In Erfurt gab es im Juni 2024 insgesamt 44 erfasste Geotope.
Geotope
Gesteine
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage EF_266 Aufschluss Keuper am Petersberg Bunte Mergel (kmGOB): rote und graue Mergelsteine mit 2 lichtgrünen, feinkörnigen Sandsteinbänkchen sowie Gipsresiduen und Steinmergelbänken im Hangendteil der Schichtstufe. Abnahme der roten Farben zugunsten der grauen zum Hangende hin. Schwellenburg-Mergel (Bunte Mergel) Der Petersberg besteht aus tonig-siltigen sowie sandigen Sedimenten des Mittleren Keupers, die vor 220 bis 230 Millionen Jahren im „Germanischen Becken“ abgelagert wurden. Mitteleuropa lag auf einem Breitengrad wie heute z. B. Syrien oder Irak. Das Klima war subtropisch und mehr oder weniger arid. In den z. T. abflusslosen Wüstenseen wurden neben tonigen und siltigen Sedimenten auch Gips abgelagert. Petersberg und Domberg sind geologische Bruchschollen innerhalb der Erfurter Störungszone. Die das Stadtbild prägende Gestalt des Petersbergs geht aber nicht nur auf seine Lage in der Erfurter Störungszone, sondern auch auf den hier anstehenden Schilfsandstein des Mittleren Keupers zurück, der gegen Verwitterung und Abtragung relativ widerstandsfähig ist. Dolomitbänke der Lehrbergschicht sind beim Wegweiser zum „Denkmal des unbekannten Wehrmachtsdeserteurs“ und an der schadhaften Festungsmauer im Bereich dieses Denkmals zu sehen. Aufgeschlossene Schichten in der Wand des Geotops sind die über der Lehrbergschicht folgenden Schwellenburg-Mergel. Es sind rote bis rotbraune, siltige Ton- und Tonmergelsteine, die mit grüngrauen, siltig-feinsandigen Lagen abwechseln. Die grüngrauen Lagen bestanden ursprünglich aus Gips, der mittlerweile durch Grund- und Sickerwasser aufgelöst wurde. Charakteristisch sind einige Millimeter große, weiße Quarzkörner, die als Salinarquarze im Gips eingelagert waren und nun im Lösungsrückstand angereichert sind. Über den Schwellenburg-Mergeln stehen im Geotop Fließerden, sandige Kiese, sowie Lösse/Lösslehme an. Diese quartären Sedimente wurden durch Bodenfließen (Solifluktion) während der Eiszeit z. T. mit den Gesteinen des Keupers vermengt. Ebenfalls auf Bodenfließen gehen die auffälligen Mächtigkeitsänderungen der einzelnen Keuperschichten zurück. Die im obersten Profilabschnitt sichtbare Kieslage mit Schlackenresten ist eine historische Weg- oder Flächenbefestigung gewesen. Auch die darüber folgenden Lockergesteine sind künstliche Aufschüttungen Erfurt EF_265 Aufschlüsse des Gipskeupers an der Schwellenburg Heldburggips: grobkristalline Gipse m. dünnen Lagen v. Mergelst. u. Fasergips; Bunte Mergel: rot/graue Mergelst. mit 2 grünen feinkörnigen Sandsteinbänkchen sowie Gipsresiduen u. Steinmergelbänken; Lehrbergschicht: 2 hellgraue, poröse Steinmergelbänkchen Oberer Gipskeuper Die Schwellenburg ist ein schildförmiger Hügel, der die ackerbaulich genutzte Umgebung um etwa 50 bis 70 m überragt. Sie gehört zu einer Reihe von Hügeln, die sich über 5 km parallel zum Nordostrand der Fahner Höhe erstrecken und eines der wenigen Vorkommen des Heldurggipses im Thüringer Becken ist. Der heute im Topbereich der Schwellenburg in Resten anstehende Heldurggips war in historischer Zeit als Rohstoff abgebaut und im nahegelegenen Elxleben gebrannt worden. Im Verlauf des steil aus Richtung Kühnhausen ansteigenden Hauptzuganges zur Schwellenburg sind die Liegendschichten des Heldburggipses aufgeschlossen. Es handelt sich um rote und graue bis graugrüne Mergelsteine mit drei markant herausgewitterten 30 bis 50 cm mächtigen Gipsbänken, die von geringmächtigen hellgrauen Steinmergeln unterlagert sind (kmGOB). Die Vielzahl kleiner, grasbewachsener Hügel auf der flach nach Osten abfallenden Schwellenburg