Im Landkreis Gotha gab es im Juni 2024 insgesamt 29 erfasste Geotope.
Geotope
Gesteine
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage GTH_1832 Schottersteinbruch Leuchtenburg bei Cabarz (Leuchtenburggestein) Trachyandesit, Trachyt, rote Sand-, Schluff- und Tonsteine Perm Dieser Steinbruch am Tabarzer Mühlgrund ist seit 1968 als geologisches Naturdenkmal geschützt. Hier werden Trachyte des Rotliegend, das sog. „Lechtenburg-Gestein“ der „Unteren Oberhof-Formation“ abgebaut. Sie befinden sich lithostratigraphisch zwischen den Tuffhorizonten Nr. 4 und 5. In diesen Vulkaniten liegen isolierte Sedimentschollen aus roten Ton-, Silt- u. Sandsteinen, die sich durch Fossilfunde von „Spiloblattina sperberbachensis“ durch SCHNEIDER & WERNEBURG (1993) in die „Untere Goldlauer-Formation“ zuordnen lassen. Sie zeigen teilweise Kontakterscheinungen im Bereich der Vulkanite. Innerhalb der Sedimentschollen wurden im Laufe der Jahre eine Vielzahl von z. T. außergewöhnlichen Fossilfunden gemacht. Bekannt ist der Ort z. B. für exzellente Funde von Branchiosaurieren, Fischen, Insekten und Tetrapodenfährten. Der Standort gilt als wichtigster Aufschlusspunkt dieses für die Region typischen Gesteins im Thüringer Wald. Bad Tabarz GTH_733 Latitsteinbruch im Erfurter Grund Latit (Glimmerporphyrit) Karbon Der „Latitsteinbruch im Erfurter Grund“ ist ein kesselartiger, teilverfüllter Steinbruch mit vorgelagerten Abraumschüttungen und Abfallablagerungen. Zu erreichen ist dieser über die Landstraße L 1028 aus Georgenthal in Richtung Tambach-Dietharz. In dem Steinbruch wurde Latit (veraltet Glimmerporphyrit) der oberkarbonischen Georgenthal-Formation abgebaut, welche im oberen Bereich durch konglomeratische Sedimente der Tambach-Formation überlagert wird. Latit ist ein vulkanisches Gestein, das hauptsächlich aus Plagioklas, Sanidin und Pyroxen besteht. Der besondere Wert des Geotops liegt in der aufgeschlossenen Grenze zwischen Georgenthal- und Tambach-Formation. Georgenthal GTH_1109 Kleiner Seeberg Wechsellagerung von Mergelsteinen, Sulfat (Anhydrit, vorwiegend als Faser- und Porphyrgips, weiß, grau ausgebildet und Dolomiten, grau) Trias Der Seeberg ist ein Teil der Eichenberg-Gotha-Saalfelder Störungszone, die das Thüringer Becken in Nordwest-Südöstlicher Richtung durchquert. Südwestlich von Gotha befindet sich der ehemalige Steinbruch am „Kleinen Seeberg“, in dem Gipssteine und z. T. Dolomitsteine des Mittleren Muschelkalks aufgeschlossen sind. Diese wurden teilweise im Tiefbau gewonnen. Das Betreten der untertägigen Hohlräume ist jedoch sehr gefährlich und daher verboten. Der südexponierte, felsige Steilhang mit einem artenreichen Trockenrasen ist auch aus botanischen Gründen geschützt. Gotha SM_1619 Tuffsteinbruch am Nesselberg Tambach-Dietharz/Thür. Wald
Fossilien
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage GTH_754 Plattenbruch am Hübel Sand- und Schluffsteine Perm Am Nordhang des Hübels am westlichen Ortsausgang von Tabarz befinden sich insgesamt drei Steinbrüche. Als „Plattenbruch am Hübel“ wird der südöstlich gelegene Bruch bezeichnet. Dieser schließt steil gestellte Sand- und Siltsteine der unterrotliegenden Goldlauter-Formation auf. Der nordwestlich gelegene Bruch wird als „Fossilfundpunkt am Hübel“ bezeichnet und ist großflächig teilverfüllt und verwachsen. Er gilt als bedeutender Fundort für Fährtenplatten von Ursauriern, auch Kriech-, Schlepp- und Rieselspuren sind zu finden. Bei dem dritten Steinbruch handelt es sich um den sog. „Felsenkeller“ an der Nonnenwiese. Bad Tabarz GTH_1820 Kammerbrüche am Seeberg Sand-/ Tonstein bzw. Mergel-WL Drei Gleichen GTH_746 200px Sandsteinbrüche am Bromacker rote Sand-, Schluffsteine und konglomeratische Sandsteine Perm Unter dem Geotop „Steinbruch am Bromacker“ wird ein Komplex aus Steinbrüchen nördlich von Tambach-Dietharz zusammengefasst. Es handelt sich um einen betriebenen Steinbruch, einen