Die Wirtschaft Georgiens dreht sich traditionell um den Tourismus am Schwarzen Meer, den Anbau von Zitrusfrüchten, Weintrauben, Tee, den Abbau von Mangan und Kupfer sowie den Ertrag eines kleinen industriellen Sektors, der Wein, Metalle, Maschinen, Chemikalien und Textilien produzierte. Den Großteil seines Energiebedarfs produziert das Land inzwischen durch Wasserkraft selbst, Naturgas- und Ölprodukte muss Georgien importieren. Seine einzige erhebliche interne Energieressource ist die Wasserkraft.

Laut Angaben des globalen Wettbewerbsfähigkeitindex des Weltwirtschaftsforums 2017 rangiert Georgien auf Platz 67 (von 137) der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Im Index für wirtschaftliche Freiheit liegt das Land auf Platz 13 von 180 Ländern (2017).

Geschichte mini|hochkant|Antike georgische Weinkaraffen mini|180px|Klassische georgische Weinamphore die Quevri Eine sehr lange Tradition besitzt der Weinbau in Georgien. Exportiert wurde Wein mindestens seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. war Georgien die Waffenschmiede der Antike. Im Kaukasusgebirge wurden Gold, Silber, Kupfer und Eisen sowie seine Legierungen abgebaut. Georgische Handwerker stellten die Schwerter her, mit denen Griechen und Trojaner kämpften. Handel war bei Georgiern nicht üblich: Händler waren meistens Armenier seit vielen Jahrhunderten.

Zu sowjetischen Zeiten galt die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik als diejenige mit den besten Lebensverhältnissen. Westliche Beobachter nannten das Land die Schweiz des Kaukasus. Das subtropische Klima ermöglichte eine reiche Ernte landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Georgien war in der Sowjetunion (UdSSR) fast alleiniger Anbieter von Zitrusfrüchten und Tee. Georgischer Wein fand starken Absatz. Die Weinbaufläche stieg zwischen 1950 und 1985 von 58.000 auf 128.000 Hektar. Die jährliche Weinproduktion betrug Mitte der 1980er Jahre 800.000 Tonnen. Im Westen des Landes wurden Rinder gezüchtet, im Osten Schafe. Der Tourismus florierte. An der Küste und im Gebirge entstanden Ferienheime und Sanatorien. Bekannte Ferienorte waren Sochumi, Gagra, Pizunda, Bordschomi und Bakuriani. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierten die Schwer- und Rüstungsindustrie. mini|links|Weinproduktion in Georgien Ein besonderes Merkmal der georgischen Wirtschaft war die persönliche Nebenwirtschaft. Die Hälfte der landwirtschaftlichen Produktion war privat. 70 % der Gesamternte und 30 % der Ernte von Zitrusfrüchten wurden vom nicht-staatlichen Sektor erbracht. Die Produktivität der Privatwirtschaft lag stets deutlich über der der staatlichen Betriebe. Äußere Zeichen waren eine erhöhte Dichte privater Kraftfahrzeuge in Georgien und die intensive Reisetätigkeit georgischer Bauern, die ihre Waren per Flugzeug auf die Märkte russischer Großstädte brachten.

Auflösung der UdSSR und Wirtschaftskollaps

Nach der Auflösung der UdSSR erlitt Georgien von allen Sowjetrepubliken den schwersten Wirtschaftskollaps. Die Schwerindustrie erhielt keine Zulieferungen mehr. Flugzeugteile, militärische Elektronik, Elektrolokomotiven, Computer, Lastwagen, Tee, Zitrusfrüchte, Wein und Mangan fanden keine Abnehmer. Viele Betriebe wurden stillgelegt. Die Produktion in Industrie und Landwirtschaft ging zurück. Das Produktionsvolumen rutschte bis 1994 auf ein Viertel des Niveaus von 1989. Die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt Tiflis stieg auf 40 %.

Hinzu kam eine Hyperinflation. 1992 lag sie bei 1339 % jährlich. Bis 1995 stiegen die Verbraucherpreise um das 7000-fache. 1993 wurde an Stelle des Rubel eine Couponwährung eingeführt. Der Kurs fiel in nur zwei Jahren von 1000 Kuponi pro US-Dollar auf zwei Millionen Kuponi pro US-Dollar.

Hilfe vom Westen kam erst 1995 als der Internationale Währungsfonds (IWF) Georgien Kredite in Höhe 206 Millionen US-Dollar und Deutschland in Höhe von 50 Millionen Mark gewährten. Mit Unterstützung des IWF und der Weltbank wurde im Oktober 1995 der Lari (GEL) als nationale Währung eingeführt. Sie blieb bis zur Abwertung 1998 stabil zum US-Dollar.