sind Abraumhalden. Der naturschutzfachliche Wert der Schwellenburg beruht auf der hier als Relikt der Eiszeit anzutreffenden Steppenvegetation. Süd- und Nordabhang der Schwellenburg sind in historischer Zeit für den Weinanbau größtenteils terrassiert worden. Erfurt EF_275 Blosenburg/Wiesenhügel Wechsellagerung von Tonsteinen, dolomitischen Mergelsteinen und Dolomitsteinen (dünnplattig bis -bankig, verschiedenfarbig grau und violett bis rot). Gips bzw. Anhydrit dürften weitestgehend ausgelaugt sein. Trias Die „Blosenburg“ im Bereich des gleichnamigen Geschützten Landschaftsbestandteiles (GLB) ist ein archäologisch bekanntes Bodendenkmal mit zwei nachgewiesenen Wallanlagen einer in frühgeschichtlicher Zeit genutzten Fliehburg. Morphologisch handelt es sich um einen Bergsporn am nordöstlichen Randbereich des Steigersattels im Verbreitungsgebiet des Unteren Gipskeupers. Ein geologischer Aufschluss ist nicht vorhanden. Die Trockenrasenvegetation im Bereich der ehem. Wallanlage grenzt durchgehend an Wege, heckenbestandene und bebaute Flächen. Etwa auf Höhe der ersten Wallanlage sind kleinste Areale vegetationsfrei. Die hier zu beobachtende Bodenbildung auf der stark verwitterten Schichtenfolge des Unteren Gipskeupers ist für das Geotop unbedeutend. Die Unterschutzstellung erfolgte als kulturhistorisches Bodendenkmal sowie als Biotop (Kalkmagerrasen). Erfurt EF_245 Drosselberg/Katzenberg Tonsteine, dolomitisch – kalkig (Mergel), Dolomitmergelsteine, kalkig, sandig (Steinmergel), verschieden grau und rotfarben, z. T. mit Gips bzw. Anhydrit in Wechsellagerung Trias Die Ausweisung des Steilhanges unterhalb der Häuser „Katzenberg“ als Geotop mit der anstehenden Wechsellagerung von grauen und dunkelvioletten Mergelsteinen, geringmächtigen Steinmergellagen und Gipsbänkchen des Unteren Gipskeupers ist durch Hangsicherungsmaßnahmen und gezielte Bepflanzung hinfällig. Die lückenlose Sichtbarkeit des Profils mit dem 5–30 cm mächtigen Leithorizont „Bleiglanzbank“ und den darüber folgenden Mittleren Gipsmergeln sowie der tektonischen Verhältnisse ist durch dichten Bewuchs nicht mehr gegeben. Unter natürlichen Bedingungen wäre, ausgehend von den anstehenden Gesteinen des Unteren Gipskeupers sowie der Geländeposition, eine Entwicklung des Trockenhanges verglichen mit „bad lands“ an der Wachsenburg und der Burg Gleichen bei Wandersleben zu erwarten gewesen. Erfurt EF_287 Herrenberg (Aufschluss Oberer und Mittlerer Muschelkalk) Oberer Aufschlussteil: Kalkmergelsteine, weißgrau und dünnplattig-dünnbankig. Unterer Aufschlussteil: Kalksteine, massig, bankig, 5 bis 20 cm, grau, violettgrau und mit Bivalven- und Trochitenschill. Trias Am Herrenberg/Stielerstraße sind die Basisschichten des Oberen Muschelkalkes (Trochitenkalk, moT) und der Übergangsbereich zum Mittleren Muschelkalk mit dem Oberen Dolomit (mmDO) aufgeschlossen. Das Geotop vermittelt einen Einblick in den tektonischen Bau des ca. 6 km langen zentralen Teils der herzyniscch (NE-SW) verlaufenden Erfurter Störungszone zwischen dem Kleinen Herrenberg und dem Hahnberg/Wartberg in Erfurt-Südost. In einer halotektonisch ausgelösten und bruchtektonisch überprägten 30–180 m breiten Sattelstruktur treten in deren Kernzone Trochitenkalk (moT) und die Hangendschichten des Mittleren Muschelkalkes (Oberer Dolomit, mmDO bzw. die Obere Wechsellagerung, mmWO) zutage (FRANZKE, SCHUBERT 1987). Die Aufsattelung streicht 123° (NW-SE), das gemessene Schichteinfallen wechselt zw. 60° im mittleren Aufschlussbereich und 90° bis zur Überkippung der Schichten am oberen Rand des Aufschlusses. Erfurt EF_246 Stedtener Wald (Aufschluss Muschelkalk im alten Steinbruch) Wechsellagerung von grauen dichten und kristallinen