Strzebielinko (deutsch Fredrichsrode, früher Strzebielinke und Strzebielinken) ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Landgemeinde Gniewino in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Es gehört zum Powiat Wejherowski.
Geographische Lage Das Dorf liegt in der Nähe der früheren Grenze zwischen Hinterpommern und Westpreußen, unweit des Westufers des Zarnowitzer Sees, etwa 29 Kilometer nordöstlich von Lębork, 19 Kilometer nordwestlich von Wejherowo und drei Kilometer nordnordwestlich des Dorfs Kolkowo.
mini|Wohnhaus im Dorf (2024)
Geschichte Die früher Strzebielinke genannte Ortschaft war ehemals ein Gutsbezirk. Im 17. Jahrhundert wird ein Christoph von Krockow (* 31. Juli 1665, †. 5. März 1706), Kammerherr und Königlich preußischer Erbschenk in Hinterpommern, als Erbherr in Strzebielinke bezeichnet.Friedrich von der Goltz: Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz. In zwei Abtheilungen. Schultz & Comp., Strassburg 1885, S. 193 (Google Books). Im Jahr 1773 war hier ein Zweig der Familie Rexin ansässig.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der preussischen Monarchie, Band 2: L–S, Rauh, Berlin 1856, S. 286–287 (Google Books). Um 1783 wird Strzebelinko oder Strzebielinke als adlige Neusaßerei mit fünf Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 218 (Google Books). 1795 war hier die Familie Krockow vertreten.
Am 31. März 1873 wurde der Gutsbezirks Strzebielinke in Fredrichsrode umbenannt,Amtsbezirk Kolkau/Kreis Neustadt in Westpreußen (Territorial.de) nachdem er 1869 zunächst den neuen Namen Friedrichsrode erhalten hatte.
Um 1903 hatte das Gut Fredrichsrode mit einem Holzsägewerk eine Flächengröße von 475 Hektar; Besitzer war ein Major v. Zelewski-Hackelbeck zu Danzig, der das Gut an Ferdinand Marquardt verpachtet hatte.Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch, Niekammer, S. 50–51 (digitale-bibliothek-mv.de)
Als nach dem Ersten Weltkrieg der Versailler Vertrag die Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch das Reichsgebiet vorsah, wurde das Gut Fredrichsrode aus dem Kreis Neustadt in Westpreußen 1919 in den Kreis Lauenburg in Pommern eingegliedert.
Am 1. April 1927 hatte das Gut Fredrichsrode eine Flächengröße von 414 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 128 Einwohner. 1928 Jahr wurde der Gutsbezirk Fredrichsrode in die Landgemeinde Gnewin eingegliedert.
Bis 1945 bildete Fredrichsrode eine Wohnstätte in der Landgemeinde Gnewin im Landkreis Lauenburg in Pommern im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern im Deutschen Reich.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte Anfang März 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde der Kreis Lauenburg von der Sowjetunion zusammen mit ganz Hinterpommern der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Anschließend begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten, von denen die einheimischen Dorfbewohner aus ihren Häusern und Gehöften gedrängt wurden. Der Ortsname Fredrichsrode wurde zu Strzebielinko polonisiert. In der darauf folgenden Zeit wurden die einheimischen Dorfbewohner von der polnischen Administration aus Fredrichsrode vertrieben.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 54 neun Feuerstellen, adlige Besitzung;Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 403, Ziffer 7692 (Google Books). darunter 37 Lutheraner und 17 KatholikenDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 182–183, Ziffer 287 (Google Books). 1852 75 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 608 (Google Books). 1864 115 am 3. Dezember, GutsbezirkPreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, Abschnitt 7. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 26–33, Ziffer 178 ( Google Books). 1867 113 am 3. Dezember, Gutsbezirk 1871 107 am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 84 Evangelische und 13 Katholik Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt, Berlin 1874. Abschnitt VIII. Kreis Neustadt in Westpreußen, S. 392–393, Ziffer 121 (Google Books). 1910 100 am 1. Dezember, Gutsbezirk 1925 128 am 16. Juni, GutsbezirkKurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 398 (Google Books).
Kirche Kirchspiel bis 1945 Die vor 1945 hier lebenden Dorfbewohner gehörten mehrheitlich der evangelischen Konfession an. Die evangelischen Einwohner von Burgsdorf gehörten zum evangelischen Kirchspiel in Gnewin.
Das katholische Kirchspiel war in Wierschutzin.
Polnisches Kirchspiel seit 1945 Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist überwiegend katholisch.
Hier lebende evangelische Polen sind dem weit entfernten Pfarramt der Kreuzkirchengemeinde in Słupsk in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugeordnet, deren nächstgelegene Predigtstätte in Lębork ist.
Literatur Fredrichsrode, Rittergut, Kreis Neustadt Westpr., Regierungsbezirk Danzig, Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Fredrichsrode (meyersgaz.org) Paul Niekammer: Westpreussisches Güter-Adressbuch, Niekammer, Stettin 1903, S. 50–51 (digitale-bibliothek-mv.de)
Weblinks
Amtsbezirk Kolkau/Kreis Neustadt in Westpreußen (territorial.de) Amtsbezirk Kolkau/Kreis Lauenburg in Pommern (territorial.de) (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
Fußnoten
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