Die Stadt Ahaus () liegt im westlichen Münsterland, im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster.
Geographie Geographische Lage Die westmünsterländische Stadt an der Ahauser Aa grenzt im Nordwesten an die Niederlande. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt 17,78 Kilometer, die maximale West-Ost-Ausdehnung 13,67 Kilometer. Die höchste Erhebung liegt bei 70 Meter über NHN, der tiefste Punkt bei 36 Meter über NHN.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet wird in folgende Ortschaften eingeteilt (Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2025).
mini|Stadtteile der Stadt Ahaus
Ortschaft Einwohner Ahaus (mit Ammeln) 19.252 Alstätte 5.262 Graes 1.773 Ottenstein 4.123 Wessum 4.931 Wüllen 5.693 Insgesamt 41.034
Nachbargemeinden Ahaus grenzt im Nordosten an die Stadt Gronau, im Osten an die Gemeinden Heek und Legden, im Süden an die Stadt Stadtlohn und im Westen an die Stadt Vreden. Alle Kommunen gehören zum Kreis Borken. Im Nordwesten grenzt Ahaus an die niederländische Gemeinde Haaksbergen und die niederländische Großstadt Enschede, die beide zur Provinz Overijssel gehören.
Stadt Enschede (Overijssel/Niederlande) Stadt Gronau(Kreis Borken) Gemeinde Heek(Kreis Borken) Gemeinde Haaksbergen (Overijssel/Niederlande) alt= Gemeinde Legden(Kreis Borken) Stadt Vreden(Kreis Borken) Stadt Stadtlohn(Kreis Borken)
Flächennutzung Rund 80 % der Stadtfläche bestehen aus Wald- und Landwirtschaftsflächen. Die Gebäude- und Freiflächen nehmen einen Anteil von rund 10 % ein. Die gesamte weitere Flächennutzung kann der folgenden Tabelle entnommen werden:, abgerufen am 12. April 2015.
Flächennutzung im Jahre 2013 Fläche in Hektar Anteil in % Gebäude- und Freiflächen 1543 10,20 Verkehrsflächen 868 5,74 Betriebsflächen 82 0,54 Waldflächen 2094 13,85 Landwirtschaftsflächen 10.050 66,45 Wasserflächen 282 1,86 Erholungsflächen und Friedhofsflächen 174 1,15 Flächen anderer Nutzung 31 0,20 Gesamtfläche 15.124
Geschichte Mittelalter Die erste schriftliche Erwähnung des Adelssitzes Haus an der Aa datiert um 1139. Um 1120 ließ Bernhard von Diepenheim etwa dort, wo heute das Schloss Ahaus steht, die Burg Ahaus errichten. 1154 nannte sich sein Sohn Lifhard erstmals mit dem Namen von Ahaus., abgerufen am 11. April 2015. Die Herren von Ahaus gehörten zu den kleineren Edelherrengeschlechtern in Westfalen im weiteren Umfeld der Münsteraner Bischöfe. Mit diesen gerieten sie 1176 in Streit, als der Edelherr Johann von Ahaus seine Burg dem Kölner Erzbischof zu Lehen gab. 1177 musste sich Johann allerdings dem Fürstbischof Hermann II. von Münster unterwerfen. Die den Edelherren von Ahaus gehörenden Burgen Ahaus und Diepenheim wurden zerstört. Trotzdem blieben die Edelherren zunächst im Besitz ihrer Herrschaft.Westfälische Geschichte: Unterwerfung des Edelherrn Johann von Ahaus, abgerufen am 11. April 2015.
1389 verliehen die Edelherren von Ahaus der Burgsiedlung ein Akziseprivileg. Zwei Jahre später erhielt Ahaus die Stadtrechte. 1406 kaufte der Fürstbischof von Münster Otto IV. von Hoya die Herrschaft Ahaus und gliederte sie in das Hochstift Münster ein. Sie wurde durch das Hochstift Münster zusammen mit 24 Kirchspielen, die sich über große Teile des Westmünsterlandes erstreckten, zum Amt Ahaus zusammengefasst. Es hatte bis zu seiner Auflösung durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 Bestand.
mini|Schloss Ahaus Frühe Neuzeit Am 4. Oktober 1650 besuchte Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die Stadt und die Amtsverwaltung Ahaus. Auf seine Veranlassung wurde 1653 die erste deutsche Fayence-Manufaktur in Ahaus gegründet, aber bereits 1657 wieder geschlossen. 1688 kam es auf Veranlassung des Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg zum Abriss der alten Burg. Der Neubau in Form eines barocken Wasserschlosses erfolgte nach den Plänen des Ambrosius von Oelde und wurde 1690 fertiggestellt. Die Gesamtanlage mit dem dazugehörigen Gartenareal wurde aber erst 1718 abgeschlossen. Von 1763 bis 1767 datierte die erste Modernisierung des Schlosses unter der Leitung von Johann Conrad Schlaun. Im Zuge der Modernisierung entstanden der gartenseitige Mittelrisalit und die Gartentreppe.
