Die Operation Phantom Fury ( für gespenstische Wut), auch bekannt unter dem Namen Operation Al-Fadschr (Operation Al Fajr) ( für Morgendämmerung), war eine Offensive von amerikanischen und irakischen Soldaten gegen die Stadt Falludscha. Infolge des Irakkriegs hatte sich die Stadt in der Zeit der amerikanischen Besatzung als Rebellenhochburg etabliert. Die Operation wurde von der irakischen Übergangsregierung genehmigt und begann am 8. November 2004. Das US-Militär gab nach der Schlacht bekannt, dass es sich um den schwersten Häuserkampf seit der Schlacht um Huế in Vietnam, die im Jahre 1968 stattfand, gehandelt habe.
Die Operation Phantom Fury war die zweite Offensive, die gegen die Aufständischen in Falludscha durchgeführt wurde. Sie erfolgte im Anschluss an die Operation Vigilant Resolve, die vom 4. bis 9. April desselben Jahres stattgefunden hatte. Diese Operation war beendet worden, nachdem lokale Führer versprochen hatten, für eine Entspannung der Situation in Falludscha zu sorgen. Im Anschluss an Phantom Fury wurde ab dem 23. November 2004 die Operation Plymouth Rock durchgeführt.
Die Kampfhandlungen während der Operation werden zunehmend auch als die Zweite Schlacht von Falludscha bezeichnet.
Falludscha vor der Operation Am 29. April 2003 kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung vor einem Schulgebäude am Stadtrand von Falludscha. Dort demonstrierten – nach Berichten von Einwohnern unbewaffnete – Jugendliche und Eltern gegen die Besetzung der Schule durch US-Truppen, die dort einen Stützpunkt eingerichtet hatten. Aus der Demonstration entwickelte sich ein Feuergefecht zwischen US-Truppen und den Demonstranten, bei dem 16 Iraker starben und 65 verletzt wurden. Nach Angaben der US-Regierung seien die Soldaten vorher aus der Menge heraus beschossen worden und hätten auf den Angriff reagiert. Eine unmittelbare Folge dieses Zwischenfalls war ein massiver Guerillakampf der sunnitischen Bevölkerung im sunnitischen Dreieck gegen die Besatzungsmacht, dem auch zwei französische Zivilisten zum Opfer fielen. Aufgrund dieses Kampfes musste sich die 82. Luftlandedivision der US-Armee im Dezember 2003 aus der Stadt zurückziehen. Am 20. März 2004 übernahm die 1st Marine Expeditionary Force die militärische Verantwortung für die Stadt. mini|Nachteinsatz der 82nd Airborne Division im Oktober 2003 Die bei Falludscha in der Basis Mercury stationierten Einheiten der 82. Luftlandedivision wurden von den Einwohnern Falludschas als die „mörderischen Wahnsinnigen“ bezeichnet (Murderous Maniacs),More Iraqis Tortured, Officer Says The 82nd Airborne is accused of abuses in 2003 and early 2004. A criminal inquiry begins. By Richard A. Serrano, Times Staff Writer – Artikel 24. Sept. 2005 weil diese Gefangene misshandelt haben sollen.
Durch den Rückzug der amerikanischen Truppen wurde die Stadt zu einer Hochburg für Rebellen und Aufständische und bot Terroristen wie dem Jordanier Abu Musab az-Zarqawi einen Zufluchtsort. Az-Zarqawi hatte die Terrorgruppe at-Tauhīd wa-l-Dschihād gegründet, die für zahlreiche Entführungen und Morde verantwortlich ist, darunter auch die Enthauptung des amerikanischen Aufbauhelfers Nick Berg.
Am 31. März 2004 kam es zu einem Überfall in Falludscha, bei dem Aufständische einen Wagen mit vier Amerikanern (US-Berichte sprachen zunächst von zivilen Wiederaufbauhelfern) beschossen und die Insassen töteten. Eine aufgebrachte Menge zerrte die Körper aus dem Auto und schändete die Leichname. Die Leichen der Amerikaner wurden verbrannt und die verkohlten Überreste auf der Euphrat-Brücke aufgehängt. Das Geschehen wurde von Fernsehkameras festgehalten und die Bilder gingen um die Welt. Besonders in Amerika verursachten sie einen Schock, denn sie erinnerten an die Schlacht von Mogadischu in Somalia, während der zwei getötete US-Soldaten, SFC Randy Shughart und MSG Gary Ivan Gordon, durch die Straßen der Hauptstadt Somalias geschleift worden waren. Später stellte sich heraus, dass es sich bei den getöteten Amerikanern um Mitarbeiter des US-Unternehmens Blackwater Security Consulting handelte.
