Sender Breitsol bei Rohrbrunn.

Die Geishöhe, offiziell Oberwintersbach (Ortsteil von Dammbach), ist mit Höhe die höchstgelegene Besiedelung im Spessart. Die Ortschaft Heinrichsthal im Nordspessart ist mit Höhe die höchstgelegene selbständige Gemeinde im Spessart.

Die bedeutendsten unter den zahlreichen Bächen des Spessarts sind Sinn, Jossa, Lohr, Hafenlohr, Haslochbach, Elsava, Aschaff, Kahl, Bieber und Orb. Siehe dazu auch die Liste der Flüsse im Spessart.

Geologie Der Untergrund des Spessarts besteht besonders in seinem westlichen Teil (Vorspessart) bis östlich Aschaffenburg aus Diorit, verschiedenen Arten von Gneis und Glimmerschiefer. Es gibt um Aschaffenburg auch gangartige Vorkommen an Spessartit, die aber in der Regel bereits in kleinen Steinbrüchen abgebaut wurden und heute kein Material mehr liefern. Meist besteht der Untergrund aber aus Buntsandstein, der die kristallinen Gesteine überlagert. Ganz im Südosten sind noch Muschelkalkrelikte erhalten. Im Norden liegen unter dem Buntsandstein auch Ablagerungen aus dem Perm (Rotliegendes und Zechstein). Zechsteinkalk und Dolomit wurden früher zum Beispiel bei Altenmittlau und Feldkahl gewonnen.

Das Gestein Spessartit und das Mineral Spessartin wurden nach dem Spessart benannt.

Bergbau Ebenfalls im Norden des Spessarts wurden im Zechstein kleinere Eisen- (Bieber, bis 1925) und Manganvorkommen (im Ersten Weltkrieg) abgebaut. Bei Bieber wurde über längere Zeit (besonders im 18. Jahrhundert bis 1806) auch der hier den Kupferschiefer vertretende geringmächtige Kupferletten gewonnen, der geringe Mengen Kupfer, Blei und Silber führt. Mit Siderit, Baryt und fallweise Co-Ni Arseniden (z. B. Skutterudit, sogar gediegener Wismut) vererzte Verwerfungen wurden im Bieberer Lochborn bis etwa 1867 zur Gewinnung von blauen Keramikfarben abgebaut. Erzführung war aber nur unter- und oberhalb des Kupferlettens verbreitet. Ein kleines deszendentes Kupfervorkommen (Bornit etc.) bei Sommerkahl leitet seinen Kupfergehalt vermutlich ebenfalls aus dem Kupferletten ab. Verbreiteter waren gangförmige Barytlagerstätten (Schwerspat), die auch im Buntsandstein auftreten (z. B. Partenstein, im Westen z. B. bei Waldaschaff).

Siehe auch: Liste von Bergwerken im Spessart

Ausdehnung Seine äußersten Verzweigungen erstrecken sich bis Hanau, Schlüchtern und ins Sinntal. Er erstreckt sich über 2440 km² Fläche, davon gehören zu Bayern 1710 km², zu Hessen 730 km². Das Mainviereck bezeichnet den südlichen Teil des Spessarts mit den vier Eckpunkten Lohr, Wertheim, Miltenberg und Aschaffenburg.

Nachbarlandschaften Der Main trennt den Spessart im Osten von der Fränkischen Platte und im Süden und Westen vom Odenwald. Der Spessart wird im Nordwesten durch die Kinzig vom den Vogelsberg säumenden Büdinger Wald und im Nordosten durch die Sinn vom Süden der Rhön und der sich südlich anschließenden Südrhön geschieden. Dabei sind Odenwald, Büdinger Wald und Südrhön dem Spessart ähnliche Landschaften und bilden mit ihm zusammen die naturräumliche Großregion Odenwald, Spessart und Südrhön.

Gliederung Den Spessart bilden das ältere Grundgebirge und der deutlich mehr Fläche einnehmende Buntsandstein-Anteil.

