mini|hochkant|Der Berlinale Palast während der Berlinale 2017 Die Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz Berlinale, sind ein jährlich in Berlin stattfindendes Filmfestival. Es zählt neben denen von Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals.Calendar of FIAPF Accredited Festivals. FIAPF; abgerufen am 16. Mai 2017. Träger der Filmfestspiele sind seit 2002 die Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH mit der Bundesrepublik Deutschland als alleinigem Gesellschafter. Sie erhalten eine institutionelle Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der Berlinale ist.Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, abgerufen am 10. Februar 2024.Die KBB bei Northdata, abgerufen am 10. Februar 2024

Überblick mini|hochkant|Tricia Tuttle, neue Intendantin der Berlinale ab 2024

Die im Wettbewerb erfolgreichen Filme werden von einer internationalen Jury mit dem Goldenen und den Silbernen Bären ausgezeichnet. Mehr als 400 Filme werden in verschiedenen Sektionen präsentiert. Mit mehr als 325.000 verkauften Eintrittskarten und etwa 490.000 Kinobesuchern insgesamt (inklusive akkreditierter Fachbesucher) ist die Berlinale das größte Publikumsfestival der Welt. Rund 16.000 Fachbesucher aus 130 Ländern nehmen an dem Festival teil. Etwa 3.700 Journalisten aus mehr als 80 Ländern berichten über die Zeit der Festspiele.Berlinale 2014 – Zahlen und Fakten, 5. Mai 2014.

Während der Berlinale findet zeitgleich der European Film Market (EFM) statt. Der EFM gehört zu den international wichtigsten Treffen der Filmindustrie und hat sich zu einem bedeutenden Marktplatz für Produzenten, Verleiher, Filmeinkäufer und Koproduktions­agenten etabliert.Berlin Film Festival a market force. Bei: Variety, 13. Februar 2008.

Festivaldirektor war von 2001 bis 2019 Dieter Kosslick. Das Festival wurde bis zur 74. Berlinale (2024) von einer Doppelspitze geleitet, der Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und dem Künstlerischen Leiter Carlo Chatrian. Im April 2024 übernahm Tricia Tuttle die Leitung. Unter ihrer Leitung fanden die 75. Ausgabe des Festivals im Jahr 2025 und die Festivalausgabe 2026 statt.

Geschichte 1951 wurde die Berlinale (die Kurzbezeichnung ist mindestens seit 1953 gebräuchlich) in West-Berlin ins Leben gerufen. Ihre Planung war Anfang November 1950 publik geworden. Kurz darauf wurde als Termin der 7. bis 16. Juni 1951 offiziell bekanntgegeben. Die Festspiele – die bis 1978 im Sommer stattfanden – gehen auf eine Initiative von Oscar Martay zurück. Martay war Film Officer der Militärregierung der Vereinigten Staaten und beaufsichtigte und förderte in dieser Funktion die West-Berliner Filmindustrie, unter anderem mit mehreren Darlehen der amerikanischen Militärregierung, womit die Finanzierung der Filmfestspiele in den ersten Jahren sichergestellt wurde. Unter dem Motto „Schaufenster der freien Welt“ eröffnete die erste Berlinale am 6. Juni 1951 mit Alfred Hitchcocks Rebecca im Titania-Palast. Zum ersten Festspielleiter wurde der Filmhistoriker Alfred Bauer berufen, der nach dem Krieg die britische Militärregierung in Filmangelegenheiten beraten hatte. Im Ostteil der Stadt gab es als Reaktion auf die Berlinale das Festival des volksdemokratischen Films, auf dem hauptsächlich Filme aus dem damaligen Ostblock gezeigt wurden. Dieses Filmfest fand ebenfalls erstmals 1951, eine Woche nach dem Ende der Berlinale statt.

Seit der ersten Berlinale wird der – nach einer Vorlage der Bildhauerin Renée Sintenis gestaltete – Goldene Berliner Bär verliehen. Die Preisträger wurden in den ersten Jahren teilweise durch Publikumswahl bestimmt. Nachdem die FIAPF (Fédération Internationale des Associations de Producteurs de Films) die Berlinale offiziell mit den Festivals in Cannes, Venedig und Locarno gleichgestellt hatte, änderte sich dies entsprechend den FIAPF-Richtlinien: Die Berlinale wurde zu einem A-Festival und berief 1956 erstmals eine internationale Jury ein, die den „Goldenen“ und die „Silbernen Bären“ vergab. Die frühe Berlinale war vor allem ein Publikums- und Glamour-Festival, auf dem sich zahlreiche Filmstars präsentierten (etwa Gary Cooper, Sophia Loren, Jean Marais, Richard Widmark, Jean Gabin, Michèle Morgan, Henry Fonda, Errol Flynn, Giulietta Masina, David Niven, Cary Grant, Jean-Paul Belmondo und Rita Hayworth).

