Die Uterustorsion () ist eine Verdrehung der Gebärmutter von mehr als 45° um die Längsachse des Uterus. Beim Menschen stellt sie eine seltene Komplikation in der Geburtshilfe dar, die oft erst bei einem Kaiserschnitt erkannt wird. Die Ursache ist meist unklar.L.H. Clemens, Babett Ramsauer, K. Vetter, M Hänel: Uterustorsion in der Schwangerschaft nach einem Reitunfall. In: Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie, 2011, Band 215, Nummer S 01 doi:10.1055/s-0031-1293426.John P O’Grady: Malposition of the Uterus. emedicine.medscape.com

Pathologie Die Torsion findet sich meist am Übergang der Zervix zum Corpus uteri mit Drehung nach rechts in zwei von drei Beobachtungen.S. Singh, S. Tayade, D. Patel: Torsion in Uterus: An Obstetrical and Gynaecological Emergency. In: Cureus, Februar 2024, Band 16, Nummer 2, S. e54839; doi:10.7759/cureus.54839, PMID 38533137, (Review).

Vorkommen und Ursache Eine Uterustorsion wird in der Humanmedizin nur selten publiziert. Sehr viel häufiger sind Berichte aus der Tiermedizin.

Meist tritt eine Verdrehung in der Schwangerschaft, typischerweise im letzten Schwangerschaftsdrittel auf mit erheblichen Auswirkungen auf Mutter und das Ungeborene.

Eine Torsion kommt aber auch außerhalb beispielsweise bei großem Uterusmyom (Leiomyom) vor.J. Qin, I. Wijangco, M. Rashad, M. Sugi, S. Young: A Case Report of Uterine Torsion in a Postmenopausal Female with a Large Leiomyoma. In: Journal of radiology case reports, 2024, Band 18, Nummer 1, S. 1–7; doi:10.3941/jrcr.v18i1.5035, PMID 38910588, .G. Barnabas, S. Mathew, M. Shamassi, M. Rafique: Non-gravid uterine torsion associated with small bowel obstruction. In: Journal of surgical case reports, Februar 2024, Band 2024, Nummer 2, S. rjae045; doi:10.1093/jscr/rjae045, PMID 38370590, .

Bei einer Uterustorsion liegen häufig weitere Besonderheiten vor wie abnormale Kindslage, Myome und Fehlbildungen des Uterus beispielsweise des Müller-Ganges oder der Beckenanatomie, Verwachsungen im Becken, große Ovarialtumoren, Versuch einer Äußeren Wendung, Scherkräfte bei Verkehrsunfall, Hydramnion, Mehrfachschwangerschaft, Extrauteringravidität im Mündungsbereich des Eileiters. Abnormal vermehrte Aktivität des Föten, abnormal lange oder unelastische Zervix, Schwäche am Übergang Corpus uteri und Zervix sowie idiopathische Faktoren werden diskutiert.J. G. Jensen: Uterine torsion in pregnancy. In: Acta obstetricia et gynecologica Scandinavica, Mai 1992, Band 71, Nummer 4, S. 260–265; doi:10.3109/00016349209021049, PMID 1322618 (Review).

Klinische Erscheinungen

In der Schwangerschaft Klinische Kriterien sind: plötzlich einsetzende abdominale Schmerzen, Peritonitis mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, geblähtes Abdomen Probleme beim Wasserlassen mit imperativem Harndrang, Nykturie, Oligurie, Hämaturie Vaginale Blutung, heftige Wehen, vorzeitiger Blasensprung Seltener kann es zum mütterlichen Kreislaufkollaps oder Vorzeitiger Plazentalösung kommen.

Bei einsetzender Wehentätigkeit fällt eine Uterustorsion sehr rasch durch Geburtsstillstand und akute mütterliche oder fötale Stressreaktionen auf, die zu einer Notfalloperation führen.

Bei Nichtschwangeren Außerhalb einer Schwangerschaft ist eine Uterustorsion selten, die Klinik ist oft unspezifisch. Symptome wie Abdominalschmerz, Vaginalblutung oder ähnlich treten auf, sobald der Blutfluss durch die Verdrehung unterbrochen wird.

Diagnose Bei Schwangeren stellt eine Uterustorsion einen Notfall dar.V. Gaikwad, S. Aramandla, S. Gaikwad: A Case Report of Uterine Torsion: An Obstetric Emergency During Pregnancy. In: Cureus, Januar 2024, Band 16, Nummer 1, S. e52538; doi:10.7759/cureus.52538, PMID 38371075, .