Landläufige Gliederung Landläufig wird als Spessart die orografisch definierte Berglandschaft zwischen der Kinzig im Norden, dem Main im Westen und Süden und der Sinn im Osten angesehen. Als weitere Untergliederung wird nicht selten der gut 120 Jahre alte Text aus Meyers Konversations-Lexikon zitiert:

Die hier als „Hinterspessart“ beschriebene Landschaft fasst geologisch recht verschiedene Gebiete zusammen. Sie wird auch in der Fachliteratur und auf Karten nicht verwendet.

Naturräumliche Gliederung Der Spessart bildet geologisch eine Einheit mit dem sich südwestlich anschließenden Odenwald, dem nordwestlich angrenzenden Büdinger Wald am Fuße des Vogelsbergs und der im Nordosten abzweigenden Südrhön, der südwestlichen Abdachung der Rhön. Er gliedert sich in den, den Großteil der Fläche einnehmenden, Sandsteinspessart und den Vorderen Spessart im Westen, unmittelbar östlich des Mains zwischen Aschaffenburg und Hanau, welcher bei Hanau jedoch vom Sandsteinspessart umsäumt wird. Im Vorderspessart steht älteres Grundgebirge an, im Sandsteinspessart Buntsandstein.

Als naturräumliche Südgrenze des Sandsteinspessarts zum Sandsteinodenwald wird nicht exakt das Maintal angesehen. Vielmehr wird im östlicheren Süden die Wertheimer Hochfläche, ein durch den Unterlauf der Erf von der Mündung flussaufwärts bis westlich Külsheims und ab dort von einer West-Ost-Linie bis zur Tauber separierter, kleinerer Teil südlich des Mains noch hinzu gerechnet, wodurch nach jener Definition auch Baden-Württemberg einen kleinen Anteil am Spessart hätte. Überdies liegt ein weiterer kleiner, nicht mit dem Odenwald verbundener Teil des Sandsteinspessarts, das Massenbucher Spessartvorland südlich Gemündens, links des Mains.

An der Westflanke des orographischen Spessarts wird wiederum ein kleiner Teil der Landschaft zwischen Kahl, Rodenbach und Gelnhausen, das Nordwestliche Spessartvorland, bereits zur Haupteinheitengruppe des Oberrheingrabens gezählt.

Der Spessart gliedert sich naturräumlich wie folgt: (zu 14 Odenwald, Spessart und Südrhön) 141 Sandstein-Spessart (1416 km²) 141.0 Unteres Maintal 141.00 Wörth-Klingenberger Maintal 141.01 Wertheim-Miltenberger Maintal 141.02 Marktheidenfeld-Wertheimer Maintal 141.03 Lohr-Rothenfelser Maintal 141.04 Unteres Taubertal 141.1 Wertheimer Hochfläche (linksmainisch) 141.2 Oberwittbacher Spessartvorland 141.3 Südöstlicher Sandsteinspessart 141.4 Südwestlicher Sandsteinspessart 141.5 Nördlicher Sandsteinspessart 141.6 Schlüchterner Becken 141.7 Massenbucher Spessartvorland (linksmainisch) 142 Vorderer Spessart 142.0 Hahnenkamm-Haidkopf-Höhenzug 142.1 Innerer Vorspessart 142.10 Kahlgrund 142.11 Aschaff­senke (zu 23 Rhein-Main-Tiefland) (zu 23 Büdingen-Meerholzer Hügelland) 233.2 Nordwestliches Spessartvorland 233.20 Meerholzer Hügelland 233.21 Oberrodenbacher Hügelland 233.22 Hahnenkammvorland

Landkreise Folgende Landkreise und kreisfreie Städte haben Anteil am Spessart:

Bayern (Unterfranken) Aschaffenburg (kreisfreie Stadt) Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Landkreis Miltenberg Hessen (Regierungsbezirk Darmstadt) Hanau (kreisfreie Stadt) Main-Kinzig-Kreis Baden-Württemberg (Regierungsbezirk Stuttgart) Main-Tauber-Kreis

