mini|hochkant|Jakob Robert Steiger Jakob Robert Steiger (* 7. Juni 1801 in Geuensee; † 5. April 1862 in Luzern) war ein Schweizer Arzt und liberaler Politiker.

Biografie Steiger wurde 1801 als Sohn eines Kleinlandwirtes in Geuensee geboren. Nach einem Medizinstudium in Genf, Freiburg im Breisgau und Paris, liess er sich 1826 als Arzt in Büron und später in der Stadt Luzern nieder. Als Anhänger der Regenerationsbewegung liess er sich in den Luzerner Verfassungsrat und später in den Grossrat wählen, wo er für die radikal-freisinnigen Anliegen kämpfte. 1832 präsidierte er die Eidgenössische Cholerakommission.Schweizerische Zeitschrift fuer Heilkunde, Bern 1862, Bd. 1, S. 199 Nach der 1844 erfolgten Berufung der Jesuiten in Luzern beteiligte er sich an der Organisation des Ersten Freischarenzuges und wurde für sechs Wochen inhaftiert. Für seine Beteiligung am Zweiten Freischarenzug (1845) wurde er erneut eingekerkert und in einem aufsehenerregenden Prozess zum Tode verurteilt. 338 Bürgerfrauen aus Luzern und 435 Dienstmägde nutzten daraufhin das Petitionsrecht und verlangten die Begnadigung. Mit Hilfe seiner Bewacher konnte Steiger aus dem Kesselturm entfliehen und wurde in Zürich mit Jubel empfangen. Gottfried Keller verfasste ein Preisgedicht auf ihn. Danach liess sich Steiger in Winterthur nieder.

Nach dem Sturz der konservativen Regierung 1847 kehrte er nach Luzern zurück und erfüllte verschiedene politische Funktionen. So wirkte er als Grossrat (1847–1862) und als Regierungsrat des Polizeiwesens (1848–1852). Im Jahr 1848 kandidierte er bei den ersten Parlamentswahlen, woraufhin er bis 1852 als Nationalrat amtierte. Er war der erste verfassungsmässig für ein Jahr amtierende Nationalratspräsident. Er war wesentlich beteiligt an der Gründung der ETH Zürich, deren Schulrat er bis zu seinem Tod angehörte. 1848 kandidierte er ohne Erfolg als Bundesrat.

Neben seiner Tätigkeit als Politiker und Arzt wirkte Steiger auch als Botaniker. So erschien kurz vor seinem Tode ein Werk über die Flora des Kanton Luzerns.

Steigers Ehefrau Sophie, geb. Neumann, gilt als Pionierin der Verbreitung von Periodenunterwäsche.

Ehrungen und Würdigungen Seit November 2025 steht in der Gemeinde Büron im Kanton Luzern ein Denkmal für Steiger. Die Bronzeskulptur wurde von Freddy Röthlisberger geschaffen. Sie würdigt Steigers Leistungen als Politiker und Botaniker. Steigers Leben bildet die Grundlage von Xavier Kollers Film Der Galgensteiger (1980) und des Theaterstücks Pfäfferwiiber (1997) von Franziska Greising.

Werke Die Flora des Kantons Luzern, der Rigi und des Pilatus, nebst einer Einleitung in die Pflanzenkunde überhaupt, und erläuternden Abbildungen. Bearbeitet für das Volk und seine Lehrer. Luzern 1860.

Literatur

Heidi Bossard-Borner: Feind der Luzerner Konservativen Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 26. August 2022 Alfred Brändli: Jakob Robert Steiger (1801/1862) als Politiker und Staatsmann. Ein Beitrag zur Geschichte des schweizerischen Frühliberalismus. Buchdruckerei W. Blättler, Luzern 1953. Alfred Brändli: Jakob Robert Steiger: 1801–1862, als Luzerner Politiker im Zürcher Exil und seine eisenbahnpolitischen Beziehungen zu Zürich. In: Zürcher Taschenbuch, Band 73. 1953. S. 144–165 (Digitalisat).

Pirmin Meier: Bewegtes Leben für liberale Schweiz, in Neue Luzerner Zeitung, 31. März 2012 (kein freier online-Zugang) Pirmin Meier: Vom Verräter zum Held der neuen Schweiz. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. November 2025. Urs W. Widmer: Jakob Robert Steiger, 1801–1862. Arzt und Politiker. Juris, Zürich 1978, ISBN 3260044078.

Einzelnachweise

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