Andalusisch ist ein Dialekt des Spanischen. Er wird in den Regionen Andalusien, Murcia in Südspanien und im Süden der Extremadura mit einigen Unterschieden zwischen den verschiedenen Provinzen und Städten gesprochen. mini|Die Dialekte in Spanien Als Beispiel für die Verwendung des Andalusischen als stilistisch unverzichtbarem Merkmal gelten die Gesangstexte des FlamencoBiblioteca Nacional de España Demófilo: Colección de cantes flamencos. Ausgabe von 1881 (spanisch), Link zum Digitalisat der BNE, abgerufen am 6. August 2020, an denen sich zudem die Problematik einer adäquaten andalusischen Orthographie darstellen lässt, die sich aus der Verschriftlichung einer oralen Praxis ergibt.
Allgemeine Merkmale des Andalusischen alternativtext=Die Karte zeigt die Aussprache von <j> im europäischen Spanisch laut dem 'Atlas lingüístico de la península Ibèrica' (Wörter 'abeja', 'aguja', 'caja')|mini|Aussprache von <j> im europäischen Spanisch alternativtext=Die Karte zeigt die Ausdehnung der Aspiration von /s/ am Auslaut laut dem 'Atlas lingüístico de la península Ibérica' (Wörter 'desbocado', 'castillo', 'desnudo', 'avispa').|mini|Aspiration von /s/ am Auslaut im europäischen Spanisch alternativtext=Die Karte zeigt die Aussprache von /r/ am Ende des Wortes im europäischen Spanisch: Elision, keine Elision oder Aussprache [l]. Laut dem 'Atlas lingüístico de la península Ibérica': Wörter 'andar', 'ayer', 'caer'.|mini|Aussprache von /r/ am Ende des Wortes im europäischen Spanisch alternativtext=Die Karte zeigt die Aussprache von <z> am Ende des Wortes im europäischen Spanish laut dem 'Atlas lingüístico de la península Ibérica' (Wörter 'coz', 'cruz', 'diez')|mini|Aussprache von <z> am Ende des Wortes im europäischen Spanish alternativtext=Die Karte zeigt die Ausdehnung des 'yeísmo' (<ll> als [ʝ] ausgesprochen) im europäischen Spanish laut dem 'Atlas lingüístico de la península Ibérica': Wörter 'caballo', 'castillo', 'ayer', 'ayunar'.|mini|Ausdehnung des 'yeísmo' (<ll> als [ʝ] ausgesprochen) im europäischen Spanisch Folgende Merkmale charakterisieren das Andalusische: Aspiration des implosiven /s/: „s“ wird oft wie ein deutsches „h“ ausgesprochen: Man sagt „ehtá“ (mit einem langen „a“ am Ende) anstelle von „estar“, „ahta“ anstelle von „hasta“, „lihto“ anstelle von „listo“, „loh libroh“ anstelle von „los libros“ etc. Diese Aussprache findet man auch in Lateinamerika häufig vor. Verstummen des „d“ in den Endungen „ado/ada“: „hablao“ anstelle von „hablado“, „enfadao“ anstelle von „enfadado“, in der femininen Form: „enfadá“, mit einem langen „a“ am Ende etc. Auch diese Aussprache ist in vielen Regionen Lateinamerikas häufig, bspw. in der Dominikanischen Republik. Speziell in Andalusien wird das „d“ an anderen Stellen eines Wortes getilgt, sei es am Wortanfang wie in „ëhnatao“ anstelle von „desnatado“ und „esí“ anstelle von „decir“, sei es mitten im Wort wie in „vía“ anstelle von „vida“ oder sei es am Wortende wie in „universiá“ anstelle von „universidad“. Verstummte Konsonanten: Im Andalusischen werden die Konsonanten am Wortende in der Regel getilgt. Ausnahmen dafür sind der nasale Konsonant „n“, der frikative Konsonant „h“, und der vibrante Konsonant „r“, dieser aber nicht immer. Man sagt „comprá“ (mit einem langen „a“ am Ende) anstelle von „comprar“, „feardá“ (langes „a“) anstelle von „fealdad“, Manué (mit einem langen offenen „e“ am Ende) anstelle von Manuel usw. In der Regel wird der nasale Konsonant „n“ am Wortende nicht getilgt. Man sagt „compraron“, „comen“, „calientan“ genauso wie im Hochspanischen. Allerdings gibt es ein paar Ausnahmen, wie zum Beispiel die Endungen „-ión“, „-ón“ und manchmal auch „-en“ (nicht verbal). Man hört „campeó“ (mit einem langen offenen „o“ am Ende) anstelle von „campeón“, „mu bié“ (mit einem langen offenen „e“ am Ende) anstelle von „muy bien“, „cöhtitusió“ (beide „o“ sind hier offen, das erste unbetont und das zweite betont) anstelle von „constitución“ usw. Ganz selten wird der vibrante Konsonant „r“ durch ein „n“ am Ende eines Wortes ersetzt, zwei Beispiele dafür sind „muhén“ (offenes „e“) anstelle von „mujer“ und „mehón“ (offenes „o“) anstelle von „mejor“. Ein im Hochspanischen inexistentes „n“ wird im Andalusischen am Ende eines Wortes angefügt, wenn das Wort auf ein kurzes geschlossenes „i“ endet. Man sagt „marroquín“ anstelle von „marroquí“, „asín“ anstelle von „así“, „mayorquín“ anstelle von „mayorquí“. Dieses „n“ bleibt in der Regel in der Pluralbildung des Wortes erhalten: „marroquinëh“, „mayorquinëh“ (beide „e“ sind hier offen). „S“, „Z“ und „X“: Am Ende eines Wortes oder zwischen einem Vokal und einem Konsonanten: Die hochspanischen Konsonanten „s“, „z“ und „x“ werden im Andalusischen zwischen einem Vokal und einem Konsonanten und ebenso am Wortende durch ein „h“ (wie auf Deutsch ausgesprochen) ersetzt. Man sagt „löh ombrëh“ („ö“ und „ë“ sind offene nicht-betonte Vokale) anstelle von „los hombres“, „ëhtoy“ (offenes „e“) anstelle von „estoy“ usw. Am Wortanfang: In diesem Fall werden die hochspanischen Konsonanten „s“, „z“ und „x“ entweder durch ein „s“ oder ein „z“ ersetzt. Man sagt „silófono“ oder „zilófono“ anstelle von „xilófono“, „senofobia“ oder „zenofobia“ anstelle von „xenofobia“, „susio“ oder „zuzio“ anstelle von „sucio“ usw. Zwischen Vokalen: In diesem Fall werden die hochspanischen Konsonanten „s“ und „z“ entweder durch ein „s“ oder ein „z“ ersetzt. Man sagt „asao“ oder „azao“ anstelle von „asado“, „enseño“ oder „enzeño“ anstelle von „enseño“, „casa“ oder „caza“ anstelle von „casa“ und „casa“ oder „caza“ anstelle von „caza“, „asù“ oder „azù“ anstelle von „azul“ usw. Das „x“ wird dagegen durch eine Reduplikation von „s“ oder „z“ ersetzt. Man sagt „tassi“ oder „tazzi“ anstelle von „taxi“, „assioma“ oder „azzioma“ anstelle von „axioma“ usw. Kürzungen bei Wortübergängen: „p' arriba“ anstelle von „para arriba“, „p' abaho“ anstelle von „para abajo“ etc. Auch häufig in Lateinamerika, bspw. in Kolumbien. Seseo: Allgemein sprechen Andalusier die Konsonanten s und z gleich als scharfes s aus, wogegen z im Hochspanischen interdental wie das scharfe englische th gesprochen wird. Damit gibt es für die andalusische Aussprache z. B. keinen Unterschied zwischen dem Wort casa („Haus“) und caza („Jagd“). Ausnahme des Seseo sind die Regionen Andalusiens, in denen Ceceo vorherrscht. Seseo wird nicht nur in Andalusien angewendet, sondern auch in Lateinamerika und den Kanarischen Inseln. Ceceo: In einigen Regionen Andalusiens, insbesondere in Südandalusien, wird der Konsonant s als interdentales z wie das scharfe englische th gesprochen. Damit erhält der Dialekt einen stark gelispelten Charakter. Besonders in Málaga und Cádiz (im Besonderen im Hinterland) wird aus „que pasa“ dann „que paza“, oder aus „Sevilla“ eben „Cevilla“ etc. mini|Elision von /l/ am Wortende im europäischen SpanischKorrekte Verwendung der Akkusativform der Personalpronomen in der dritten Person: Genau wie in Amerika und im Gegensatz zu Nordspanien werden im Andalusischen die Personalpronomen der dritten Person im Akkusativ korrekt verwendet, das heißt, es gibt eine Abwesenheit von „leísmo“, „laísmo“ und „loísmo“, die Merkmale der hochspanischen Sprache sind. (Im Hochspanischen wird aber nur „leísmo“ als richtig betrachtet, und nur wenn das Pronomen eine männliche Person im Singular ersetzt. „loísmo“ und „laísmo“ werden im Hochspanischen immer als unrichtig betrachtet.) mini|'Seseo' und 'ceceo' im europäischen SpanischVerwendung von „ustedes“ anstatt des hochspanischen „vosotros“: Andalusier verwenden das Pronomen ustedes (deutsch „Sie“, im Plural) für das Pronomen vosotros (deutsch „ihr“). Der Unterschied zwischen einem Ausdruck wie „Sie kaufen“ (hochspanisch ustedes compran, andalusisch ühtedëh compran) und „ihr kauft“ (hochspanisch vosotros compráis, andalusisch ühtedëh compráïh) wird im Andalusischen nur im Verb realisiert. Ustedes als Ersatz für vosotros wird nicht nur in Andalusien verwendet, sondern auch in Lateinamerika und auf den Kanarischen Inseln; in diesen Regionen kongruiert das Verb immer mit dem Subjekt, das heißt, es wird in Amerika und auf den Kanarischen Inseln „ustedes compran“ gesagt anstelle von „vosotros compráis“, und nicht wie in Andalusien „ühtedëh compráïh“ (ustedes compráis*). Feminisierung von maskulinen Wörtern: In vielen Regionen wird beispielsweise „la calò“ (mit einem offenen langen „o“) anstelle von „el calor“ verwendet. Umdrehung von bestimmten Wortgruppen: Die Glieder bestimmter Wortgruppen werden im Andalusischen umgedreht, wenn die Wortgruppe aus zwei Gliedern besteht. Man sagt „máh nunca“ anstelle von „nunca más“, „máh nadie“ anstelle von „nadie más“, „máh ná“ anstelle von „nada más“, „me se“ anstelle von „se me“, „te se“ anstelle von „se te“ usw.
