Die Stadt Willich liegt am Niederrhein im Westen von Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Viersen, liegt am westlichen Rand der Metropolregion Rhein-Ruhr und hat den Status eines Mittelzentrums. Sie liegt 17 Kilometer westlich von Düsseldorf, 10 Kilometer östlich von Viersen, 8 Kilometer südlich von Krefeld und 11 Kilometer nordöstlich von Mönchengladbach.

Willich hat ein großes Gewerbegebiet (siehe Abschnitt Wirtschaft) und ist durch die Neersener Schlossfestspiele überregional bekannt.

Geografie

Geografische Lage Das Willicher Stadtgebiet ist, typisch für den Niederrhein, von großen, ebenen landwirtschaftlichen Flächen geprägt. Südlich von Schiefbahn gibt es mit dem Schiefbahner Bruch ein Waldgebiet. Dieses Gebiet gehört mit rund zu den tiefergelegenen Gebieten der Stadt. Insgesamt sind die Höhenunterschiede, die sich überwiegend aus einem leichten Gefälle von Ost nach West ergeben, mit maximal knapp 7 Metern sehr gering. Im Südwesten markiert der Fluss Niers die Grenze des Stadtgebietes.

Von den rund 6.776 Hektar Gesamtfläche wurden 2005 4.169 Hektar landwirtschaftlich genutzt. In der Stadt gab es 369 Hektar Wald und 131 Hektar Wasserfläche, 202 Hektar waren als Erholungsfläche ausgewiesen. Insgesamt 1.270 Hektar entfielen auf Gebäude- und Freifläche, 601 Hektar wurden als Verkehrsfläche genutzt. Das größte stehende Gewässer ist der an der südlichen Stadtgrenze gelegene, 21 Hektar große Nierssee.

Höchstes Gebäude der Stadt ist der weithin sichtbare als „Fernsehturm“ bekannte 123 Meter hohe Schiefbahner Fernmeldeturm in Schiefbahn.

Naturräumliche Zuordnung Der Stadt ist Teil der naturräumlichen Großregion Niederrheinisches Tiefland (57). Der überwiegende Teil der Stadt liegt im Teil-Naturraum Kempener Lehmplatte (573.3). Ein kleiner Teil im Süden der Stadt befindet sich im Mittleren Nierstal (573.1), genauer gesagt im Neersener Niersbruch (573.12). Zum letztgenannten Teil gehören der südwestliche Teil von Neersen sowie die Gegend im Bereich der Autobahn 52.

Nachbarstädte Große Städte in der näheren Umgebung Willichs sind Mönchengladbach, Krefeld (angrenzend), Düsseldorf (etwa 20 km), Neuss (etwa 15 km) und in den Niederlanden Venlo (etwa 30 km). Angrenzende Städte im Uhrzeigersinn (im Norden beginnend): Krefeld, Meerbusch, Kaarst, Korschenbroich, Mönchengladbach, Viersen, Tönisvorst.

Stadtgebiet

Die Stadt besteht aus den vier Stadtteilen Willich, Schiefbahn, Anrath und Neersen.

Im Stadtgebiet liegen unter anderem folgende kleinere Stadtteile: Wekeln, Münchheide, Hardt, Willicher Heide, Dickerheide (historisch zu Willich gehörend) Niederheide, Knickelsdorf, Klein-Jerusalem, Bertz (historisch zu Schiefbahn gehörend) Donk (historisch zu Anrath gehörend) Vennheide, Grenzweg, Hagwinkel, Unterbruch (historisch zu Neersen gehörend) Clörath (historisch zu Neersen, heute auch zu Viersen und Tönisvorst gehörend)

