mini|hochkant=1.1|Das Song-Reich im Jahr 1111

Die Song-Dynastie () war von 960 bis 1279 die herrschende Dynastie im Kaiserreich China. Sie teilt sich in die „Nördliche“ und „Südliche“ Song-Dynastie. Die „Nördliche“ () regierte von 960–1126 in Kaifeng, die „Südliche“ () von 1126–1279 in Hangzhou.

Nördliche Song 960–1126 Staatsgründung mini|Song Taizu (Zhao Kuangyin), Begründer und erster Kaiser der Song-Dynastie mini|Eroberungen der Song-Dynastie von 960 bis 979, die die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche beendete Die Späte Zhou-Dynastie war die letzte in einer Reihe von Fünf Dynastien, die nach dem Fall der Tang-Dynastie im Jahre 907 in Nordchina geherrscht hatten. Zhao Kuangyin stürzte mit Hilfe anderer Generäle den siebenjährigen Thronerben der Zhou und regierte danach als erster Song-Kaiser Taizu von 960 bis 976. Taizus erstes Ziel nach der Thronbesteigung war es, die politische Teilung des Landes zu überwinden. Dazu mussten Nanping, Wuyue, die Südlichen Han, Späteren Shu und Südlichen Tang im Süden sowie die Nördlichen Han und die Sechzehn Präfekturen im Norden besiegt werden. Fähige Armeeführer wie Yang Ye (gestorben 986), Liu Tingrang (929–987), Cao Bin (931–999) und Huyan Zan (gestorben 1000) machten das Militär von Song zum schlagkräftigsten von ganz China. Dies wurde durch neuartige Taktiken erreicht wie der Führung von Nachschublinien über Pontonbrücken bei der Überquerung des Jangtsekiang im Feldzug gegen die Südlichen Tang im Jahre 974. Die berühmten Kriegselefanten in der Armee der Südlichen Han wurden am 23. Januar 971 durch einen massiven Angriff von Armbrustschützen mit brennenden Pfeilen besiegt, woraufhin sich die Südlichen Han unterwarfen.

mini|hochkant|Eine Teekanne aus Porzellan im Qingbai-Stil, aus Jingdezhen, Song-Dynastie mini|Porzellan, Lackschnitzerei und Steinzeug aus der Song-Dynastie mini|Abendlied des Fischers, eines der berühmtesten Bilder von Xu Daoning

Mit der Eroberung des Wuyue-Reiches war der Süden Chinas ab 978 wieder unter eine zentrale Regierung gestellt. Somit konnten sich die Streitkräfte von Song auf den Norden konzentrieren, wo im Jahre 979 die Nördliche Han-Dynastie erobert wurde. Song schaffte es jedoch nicht, die Sechzehn Präfekturen zu annektieren. Sie wurden Teil des Liao-Staates, dessen Zentrum in der Mandschurei lag und in der Folge unmittelbar nördlich an das Song-Reich grenzte. Nordwestlich des Song-Reiches hatten die Tanguten die Macht, seit die Tang im Jahre 881 einen Tanguten-Anführer zum Militärgouverneur (jiedushi) ernannt hatte. Dieses Privileg war vererbbar, woraus die Westliche Xia-Dynastie entstand. Den Song gelangen mehrere bedeutende militärische Erfolge gegen die Westlichen Xia, bis diese durch die Mongolen unter Dschingis Khan im Jahre 1227 beendet wurden. Das Kräfteverhältnis mit der Liao-Dynastie war hingegen ausgeglichen.

Nach Beendigung der Einigung Chinas auf militärischem Weg hielt Kaiser Taizu einen berühmten Empfang ab, zu dem er viele der Armeeführer einlud, die für ihn Eroberungen bestritten hatten. Während der Feierlichkeiten sprach er mit ihnen über die Möglichkeit eines Staatsstreiches gegen ihn wie während der Zeit der Fünf Dynastien. Die Anwesenden protestierten gegen diese Ansicht und versicherten ihm, dass niemand unter ihnen so qualifiziert zum Führen des Landes sei wie er. Die zeitgenössische Chronik Song Shi berichtet, dass der Kaiser den Armeeführern ein schönes Leben auf den besten Ländereien in den Provinzen versprach und ihnen anbot, seine Familie mit jenen der Armeeführer und Minister durch Heiraten zu verbinden. Am nächsten Tag sollen alle Militärs ihren Rücktritt eingereicht und sich aufs Land zurückgezogen haben.