Kalksteinen sowie grauen Mergelsteinen und Tonsteinen. Trias Der Stedtener Wald als solcher war in historischer Zeit bis kurz nach 1945 eine zum Schloss Stedten gehörende Parkanlage und entsprechend gestalterisch verändert. Die Begehung im Juni 2018 im zeitlichen Abstand von 20 Jahren ergab keine geologischen Besonderheiten oder Aufschlüsse im Bereich des hier anstehenden des Oberen Muschelkalks. Es sind keine Voraussetzungen für die Ausweisung eines Geotops vorhanden. Das kleine Waldgebiet ist nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten als GLB geschützt. Am westlichen, oberen Ende des relativ steilen Talhangs mit dichtem Gehölzbestand ist die als Bergborn bezeichnete Schichtquelle mit einem kleinen Bauwerk gefasst. Der Abfluss bildet die nördliche Grenze des Waldgebietes. Der seinerzeit gefundene kleine Erdfall im unteren Teil des Waldgeländes und in relativ geringem Abstand zum Wasserlauf konnte unter den derzeitigen Vegetationsbedingungen nicht gefunden werden. Die beiden langgestreckt N-S verlaufenden Hohlformen im oberen Teil des Waldgeländes sind als Fischteiche angelegt worden. Die hangabwärts parallel dazu vorhandenen Erdwälle sind demgemäß als Aushub zu bewerten. Gegenwärtig ist nur der nördliche Teich wassererfüllt, sein Wasserstand ist durch einen verrohrten Überlauf zum südlichen, jetzt leeren Teich reguliert. Die Speisung erfolgt von der südlich des „Bergborns“ austretenden, nicht gefassten, namenlosen Schichtquelle über einen künstlich angelegten, spitzwinklig zum natürlichen Gefälle verlaufenden schmalen Graben. Dieser Graben durchfließt ca. 100 m vor den „Fischteichen“ auch einen mit ca. 8 × 10 m annähernd runden verlandeten Teich von schätzungsweise 0,75 m Tiefe. Der Erdwall an der hangabwärtigen Seite spricht ebenfalls für eine künstlich angelegte Hohlform. Erfurt Lagerungsverhältnisse/Tektonik
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage EF_248 Haarberggrund Schaumkalkzone: zwei bis drei z. T. oolithische Arenitbänke mit Mergelkalkzwischenlagen, grau, graubraun, gelb; Oberer Wellenkalk: dünnflasrige knaurige Mergelkalke, grau Trias Der ehemalige Steinbruch im Haarberggrund liegt unmittelbar an einem gekennzeichneten Wanderweg mit Hinweis „Königsquelle“. Der Steinbruch erschließt Teile des Unteren Muschelkalks und ist ein bedeutender Aufschluss bezüglich der tektonischen Vielfalt in der Erfurter Störungszone. Die zahlreichen Falten und Verwerfungen entstanden wahrscheinlich zur Zeit der Oberkreide und zeigen eindrucksvoll die Intensität der Tektonik innerhalb dieser Störungszone, die das südliche Thüringer Becken von Nordwest nach Südost durchzieht. Erfurt
Sedimentstrukturen
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage EF_267 200px Aufschluss „Rote Wand“ Gispersleben kmGOR: graue & rote Mergelsteine m. Gipseinlag., im unteren Teil herrschen graue, graugrüne und grüne Farben vor; kmS: mürbe, feinkörnige, rote und graue, z. T. gefleckte Sandsteine, z. T. stark sandige Tonsteine; mit kleinen Verwerfungen durchsetzt Trias In der annähernd senkrechten westlichen und ca. 15 m hohen Uferböschung der Gera ist mit der „Roten Wand“ über eine Länge von etwa 75 m ein Teilabschnitt des Oberen Gipskeupers (kmGOR) des Mittleren Keupers mit einer Wechsellagerung dominierender roter Tonsteine, denen einzelne dünnbankige graue und graugrüne Mergelsteine sowie hellgraue Steinmergellagen zwischengeschaltet sind, aufgeschlossen. Das Schichtpaket fällt flachwellig mit 5° bis 10° nach NE ein. Im Hangendabschnitt des Aufschlusses sind über der z. T. kryoturbat beeinflussten Verwitterungszone des Mittleren Keupers geringmächtiger Löß (Pleistozän) übergehend in schwarzbraunen Auelehm (Holozän) abgelagert.