Geschichte Ereignisse 1137–1793 Willich wurde 1137 erstmals als „Wylike“ erwähnt, eine erste Kirche wurde jedoch wahrscheinlich bereits um das Jahr 800 gebaut. Anrath tauchte bereits 1010 in Urkunden auf, die Geschichte Neersens und Schiefbahns lässt sich bis 1262 bzw. 1420 zurückverfolgen. Um 1300 wurde die Siedlung Unterbroich, heute ein Ortsteil Schiefbahns, erstmals genannt. Die Vogtei Willich wurde 1245 erstmals erwähnt, bis 1272 lässt sich die Geschichte des Adelssitzes Haus Hülsdonk zurückverfolgen. 1298 wurde Willich an das Herzogtum Kleve verkauft. 1392 fiel das Amt Linn und damit auch Willich an das Kurfürstentum Köln, zu dem die anderen drei heutigen Stadtteile bereits gehörten. Der Bourgerhof wird 1394 erstmals erwähnt. König Sigismund verlieh Anrath 1414 das Marktrecht, womit Anrath als Flecken auch mit Wällen und Gräben befestigt werden durfte. Im von 1583 bis 1589 dauernden Truchsessischen Krieg wurden die heutigen Ortsteile geplündert und teilweise verwüstet und gebrandschatzt. Die Bürger Willichs suchten Zuflucht in den befestigten Adelssitzen Hülsdonk und Kollenburg, die jedoch 1591 auch eingenommen wurden. 1590 wurde auch Schiefbahn zum Flecken erhoben und durfte befestigt werden. Bei einem Großbrand 1675 wurden große Teile des Dorfes Willich zerstört. Auch die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Ereignisse 1794–1905 Bis 1794 bildete Neersen eine eigene Herrlichkeit, Anrath gehörte zu Neersen, Willich (vormals eigene Herrlichkeit) gehörte zum Amt Linn, Schiefbahn zum Amt Liedberg. Zum Amt Kempen gehörte neben Clörath auch die kleine Bauerschaft Kleinkempen. Kleinkempen war ein Gebiet, das als schmaler Streifen vom heutigen Ostende Anraths nördlich an Neersen vorbei bis zwischen Willich und Schiefbahn führte. Diese heute als Flurnamen nicht mehr existierende Bauerschaft hatte kein eigenes Zentrum, umschloss aber Anrath von allen Seiten. In Erinnerung an die Bauerschaft wurde ein Teil des alten Weges „Wekeln“ im gleichnamigen Neubaugebiet in „Klein Kempen“ umbenannt. Von 1794 bis 1815 war der gesamte linke Niederrhein von den Franzosen besetzt. Damit endete die Herrschaft des Kurfürstentums Köln über die Region. Mit einer Verwaltungsreform 1800 wurden die Mairien Neersen (mit Anrath und Clörath), Willich, Schiefbahn und (etwas später) Kleinkempen gebildet. Sie gehörten nun zum Arrondissement de Crévelt im neu gegründeten Département de la Roer, welches ab 1801 französisches Staatsgebiet wurde. Neersen wurde Sitz eines Kantons, das 17 Gemeinden, darunter alle heutigen Willicher Stadtteile, umfasste. 1815 fiel das Rheinland und somit die Orte der heutigen Stadt an Preußen. Daraufhin wurden 1816 in der Region auch die Landkreise eingeführt. Aus den französischen Mairien wurden preußische Bürgermeistereien. Die Bürgermeistereien Willich und Neersen kamen zum Kreis Krefeld, Schiefbahn und Kleinkempen zum Kreis Gladbach. 1819 wechselte Neersen zum Kreis Gladbach und Kleinkempen zum Kreis Krefeld, dabei wurde Anrath aus der Bürgermeisterei Neersen herausgelöst und der Bürgermeisterei Kleinkempen zugeschlagen.http://www.territorial.de/rheinpr/neussgrv/landkrs.htm 1840 wurde Bürgermeisterei Kleinkempen nach dem Hauptort Anrath umbenannt. Im Jahre 1849 erhielt Anrath als erster Ort der heutigen Stadt Willich einen Bahnhof. 1870 folgte Willich, 1877 Schiefbahn und Neersen. 1872 wurde das Willicher Katharinen-Hospital an der Bahnstraße eingeweiht. Ein Jahr später wurde an der Viersener Straße in Anrath das von Lorenz Schmitz gestiftete Krankenhaus eröffnet, das 1906 durch einen Neubau an der Neersener Straße ersetzt wurde. 1970 wurde das Anrather Krankenhaus geschlossen. Das Willicher Hospital hingegen wurde 1963 durch einen größeren Neubau ersetzt und bot bis zur Schließung aus wirtschaftlichen Gründen im Sommer 2014 eine Grundversorgung für die Bevölkerung. 2019 wurde das Krankenhausgebäude abgerissen. 1891 wurden große Teile Anraths durch einen Tornado zerstört. Die durch den Niedergang der bisher dominierenden Hausweberei finanziell ohnehin schwer angeschlagene Gemeinde war auf Zuweisungen der Regierung angewiesen. Durch die Anrather Gemeindeverwaltung wurde sogar eine Auflösung der Gemeinde in Betracht gezogen. Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation wurde am Anrather Bahnhof ein Königliches Gefängnis errichtet, das 1905 fertiggestellt wurde.