Andalusische Laute
Andalusische Vokale
Das Andalusische verfügt, anders als das Hochspanische, über zehn Vokale. Wie das Hochspanische verfügt das Andalusische über die Vokale a, e, i, o und u, für das Andalusische bilden diese fünf Vokale die Gruppe der geschlossenen Vokale. Es gibt im Andalusischen aber eine zweite Gruppe von Vokalen, die Gruppe der offenen Vokale. Diese offenen Vokale sind: ɐ, ɛ, ɪ, ɔ und υ, weil diese phonetischen Zeichen in der normalen geschriebenen Sprache nicht leicht zu schreiben sind, werden diese wie folgend repräsentiert: ä, ë, ï, ö und ü, wenn sie unbetont sind. Sollten diese aber betont sein, dann werden diese häufig, nach den spanischen Regeln der Betonung, wie folgend repräsentiert: à, è, ì, ò und ù. Auf Grund der Abwesenheit von festen orthographischen Regeln gibt es verschiedene Repräsentationen dieser Vokale.
Aussprache der andalusischen Vokale + Geschlossene VokaleVokalIm Vergleich zum Deutschen a Wie das deutsche „a“ in Mappe. e Wie das deutsche„e“ in beten. i Wie das deutsche „i“ von Mikrobe. o Wie das deutsche „o“ in olivgrün. u Wie das deutsche „u“ von Stupide. + Offene VokaleVokalIm Vergleich zum Deutschen ä (ɐ) Ähnlich wie das deutsche „er“ in Mutter, aber härter. ë (ɛ) Wie das deutsche „ä“ in Äpfel. ï (ɪ) Wie das deutsche „i“ in Mitte. ö (ɔ) Wie das deutsche „o“ in offen. ü (υ) Wie das deutsche „u“ von Mutter.
Dies bedeutet aber nicht, dass alle andalusisch Sprechenden alle diese zehn Vokale verwenden. Im Ostandalusischen werden in der Regel alle Vokale des Andalusischen verwendet, während im Westandalusischen nicht alle vorkommen. Zusätzlich wird in bestimmten Regionen Andalusiens der Vokal ë (ɛ) zum ä (ɐ), und der Vokal ä (ɐ) zum ë (ɛ).
Die offenen Vokale des Andalusischen sind das Resultat des „Verschluckens“ der nachfolgenden Konsonanten und der „Aspiration“ der Konsonanten „s“, „z“ und „x“.
Andalusische Konsonanten
Aussprache der andalusischen Konsonanten
B, b (/b/, /ß/, /v/): Dieser Laut wird in der Regel wie im Hochspanischen ausgesprochen, der einzige Unterschied liegt darin, dass er im Andalusischen über drei verschiedene Allophone verfügt, und zwar: /b/, /ß/ und /v/. Das Hochspanische verfügt nur über zwei Allophone, und zwar /b/ und /ß/. Der Laut /b/ wird im Andalusischen nicht getilgt. Beispiele: Andalusisch: un barco, ëhte barco, ëhtöh barcöh – [um barko], [ɛhte ßarko], [ɛhtɔh varkɔh] Hochspanisch: un barco, este barco, estos barcos – [um barko], [este ßarko], [estoz barkos] C, c (/k/): Dieser Laut wird in der Regel wie im Hochspanischen ausgesprochen und wird in der Regel nicht getilgt. Bei den vielen Versuchen, dem andalusischen Dialekt eine feste orthographische Norm zu geben, hat man häufig den Buchstaben „c“ für den Laut /k/, mit dem Buchstaben „k“ ersetzt, und selten mit dem Buchstaben „q“. Der Grund dafür sollte sein, dass der Buchstabe „c“ im Hochspanischen nicht nur als /k/ sondern auch als /θ/ ausgesprochen wird, was für das Andalusische nicht besonders geeignet ist.