Uterustorsion bei Tieren Uterustorsionen kommen bei Tieren deutlich häufiger als beim Menschen vor, am häufigsten beim Hausrind und hier zumeist in der Eröffnungsphase der Geburt. Bei 0,5 bis 1 % der Rindergeburten kommt es zu einer Gebärmutterverdrehung. Begünstigend wirkt die starke Asymmetrie der Gebärmutter bei der Trächtigkeit, da im Normalfall nur ein Kalb in einem der beiden Gebärmutterhörner lokalisiert ist.Johannes Richter: Tiergeburtshilfe. Georg Thieme Verlag, 1993, ISBN 3-489-53416-6, S. 232.D. Klaus-Halla, B. Mair, C. Sauter-Louis, H. Zerbe: Torsio uteri beim Rind: Therapie sowie Verletzungsrisiko für die Kuh und Prognosestellung für das Kalb. In: Tierärztliche Praxis. Ausgabe G, Grosstiere/Nutztiere, Juni 2018, Band 46, Nummer 3, S. 143–149; doi:10.15653/TPG-170680, PMID 29902813. Bei Stuten ist eine Verdrehung viel seltener, da die Eierstöcke mit Bändern stärker fixiert sind und das kräftige Ligamentum ovarii proprium die Uterushörner stabilisiert. Auslöser sind vermutlich Fruchtbewegungen. Bei der Stute treten Uterustorsionen auch häufiger im 8. bis 10. Monat der Trächtigkeit auf.Johannes Richter: Tiergeburtshilfe. Georg Thieme Verlag, 1993, ISBN 3-489-53416-6, S. 239.Masaru Satoh, Tohru Higuchi, Satoshi Inoue, Tadahiro Gotoh, Harutaka Murase, Yasuo Nambo: Factors affecting the prognosis for uterine torsion: the effect of treatment based on measurements of serum progesterone and estradiol concentrations after surgery. In: Journal of Equine Science, 2017, Band 28, Nummer 4, S. 163–167; doi:10.1294/jes.28.163. Bei Rindern und Stuten kann versucht werden, die Torsion mit einer durch die Scheide eingeführte Torsionsgabel nach Caemmerer zurückzudrehen. Dies ist in 70 % der Fälle möglich. Eine weitere konservative Behandlungsform ist das Wälzen mit einer Erfolgsrate von 95 %.Johannes Richter: Tiergeburtshilfe. Georg Thieme Verlag, 1993, ISBN 3-489-53416-6, S. 237. Erst bei Nichterfolg wird eine operative Korrektur notwendig. Gelegentlich kommt eine Uterustorsin auch bei HundenErnst-Günther Grünbaum: Klinik der Hundekrankheiten. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-8304-1021-8, S. 753. und KatzenS. Kimura, W. Huang, E. V. Williams, K. C. Cosford: Recognizing uterine torsion as a differential diagnosis in pregnant cats with severe anemia to provide appropriate and timely care in the absence of a definitive presurgical diagnosis. In: The Canadian veterinary journal = La revue veterinaire canadienne, Mai 2024, Band 65, Nummer 5, S. 457–461; PMID 38694738, . oder MeerschweinchenKarl Gabrisch: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche, 2010, ISBN 978-3-8426-8024-1, S. 76. vor.

Literatur S. Liu, L. Zhou, B. Song, D. Liu, C. Zheng, X. Wu, Z. Wei, X. Chen: Uterine torsion complicated by severe placental abruption in the second trimester: a case report and literature review. In: BMC pregnancy and childbirth, Januar 2023, Band 23, Nummer 1, S. 51; doi:10.1186/s12884-023-05377-z, PMID 36681791, (Review). F. L. Yin, H. X. Huang, M. Zhang, X. K. Xia, H. Xu, T. Liu, D. Liu, H. G. He: Clinical analysis of uterine torsion and fibroids in full-term pregnancy: A case report and review of the literature. In: The Journal of international medical research, Juni 2020, Band 48, Nummer 6, S. 300060520920404; doi:10.1177/0300060520920404, PMID 32485116, (Review). R. Sparić, M. Pervulov, A. Stefanović, J. Tadić, M. Gojnić, S. Milićević, M. Berisavac: Torkvacija Uterusa U Terminskoj Trudnoći [Uterine torsion in term pregnancy]. In: Srpski arhiv za celokupno lekarstvo, 2007, Band 135, Nummer 9–10, S. 572–575; doi:10.2298/sarh0710572s, PMID 18088045.

Einzelnachweise

Kategorie:Erkrankung der Gebärmutter Kategorie:Krankheitsbild in der Notfallmedizin