auflässigen Altsteinbruch und um die Grabungsfelder des Naturkundemuseums Gotha. Beide Steinbrüche stellen Standardaufschlüsse des Tambacher Sandsteins der oberrotliegenden Tambach-Formation dar. Das 8 m mächtige Profil umfasst die Unteren und Oberen Tambacher Schichten, die im Liegenden mit massig ausgebildeten äolisch-fluviatilen Sandsteinbänken beginnen und in denen cm-mächtige Schluffstein-Horizonte eingeschaltet sind. Darüber folgen 4 m mächtige Schluffstein-Horizonte, die im Hangenden durch konglomeratische Sandsteinbänke begrenzt werden. Die Sandsteine im Liegenden des Profils sind die bedeutendsten Fundstellen für Tetrapodenfährten im Thüringer Rotliegenden. Es sind die Typuslokalitäten für z. B. Ichniotherium cottae POHLIG, Varanopus microdactylus PABST u. v. m. Im oberen Abschnitt des Profils, innerhalb der Schluffsteinhorizonte liegt die bedeutendste Lagerstätte für Landwirbeltierreste des Untern Perms außerhalb Nordamerikas. Neben Knochenresten enthalten sie Spurenfossilien, Pflanzenreste sowie Arthropodenfauna. Der Gothaer Paläontologe Thomas Martens fand hier 1974 die ersten wertvollen Fossilien. Seitdem finden unter der Leitung des Gothaer Museums für Natur regelmäßig Grabungen in enger Kooperation mit US-Wissenschaftlern statt. Neben zahlreichen Saurierfährten und Invertebratenspuren gehört das „Tambacher Liebespaar“ zu den berühmtesten Ursaurierfunden. Dabei handelt es sich um zwei eng beieinanderliegende Ursaurier der Gattung Seymouria. Georgenthal GTH_1837 Sandsteinbrüche am Bromacker bei Tambach-Dietharz Das im Steinbruch Bromacker 8 m mächtige Profil umfasst die Unteren und Oberen Tambacher Schichten, die im Liegenden mit massig ausgebildeten äolisch-fluviatilen Sandsteinbänken beginnen und in denen cm-mächtige Schluffstein-Horizonte eingeschaltet sind. Darüber folgen 4 m mächtige Schluffstein-Horizonte, die im Hangenden durch konglomeratische Sandsteinbänke begrenzt werden. Die Sandsteine im Liegenden des Profils sind die bedeutendsten Fundstellen für Tetrapodenfährten im Thüringer Rotliegenden. Es sind die Typuslokalitäten für z. B. Ichniotherium cottae POHLIG, Varanopus microdactylus PABST u.v.m. Im oberen Abschnitt des Profils, innerhalb der Schluffsteinhorizonte liegt die bedeutendste Lagerstätte für Landwirbeltierreste des Untern Perms außerhalb Nordamerikas. Neben Knochenresten enthalten sie Spurenfossilien, Pflanzenreste sowie Arthropodenfauna. Georgenthal Lagerungsverhältnisse/Tektonik
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage GTH_762 Steil ansteigender Felsen an der Autobahn Mergel, Dolomite und Kalke Trias Dieser 7 m hohe Felsenanschnitt an der A4 bei Wandersleben wurde durch den Bau der Autobahn freigelegt. Er erfasst einen Teil der regionalgeologisch bedeutenden Eichenberg – Gotha – Saalfelder Störungszone. Die hier durch tektonische Kräfte steil gestellten Kalk-, Kalkmergel- und Mergelsteine vom Mittleren Muschelkalk bis zum Mittleren Keuper sind typisch und landschaftsbildend für das Thüringer Becken. Zur näheren Betrachtung führt parallel zur Autobahn von Mühlberg aus ein Feldweg, der direkt zum Aufschluss führt. Drei Gleichen GTH_747 Steinbruch Gratz im Wolfsgrund bei Gotha fossilreicher, bankiger Kalkstein Trias Der „Steinbruch Gratz“ ist ein kleindimensionierter Altbruch im Wolfsgrund nordwestlich von Gotha. Hier ist der fossilführende, bankige bis dünnplattige Trochitenkalk als Basisglied des Oberen Muschelkalks aufgeschlossen. Bei den Trochiten handelt es sich um die kreisförmigen versteinerten Stielglieder der Seelilien. Im Südwestteil des Steinbruches ist eine antiklinale Falte zu sehen, die ein Teil der Eichenberg-Gotha-Saalfelder Störungszone darstellt. Gotha Sedimentstrukturen