19. Jahrhundert 1803 fielen Herrschaft und Schloss Ahaus durch den Reichsdeputationshauptschluss an die Fürsten zu Salm-Salm und Salm-Kyrburg (Fürstentum Salm). Nach kurzzeitiger Zugehörigkeit zu Frankreich (1810 bis 1813; in dieser Zeit hatte Frankreich das Fürstentum Salm annektiert) kam die Stadt 1815 unter preußische Herrschaft.
1819 errichtete Hermann Oldenkott im Schloss Ahaus eine Tabakfabrik. Im Jahr 1829 erwarb das Unternehmen das Barockschloss vom Fürsten Salm-Kyrburg. Es diente bis 1929 als Produktionsstätte und bis zur völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg der Familie Oldenkott als Wohnstätte. 1949 wurde es durch Kreis und Stadt Ahaus wiederaufgebaut.
Der Stadtbrand vom 13. Oktober 1863 zerstörte die Stadt fast völlig.
Im Jahre 1881 erfolgte die Gründung einer Zündwarenfabrik. Zwei Jahre später wurde die Westfälische Jutespinnerei und -weberei gegründet, in Ahaus allgemein „die Jute“ genannt. Im Jahre 1886 errichtete die Jutefabrik ihre Arbeitersiedlung, die Kolonie und das heutige Stadtgebiet Oldenburg. Es entstand in einem Teil der damaligen Bauerschaft Ammeln. Der Name Oldenburg führt auf die alte Flurbezeichnung die Ollenburg zurück.
20. und 21. Jahrhundert Im Zweiten Weltkrieg wurde Ahaus von zahlreichen Bomberangriffen getroffen.Willi Riegert: Heimat unter Bomben. Der Luftkrieg im Raum Steinfurt und in Münster und Osnabrück 1939–1945. Dokumentation und Chronologie. Laumann-Verlag, Dülmen 2003, passim. Am Karsamstag 1945 (31. März) nahmen Truppen der British Army nach anhaltendem Artilleriebeschuss Ahaus ein.Heinrich Eichhorn: Blätter aus der Chronik des Canisiusstiftes, 1897–1972 In: Maria Aquina Siemensmeyer (Hrsg.): 75 Jahre Canisiusschule in Ahaus. Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel, Ahaus 1972, S. 12–28. Noch am selben Tag wurde im Finanzamt das 906 Detachment Military Government als Militärregierung für Stadt und Kreis Ahaus eingerichtet.Johannes Stinner: Das Kriegsende 1945 im Westmünsterland. In: Westmünsterland. Jahrbuch des Kreises Borken, Jg. 1995, S. 13–23, hier S. 15–16.
Im Jahr 1980 eröffnete im Zentrum von Ahaus der „Treffpunkt Ahaus“. Dieser beherbergte eine Eissporthalle, die vom Eishockeyverein ESC Ahaus als Trainings- und Spielstätte genutzt wurde. In den folgenden Jahren wurde die 1. Mannschaft des Vereins aufgrund ihrer Leistungen überregional bekannt und spielte u. a. in der Eishockey-NRW-Liga, in der Eishockey-Regionalliga West sowie in der Eishockey-Oberliga Nord. 1991 löste sich der ESC Ahaus auf, nachdem der Betrieb der Eissporthalle in Ahaus aus finanziellen Gründen eingestellt werden musste. mini|Zwischenlager Ahaus Überregionale Bekanntheit erlangte die Stadt Ahaus durch den Widerstand der Bürgerinitiative Kein Atommüll in Ahaus e. V. (BI Ahaus) und vieler anderer Gruppierungen gegen den Bau und Betrieb des umstrittenen Zwischenlagers Ahaus und der damit verbundenen Atommülltransporte.welt.de – Proteste gegen Ahaus, abgerufen am 10. April 2015., abgerufen am 10. April 2015. 1999 planten Investoren, in Ahaus ein 800-Megawatt-Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk zu errichteten. Nachdem sich ein Investor 2002 zurückgezogen hatte, wurden die Pläne für den Kraftwerksblock aufgegeben.