Das wirtschaftliche Wachstum blieb jedoch schwach. Zwischen 1995 und 1997 stieg das Produktionsvolumen auf etwa 30 % des Niveaus zu Sowjetzeiten, bis 2001 erreichte es etwa 35 %. Im Jahr 2006 lebten 38,5 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, 13,4 % der Haushalte sogar in extremer Armut. Professoren verdienten 15 US-Dollar im Monat, Bürgerkriegsflüchtlinge erhielten maximal fünf US-Dollar monatliche Unterstützung. Alterspensionen waren seit Anfang 2003 nicht mehr gezahlt worden.

Bis vor einigen Jahren noch ungelöst waren Probleme bei der Stromversorgung. Georgien konnte seinen Strombedarf allein nicht decken und war stets auf ausländische Lieferungen angewiesen. 1990 wurden die Stromlieferungen und die Belieferung der Kraftwerke mit Brennstoffen aus Russland, Aserbaidschan und Turkmenistan auf mehrere Jahre abgeschnitten. Die eigene Stromerzeugung sank zwischen 1991 und 1994 von 13,4 Milliarden auf drei Milliarden Kilowattstunden. Doch es kam auch wegen Schulden bei Lieferanten und auch mangelhafter Zahlungsmoral der Stromverbraucher selbst immer wieder zu Abschaltungen. Georgiens eigene Kraftwerke fielen durch fehlendes Kapital dann wegen mangelnder Modernisierung und Instandhaltung regelmäßig aus.

Gegenwart Diese Zeit des wirtschaftlichen Zusammenbruchs hat Georgien inzwischen hinter sich gelassen, die Stromversorgung funktioniert heute zuverlässig. Mittlerweile deckt Georgien seinen eigenen Stromverbrauch durch heimische Produktion, mehr noch, Strom ist heute ein Exportartikel mit enormem Wachstumspotential.

Der jährliche Stromverbrauch Georgiens lag 2011 bei etwa 11 TWh, weitere 1,3 TWh wurden exportiert. Alle Nachbarländer sind mit Georgien über Hochspannungsleitungen verbunden und lassen zu Zeiten des Spitzenverbrauchs Strom aus Georgien in ihre Netze einspeisen. Auch Russland ist mittlerweile Stromabnehmer des Landes. Der größte Abnehmer von georgischer Elektrizität ist die Türkei.

Derzeit werden etwa 85 Prozent des erzeugten Stroms durch Wasserkraft erzeugt, die restlichen 15 Prozent kommen aus dem Thermo-Kraftwerk Gardabani. Bis etwa 2018 soll die gesamte Stromproduktion in Georgien auf Wasserkraft umgestellt sein.

Das große Potential für Wasserkraft in Georgien wird derzeit nur zu geschätzt 18 Prozent genutzt. Etwa 300 Flussläufe bieten sich für die Nutzung an, der Staat definiert die potentiellen Standorte und erstellt Machbarkeits- und Umweltverträglichkeitsstudien. Stand 2012 sind etwa 40 Kraftwerksprojekte in Arbeit, deren Fertigstellung zwischen 2014 und 2017 erfolgen soll. Diese neuen Kraftwerke mit einer Investitionssumme von 5,4 Milliarden Euro werden insgesamt 10 TWh Strom pro Jahr erzeugen; die Stromerzeugung soll also bis 2018 fast verdoppelt werden.

Die georgische Wirtschaft litt Ende der 1990er Anfang der 2000er Jahre unter einem großen Defizit des Staatsbudgets. Die Einnahmen der öffentlichen Haushalte betrugen beispielsweise 2001 nur 15 % des Bruttosozialprodukts. Es gelang der Regierung zu dieser Zeit nicht, die Steuern einzutreiben. Korruption und Vetternwirtschaft ließen Gelder versickern. Ständige Stromausfälle schadeten der Industrie. Georgien setzte seine Hoffnungen für eine wirtschaftliche Erholung auf die Entwicklung eines internationalen Transport-Korridors durch die Schwarzmeerhäfen Poti und Batumi, eine große Ölpipeline vom aserbaidschanischen Baku über Tiflis nach Ceyhan in der Türkei, die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, sowie die parallel dazu verlaufende Südkaukasus-Pipeline, die Gas transportieren soll. Ein wachsendes Handelsdefizit, die Probleme des Steuereinzugs, der Korruption und separatistische Konflikte, verdunkelten das wirtschaftliche Bild. Dennoch konnten ausländische Investitionen ein höheres Wirtschaftswachstum anspornen.