Die Ausrichtung des Festivals änderte sich ab Ende der 1960er Jahre auch aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Polarisierung. So kam es etwa auf der Berlinale 1970 durch den Vietnamkriegs-Film o.k. von Michael Verhoeven zu heftigem Streit, sodass die Jury zurücktrat und das Wettbewerbsprogramm abgebrochen wurde. Auf der Berlinale 1971 wurde daraufhin neben dem traditionellen Wettbewerb mit dem „Internationalen Forum des jungen Films“ eine ehemalige Gegenveranstaltung in das Festival integriert, das junge und progressive Filme vorstellen sollte. Durch die Veränderungen Infolge der Ostpolitik Willy Brandts, die mit einer kulturellen Öffnung der Ostblockstaaten einherging, kamen 1974 mit Mit dir und ohne dich von Rodion Nachapetow und 1975 mit Jakob der Lügner zum ersten Mal ein sowjetischer und ein DDR-Film ins Programm.

mini|links|Das Cubix-Kino am Alexanderplatz, Februar 2008 1976 wurde der bisherige Festivalleiter Alfred Bauer durch den Filmpublizisten Wolf Donner abgelöst. Dieser führte zahlreiche Änderungen und Modernisierungen des Festivals ein, etwa die Verlegung vom Sommer in den Februar. Einer der Gründe für diese Änderung war damals der Termin der Filmmesse (heute: European Film Market), der sich im Winter weniger mit den Terminen anderer Filmmärkte überschnitt. Donner etablierte neue Sektionen wie die Deutsche Reihe und das Kinderfilmfest, die ehemalige Informationsschau wurde zum Panorama in seiner heutigen Form. Seit Donners Zeit gilt die Berlinale vor allem als „Arbeitsfestival“ und weniger als Bühne für Stars und „Sternchen“.

Wolf Donner wurde 1979 durch Moritz de Hadeln abgelöst, der die Berlinale bis 2001 leitete. Seit 2000 ist das Theater am Potsdamer Platz mit 1800 Sitzplätzen Hauptspielstätte. Während der Berlinale wird das Theater in Berlinale Palast umbenannt. Neben den Filmpremieren der Wettbewerbsfilme findet hier auch der Eröffnungsfilm und die Preisverleihung statt.

Bis einschließlich 2015 hatte Rosa von Praunheim mehr als 20 Filme auf der Berlinale und ist damit Rekordhalter.

Die Berliner Filmfestspiele wurden vom 1. Mai 2001 bis Ende Mai 2019 von Dieter Kosslick geleitet. Auch unter ihm gab es einige Veränderungen: So wurde die neue Reihe Perspektive Deutsches Kino eingeführt, 2003 entstand für die Nachwuchsförderung der Berlinale Talent Campus und zur Berlinale 2007 wurde mit den Berlinale Shorts eine weitere neue Sektion vorgestellt.

Ab 1. Juni 2019 übernahmen Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek offiziell die Leitung des Filmfestivals.Berlinale 2020: Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek geben erste Neuerungen bekannt. berlinale.de, 28. März 2019; abgerufen am 8. Oktober 2019. Rissenbeek und Chatrian kündigten im Mai 2019 an, die Reihe Kulinarisches Kino 2020 nicht fortzusetzen. Mit der Reihe Encounters sollte eine neue Wettbewerbssektion geschaffen werden, um Werke von unabhängigen Filmemacherinnen zu fördern. rbb, 7. Mai 2019; abgerufen am 7. Mai 2019.

Ab 2020 stieg RBB Media, eine Tochtergesellschaft des RBB, als Co-Partner bei dem Filmfestival ein.

Am 12. Dezember 2023 wurde bekannt gegeben, dass Tricia Tuttle ab April 2024 die künstlerische Leitung der Festspiele von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek übernehmen solle. Die Kulturstaatsministerin Claudia Roth hatte zuvor angekündigt, dass die Berlinale künftig nur noch von einer Person geleitet werden sollte. Chatrian hatte daraufhin bekanntgegeben, das Festival nach der Ausgabe 2024 zu verlassen.Tricia Tuttle soll die Berlinale leiten. In: tagesschau.de, 12. Dezember 2023 (abgerufen am 12. Dezember 2023). Rissenbeek hatte bereits zuvor aus AltersgründenTobias Kniebe, David Steinitz, Anke Sterneborg: Berlin calling. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Dezember 2023, S. 9. ihr Ausscheiden angekündigt. Roths Umgang mit dem Führungswechsel und insbesondere mit dem künstlerischen Leiter Chatrian war von zahlreichen internationalen Filmschaffenden kritisiert worden, darunter in einem offenen Brief auch von Martin Scorsese und Margarethe von Trotta.