Eingemeindungen Im Zuge der kommunalen Neugliederung in NRW wurden das Amt Wüllen (bestehend aus den Gemeinden Wüllen und Ammeln) am 1. Juli 1969 aufgelöst und Wüllen und Ammeln in die Stadt Ahaus eingegliedert.Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Ahaus vom 24. Juni 1969 Am 1. Januar 1975 wurden dann, ausgelöst durch das Münster/Hamm-Gesetz, die Gemeinden Alstätte, Ottenstein und Wessum (Gemeinden des Amtes Wessum) eingegliedert. Die Stadt verlor den Kreissitz an Borken.
Einwohnerentwicklung Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen in Ahaus seit 1939: Stand ab 1996 jeweils zum 31. Dezember eines Jahres, abgerufen am 8. August 2020.
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Ahaus von 1939 bis 2017
Jahr Einwohner 1939 16.624 1950 19.637 1961 21.879 1970 25.822 1987 29.850 Jahr Einwohner 1996 35.510 2000 37.279 2005 38.402 2010 38.952 2011 38.443 Jahr Einwohner 2013 38.753 2016 39.314 2017 39.185 2018 39.222 2022 40.245
Der Rückgang der Einwohnerzahlen im Jahr 2011 liegt an der Neufestlegung der Einwohnerzahl von Ahaus aufgrund der EU-weiten Volkszählung Zensus2011, einem Verfahren, bei dem ermittelt wurde, wie viele Menschen in einer Stadt oder Gemeinde leben. Zensusstichtag war der 9. Mai 2011. Religion
Die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt mit dem hohen Glockenturm ist das beherrschende Gebäude auf dem Marktplatz in Ahaus, welcher in der Innenstadt liegt. Bereits in der Frühzeit der Ahauser Geschichte stand an dieser Stelle eine Kirche. Im Jahre 1965 wurde das alte Kirchenschiff bis auf den spätgotischen Turm abgerissen und an seiner Stelle die neue Kirche nach einem Entwurf des Architekten Erwin Schiffer, Köln, errichtet. Beherrscht wird die Ansicht des Kirchenbaus durch rasterartige Betonelemente mit bunter Verglasung (Entwurf Georg Meistermann). Robert Gernhardt schrieb über den Neubau das Gedicht St. Horten in Ahaus, das sich auf eine oberflächliche Ähnlichkeit der Architektur der Kirche mit den Rasterfassaden der zeitgenössischen Neubauten des Warenhaus-Unternehmens Horten AG bezieht.
Die Christuskirche an der Wüllener Straße wurde nach einem Entwurf des Berliner Architekten August Orth erbaut und am 17. September 1879 als erste evangelische Kirche in Ahaus eingeweiht. Im März 1945 wurde der Kirchenbau durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt, nach dem Wiederaufbau dann 1954 weitgehend umgestaltet. Unter anderem wurde der Glockenturm erneuert und in den Westgiebel des Kirchenschiffs ein neues Rundfenster eingebaut.
Die katholische Kirche St. Josef wurde 1952 als einschiffiger Ziegelbau mit geradem Chorabschluss errichtet. Im Innern befindet sich der alte Kreuzweg aus Sandstein, der ursprünglich zur alten, abgerissenen Kirche St. Mariä Himmelfahrt gehörte.
Am östlichen Rand des bebauten Areals der Stadt liegt die Ammelner Kapelle. Das kleine Gotteshaus wurde im neugotischen Stil 1881 neu aufgebaut, nachdem es bald nach der Ersterrichtung 1733 niedergebrannt war.
1808 lebten in Ahaus sieben jüdische Familien. Bis 1903 stieg die Zahl der jüdischen Bürger auf 103.Elfi Pracht-Jörns: Ahaus. In: dies.: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster (= Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.2). J.P. Bachem, Köln 2002, ISBN 3-7616-1397-0, S. 59–64 und 123–128, hier S. 59. 1869 baute die jüdische Gemeinde ihre Synagoge.Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster, S. 60. Sie wurde bei den Novemberpogromen 1938 niedergebrannt, die Ruine wurde abgerissen.Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Band 4: Regierungsbezirk Münster, S. 61. Zu den letzten sichtbaren Zeugnissen der jüdischen Gemeinde gehört der erhaltene jüdische Friedhof.Nathanja Hüttenmeister: Jüdischer Friedhof Ahaus. Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Duisburg 2010, ISBN 978-3-9807566-6-2.
Politik Stadtrat mini|Rathaus mit Georgsbrunnen