Geschichte mini|links|hochkant|Erstes Titelbild der Zeitschrift Spessart von 1906 mini|Spessartkarte des Paul Pfinzing, Nürnberg, von 1562/1594 Der Spessart war unter den Merowingern als Reichswald ein königlicher Bannforst. Auf dem Michaelsberg in Rorinlacha, dem heutigen Neustadt am Main, soll schon um 640 ein Jagdschloss gestanden haben. Später diente er den römisch-deutschen Wahlkönigen als Jagdrevier, in dessen Nähe sie ihre Königspfalzen Gelnhausen und Seligenstadt errichteten. In der Folge waren lange Jahrhunderte die Mainzer Kurerzbischöfe die Landesherren. Erst ab dem 12. und 13. Jahrhundert duldeten sie die Besiedlung des Spessarts. Manche Siedlungen, wie Grubingen, erlangten regionale Bedeutung, verschwanden jedoch später wieder.

Der Spessart wurde immer von außen regiert: durch das Erzbistum Mainz, das Hochstift Würzburg sowie einige kleinere Herrschaften, wie zum Beispiel die Grafen von Rieneck. Die politische Zersplitterung ohne grenzübergreifende Strafverfolgung begünstigte das Aufkommen von Räuberbanden. Belegt sind die Spessarträuber am Anfang des 19. Jahrhunderts, denen Wilhelm Hauff 1827 mit der Erzählung Das Wirtshaus im Spessart und Kurt Hoffmann 1958 mit dem gleichnamigen Film ein Denkmal setzten.

In der Umbruchzeit um den Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches erlebte das Räuber(un)wesen im Spessart einen letzten Höhepunkt. Nach Neuordnung der Territorien und mit wirksamerer Verwaltung wurde das Räuberproblem in kürzester Zeit bereinigt.

Im Ersten Koalitionskrieg rückten 1796 französische Truppen in den Spessart ein. Die von ihnen verübten Gräueltaten und Plünderungen erbitterten die Bauern, die sich an mehreren Orten, jedoch nicht koordiniert, gegen die Besatzer erhoben.Franz Hettinger: Aus Welt und Kirche. Bilder und Skizzen, Band 2: Deutschland und Frankreich. Herder, Freiburg, vierte Aufl. 1897, S. 531–532. Am 5. September 1796 gelang es den Spessarter Schützen, Aschaffenburg zu befreien und die Franzosen über den Main zurückzudrängen.Franz Hettinger: Aus Welt und Kirche. Bilder und Skizzen, Band 2: Deutschland und Frankreich. Herder, Freiburg, vierte Aufl. 1897, S. 532.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss endete 1803 das Kurfürstentum Mainz, der Spessart kam zum Fürstentum Aschaffenburg, später dann zum Großherzogtum Frankfurt. Schließlich wurden Großteile dem Königreich Bayern zugeschlagen. Aber auch heute noch ist der Spessart aufgeteilt in vier Landkreise in zwei Bundesländern.

Der Spessart verfügte neben einer wenig ertragreichen Landwirtschaft über Naturvorkommen wie Holz, Wasserkraft, Salz, Erze und Mineralien. Diese Ressourcen bildeten die Grundlage für Köhler, Töpfer, Eisenhämmer und Bergwerke. 1795 kaufte Georg Ludwig Rexroth den Höllenhammer im Elsavatal und produzierte Eisenartikel für Landwirtschaft und Handwerk. Nach Umzug nach Lohr entwickelte sich daraus ein Weltunternehmen für Hydraulik, das in der heutigen Bosch Rexroth aufgegangen ist.

mini|Die Glashütte Weibersbrunn, ein 1706 gegründeter Betrieb der Kurmainzischen Spiegelmanufaktur

Die Glasprodukte und Spiegel aus Spessarter Glashütten wurden europaweit vertrieben. Noch heute ist in Lohr eine Glashütte in Betrieb.

Der Spessart war durchzogen von vielfältigen Handelswegen, auf denen die Landesherren Zolleinnahmen erzielten. Die vielen Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser bezeugen durchaus prosperierende Zeiten.

Frammersbacher Fuhrleute zogen von hier aus durch ganz Europa. Mit Eisenbahn und verbesserter Flussschifffahrt gingen die Fuhrleute wirtschaftlich nieder.