Ereignisse 1908–1945 1908 gründete der Unternehmer Reinhold Becker in Willich das Stahlwerk Becker. Dort wurde unter anderem die Becker-Kanone hergestellt. Zeitweise waren dort über 1000 Menschen beschäftigt. 1932, gegen Ende der Weltwirtschaftskrise, wurde es geschlossen. Bald nach der Machtergreifung des NS-Regimes 1933 begannen die neuen Machthaber die Aufrüstung der Wehrmacht. Von 1934 bis 1945 wurden dort von einem neuen Eigentümer Produkte für die Aufrüstung der Wehrmacht und später für den Zweiten Weltkrieg hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im ehemaligen Stahlwerk eine Pioniereinheit der Britischen Rheinarmee angesiedelt. Bei der kommunalen Neugliederung 1929 wurden die vier Alt-Gemeinden dem neu gegründeten Landkreis Kempen-Krefeld zugeschlagen. Den Zweiten Weltkrieg überstanden die Gemeinden mit mäßigen Schäden. Rund ein Dutzend Häuser wurden bei Bombenangriffen zerstört. Der schwerste Angriff forderte am 22. Oktober 1944 in Willich elf Todesopfer. Am 1. März 1945 kam es in Schiefbahn zu den einzigen nennenswerten Kampfhandlungen. Eine deutsche Panzereinheit stieß in den schon von Amerikanern besetzten Ort vor. Der Kampf forderte zahlreiche Opfer auf beiden Seiten, die amerikanischen Truppen konnten den Ort am darauffolgenden Tag endgültig besetzen. Von den 40 deportierten Juden aus den vier Orten überlebten nur zwei den Holocaust.

Ereignisse seit 1946 In den 1960er Jahren beschloss die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine kommunale Neugliederung. Der drohende Verlust der Selbständigkeit stieß in den betroffenen Gemeinden auf Widerstand. So versuchten Anrath und Neersen eine gemeinsame Gemeinde zu bilden, um einen Zusammenschluss mit Willich und Schiefbahn zu verhindern. Unter anderem auf Vorschlag des damaligen Regierungspräsidenten einigte man sich schließlich auf den Zusammenschluss der Gemeinden Willich, Anrath, Schiefbahn und Neersen. Nach vielen mehr oder minder gelungenen Vorschlägen zur Namensgebung der neuen Stadt, wie zum Beispiel „Schwanstadt“, „Mittelstadt“ oder „Schanwin“, einigte man sich schließlich auf den Namen der damals größten Gemeinde im Landkreis Kempen-Krefeld. Mit dem am 1. Januar 1970 in Kraft getretenen „Gesetz zur Neugliederung des Kreises Kempen-Krefeld und der kreisfreien Stadt Viersen“ vom 18. Dezember 1969 wurden die vier Gemeinden zur Stadt Willich zusammengeschlossen. Willich erhielt 1965 ein Hallenbad. Das an der Schiefbahner Straße stehende Gebäude wurde 1974 um ein Freibad erweitert. 1990 brannte das Bad ab, woraufhin sich die Stadt entschied, es durch ein familienorientiertes Sport- und Freizeitbad zu ersetzen, das den Namen „De Bütt“ erhielt. Seit der Eröffnung der Bütt im Juni 1994 ist es mit mehr als 500.000 Besuchern pro Jahr eines der meistbesuchten kommunalen Bäder in Deutschland. In den 1980er Jahren entstand im Westen Willichs das Gewerbegebiet Münchheide. Seit 1994 wird zwischen Alt-Willich und Schiefbahn ein neues Wohngebiet mit Namen Wekeln errichtet. Es ist als nahezu autarkes Wohngebiet geplant und soll einmal von rund 6.000 Menschen bewohnt werden. 2003 lebten dort 3409 Personen, bis Juni 2004 erhöhte sich die Zahl auf 4140. Im Jahr 2012 beteiligte sich Willich am bundesweiten Städtewettbewerb Mission Olympic zur Förderung des Breitensports und konnte als Sieger in der Kategorie Mittelgroße Stadt ausgezeichnet werden.

Name Es gibt verschiedene Thesen über die Herkunft des Namens Willich. Nach der Hauptthese geht der Name aus der Bezeichnung villa („Landgut, Hof“) und vilici („Hofbewohner“) hervor, was durchaus naheliegend ist, da die Besiedlung des Gebietes aus vereinzelten Höfen bestanden hat.

Möglich ist auch, dass sich villa auf einen konkreten Hof bezieht, nämlich den Fron- oder Domhof, der ungefähr seit dem Jahr 800 am Grunewall zu finden war.

Eine andere These führt den Namen Willich auf das vorgermanische Wort wil („Sumpfwasser“) zurück. Auch dieser Ansatz ist möglich, da der Niederrhein sehr sumpfig ist und nur die Donken, die inselartig daraus hervorragten, machten eine Besiedlung möglich.

Einwohnerentwicklung