mini|Glehnia littoralis subsp. leiocarpa mini|Blütenstand mini|Fruchtstand Glehnia ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie umfasst eine oder zwei Arten. Darunter ist Glehnia littoralis, auch bekannt als „Beach oder American silvertop“. Das mehrjährige Kraut wächst vor allem an Sandstränden und auf Dünen in Ostasien und im Westen Nordamerikas. Die Gattung wurde nach dem deutschbaltischen Botaniker Peter von Glehn (1835–1876) benannt.

Taxonomie und Systematik Glehnia gehört zur Familie der Apiaceae. Die Art Glehnia littoralis wurde 1860 von James Graham Cooper in Reports of explorations and surveys, to ascertain the most practicable and economical route for a railroad from the Mississippi River to the Pacific Ocean Band 12 Teil 2,2 Seite 62–63 als Cymopteris littoralis erstbeschrieben. Die Art wurde 1867 von Friedrich Anton Wilhelm Miquel in Annales Musei Botanici Lugduno-Batavi Bnd 3 Seite 61 als Glehnia littoralis in die Gattung Glehnia gestellt. Miquel hatte den Namen von dem russisch-baltischen Geologen und Botaniker Friedrich Schmidt übernommen.

Man kann in der Gattung Glehnia zwei Arten unterscheiden, die aber auch als Unterart einer Art angesehen werden können: Glehnia littoralis : Sie kommt in Ostasien vor. Glehnia leiocarpa (Syn.: Glehnia littoralis subsp. leiocarpa ): Sie kommt in Alaska, British Columbia, Washington, Oregon und Kalifornien vor.

Beschreibung Glehnia littoralis ist eine ausdauernde, behaarte Staude mit oder ohne Stängel. Das ist Laub ist welkend aber beständig.Reports of explorations and surveys. Volume XII, Book II, Part II, No. 3, Ford, 1860, S. 62 f, online auf biodiversitylibrary.org. Die asiatische Subspezies erreicht eine Höhe von bis über 70 cm, während die nordamerikanische Unterart nur etwa 6,5 cm groß wird. Die Pfahlwurzel ist länglich, zylindrisch oder birnenförmig, 20–70 cm lang und gelblich weiß.

Die gestielten, grund- und stängelstständigen Laubblätter mit Blattscheide sind ein- oder zweifach dreizählig oder -schnittig. Die bis 15 cm langen Blattstiele sind behaart. Die unterseits behaarten, meist stumpfen bis abgerundeten, gesägten Blättchen oder Segmente sind verkehrt-eiförmig bis eiförmig und oft dreischnittig bis -lappig. Die ledrigen Blattspreiten sind 5–15 cm lang, die oft knorpelrandigen Blättchen oder Segmente sind bis 6 cm lang.

Die vielblütigen, end- oder achselständigen, kleinen und behaarten Doppeldolden, oft ohne Hüllblätter, sind 3–6 cm breit, ihre Stiele sind 2–6 cm lang; die Hüllchenblätter der dickstieligen Döldchen sind linealisch bis lanzettlich. Die kleinen, zwittrigen, fünfzähligen und weißen Blüten sind kurzgestielt mit einem kleinen Kelch. Das Sylopodium ist fleischig und die Griffel relativ kurz. Die Staubblätter sind vorstehend.

Die geflügelten, hellbeigen Früchte der Spaltfrüchte messen 6–13 × 6–10 mm und besitzen Öldrüsen. Es ist ein schlankes Karpophor vorhanden.

Verteilung und Ökologie Die Gattung Glehnia ist zum einen im östlichen Ostasien, insbesondere in Ostchina, Japan, Korea, Vietnam und im äußersten Osten Russlands heimisch, zum anderen im westlichen Nordamerika von Alaska bis zum nördlichen Kalifornien. Man findet sie an Sandstränden und auf Dünen, entsprechend bis ca. 100 m über dem Meeresspiegel. Blüte und Fruchtbildung finden zwischen Juni und August statt.