Die Konflikte wurden, wenn auch ungelöst, doch zumindest eingefroren. Die Korruption wurde äußerst erfolgreich bekämpft, Georgien gilt inzwischen hierin als weltweites Vorbild.Weltbank: Georgien ist ein Vorbild im Kampf gegen Korruption Der Staatshaushalt wurde auch durch die Steuerreform des Jahres 2011 mit einem vereinfachten Steuersystem konsolidiert.

Eine der Hauptsäulen der georgischen Wirtschaft der Tourismus entwickelte sich mit einer nahezu Verdoppelung der Touristenzahlen zwischen 2010 und 2014 zu einem der am schnellsten wachsenden Wirtschaftssektoren, die Arbeitslosenzahlen fielen von 18,3 % im Jahr 2009 auf 13,9 % Stand 2017.

+ Entwicklung Beschäftigten- und Arbeitslosenzahlen in Georgien Kategorie 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Verfügbare Arbeitskräfte (in Tausend) 1.982,71.911,91.908,71.944,71.971,81.970,91.988,22.004,51.978,61.984,62.018,01.996,21.983,11.939,91.911,2 Beschäftigte (in Tausend) 1.683,01.618,01.577,31.597,31.611,01.627,81.643,51.659,41.643,41.694,41.733,81.717,31.706,61.694,21.690,2 Arbeitslose (in Tausend) 299,7293,9331,4347,4360,8343,1344,8345,1335,2290,2284,2278,9276,4245,7221,0 Arbeitslosenquote (in Prozent) 15,115,417,417,918,317,417,317,216,914,614,114,013,912,711,6

Wirtschaftsstruktur mini|hochkant|Ölpipelines im Hafen von Batumi Georgiens wirtschaftliche Erholung wurde durch verheerende Bürgerkriege um die Staatsmacht, die Regionen Abchasien und Südossetien, eine beharrlich schwache Infrastruktur, Reformwiderstand von Seiten korrupter und reaktionärer Gruppen sowie die russische und asiatische Wirtschaftskrise behindert. Mit Krediten des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank brachte die georgische Regierung die Wirtschaft seit 1995 zu neuem Wachstum: Die Inflation konnte abgebaut, die vom IWF gesetzten Ziele erreicht und eine stabile Nationalwährung, der Lari eingeführt werden. Die Freigabe des Brotpreises, die Vorbereitung der zweiten Stufe zum Anschluss an die Welthandelsorganisation (WTO), der Abschluss des Vertrages über die Ölpipeline von Baku über Tiflis nach Ceyhan am Mittelmeer ließen auf weiteres Wachstum hoffen. Doch die Wirkungen der wirtschaftlichen Krise Russlands und Asiens machten einen Strich durch die Rechnung.

Georgiens Wirtschaft hat bei den Strukturreformen Fortschritte gemacht. Alle Preise und der größte Teil des Handels wurden liberalisiert, der Einfluss des Staates wurde beschnitten, weitere Gesetzesreformen stehen auf der Tagesordnung. Mehr als 10.500 kleine Unternehmen wurden privatisiert und mehr als 1.200 mittlere und größere Unternehmen in Aktiengesellschaften umgewandelt. Die Privatisierung von Firmen in Staatsbesitz wird weiter vorangetrieben, inzwischen allerdings genauer kontrolliert.

Wegen ausbleibender Investitionen ist Georgiens Transport- und Kommunikationsinfrastruktur in einem sehr schlechten Zustand. Die Telekommunikation ist zum Teil privatisiert, zum Teil weiterhin in staatlicher Hand.

Georgien kann seinen Energiebedarf nicht selbst decken und ist auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Erdgas wird vor allem aus Russland geliefert, Erdöl aus Kasachstan. Ähnlich der Ukraine ist der Gaspreis ein Zankapfel mit Russland. Es hat Georgien ab 2007 mit einer Erhöhung der Gaspreise gedroht. Das Land sucht nun nach alternativen Lieferungen aus anderen Ländern.

1998 begann Georgiens Regierung die Energieverteilung und Energiegewinnung zu privatisieren. Inzwischen befinden sich große Teile des Energiemarkts in russischer Hand. Das russische Energieunternehmen Itera besitzt Mehrheitsbeteiligungen an elf georgischen Gaswerken, darunter dem der Hauptstadt TbilGazi. Dem russischen Unternehmen RAO Unified Energy Systems gehören 75 % der Anteile des Tifliser Elektrizitätsbetriebs Telasi. Die russische Evraz Holding erwarb das Wasserkraftwerk Wartsiche. Um der Regierung mehr Gewicht auf dem heimischen Energiesektor zu verschaffen, fusionierten im März 2006 drei Staatsunternehmen zur Georgischen Gesellschaft für Öl und Gas (GOGC).