Eine Folge des Anschlags war die Operation Vigilant Resolve. Diese Operation sah die Abriegelung Falludschas und die anschließende Rückeroberung durch US Marines vor. Die US-Soldaten sollten bei dieser Operation durch die von ihnen ausgebildete irakische Nationalgarde unterstützt werden. Zu Beginn des Angriffs am 5. April 2004 waren jedoch viele irakische Soldaten desertiert und einige kämpften auf der Seite der Rebellen.
Trotz massiven Vorgehens gelang es den US-Streitkräften nicht, Falludscha zurückzuerobern. Am 9. April boten die US-Truppen erstmals Verhandlungen über einen Waffenstillstand an, zu denen es aber nicht kam. Nach vierwöchiger Belagerung und Verlusten von mehr als 50 US-Soldaten wurde die Operation am 29. April vorerst eingestellt. Durch die Ereignisse während der Kämpfe, bei denen unter anderem das einzig noch betriebsfähige Krankenhaus der Stadt durch US-Truppen unter Beschuss geriet, sowie den Missbrauch von Moscheen und Krankenwagen durch irakische Kämpfer (was wiederum den Beschuss dieser Ziele durch US-Soldaten nach sich zog), wurde die Lage weiter verschärft. Ein Militärgouverneur wurde eingesetzt und sollte die Lage in der Stadt beruhigen. Als Bevollmächtigten setzten die Amerikaner den General Dschasim Mohammed Saleh ein und unterstellten ihm eine Brigade der neuen irakischen Armee, die Falludscha-Brigade. Der Blockadering wurde aufgelöst.
Saleh, ein ehemaliger General der Republikanischen Garden unter Saddam Hussein, wurde nach vier Tagen von der Stabsführung durch Mohammed Latif ersetzt. Dschasim Mohammed Saleh als Führer der Falludscha-Brigade einzusetzen, wurde von der Militärführung als Fehler bezeichnet.
Vorbereitung auf die Offensive Politische Situation im Vorfeld Auch durch den Einsatz der Falludscha-Brigade konnte die Region nicht befriedet werden und die Stadt fiel schließlich zurück in die Hände der Aufständischen. Während des Sommers 2004 kam es immer wieder zu Entführungen, Bombenattentaten und Angriffen auf die US-Truppen und zivilen Wiederaufbauhelfer. Das US-Militär reagierte mit Luftangriffen auf die vermuteten Aufenthaltsorte von Terroristen. Des Weiteren kam es immer wieder zu kleineren und größeren Kampfhandlungen zwischen den Rebellen und US-Truppen.
Im Oktober 2004 verdichteten sich – nach mehreren gescheiterten Waffenstillstandsverhandlungen – die Anzeichen für eine Großoffensive gegen die Rebellen in Falludscha. Der Ministerpräsident der Übergangsregierung Ijad Allawi forderte die Auslieferung des in der Stadt vermuteten Terroristen Abu Musab az-Zarqawi, der als Drahtzieher zahlreicher Attentate und Entführungen gilt. Die geistliche Führung von Falludscha erklärte ihrerseits, dass sich az-Zarqawi nicht in der Stadt aufhalte.
Allawi verkündete gegen Ende Oktober, dass sich das Fenster für Verhandlungen schließe und verhängte am Vortag der Offensive für insgesamt 60 Tage den Ausnahmezustand über den gesamten Irak. Die Operation war die erste größere Militäraktion nach der Wiederwahl von George W. Bush am 2. November 2004.
Militärische Vorbereitung Im Oktober wurden britische Soldaten aus dem Süden des Irak in den Norden verlegt. Die Briten sollten amerikanische Verbände ablösen, damit diese nach Falludscha verlegt werden konnten. Das britische Militär half den amerikanischen Truppen bei der erneuten Abriegelung der Stadt. Bei der Eroberung der Stadt waren jedoch keine britischen Truppen beteiligt. Ein Blockadering wurde um die Stadt errichtet. Er sollte die Flucht der Aufständischen verhindern. Die zivile Bevölkerung wurde aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Nach Angaben des US-Militärs kamen schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Bewohner dieser Aufforderung nach.
mini|Eine Dragon-Eye-Aufklärungsdrohne Die Aufklärung erfolgte durch unbemannte Drohnen des Typs Dragon Eye. Diese Aufklärungsflüge lieferten dem Generalstab die Angriffsziele für die Bombardierung und die spätere Eroberung. Die Luftangriffe auf die Stadt wurden im Vorfeld der Offensive forciert.
