rahmenlos|rechts|Logo
Jawa ist ein tschechischer Motorrad- und ehemaliger Automobilhersteller. In der Vergangenheit war Jawa einer der führenden Motorradhersteller, Jawa-Zweiräder wurden in mehr als 120 Länder exportiert.JAWA Moto Is Here With Their Latest Iterations Of The 350 And 660 Vintage. In: topspeed.com. (englisch). Nach 1990 kam es zu einem erheblichen Produktionsausfall. 1997 wurde in Týnec nad Sázavou eine Nachfolgefirma gegründet, die den Namen JAWA Moto weiterführte. Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 9277 Jawa-Krafträder zum Straßenverkehr zugelassen, was einem Anteil von 0,2 Prozent entspricht.
Motorräder bis 1945 mini|Jawa 500 OHV, noch auf der Wanderer K 500 basierend
Das Unternehmen entstand im Jahr 1929 aus einer Munitions- und Waffenfabrik, als der Besitzer František Janeček die Lizenz zur Produktion eines Motorrads mit 500 cm³ von der Wanderer-Werke AG in Schönau bei Chemnitz erwarb, welche die Produktion motorisierter Zweiräder aufgab. Aus den Namen „Janeček“ und „Wanderer“ wurde der Name „Jawa“ gebildet. Die Wanderer-Konstruktion war nicht ausgereift und der Erfolg nur mäßig. Daraufhin erfolgte mit Anstellung des englischen Motorradrennfahrers und Konstrukteurs George William Patchetts (1901–1974) die Konstruktion einer Jawa 175 mit einem von Villiers lizenzierten Zweitaktmotor. Die vergleichsweise preisgünstige Maschine war ein Erfolg und bereits 1933 das meistverkaufte Motorrad in der Tschechoslowakei,Frank Rönicke: Jawa Motorräder seit 1929. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-613-04553-8 in abgewandelter Form wurde es noch bis 1946 gebaut. Den ersten eigenentwickelten Motor brachte Jawa 1934 als 350er sv in Serie, und schon 1935 kam die Jawa 350 OHV hinzu, die noch bis 1949 produziert werden sollte. Ein weiterer Erfolg war die ab 1934 produzierte Jawa 250 mit Zweitaktmotor und Umkehrspülung (Motorkonstruktion in Lizenz der Auto Union AG).Erwin Tragatsch: Motorräder - Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei 1894–1971. Eine Typengeschichte. 2. Auflage, Motorbuch, Stuttgart 1971. S. 460. Und auch beim Einstieg in die Klasse der Motorfahrräder mit der Jawa 100 „Robot“ und eigenkonstruiertem Zweitaktmotor lag Jawa auf Erfolgsspur. Von Anfang an waren eine auf Formschönheit bedachte Gestaltung und rote Lackierung typische Merkmale der Jawa-Motorräder.
Vorkriegsmaschinen (Auswahl) Jawa 500 OHV (1929) genannt Rumpál = Hubwinde, Einzylinder und Kardanantrieb, Lizenz Wanderer Jawa 175 Villiers (1932), Zweitakt-Einzylinder, Motoren und weitere Komponenten wurden von Villiers geliefert, später fertigte Jawa Motoren in Lizenz Jawa 350 SV (1934), Einzylinder Jawa 350 OHV (1935), Einzylinder Jawa 250 (1935), Zweitakt-Einzylinder Jawa 100 Robot (1937), Zweitakt-Einzylinder Jawa 250 Duplex Block (1939), Zweitakt-Einzylinder, das Getriebe ist mit dem Motorblock verblockt
Motorräder 1945 bis 1990 mini|Jawa 250 Perak mini|hochkant|Jawa 350 Typ 354 aus den 1950er-Jahren mini|Das Motorgeräusch des Motorrads Jawa 350 Typ 354/06 (Zweizylindermotor) mini|Das Motorgeräusch des Motorrads Jawa 250 (Einzylindermotor)
Neben den zum Teil weitergebauten Vorkriegsmaschinen konnte schon 1946 ein neues Modell, die Jawa 250 „Perak“ mit Geradewegfederung, herausgebracht werden. Deren heimliche Entwicklung hatte parallel zur verordneten Kriegsproduktion unter Janeček begonnen, der den Serienbeginn – 1941 nach einer Lungenentzündung verstorben – nicht mehr erlebte.
Der tschechische Motorradhersteller Ogar entwickelte in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre ein Motorrad mit Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 350 cm³ Hubraum, das ab 1948 produziert und ab 1950 unter der Marke Jawa vertrieben wurde. Es galt als konstruktiv wie formgestalterisch modern. Markant war die elegante Abdeckung des Vergasers in organischer Einheit zum Motor. Eine weitere Besonderheit war der Kupplungsautomat, der beim Betätigen des Schalthebels die Kupplung mit ausrückte, sodass auf das Kuppeln per Handhebel (der dennoch vorhanden war) weitgehend verzichtet werden konnte.Die Jawa 350. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1951, S. 235–237. Die Jawa 250 wurde diesem Typ konstruktiv weitgehend angeglichen. Kleinere Motorräder wurden seinerzeit als ČZ 125 und 150 angeboten.Typentafel und Preise der Krafträder aus der CSR. In: Der Deutsche Straßenverkehr 3/1954, S. 72–74. Die damaligen Jawa-Typen wurden auch „Pérák“ genannt.