Kaiser Taizu entwickelte eine effiziente zentralisierte Bürokratie, die mit zivilen Beamten besetzt wurde. Die Militärgouverneure und ihre Unterstützer wurden durch Beamte ersetzt, die direkt von der Zentralregierung beauftragt wurden. Dieses System führte zu einer stärkeren Konzentration der Macht der kaiserlichen Zentralregierung als es in früheren Dynastien möglich war. Im frühen 11. Jahrhundert nahmen jährlich etwa 30 000 Männer an den Beamtenprüfungen auf Präfektur-Ebene teil. Diese Zahl stieg beständig auf 80 000 am Ende des Jahrhunderts und auf 400 000 Kandidaten im 13. Jahrhundert. Während auf der Gemeindeebene neue Verwaltungseinheiten gegründet wurden, änderte sich die Zahl der Präfekturen und Provinzen während der Song-Dynastie nicht. Somit blieb die Anzahl der in die Regierung aufgenommenen Beamten konstant, wodurch sich die Konkurrenz unter den angehenden Schülern und Gelehrten beträchtlich intensivierte.

Um seine Macht zu festigen, ließ Taizu aktualisierte Landkarten erstellen, was es der Zentralregierung vereinfachte, Maßnahmen in den Regionen zu ergreifen. Im Jahre 971 befahl Taizu Lu Duosun, alle Landkarten der Welt zu aktualisieren und neu zu schreiben. Lu bereiste die Provinzen, um so viel Material und Daten wie möglich zu sammeln. Mit Hilfe von Song Zhun war das riesige Werk mit 1566 Kapiteln im Jahre 1010 fertiggestellt. Im Song Shi wird berichtet, dass der Direktor der kaiserlichen Getreidelager alle Dörfer anwies, genaue Karten seiner Felder, Berge, Flüsse und Wege anzufertigen. Diese Karten wurden zu Karten für Kreise und Bezirke zusammengesetzt, so dass man darauf zurückgreifen konnte, um Steuern einzutreiben oder Banditen zu verfolgen.

Taizu hatte großes Interesse an Wissenschaft und Technik. In seinen kaiserlichen Werkstätten wurde beispielsweise das Projekt von Zhang Sixun einer Armillarsphäre mit Quecksilber statt Wasser durchgeführt. In seiner Regierungsführung offen gegenüber Neuerungen wie auch Ausländern ernannte er beispielsweise den arabischen Muslim Ma Yize zu seinem Hofastronom. Für den Empfang von Abgesandten des koreanischen Königreiches Goryeo allein wurden 1500 Bände geschrieben, die die ausgefeilten Regeln des Umgangs mit den Abgesandten darlegten. Die Song sandten auch Botschafter wie Wang Yande in andere Staaten, der ab 981 als Abgesandter in der uighurischen Stadt Gaochang diente, die sich damals unter Kontrolle der Karachaniden befand. Die 24 Dynastiegeschichten berichten auch von Botschaftern des Byzantinischen Reiches (bekannt in China als Fu Lin), die in das Song-Reich entsandt wurden. Den Chroniken Song Shi und Wenxian Tongkao zufolge kamen die letzten Gesandten des Byzantinischen Reiches im Jahre 1081 an und wurden wahrscheinlich von Michael VII. an den Hof von Kaiser Song Shenzong geschickt. Die Chronik Yuan Shi berichtet von einem Byzantiner, der in der folgenden Dynastie am Hof von Kublai Khan als Astronom und Physiker tätig war, und noch später in der Ming-Dynastie wurde angeblich ein byzantinischer Händler (wahrscheinlich Nicolaus de Bentra, Erzbischof von Khanbaliq) nach Byzanz entsendet, um den byzantinischen Herrscher Johannes V. von der Gründung der neuen Dynastie zu unterrichten.

Beziehungen zu den nördlichen Nachbarn Liao-Dynastie mini|hochkant|Zeitgenössische Darstellung von Kaiser Song Taizong, Nationales Palastmuseum, Taipeh Das Verhältnis zwischen den Song und der von den Kitan gegründeten Liao-Dynastie blieb in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Gründung der Song-Dynastie friedlich, obwohl beide Staaten Anspruch auf die vom Nördlichen Han-Reich und den Sechzehn Präfekturen gehaltenen Territorien Anspruch erhoben. Am Neujahrstag des Jahres 974 wurden Botschaften in den beiden Hauptstädten eingerichtet. Im Jahre 979 zogen die Song jedoch gegen das Nördliche Han-Reich, das sich lange unter der Schutzherrschaft der Liao-Dynastie befunden hatte. Es gelang den Song zunächst, die Nördlichen Han zur Aufgabe zu zwingen. Als die Song jedoch auf die Südliche Hauptstadt in den Sechzehn Präfekturen zumarschierten, wurden sie in der Schlacht am Giaoliang-Fluss besiegt. Nach dieser Niederlage war das Ansehen von Kaiser Song Taizong so beschädigt, dass einflussreiche Armeekommandeure einen Staatsstreich organisierten, um ihn zu Gunsten seines Neffen Zhao Dezhao abzusetzen.