Sektionen Wettbewerb mini|Der Berlinale Palast am Potsdamer Platz ist die Spielstätte der Wettbewerbsfilme

Der Wettbewerb ist die zentrale Sektion der Filmfestspiele; im Wettbewerbsprogramm werden die Hauptpreise – der Goldene Bär und die Silbernen Bären – verliehen. Im Wettbewerb werden (entsprechend den FIAPF-Richtlinien) ausschließlich Filme gezeigt, die innerhalb der letzten zwölf Monate vor Festivalbeginn produziert und noch nicht außerhalb ihrer Ursprungsländer aufgeführt wurden.

Etwa 20 Filme stehen jedes Jahr im Wettbewerb. Die Nominierung der Filme sowie die Auswahl der Jurymitglieder ist Aufgabe der Festivaldirektion. Die Preisträger werden von einer internationalen Jury unter Führung eines Jury-Präsidenten gewählt und zum Ende des Festivals verkündet. Aktuelle Spielstätten des Wettbewerbs sind u. a. der Berlinale Palast am Potsdamer Platz sowie die Kinos CinemaxX, Kino International und das Haus der Berliner Festspiele. 2009 kam der Friedrichstadtpalast als Spielstätte hinzu. Jury-Präsidentin der Berlinale 2009 war die Schauspielerin Tilda Swinton. 2010 hatte dieses Amt der Regisseur Werner Herzog inne, gefolgt von Isabella Rossellini (2011), Mike Leigh (2012), Wong Kar-Wai (2013), Produzent und Drehbuchautor James Schamus (2014), Darren Aronofsky (2015), Meryl Streep (2016), Paul Verhoeven (2017), Tom Tykwer (2018), Juliette Binoche (2019), Jeremy Irons (2020), Todd Haynes (2025).

Forum und Forum Expanded Das Internationale Forum des Jungen Films (kurz: Forum) findet seit 1971 statt; der inhaltliche Schwerpunkt liegt traditionell im Bereich des politisch engagierten Kinos.Internationales Forum des jungen Films Arsenal, mit allen Programminformationsblättern zu den Filmen von 1971 bis 2002 Das Forum geht zurück auf eine Initiative des von Gero Gandert 1963 gegründeten Vereins Freunde der Deutschen Kinemathek. Die Gründer waren Gero Gandert, Erika Gregor, Ulrich Gregor, Heiner Roß und Manfred Salzgeber. Ulrich Gregor war von 1971 bis 1979 der Sprecher des Forums, ab dann Leiter für 20 Festivals. Das Forum bot jungen Regisseuren wie Raúl Ruiz, Derek Jarman und Peter Greenaway eine erste Gelegenheit, sich international zu präsentieren. Es gibt auch Filmen mit ungewöhnlichen Formaten eine Plattform, so etwa den überlangen Produktionen Taiga von Ulrike Ottinger (8 h 21 min) oder Satanstango von Béla Tarr (7 h 16 min).

Einen weiteren Schwerpunkt des Forums bildet der außereuropäische Film. In den 1970er und 1980er Jahren konzentrierte man sich auf US-Independent-Filme, Filme aus Lateinamerika und internationale Avantgarde-Filme. In den 1980er und 1990er Jahren widmete man sich dem unabhängigen Kino Asiens. Leiter des Forums war von 2001 bis 2018 der Berliner Filmjournalist Christoph Terhechte. Nach einer Festivaledition mit Interimsleitung hat Cristina Nord das Forum von August 2019 bis inklusive des Jahrgangs 2023 geleitet. Seitdem ist Barbara Wurm Sektionsleiterin.

„Das Internationale Forum, immer noch das wichtigste Nebenprogramm der Berliner Filmfestspiele, ist für die Neugierigen unter den Cineasten schon seit Jahren zu deren Hauptprogramm geworden.“ (Peter W. Jansen). Spielstätten des Forums sind die Kinos Delphi Filmpalast, Arsenal (mittlerweile am Potsdamer Platz), CineStar (bis zur Berlinale 2019), CinemaxX, Cubix und das silent green Kulturquartier.

2015 wurde erstmals das Gesamtprogramm von Forum Expanded in der Akademie der Künste gezeigt, nachdem sie bis 1999 schon einmal Spielort der Berlinale war. Seit Herbst 2021 leiten die Künstlerin Ala Younis und Ulrich Ziemons gemeinsam diese Sektion.