Ab 1952 wurde die Jawa 500 mit Zweizylinder-Viertaktmotor und OHC-Ventilsteuerung in Serie produziert.Die neue Jawa 500, eine Meisterleistung des tschechoslowakischen Motorradbaus. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1953, S. 118–120. Der Motor stellte eine fortschrittliche Entwicklung dar, vergleichbar mit dem Motor der etwas später herausgebrachten Horex Imperator. Einen Durchbruch erreichten Zweizylinder-OHC-Motoren in dieser Hubraumklasse jedoch erst ab 1965 mit der Honda CB 450. Formgestalterisch war die Jawa 500 an der Jawa 350 orientiert, auch deren halbautomatische Kupplung fand sich hier wieder. Die Produktion wurde 1958 ohne Nachfolger beendet. Seither hat Jawa kein Motorrad mehr mit eigenentwickeltem Viertaktmotor gebaut, abgesehen von Modellen für den Motorsport (siehe unten).
1953/54 wurden ČZ und Jawa zu einer gemeinsamen Marke Jawa-ČZ zusammengelegt und die bisherigen Zweitakt-Motorräder durch eine neue Modellgeneration abgelöst,Wir testeten: Die 1955er Jawa/ČZ-Modelle. In: Der Deutsche Straßenverkehr 4/1955, S. 120–122. darunter der Typ 354. Diese Motorräder hatten, obwohl einige formgestalterische Elemente der „Pérák“-Typen übernommen wurden, einen neuen Rahmen und ein umfassend überarbeitetes Fahrwerk. Zu den markantesten Veränderungen zählte die zweiarmige Hinterradschwinge mit Federbeinen, auf die sich auch der Spitzname Kývačka (sprich kiewatschka) dieser Baureihe bezieht. Damit hatte Jawa seinerzeit vielen anderen Herstellern etwas voraus, die meist noch Motorräder mit Geradewegfederung produzierten. Anstatt eines hart gefederten Einzelsitzes gab es nun eine Sitzbank. Die Motorleistung der 250er und 350er Jawa betrug zunächst weiterhin 9 bzw. 14 PS und wurde 1955 auf 12 bzw. 16 PS angehoben. Doppelauspuffanalage auch bei den kleineren Typen, verchromte Blenden am Tank, die Lackierung in kräftigem Rot und die einheitliche, markante Formgestaltung verliehen den Jawas dieser Modellreihe einen hohen Wiedererkennungswert. Sie wurden sehr umfangreich auch in die DDR exportiert, wo sie einen Kontrast zu den eher zweckmäßig gestalteten MZ-Motorrädern bildeten. Im Jahr 1963 waren 250 000 Motorräder von Jawa und ČZ in der DDR zugelassen.Kurz notiert. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1963, S. 475.
1956 wurden die kleinen Jawa-ČZ überarbeitet. Dabei entfiel die Variante mit 150 cm³ Hubraum, stattdessen kam eine Ausführung mit 175 cm³ Hubraum hinzu. Mit Neuerungen wie 4-Gang-Getriebe, halbautomatischer Kupplung und Batteriezündung waren die kleinen Jawas den großen Geschwistern nun noch ähnlicher geworden. Auch die besondere Funktion des Schalthebels, der gleichzeitig als Kickstarter fungiert, wurde bei den kleinen Jawas nun eingeführt.Jawa-ČZ 125 und Jawa-ČZ 175. In: Der Deutsche Straßenverkehr 5/1956, S. 150–152. Ab 1961 wurden diese Typen wieder als ČZ angeboten und verschwanden damit aus dem Jawa-Programm. Die 1962 leicht überarbeiteten 250er und 350er Maschinen waren an einer bis zu den Lenkergriffen reichenden Scheinwerferverkleidung erkennbar, sie trugen den Spitznamen „Panelka“. Ab 1963 war ČZ Alleinhersteller der 175er, 250er und 350er Motoren in der ČSSR und belieferte Jawa damit.Ein halbes Jahrhundert Produktion von einspurigen Motorfahrzeugen bei ČZM. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1980, S. 280–281.