Pharmakologie In den ostasiatischen Ländern ist die Verwendung von Glehnia littoralis in der traditionellen Medizin seit Tausenden von Jahren bekannt. In der traditionellen chinesischen Medizin wird es zur Behandlung von Müdigkeit, Schwäche, „Magen-Yin-Mangel“, „Lungenhitze“, Husten, „trockener Kehle“ und „Durstgefühl“ eingesetzt.Tang et al.: Glehnia littoralis In: Gerhard Handbook of Chinese Medicinal Plants: Chemistry, Pharmacology, Toxicology. Wiley-VCH 2011, Vol. 1, ISBN 978-3-527-32226-8, S. 599–600.

Moderne phytochemische Untersuchungen konnten über 186 Inhaltsstoffe identifizieren.Shiyang Li et al.: Glehnia littoralis Fr. Schmidtex Miq.: A systematic review on ethnopharmacology, chemical composition, pharmacology and quality control. In: J. Ethnopharmacol. 317, 2023, doi:10.1016/j.jep.2023.116831. Die wichtigsten enthaltenen Wirkstoffe sind Phenylpropanoide, Cumarine, Lignanoside und Flavonoide, organische Säuren und Derivate, Terpenoide, Polyacetylene, und Steroide. Analysen bestätigten, dass die Extrakte von G. littoralis immunregulatorische, antitumorale, entzündungshemmende, hepatoprotektive, antioxidative, neuroprotektive, antibakterielle, antimykotische und analgetische Eigenschaften besitzen. Mögliche Wirkungsmechanismen von identifizierten Inhaltsstoffen wie Naphthisoxazole A, Falcarinol und Panaxydiol sind zu klären, bevor klinische Studien durchgeführt werden können.Min Yang et al.: Ethnopharmacology, Phytochemistry, and Pharmacology of the Genus Glehnia: A Systematic Review. In: Evid. Based Complement. Alternat. Med. 2019, doi:10.1155/2019/1253493.G. Q. Li et al.: A new isoxazol from Glehnia littoralis. In: Fitoterapia. Volume 79, Issue 3, 2008, S. 238–239, doi:10.1016/j.fitote.2008.01.002. In Tiermodellen fanden sich Hinweise auf mögliche neuroprotektive Therapieansätze für dementielle Erkrankungen,Rengasamy Balakrishnan et al.: Standardized extract of Glehnia Littoralis abrogates memory impairment and neuroinflammation by regulation of CREB/BDNF and NF-κB/MAPK signaling in scopolamine-induced amnesic mice model. In: Biomedicine & Pharmacotherapy. 165, 2023, doi:10.1016/j.biopha.2023.115106. und antiproliferative Wirkungen mit Einfluss auf Tumorentwicklung und Metastasierung.Wenhui Liu et al.: An antitumor arabinan from Glehnia littoralis activates immunity and inhibits angiogenesis. In: International Journal of Biological Macromolecules. Volume 263, Part 2, 2024, doi:10.1016/j.ijbiomac.2024.130242.

Literatur H. Baillon: The Natural History of Plants. Vol. VII, Reeve, 1881, S. 215, online auf biodiversitylibrary.org. Zhenghao Xu, Le Chang: Identification and Control of Common Weeds. Volume 3, Springer, 2017, ISBN 978-981-10-5402-0, S. 42 f. Chunxia Zhou et al.: Sporogenesis, gametophyte development and embryogenesis in Glehnia littoralis. In: BMC Plant Biology. 23, 2023, doi:10.1186/s12870-023-04105-1.

Weblinks

USDA Plants Profile Glehnia littoralis in der Flora of China, Vol. 14. Bilder bei Calflora.

Einzelnachweise Lotte Burkhardt 2022: Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen – Berlin: Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin. – https://doi.org/10.3372/epolist2022, Berlin 2022.

Kategorie:Doldenblütler Kategorie:Apiaceae Kategorie:Heilpflanze