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage GTH_751 Kammerbruch Seebergen feinkörnige, gelbe Sandsteine mit grauen Tonsteineinschaltungen Trias Am Westhang des Großen Seeberges bei Seebergen befindet sich der Steinbruch „Kammerbruch Seebergen“. Dieser ist ein Teil des seit 800 Jahren betriebenen Sandsteinabbaus am Großen Seeberg. Hier sind beispielhaft die gelben Sandsteine des Rhät (Oberer Keuper) mit graublauer Ton- und Mergelsteinüberdeckungen des Lias (Unterer Jura) aufgeschlossen. Der „Kammerbruch“ gilt als bedeutendster Aufschluss des thüringischen Rhäts im Gebiet Creuzburg-Eisenach-Gotha-Wandersleben und liefert ein Standardprofil für diesen stratigraphischen Abschnitt. Im Mittelalter lieferte dieser u. a. den Baustein für die Wartburg und den Erfurter Dom und hat daher kulturhistorischen Stellenwert. Der Seeberger Sandstein ist wegen seiner guten bauphysikalischen und chemischen Eigenschaften neben Massivbaustein als Dekor-, Schleif- und Mahlstein, sowie für Scheuersand verwendet wurden. Neben den Fossilfunden im „Kammerbruch“ gibt es im Seeberggebiet ur- und frühgeschichtliche Siedlungen, sowie botanische Besonderheiten. Der Große und Kleine Seeberg stehen aufgrund der reichhaltigen Flora und Fauna seit 1999 auch unter Naturschutz. Drei Gleichen GTH_734 Plattenbruch am Gottlob rote Konglomerate, Fangkonglomerate, Sand- und Schluffsteine, Schwarzpelite; fossilreiche, schwarzgraue Pelite und sandig bis siltig-tonige Sedimente Perm Der auflässige Steinbruch „Plattenbruch am Gottlob“ befindet sich am südlichen Ortsrand von Friedrichroda, direkt an der L 1026. Hier stehen grobklastische Konglomerate aus intermediären Vulkaniten über schwarzgrauen Perliten (alteriertes vulkanisches Glas) und einer Wechsellagerung von sandigen und tonig-siltigen Sedimenten an. Diese zur unterrotliegenden Goldlauter-Formation gehörenden Sedimente wurden am Rande eines Binnensees abgelagert, an dem sich fluviatile und limnische Sedimente je nach Lage des Seespiegels verzahnten. Der Steinbruch galt als einer der wichtigsten Fossilfundorte im Thüringer Rotliegend, da die dunklen tonigen Horizonte (Schwarzpelite) reich an gut erhaltenen Pflanzenresten, Fischen und Branchiosauriern (Amphibien) waren. Hier wurden u. a. die ersten Tetrapodenfährten des Rotliegend entdeckt (durch B. v. COTTA, 1847 erstmals erwähnt). Friedrichroda
Fluviatile und gravitative Abtragungs- und Ablagerungsformen
ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage GTH_764 Röhnberg Mergel, Sand- und Tonsteine Trias Der östlich des Wechmaer Stausees, nördlich von Mühlberg gelegene „Rhönberg“, war lange Gegenstand umfangreicher Sandsteingewinnung. Dementsprechend sind weite Abschnitte des Top- und Flankenbereiches anthropogen überprägt. An den stark überwachsenen und schwer zugänglichen Steilwänden sind hier die grobbankigen, gelbgrauen Sandsteine des Oberen Rhät (oberer Keuper) aufgeschlossen. Im Nordwestteil des „Rhönberges“ öffnet sich ein canyonartiger Bruch und zeigt die Rhätsandsteine mit eingeschalteten Silteinlagen. Neben dem „Kammerbruch Seebergen“ gilt dieser Aufschluss als regionaler Standardaufschluss. Auch steht das Gebiet seit 1996 mit vielen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten unter Naturschutz. Drei Gleichen GTH_763 Schlossleite Mühlberg Sandsteine, Letten, Mergel, Gipse und Kalke Trias Die „Schlossleite“ ist ein ca. 3 km langer Höhenrücken, der sich von Mühlberg nach Südosten in Richtung Holzhausen erstreckt. Die Mühlburg bildet dabei das nordwestliche Ende des Kammberges. Der herzyn (Nordwest-Südost) streichende Höhenrücken fällt mit der Südrandstörung des Wachsenburg-Grabens zusammen, der im Südostteil der „Schlossleite“ den Mittleren Muschelkalk gegen den Mittleren Keuper versetzt. Durch die tektonisch bedingten lithologischen Wechsel der ausstreichenden Einheiten kommt es zu stark wechselnden und vielfältigen obertägigen geologischen Erscheinungsformen. So sind neben den Aufschlüssen am Kammerbruch die Gipsbrüche an der Nordflanke, das Mühlberger Ried, der Keuperbruch an der Mühlburg u. a. als Einzelaufschlüsse bemerkenswert.