mini|Kind beim Barfußgehen in einer Großstadt mini|Nackte Füße gehen über weichen Rindenmulch in einem Barfußpark Barfüßigkeit oder Bloßfüßigkeit bezeichnet den Zustand unbekleideter Füße (altertümlich „baren Fußes, bloßen Fußes“), also ohne Schuhe und Strümpfe.

Anatomischer Hintergrund Barfuß zu laufen stellt die natürliche Form der menschlichen Fortbewegung dar. Der menschliche Fuß besitzt eine Vielzahl von Rezeptoren und Muskeln, um den Untergrund präzise wahrzunehmen und sich ihm anzupassen; so ist es barfuß nahezu unmöglich, umzuknicken, weil man ein schiefes Auftreten schon frühzeitig bemerkt. Darüber hinaus ist die Haut an der Fußsohle selbst im untrainierten Zustand wesentlich dicker als sonst irgendwo am Körper und verstärkt sich bei dauerhaftem Barfußlaufen weiter (Hornschwiele). Dies dient sowohl der Polsterung als auch dem Schutz vor Verletzungen.

Diese Schutzwirkung hat jedoch auch ihre Grenzen, insbesondere bei extremer Kälte (Frost) oder extremer Hitze (Verbrennungen) und dem Schutz vor Verletzungen von oben. Zu diesem Zweck hat der Mensch einst Schuhe erfunden, deren Nutzung sich im Laufe der Zeit weiter zu einem Statussymbol und schließlich einem Allgemeingut entwickelt hat.

Geschichte mini|Barfüßiger Kolonialsoldat (Askari) in Deutsch-Ostafrika Die ältesten konkreten Funde von Schuhen in Nordamerika datieren auf etwa 8300 v. Chr.; es wird jedoch vermutet, dass bereits bei der Besiedelung Eurasiens vor etwa 40.000 Jahren zumindest im hier erstmals auftretenden Winter Schuhe getragen wurden. Diese Schuhe waren noch sehr weich und dürften ähnlich wie Fellkleidung fast ausschließlich einen wärmenden Nutzen gehabt haben, der auch nur im trockenen Zustand bestand.

In der Antike, die sich hauptsächlich im Mittelmeerraum mit seinen allenfalls kurzen Wintern abspielte, entwickelte sich hingegen eine gegenteilige Schuhform, die nur aus einer sehr harten Sohle bestand, die an den Fuß gebunden wurde – ein Wärmeschutz ist hier nicht gegeben. Diese Schuhe dienten dazu, den Träger von dem (tatsächlich oder gefühlt) schmutzigen Untergrund abzugrenzen, und waren zunächst ein Privileg der Herrschenden. Im antiken Rom hingegen wurden sie schnell zu einem allgemeinen Kleidungsstück aller freien Bürger – vermutlich aus hygienischen Gründen. Sklaven blieben hingegen immer, Kinder und in anderen Städten wohl auch zumindest ärmere Bürger zumindest teilweise barfuß.

Im Mittelalter wurde das Tragen von Schuhen in Europa zu einem Allgemeingut, mit Ausnahme von Kindern im Wachstum und von Bettlern. Aufgrund dieser Ausnahmen entwickelte sich freiwillige Barfüßigkeit nun auch zu einem Symbol von Unschuld oder Enthaltsamkeit, etwa bei Hedwig von Andechs.

In Entwicklungs- und Schwellenländern mit warmem, frostfreiem Klima wie Afrika, Ozeanien und Teilen Mittel- und Südamerikas und Asiens wurde das Tragen von Schuhen meist zunächst durch die Kolonialherren aus Gewohnheit und als mehr oder minder bewusstes Statussymbol gegenüber den „wilden“ Einheimischen eingeführt. Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde auch hier das Tragen von Schuhen zu einer Selbstverständlichkeit – wobei es sich dabei meistens um Flip-Flops handelt. Heute stellt Barfüßigkeit aus Armut selbst in den ärmsten Entwicklungsländern eine Ausnahme dar, allerdings sind barfüßige Kinder dort nach wie vor normal. miniatur|Barfüßige Kinder in einem Armenviertel in Großbritannien vor dem Ersten Weltkrieg In Europa war Barfüßigkeit aus Armut insbesondere bei Kindern und in ländlichen Regionen noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet; Hauptgründe dafür waren Landarmut und soziales Elend in großen Städten, häufig verstärkt durch Wirtschaftskrisen und Kriege. Erst mit dem in den 50er Jahren einsetzenden Massenwohlstand und der zunehmenden industriellen Schuhherstellung wurden Schuhe auch hier selbstverständlich.