Im Verlauf der folgenden Jahre ging die Innovationskraft von Jawa zurück. 1964 geriet der Betrieb wegen rückläufiger Nachfrage im Export in Schwierigkeiten. Als Reaktion darauf wurden ab 1966 Sondermodelle mit weniger Verkleidung und sportlicherem Aussehen unter der Bezeichnung Californian produziert,KFT stellt vor: Jawa Californian III. In: Kraftfahrzeugtechnik 8/1968, S. 240. mit denen der Export in westliche Industrieländer und die USA im Speziellen stabil gehalten werden sollte. 18 PS aus 350 cm³ waren seinerzeit jedoch längst nicht mehr das, was die dortige Kundschaft erwartete. Mit der Californian IV Oilmaster gelang dann 1969 eine Leistungssteigerung auf 23-, später 25,5 PS, was jedoch immer noch deutlich unter dem lag, was die westliche Konkurrenz bot. 1966 beendete die Staatliche Plankommission der DDR den Import der 250er und 350er Jawas. Etwa zeitgleich wurde ein deutlich umfangreicherer Import von Škodas vorgesehen,Zur Diskussion des Perspektivplans. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1965, S. 1–2 und 32. der Pkw-Mangel war in der DDR weitaus größer als der Mangel an Motorrädern. An der Einfuhrsperre gegen Zweiräder aus der DDR in die ČSSR änderte sich hingegen nichts. Ein langfristiges Handelsabkommen mit der UdSSR sicherte 1964 den weiteren Ausbau der Jawa-Produktion durch umfassenden Export in die Sowjetunion, wobei im Gegenzug die dortige Produktion von Zweirädern bis 250 cm³ beendet werden sollte.Kraftfahrzeuge auf der Maschinenbau-Messe in Brno. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1964, S. 457–460. Der Export vor allem in die Sowjetunion nahm fortan eine dominierende Rolle bei Jawa ein, beispielsweise gingen laut Produktionsplan 1976 von jährlich 82 000 gebauten Jawas 63 000 in die Sowjetunion.Millionste Jawa für die UdSSR. In: Kraftfahrzeugtechnik 8/1976, S. 233.
Auf der Maschinenbaumesse in Brno 1967 wurde eine neu entwickelte Modellreihe 623/633 mit Präge-Rahmen und sehr ungewöhnlichem Äußeren präsentiert,NEUE JAWA MODELLE. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1967, S. 332–333. die jedoch erst 1970 mit geänderter Formgestaltung in Serie ging.Neue Jawa-Motorräder. In: Kraftfahrzeugtechnik. 4/1970, S. 118–119. Wegen der auffallend kantig-gedrungenen Optik wurden diese Maschinen auch unter der Bezeichnung Bison bzw. Bizon bekannt. Diese Maschinen hatten einen neu entwickelten Motor mit wiederum 250- oder 350 cm³ Hubraum, wobei nun auch die 250er als Zweizylinder ausgeführt war. Die Produktion erfolgte parallel zur Californian und der Panelka, ehe die Ablösung aller drei Reihen durch die Jawa 634 erfolgte. Diese war ein robustes Gebrauchsmotorrad mit bis zu 28 PS und zeitgemäßem Äußeren, doch von der früheren herausragenden Innovationskraft im Hause Jawa konnte nun keine Rede mehr sein. Zumindest 1976 war die Jawa 634 mit 350 cm³ Hubraum das Haupterzeugnis von Jawa, 1976 wurden davon 75 023 Maschinen produziert, sowie nur 5000 Jawa 250. Hinzu kamen 1145 Speedway-Maschinen und 123 Sonderfahrzeuge.Motorradproduktion 1976 in der ČSSR. In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1978, S. 55. 1984 wurde der Typ 634 zum 638 und 639 weiterentwickelt, wobei der bekannte Motor nun einen Leichtmetallzylinder mit Graugussbuchsen hatte. 1985 stieg Jawa mit dem zusätzlichen Modell 500 R wieder in den Verkauf von Viertakt-Maschinen (Rotax-Motor) ein, wobei der Blick nicht zuletzt auf dem westdeutschen Markt lag.
Motorräder 1945 bis 1990 (Auswahl) Jawa 250 typ 11 (1946), genannt Pérák = Federmann, Einzylinder-Zweitaktmotor, Geradewegfederung am Hinterrad Jawa 350 typ 12 (1948), genannt Pérák = Federmann, anfangs unter dem Markennamen Ogar 350, Zweizylinder-Zweitaktmotor, Geradewegfederung am Hinterrad Jawa 500 OHC Typ 15/00, /01 Zweizylinder-Viertaktmotor, Königswelle mit Schraubenrädern (1952–1956) und Typ 15/02, Königswelle mit Kegelrädern (1956–1959), Geradewegfederung am Hinterrad Jawa 250, 350 Typ 354 (Zweizylinder), 125, 150 und 175 mit Hinterradschwinge (ab 1954), genannt „Kývačka“ (sprich kiewatschka) Jawa 250 Californian und Jawa 350 Californian, mit auskuppelndem Getriebeschalt-Fußhebel, die späteren 350-Modelle mit der Bezeichnung 'Oilmaster' mit Pumpenschmierung. Jawa 350 Typ 633 „Bizon“, produziert 1970–1972. Jawa 350 Typ 634 (1973–1984, Zweizylinder-Zweitaktmotor, 350 cm³)
Motorsport mini|Jawa-Speedway-Maschine mit 500-cm³-Motor mini|Jawa 600 cm³ (1962)