Die Beziehungen zwischen Song und Liao waren danach weiterhin feindlich und angespannt. Im Jahre 986 griff Song drei Mal das Liao-Reich unter einem Kindkaiser an, um die Sechzehn Präfekturen zu erobern, aber Liao gelang es, alle drei Angriffe abzuwehren. Danach wurden wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. In den 990er Jahren verschlechterten sich die Beziehungen erneut. Von 993 bis 1004 baute Song mit dem Wissen von Liao an einem Kanalsystem namens Großer Graben, das sich vom Taihang-Gebirge bis zum Golf von Bohai erstreckte und Song vor Angriffen aus Liao schützen sollte. Liao interpretierte die Arbeiten jedoch als Maßnahme, um auf dem Wasserweg schnell Angriffstruppen in Richtung Liao senden zu können. Ab 999 führte Liao jährliche Angriffe auf Song durch, ohne nennenswerte Fortschritte zu erzielen. Liao hätte gern die Region Guannan im heutigen nördlichen Hebei erobert, weil sie erst kurz davor an Song unter General Zhou Shizong verloren gegangen war und einige strategisch wichtige Bergpässe besaß.

mini|Frauen bei der Seidenverarbeitung, Darstellung aus dem 12. Jahrhundert. Als Teil des Vertrages von Chanyuan musste Song jährlich 200 000 Ballen Seide an die Liao-Dynastie der Kitan senden.

Im Jahre 1004 drang die Liao-Armee tief in das Territorium von Song ein und setzte sich in Chanyuan, etwa 100 Kilometer nördlich der Song-Hauptstadt Kaifeng fest. Sie hatte ihre Kräfte und Nachschubwege jedoch bereits überdehnt und alle Rückzugswege hätten leicht von Song-Truppen abgeschnitten werden können. Die Fertigstellung des Großen Grabens, der als Verteidigungsmaßnahme das Vorankommen der Kavallerie der Liao behinderte, veranlasste die Liao dazu, einen Waffenstillstand zu verhandeln: Eventually, the completion of the 'Great Ditch' as an effective defensive blockade which slowed the advance of Liao cavalry forced the Liao to request a truce. Die Verhandlungen führten zum Vertrag von Chanyuan, der im Januar 1005 unterschrieben wurde (in manchen Werken wird wegen des chinesischen Kalenders das Jahr 1004 angegeben) und der zwischen Song und Liao den Status quo ante festlegte. Die Herrscher der Khitan wollten mit der Herrscherfamilie der Song gern Ehebündnisse eingehen, die Song verweigerten dies aber und schlugen symbolische Verwandtschaft vor. Der Vertrag beinhaltete auch Tributzahlungen von Song an Liao und Anerkenntnis der Gleichwertigkeit der Liao. Der Tribut bestand aus 283 kg Silber und 200 000 Ballen Seide, bzw. 500 000 Ballen ab 1042. Für die Wirtschaft von Song bedeuteten diese Tributzahlungen jedoch selbst nach der Tributerhöhung von 1042 keine schwere Bürde. Auch die Menge des Edelmetalls im Besitz der Liao wuchs nicht, weil die Liao das Silber aus den Song-Tributzahlungen dazu nutzten, ihr Außenhandelsdefizit mit Song auszugleichen; somit kam das Silber wieder in den Besitz des Song-Staates oder von Händlern.

Die Song mussten auf gute nachbarschaftliche Beziehungen mit den Liao achten. Sie entsandten fähige Botschafter, um die Liao gütig zu stimmen, wie etwa den bedeutenden Uhrmacher, Ingenieur und Minister Su Song. In Erwartung einer bewaffneten Auseinandersetzung stärkten die Song auch ihr Militär, so dass im Jahr 1022 eine Million Männer unter Waffen waren. Dies bedeutete, dass die Armee drei Viertel der Steuereinnahmen verschlang, verglichen mit den zwei oder drei Prozent, die für die Tributzahlungen an die Liao aufgewendet wurden. Diese Tatsachen führten zu intensiven politischen Auseinandersetzungen am Hofe der Song; die Liao-Dynastie stürzte im Jahre 1125.

Westliche Xia-Dynastie mini|Territorien der Nördlichen Song-, Liao- und Xia-Dynastien