Die zunehmende Normalität des Schuhetragens führte ab den 60er Jahren aber auch zu einem gegenteiligen Trend, als gegenkulturelle und alternative Bewegungen, vor allem die Hippies, aber auch 68er, New Ager, Punks und Ökos, Barfußgehen als Ausdruck von Konsumverzicht, nonkonformistischer Abgrenzung vom gesellschaftlichen Mainstream und Naturverbundenheit populär machten. Barfußgehen war dadurch zunehmend kein Symbol von Armut mehr, sondern wurde zum Ausdruck von alternativem Kleidungs- und Lebensstil sowie von Erd- und Naturverbundenheit.

In städtischen Gebieten in Europa und Nordamerika wird Barfußgehen heute häufig als ungewöhnlich wahrgenommen.Christoph Schieder: . In: Berliner Akzente Online. 4. August 2010 Hierbei handelt es sich um einen bewussten und oft vorübergehenden Verzicht auf Schuhe aus Nonkonformismus, aus religiösen Gründen oder schlicht aus Bequemlichkeit.

In einigen Ländern mit westlich geprägtem Lebensstil und günstigen klimatischen Bedingungen, insbesondere Südafrika, Australien, Neuseeland und manchen Regionen der USA, ist öffentliches Barfußgehen hingegen auch heute noch verbreitet und wird meistens nicht als ungewöhnlich, sondern als normal wahrgenommen.

Religiöse und kulturelle Aspekte Die Wirkung von Barfüßigkeit kann situationsbedingt sehr unterschiedlich sein – in bestimmten Kontexten wie etwa bei religiösen Ritualen und Orten, aber auch in fremden Wohnungen kann es als Zeichen der Höflichkeit gelten, barfuß oder zumindest unbeschuht zu sein. Manche Leute können den Anblick nackter Füße auch als erotisch empfinden oder von ihnen sogar sexuell erregt werden (Fußfetischismus). In anderen Situationen können nackte Füße jedoch auch negative Empfindungen wie Ekel und Empörung auslösen, da sie bei einigen Personen mit negativen Aspekten wie Dreck, Fußgeruch und Fußpilz assoziiert sind, oder Barfüßigkeit wird als unangemessene Abweichung von der sozialen Norm und Ausdruck von mangelnder Hygiene, mangelnder Etikette oder unerwünschter Freizügigkeit empfunden. Auch das eigene Empfinden von Barfüßigkeit kann situationsbedingt unterschiedlich sein – positive Empfindungen können Gefühle der Befreiung, Entspannung und Bodenhaftung sein, negative Empfindungen hingegen Entblößtheit, Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit. In bestimmten Kontexten wie Gefangenschaft (siehe Abschnitt Gefangenschaft), Sklaverei und Folter kann Barfüßigkeit, oft ergänzt um Entblößung anderer Körperteile bis hin zu kompletter Nacktheit, bewusst zur Erniedrigung und Bloßstellung der Person eingesetzt werden.

Frömmigkeit mini|Füße der jainistischen Shravanbelgola-FigurIn zahlreichen religiösen Traditionen gilt das Ablegen der Fußbekleidung als Geste der Frömmigkeit und der Ehrerbietung, besonders beim Betreten heiliger Plätze. Als sich Moses im Buch Exodus dem brennenden Dornbusch näherte, wurde er aufgefordert, die Schuhe auszuziehen. Muslime verrichten das Gebet unbeschuht (normalerweise auf einem Gebetsteppich oder während des Gottesdienstes in einer Moschee), und vor Betreten des Gebetsraums der meisten Moscheen muss man die Schuhe ausziehen. Auch die Hindus und Karäer legen vor dem Betreten des Gotteshauses die Schuhe ab. Einige christliche Kirchen praktizieren die Tradition der barfüßigen Wallfahrt, zum Beispiel der Marsch auf den Croagh Patrick in Irland. Schuhe gehören auch nicht zur Bekleidung der buddhistischen Mönche. Ihre Kleidung besteht im Wesentlichen aus sanghâti (Obergewand), uttarâsanga (Gewand) und antaravâsaka (Untergewand). Neuheiden und Hippies sehen in den entblößten Füßen einen Weg, mit den Elementen in Kontakt zu treten. Bei den Amish laufen insbesondere Kinder und Frauen sehr oft barfuß. mini|Barfüßige Perdoni in Spanien mini|Schrein der Unbeschuhten Karmelitin Therese von Lisieux (kleine hl. Therese) Im Barfußgehen sieht man auch eine verbreitete Form der Kasteiung, die häufig mit anderen Formen wie Pilgerschaft, als Buße oder asketische Übung verbunden ist.