Die Aufständischen in Falludscha erahnten Monate im Voraus das Eintreten der Offensive und bereiteten sich dementsprechend auf die bevorstehende Invasion vor. Sie legten Munitionsdepots an, verminten Straßen und bauten Autobomben. Die Truppen der Aufständischen setzten sich aus mehreren Gruppen zusammen:
Ehemalige Mitglieder des Hussein-Regimes; Ausländische Al-Qaida-Kämpfer; Einwohner von Falludscha, die sich gegen die Besatzungsmacht auflehnten oder ein getötetes Familienmitglied rächen wollten.
Die Aufständischen trugen keine Uniform, sondern lediglich ihre zivile Kleidung. Diese Tatsache machte es dem US-Militär schwer, zwischen Feind und Zivilist zu unterscheiden. Das US-Militär schätzte die Zahl der aufständischen Kämpfer auf 5.000 bis 6.000.
Rules of Engagement Die Rules of Engagement sind ein Regelwerk für den Kampfeinsatz der US-Streitkräfte. Diese Regeln wurden für die Operation Phantom Fury von der militärischen Führung angepasst.
Wurden die Bodentruppen aus einem Gebäude heraus angegriffen, so wurde das Gebäude mit Bomben von Kampfflugzeugen oder Artilleriefeuer bekämpft. Eine Aufklärung, ob sich Zivilisten in dem Gebäude aufhielten, fand nicht statt. Die Stadt wurde vom Militär zum uneingeschränkten Beschuss freigegeben (Free-Fire-Zone). Jeder, der sich gegenüber den US-Truppen verdächtig oder gefährdend verhält, durfte bekämpft oder getötet werden.
Beteiligte Truppenteile Bei der Operation waren laut US-Regierung zwischen 10.000 und 15.000 britische und amerikanische Soldaten im Einsatz. Die britischen Soldaten sollten die amerikanischen Verbände bei der Abriegelung Falludschas unterstützen, aber ein Kampfeinsatz der britischen Truppen bei der Offensive war nicht geplant. An der Operation Al-Fadschr, wie die Offensive von irakischer Seite genannt wurde, waren ca. 2.000 irakische Soldaten der Übergangsregierung beteiligt. Die irakischen Einheiten spielten bei der Operation nur eine untergeordnete Rolle.
1. Marine-Regiment (Regimental Combat Team 1, RCT-1) 3. Bataillon, 1. US-Marineinfanterieregiment 3. Bataillon, 5. US-Marineinfanterieregiment 2. Bataillon, 7. Kavallerieregiment, US Army (TF 2-7)
7. Marine-Regiment (Regimental Combat Team 7, RCT-7) 1. Bataillon, 8. US-Marineinfanterieregiment 1. Bataillon, 3. US-Marineinfanterieregiment 2. Bataillon, 2. Infanterieregiment, US Army (TF 2-2) 3. Bataillon, 82. Feldartillerie-Regiment, US Army
Irakische Streitkräfte 1. Bataillon, 1. Brigade, irakische Eingreiftruppe 2. Bataillon, 1. Brigade, irakische Eingreiftruppe 4. Bataillon, 1. Brigade, irakische Eingreiftruppe 5. Bataillon, 3. Brigade, irakische Nationalgarde 6. Bataillon, 3. Brigade, irakische Nationalgarde 36. Kommando-Bataillon, irakische Nationalgarde Sanitätseinheit der irakischen Polizei
Zeitlicher Verlauf der Offensive Montag, 8. November mini|links|Luftangriff auf Falludscha am 8. November 2004 mini|1. Tag der Schlacht
Mit Artilleriefeuer begann in der Nacht vom 7. auf den 8. November die Operation Phantom Fury. Die US-Armee feuerte mit 155-mm-Artilleriegeschützen und mit den 120-mm-Kanonen der M1-Abrams-Kampfpanzer auf die Stellungen der Rebellen in der Stadt.