Barfüßer Barfüßer (latein.: Discalceati, „Unbeschuhte“) nennt man bestimmte katholische männliche und weibliche Ordensgemeinschaften, deren Mitglieder barfuß waren bzw. noch sind. Sie gehen entweder ganz ohne Fußbekleidung oder tragen Sandalen oder mit Riemen befestigte Sohlen. Das Barfußgehen wurde offizielle monastische Praxis, seit es Teresa von Avila 1560 den Unbeschuhten Karmelitinnen vorschrieb. Insbesondere die strengeren Observanzen der Bettelmönche haben dieses Zeichen der Armut und der Entsagung angenommen, zunächst die Franziskaner und die Klarissen sowie die Karmeliten, die Mercedarier, die Passionisten, die Serviten und die Trinitarier. Als äußere Veranlassung gilt die biblische Aufforderung Jesu an die Jünger, bei der Mission nicht einmal Schuhe mitzunehmen (Matthäus 10, 10, vgl. Lukas 10, 3). Heute tragen Barfüßer normalerweise Sandalen.

Siehe auch: Barfüßerkirche

Barfüßigkeit auf der Bühne mini|Barfüßige Tanzaufführung In Tanz-, Theater- oder Opernaufführungen drücken bloße Füße häufig bestimmte Gefühle, Furcht, Verwundbarkeit, eine Niedergeschlagenheit und/oder Vertrautheit aus. Sie mildern Nervosität oder Angst oder vermitteln sogar einen bestimmten körperlichen wie seelischen Zuspruch. Zahlreiche Tanzstile, von traditionellen Volkstänzen wie Orientalischem und Indischem Tanz bis hin zu modernen wie Modern Dance und Ausdruckstanz, werden grundsätzlich barfuß ausgeführt, was sowohl dazu dienen kann, bestimmte Emotionen auszudrücken als auch die Bewegung der Füße besser zu spüren und die Füße freier und feiner bewegen zu können.

Zu den wichtigsten Vertretern des modernen Tanzes zählte die US-Amerikanerin Isadora Duncan (1877–1927), die den modernen Ausdruckstanz entwickelte und als eine der ersten modernen Tänzerinnen barfuß auftrat. Ihre Vorstellung von Tanz war eine Abkehr vom klassischen Ballett und Rückbesinnung auf die Antike sowie zur Natur, was unter anderen darin zum Ausdruck kam, dass sie im Gegensatz zu damaligen Tänzerinnen und Ballerinen ohne Tutu und Spitzenschuhe und stattdessen mit nackten Beinen und Füßen auftrat, was seinerzeit revolutionär wirkte und bei Publikum und Presse anfangs Verwunderung und Empörung auslöste. Eine weitere bekannte Vertreterin des modernen Barfuß-Tanzes ist Maud Allan (1873–1956), die in selbstgemachten Kostümen und barfuß auftrat und ihrerzeit ebenfalls als kontrovers galt.

Barfüßigkeit in der Wohnung In vielen Kulturen ist das Tragen von Schuhen in der privaten Wohnung verpönt. Das Ablegen der Schuhe ist, vor allem aus Reinlichkeits- und Hygienegründen, in Ländern mit rauem Klima wie in Japan, China, Vietnam oder Kanada verbreitet, aber auch in vielen muslimisch geprägten Ländern und Regionen wie der Türkei und Arabien.

Zeichen der Armut oder der Trauer

miniatur|Barfuß laufendes Amish-Kind auf dem Weg zur Schule Barfüßigkeit rührt aus der Zeit des Römischen Reiches, in der die Mode für die wohlhabenden römischen Bürger Kleidung einschließlich Fußbekleidung vorsah, während die Sklaven und die Unterschicht barfuß gingen. Im Mittelalter waren lederne Schuhe und Stiefel so teuer, dass die Ärmeren häufig entweder barfuß oder in Fußlappen gingen. In Kunst und Literatur symbolisieren bloße Füße häufig Armut.

Die Allegorien, z. B. Tugenden und Laster, tragen grundsätzlich keine Schuhe; ihr Merkmal ist neben der klassischen Tuchgewandung die Barfüßigkeit.

Barfüßigkeit, teilweise verbunden mit völliger Nacktheit, war im Altertum als Symbol der Klage verbreitet.

Symbol der Unschuld